Dienstag, 24. Februar 2026

Aus dem Leben: Die Sache mit den Computerspielen – Generationen, Geduld und ein bisschen Gnade

Neulich auf der Arbeit kamen wir auf das Thema Computerspiele zu sprechen. Meine Arbeitskollegen sind eine bunte Mischung – vom recht jungen Alter bis hin zu denen, die schon einige Jahrzehnte Berufserfahrung auf dem Rücken haben. Für mich war dieses Gespräch sehr spannend, ja sogar augenöffnend.

Ich selbst bin inzwischen in meinen Vierzigern und kann mich noch sehr gut an meine ersten Begegnungen mit Computerspielen erinnern. Die ersten Spiele, die ich sah, waren bei meiner Tante. Ich denke, es war ein Commodore mit Kassettenlaufwerk, und später auch ein Atari – ganz sicher bin ich mir da nicht mehr, es ist ja schon ein Weilchen her. Auf jeden Fall war das für mich als Kind vor allem spannend und ungewohnt, etwas, womit ich einfach gern gespielt habe.

Später wurden wir als Familie dann selbst stolze Besitzer eines „richtigen“ Computers, den meine Mama noch „einrichten“, also programmieren musste. MS-DOS – wer erinnert sich noch daran? Für meine damaligen Kinderaugen war das alles unglaublich neu und aufregend.

Heute blicke ich zurück und staune, wie weit wir in gerade einmal dreißig, vierzig Jahren gekommen sind. Heute tragen wir kleine Computer in unseren Taschen, wischen mit dem Finger über Bildschirme und sind mit der ganzen Welt verbunden. Es ist wirklich erstaunlich, was der Mensch in so kurzer Zeit erfinden konnte.

Wenn ich an diese frühen Jahre denke, erinnere ich mich vor allem an die einfache, kindliche Freude. Die Spiele waren für mich in erster Linie Spaß – etwas, auf das ich mich gefreut habe, wenn ich wieder spielen durfte. Es war nichts Pädagogisches, sondern etwas Besonderes im Alltag, einfach die Vorfreude darauf, wieder an den Computer zu dürfen und zu sehen, was passiert. Im Rückblick sehe ich, dass ich dabei trotzdem einiges geübt habe – aber damals stand für mich einfach die Freude am Spielen im Vordergrund.



Zurück zu unserem Gespräch im Büro: Wir Älteren schwelgten in Erinnerungen an Spiele wie „Prince of Persia“, „Boulder Dash“ und „Lemmings“ und daran, wie lange man manchmal an bestimmten Leveln festhing. Manchmal wirklich wochenlang. Und dann kam die erstaunte Reaktion der jüngeren Kollegen: „Wochen??? Das Spiel  würde ich gar nicht erst spielen.“

Dieser Satz ist mir nachgegangen. Ich habe eine Weile darüber nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass der Unterschied zwischen den Spielen von damals und vielen Spielen von heute unsere Gesellschaft sehr gut widerspiegelt.

Damals mussten wir beim Spielen einiges lernen, ohne dass es jemand so genannt hat. Wir lernten Geduld, weil wir dieselbe Stelle immer und immer wieder versuchen mussten und die Freude, wenn es gelungen war. Wir lernten, mit unseren Gefühlen umzugehen: die Wut, wenn das letzte Leben verloren war, die Enttäuschung, wieder von vorne anfangen zu müssen, und dann der Entschluss: „Ich probiere es noch einmal.“ Wir mussten aushalten, dass etwas nicht auf Anhieb klappt.

Es gab kaum eingebaute Hilfen. Keine kleinen Pfeile, die den Weg zeigen, keine ausführlichen Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Wenn wir Glück hatten, hatten Freunde das gleiche Spiel und waren schon etwas weiter. Dann hat man sich Tipps gegeben, gemeinsam überlegt, ausprobiert – so entstand ein Miteinander. Wir lernten also auch, uns gegenseitig zu helfen, uns auszutauschen und Lösungen gemeinsam zu suchen.

Und wir lernten, wie sich echter Erfolg anfühlt. Wenn man nach vielen Versuchen ein schweres Level endlich geschafft hatte – ohne Hilfe von außen – war das ein wunderbares Gefühl. Man wusste: „Das habe ich mir erarbeitet. Ich bin drangeblieben.“ Diese Mischung aus Frust aushalten, weitermachen und dann Erfolg erleben, hinterlässt Spuren in einem. Das hat uns innerlich gestärkt.

Wenn ich mir viele Spiele von heute anschaue, wirkt vieles anders. Die meisten speichern automatisch ständig den Fortschritt. Man muss nicht mehr mühsam von vorne anfangen und sich den Weg erneut erarbeiten. Man landet einfach wieder direkt vor dem Hindernis. Wenn man nicht weiterkommt, kann man in wenigen Sekunden im Internet nach einer Lösung suchen und dann ohne große Mühe weiterspielen.

