Dienstag, 13. Oktober 2026

Zweiter Nachtrag zur Sache mit dem 5. Gebot: Wenn das eigene Nein nicht zählt

Wer Interesse an den vorhergehenden Beiträgen hat, findet hier den ursprünglichen Beitrag und hier den ersten Nachtrag.

Wieder bin ich auf einen Bericht gestoßen, der mich nicht loslässt. Diesmal geht es um Brigitte Stegemann, eine 83-jährige christliche Frau in Kanada. Legitim berichtet unter Berufung auf die Daily Mail und die Aussagen ihrer Enkelin, dass ihr Leben durch MAID gegen ihren Willen beendet worden sei.

Was mich besonders erschüttert: Nach den Aussagen ihrer Enkelin hatte Brigitte bereits beim ersten Gespräch über MAID klar gesagt: „Nein, das will ich nicht.“ Ihre Enkelin hatte ihr nach der Krebsdiagnose die verschiedenen Möglichkeiten erklärt, auch die medizinische Hilfe beim Sterben. Brigitte habe diese ausdrücklich abgelehnt. Ihr christlicher Glaube habe dabei eine wichtige Rolle gespielt.

Später fanden dennoch Gespräche und Beurteilungen zu MAID statt. Die Enkelin berichtet, dass ihre Großmutter stark hörgeschädigt war und Englisch nicht ihre Muttersprache war. Bei einem Gespräch habe die Ärztin weder von „Tod“ noch von „Sterben“ gesprochen, sondern von Medikamenten, Frieden und Schmerzfreiheit. Als die Enkelin ihrer Großmutter zwei Tage vor dem vorgesehenen Termin ausdrücklich erklärte, dass sie am Freitag sterben werde, sei diese fassungslos gewesen und habe unter Tränen gesagt: „Ich habe einen Fehler gemacht.“

Nach Darstellung der Enkelin gab Brigitte auch am Tag ihres Todes keine ausdrückliche Zustimmung mehr. Sie habe weder gesprochen noch genickt, als die Ärztin sie fragte, ob die Verabreichung der Medikamente für sie in Ordnung sei. Dennoch sei fortgefahren worden.

Auch hier möchte ich ehrlich bleiben und darauf hinweisen, dass es sich um schwere Vorwürfe handelt, die in diesem Bericht vor allem auf dem persönlichen Zeugnis der Enkelin beruhen. Der Artikel gibt zugleich wieder, dass die behandelnden Ärzte und das Pflegeheim von einer rechtmäßigen Einwilligung ausgegangen seien. Eine abschließende Klärung enthält der Bericht nicht. Laut der darin zitierten Polizei von Belleville wird der Vorfall untersucht.

Aber gerade deshalb dürfen diese Fragen nicht verschwinden. Was bedeutet Einwilligung, wenn ein Mensch möglicherweise nicht versteht, wozu er einwilligt? Wie wird sichergestellt, dass ein anfangs deutlich ausgesprochenes Nein respektiert wird und jede spätere Entscheidung wirklich verstanden und freiwillig getroffen ist?

Was nützen Regeln und Gutachten, oder anders gefragt, wie schützen Regeln und Gutachten überhaupt, wenn das Nein eines Menschen möglicherweise nicht ernst genommen wird? Wer stellt sicher, dass gerade die Menschen gehört werden, die sich selbst kaum noch Gehör verschaffen können?

Für mich bleibt der christliche Auftrag derselbe. Bei dem Menschen bleiben. Schmerzen lindern. Zuhören. Ihn nicht auf seine Krankheit oder seine Abhängigkeit reduzieren. Sein Leben verliert nicht an Würde, nur weil er Hilfe braucht.


In diesem immer noch sehr nachdenklichen Sinne,


Eure Lizzy


Quellen: legitim (Deutsch)

              Dailymail (Englisch)


Dienstag, 6. Oktober 2026

Plauderecke: Muss Gott auf uns warten?

Neulich sah ich online ein kurzes Video, in dem es um die Versorgung Gottes ging. Auf den ersten Blick eine rührende Geschichte mit einer wichtigen Botschaft, auf den zweiten Blick etwas problematisch. Wie so oft war auch ich erst einmal von der Geschichte bewegt, aber irgendetwas stimmte nicht. Kennt ihr das? Man weiß, dass da irgendwo ein Fehler liegt, aber es dauert einen Moment, bis man ihn findet.

Ich habe mich entschieden, die Dinge hier so anonym wie möglich zu halten. Denn obwohl ich Einwände und Fragen habe, möchte ich keinen Bruder und keine Schwester im Glauben verletzen oder verurteilen. Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich selbst solche Geschichten gehört habe, ohne die Erklärung dahinter genauer zu hinterfragen.