Natürlich kann das bequem sein und macht auch Spaß. Vielleicht gibt es einen kurzen Moment der Freude, wenn man endlich weiterkommt. Aber dieses tiefe Gefühl, etwas wirklich geschafft zu haben, weil man lange und geduldig daran gearbeitet hat, entsteht dabei viel seltener. Die Fähigkeit, schwierige Aufgaben Schritt für Schritt selbst zu lösen, wird so – aus meiner Sicht – weniger trainiert.

Unser Inneres gewöhnt sich leicht an schnelle Belohnung: ein Klick, ein Erfolg, ein kurzer Glücksmoment. Doch Geduld, Ausdauer und das Aushalten von Frust brauchen Zeit. Sie entstehen nicht, wenn der Weg immer gleich mitgeliefert wird. Wenn Spiele uns ständig den nächsten Schritt zeigen, gewöhnen wir uns daran, geführt zu werden, statt selbst den Weg zu suchen.

Ich merke das, wenn ich an viele Jugendliche und junge Erwachsene im Arbeitsleben denke.
Gefühle wie Frust oder Langeweile werden oft nicht mehr ausgehalten, sondern möglichst schnell „weggedrückt“.
Geduld ist selten gefragt – alles soll schnell gehen, möglichst ohne Umwege.
Lösungen sollen am liebsten sofort und möglichst einfach vor einem liegen, so wie ein blinkender Hinweis im Spiel.

Im Alltag sieht das dann zum Beispiel so aus: Eine Aufgabe wird schnell als „zu schwer“ oder „zu kompliziert“ eingestuft, wenn die Lösung nicht sofort klar ist. Viele wünschen sich, dass jemand ständig danebensteht und jeden Schritt erklärt, so wie eine eingebaute Hilfe im Spiel. Das Aushalten von Unsicherheit – also eine Aufgabe zu beginnen, ohne alles von Anfang an zu wissen – fällt vielen schwer.


Gleichzeitig möchte ich nicht sagen: Früher war alles besser, heute ist alles schlecht. Auch moderne Spiele haben ihre guten Seiten. Sie können Reaktionsvermögen schulen, Zusammenarbeit in Gruppen fördern und in großen, komplexen Spielwelten auch anspruchsvolle Aufgaben bieten. Manche nutzen Spiele sogar ganz bewusst, um nach einem schweren Tag zur Ruhe zu kommen oder sich abzulenken. 
Eine Frage beschäftigt mich allerdings, warum gibt es so überaus viele Spiele, die auf Verletzung oder gar Vernichtung des Gegenübers angelegt sind?

Und deshalb mache ich mir Gedanken-
Welche Fähigkeiten werden durch die Art, wie wir spielen heute nicht mehr geübt – und welche üben wir heute?   Stärkere Aussage Früher haben wir im Spiel ganz nebenbei gelernt, Frust auszuhalten, dranzubleiben und den eigenen Ärger zu beruhigen. Heute sind viele Wege bequemer geworden, aber vielleicht zahlen wir an anderer Stelle einen Preis dafür.

Und trotzdem erlebe ich unsere jungen Kollegen nicht als „verlorene Generation“, im Gegenteil. Viele von ihnen sind freundlich, motiviert und erstaunlich lernbereit. Wenn man sich Zeit nimmt, Dinge zu erklären und Hintergründe zu teilen, merkt man, wie schnell sie aufnehmen und wie offen sie für Neues sind. Vielleicht ist genau das unsere gemeinsame Chance: Wir bringen Geduld, Erfahrung und eine gewisse Frusttoleranz mit, sie bringen frische Ideen, Tempo und einen ganz eigenen Blick auf die Welt. Wenn wir beides miteinander verbinden, kann daraus etwas sehr Wertvolles entstehen.


Am Ende bin ich dankbar, dass Gott uns durch alle Generationen begleitet – die mit Diskette, die mit CD und die mit Download. Wir alle, ich eingeschlossen, brauchen diese Liebe und Geduld immer wieder neu. Er schenkt uns eine Liebe, die geduldig ist, und eine Geduld, die den anderen – und auch uns selbst – nicht fallen lässt.



In diesem Sinne Eure Lizzy



Bilderquellen: 
https://images.techadvisor.com/cmsdata/features/3787146/retro-replay-lemmings_level3.png
https://boulder-dash.com/wp-content/uploads/2019/11/Boulder-Dash-Commodore-64.jpg
https://www.perplexity.ai/


Dienstag, 10. Februar 2026

Die Sache mit den unbemerkten Alltagsgötzen


Vor einiger Zeit hatte ich einen Beitrag zum Thema Götzen im Haus geschrieben, den könnt ihr hier finden, und das Thema beschäftigt mich immer noch – aber auf einer anderen Ebene. Die Götzen im Alltag, oder besser noch: in der Freizeit.