Noch etwas, bevor ich weiterschreibe. Bei dieser Art von Zeugnissen fällt mir häufig auf, dass sie von anderen weitererzählt werden, oft recht anonym und nicht überprüfbar. Ich weiß, dass das an sich nicht unbedingt ein Problem sein muss. Aber in bestimmten „Ecken“ des Christentums scheinen solche Zeugnisse eher dazu zu dienen, geistliche Lektionen zu erteilen, ohne für die Aussagen persönlich Verantwortung zu tragen. Und diese Lektionen sind nicht unbedingt biblisch. Eine bewegende Geschichte macht die Erklärung, die man daraus ableitet, nicht automatisch richtig.


Worum ging es also in dem Video? In einem Interview beschrieb jemand folgendes Szenario.

Eine Missionarsfamilie glaubte, von Gott den Auftrag bekommen zu haben, ihr Auto einer anderen Familie zu geben. Die „Stimme“, die ihnen zu diesem Auto verholfen hatte, forderte sie nun dazu auf, es weiterzugeben. Das taten sie im festen Glauben, dass Gott wieder für sie sorgen würde. Ein anderes Auto hatten sie nicht.

Nun verging die Zeit, aber ein Ersatz kam nicht. Das Leben ohne Auto brachte finanzielle Schwierigkeiten mit sich, bis hin zu Schulden. Schließlich begann der Missionar daran zu zweifeln, ob er Gott richtig verstanden hatte.

Irgendwann kam ein Ehepaar und erklärte, Gott habe ihnen gesagt, sie sollten der Familie ein Auto kaufen.

Die Erleichterung war natürlich groß. Trotzdem beschäftigte den Missionar die Zeit davor. Er fragte Gott, ob er etwas falsch gemacht habe. Warum war die Zeit zwischen dem Weggeben des Autos und dem Erhalt eines anderen so schmerzhaft gewesen, wenn er doch gehorsam gewesen war?

Die Antwort, die er laut der Erzählung von Gott erhielt, war sinngemäß folgende: Er habe bereits zehn Menschen aufgefordert, ihnen ein Auto zu geben. Dieses Ehepaar sei das erste gewesen, das ihm gehorcht habe.

Am Ende der Geschichte kam es zu Ahhs und Ohhs. Wie oft hatte die eigene Angst wohl schon dazu geführt, dass jemand anderes eine Hilfe nicht bekam, die Gott ihm zugedacht hatte?

Ja, unser Gehorsam ist wichtig, und unser Ungehorsam kann anderen schaden. Das ist nicht falsch, aber …

Dieses Video blieb mir im Kopf, und ich entschied mich, es noch einmal anzusehen. Unter den Kommentaren fand ich genau den Einwand, zu dem ich selbst gekommen war: Man reduziert den Gott der Schöpfung auf ein hilfloses Wesen, das auf unsere Mitarbeit angewiesen ist.

Das war deutlich formuliert, aber ich konnte dem Gedanken zustimmen. Denn in der Geschichte, zumindest so, wie sie erzählt wurde, brachte das Warten auf den Gehorsam anderer die Missionarsfamilie in schwere Zeiten.

Gott wollte sie versorgen, aber andere gehorchten nicht. Also mussten sie warten, bis endlich jemand mitmachte.


Das war einer meiner Hauptpunkte, aber es gab noch andere. Dazu später mehr.

In den Antworten wurde dann auf biblische Geschichten verwiesen, in denen Menschen ungehorsam waren oder ihren Auftrag zunächst nicht erfüllten. Der Gedanke dahinter war offenbar: Auch dort mussten andere warten, oder jemand anderes musste eine Aufgabe übernehmen.

Aber was belegt das eigentlich? Dass Menschen ungehorsam sind und ihr Verhalten Folgen hat? Das stand gar nicht zur Debatte. Die Frage war doch, ob Gott deshalb auf ihren Gehorsam angewiesen ist.

Nehmen wir Mose. Er sollte zum Felsen sprechen, schlug aber darauf. Trotzdem kam Wasser hervor. Das Volk und seine Tiere bekamen zu trinken. Mose und Aaron wurden für ihr Verhalten zur Verantwortung gezogen, aber Gott hielt die Versorgung nicht zurück, bis jemand den Auftrag richtig ausführte. Genau darin liegt für mich ein entscheidender Unterschied zur erzählten Geschichte.

Der Ungehorsam blieb nicht ohne Folgen. Aber er machte Gott nicht unfähig, das Volk zu versorgen.