Während meiner Recherchen für den Blog finde ich mich häufig auf YouTube wieder, ich sehe mir Predigten von den verschiedensten Lehrern an – gute, irreführende und ziemlich viel dazwischen.
Da fällt mir gleich das Zitat von Charles Spurgeon ein:

„Unterscheidungsvermögen heißt nicht, den Unterschied zwischen richtig und falsch zu kennen, sondern den Unterschied zwischen richtig und fast richtig.“

Aber darum soll es heute gar nicht gehen. Worum es mir eigentlich geht, ist eine Falle, in die ich neulich mal wieder getappt bin.



Ich suche also Videos zum Thema, und in den Empfehlungen erscheint mir dieses Kurzvideo mit einem niedlichen Katzenpaar. Wie niedlich nur mal nur schnell draufgedrückt dachte ich… eine halbe Stunde später tauchte ich wieder auf. Dreißig Minuten verschwendete Zeit in einem Alltag, der sich sowieso schon anfühlt, als hätte er zu wenig Stunden. Eine halbe Stunde gefüllt mit nichts Wertvollem – eigentlich nur viel Lärm und gedönst.

Versteht mich nicht falsch: Ab und zu abschalten ist völlig in Ordnung und auch nötig. Ein lustiges Video, ein wenig Leichtigkeit – das ist nichts Böses. Aber an diesem Tag war mein Ziel ein anderes gewesen. Und genau das löste mal wieder eine meiner inneren Gedankenkaskaden aus. Wieviel Zeit geben wir gewollt oder ungewollt den „Geistern des Alltags“? Wie viel Zeit rauben wir unserer Familie und Gott mit sinnlosem Wischen über Bildschirme?Und das löste bei mir mal wieder eine meiner Gedankenketten aus:

Wie viel Zeit geben wir gewollt oder ungewollt den „Geistern des Alltags“? Wie viel Zeit rauben wir unserer Familie und Gott mit sinnlosem Wischen über Bildschirme?

Ich ertappe mich immer wieder bei dem Wunsch nach der Zeit vor den Smartphones. Eine Zeit, in der Familien noch am Tisch saßen, miteinander sprachen und Kinder in Gespräche einbezogen wurden, statt vor Handy oder Tablet „geparkt“ zu werden, damit sie ruhig sind.

Ich sehe junge Mütter und Väter, zutiefst in ihrem Bildschirm versunken, während ihre Kinder versuchen, ihre Aufmerksamkeit zu bekommen – und mir bricht das Herz. Was kann denn nur so wichtig sein, dass man seine Kinder und seine Umwelt kaum noch wahrnimmt?

Wie viel geht einem Menschen und gerade Kindern dadurch verloren? An Nähe, Zuwendung und menschlicher Verbindung?
Ich mache mir Sorgen um die neuen Generationen – ihnen geht durch die heutige Technik elementare menschliche Bindung 
echte Präsenz, der Blick in Augen statt auf Displays.




Und, ganz wichtig für uns Christen: Wo bleibt Gott?
Wo bleibt die Zeit für Gebet und Reflexion? Wie, in all diesem Lärm, soll der Heilige Geist denn zu uns sprechen?

Viele beschweren sich: „Gott antwortet mir nie.“
Wirklich? Oder ist unser Alltag so voll von Lärm und Ablenkung, dass wir Ihn nicht hören?

Die Frage ist eine von Prioritäten: Wer nimmt welchen Platz ein – und in welchem Ausmaß?
Wird die Liebe zum Fußball fanatisch? Muss jedes Spiel verfolgt und jedes Trikot gekauft werden? Steht das Fußballspiel vor dem Gottesdienst?
Ist die Netflix-Serie wichtiger als das gemeinsame Abendbrot?
Ist das spannende Buch wichtiger als ein Kartenspiel mit den Kindern?

Wem oder was schenken wir unsere Aufmerksamkeit?
Stellt euch einmal vor, wie intensiv unsere Beziehung zu Jesus sein könnte, wenn wir Ihm nur einen Teil der Zeit schenken würden, die täglich in Serien, Feeds, Kurzvideos und Endlos-Scrollen fließt. Nicht als fromme Leistung, sondern als echte, bewusste Hinwendung: Blick weg vom Bildschirm, Blick hin zu Ihm.


Ich habe so viele Beispiele im Kopf – auch viele, bei denen ich selbst schuldig bin –, dass ich sie gar nicht alle erfassen und aufschreiben kann. Es ist, wie so häufig, ein sehr breites und persönliches Thema, und jeder muss also mit sich selbst ins Gericht gehen. Aber ich denke, es ist den einen oder anderen Gedanken wert.

Und wer weiß, vielleicht fasse ich dieses Thema noch in der Zukunft auf – ich bin ja schließlich nicht ganz unschuldig in diesem Bereich.


In diesem Sinne,





Eure nachdenkliche Lizzy