Ein weiteres Beispiel wäre Jona, aber da muss man etwas genauer hinsehen. Ja, er lief zunächst vor seinem Auftrag davon. Aber die Erzählung berichtet nicht davon, dass die Menschen in Ninive deshalb in eine zusätzliche Not gerieten, während Gott auf einen gehorsamen Propheten warten musste. Die Ankündigung des Gerichts in vierzig Tagen erfolgte erst, als Jona in der Stadt predigte.

Damit will ich nicht behaupten, wir wüssten alles darüber, was während seiner Flucht in Ninive geschah. Aber „Ninive musste auf Jona warten“ ist noch kein Beleg für den Zusammenhang, den die Geschichte über die Missionarsfamilie herstellt.

Denn dort wurde die schmerzhafte Wartezeit ausdrücklich damit erklärt, dass andere Menschen nicht gehorcht hätten. Nicht nur: Menschen verweigerten ihre Hilfe. Sondern: Die Versorgung, die Gott der Familie zugedacht hatte, blieb deshalb aus.

Und genau hier muss man unterscheiden.

Wenn ich jemandem nicht helfe, obwohl ich helfen könnte, kann dieser Mensch darunter leiden. Das ist meine Verantwortung. Aber daraus folgt nicht, dass Gott ebenfalls auf meine Hilfe angewiesen ist.

Gott kann durch mich handeln. Das bedeutet nicht, dass er ohne mich nicht handeln kann. Paulus beschreibt den Schöpfer ausdrücklich als denjenigen, der selbst allen Leben, Atem und alles andere gibt, nicht als jemanden, der etwas von uns benötigt.

Deshalb reicht es nicht, auf irgendeine Geschichte über menschliches Versagen zu verweisen. Man muss fragen, ob sie tatsächlich zeigt, was damit begründet werden soll.

Mein Einwand richtet sich nicht gegen die Aufforderung zum Gehorsam. Er richtet sich gegen eine Erklärung, dass Gott von unserem Gehorsam abhängig ist.
 
Quelle: unbekannt


Das bringt mich zu einem Punkt, der mir persönlich fast noch wichtiger ist. Wenn ich ehrlich bin, störe ich mich an dem Wort „Stimme“. In der Erzählung hieß es, dass die Stimme, die ihnen das Auto gegeben hatte, es nun wieder abverlangte.

Nun leben wir in einer geistlichen Realität, in der viele Stimmen sprechen, und die Bibel fordert uns ausdrücklich auf, die Geister zu prüfen. Ich möchte hier gar nicht behaupten, dass es nicht Gott war, der die Familie um ein Opfer bat. Das weiß ich nicht. Aber die ganzen Umstände machen mich schon nachdenklich und führen mich zu Fragen, die ich bei solchen Geschichten immer wieder stelle.

Woher kommt eigentlich der Gedanke, dass wir, wenn wir etwas für Gott aufgeben, automatisch etwas Neues, Besseres oder einen Ersatz zurückbekommen? Widerspricht diese Erwartung nicht dem Wesen einer echten Opfergabe? Wenn ich etwas hingebe und davon ausgehe, dass Gott es mir wieder ersetzt, gebe ich es dann wirklich hin, oder tausche ich es gegen etwas ein, das ich von ihm erwarte?

Und warum wird der ausbleibende Ersatz dann zum Anlass, daran zu zweifeln, ob Gott gesprochen hat? Hatte Gott Ersatz zugesagt, oder war das die eigene Schlussfolgerung?
 
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Ganz praktisch gefragt: Hätte es nicht auch gereicht, in diesem Fall das Auto einfach zu verleihen?

Und warum dieser riesige Umweg über mehrere Familien? Warum hilft Gott der bedürftigen Familie nicht einfach direkt? Meint man, es fehlt ihr der richtige Glaube oder der Draht nach oben? Natürlich kann er Menschen gebrauchen. Aber warum wird seine Versorgung in dieser Geschichte so dargestellt, als müsse sie diesen Umweg nehmen und sei dann auch noch an den Gehorsam Dritter gebunden?

Das klingt fast so, als bräuchte der Gott der Schöpfung uns als zwingende Partner, um seinen Willen auf Erden auszuführen. Und genau darin liegt für mich der Unterschied: Gott gebraucht Menschen. Aber ist er deshalb auf sie angewiesen?

Und damit komme ich noch einmal zu der „Stimme“ zurück. Wenn Gehorsam gegenüber einer Stimme erwartet wird, ohne dass man selbst am Wort prüft, wer da eigentlich spricht, kann daraus schnell Manipulation werden. Besonders dann, wenn Angst ins Spiel kommt: Wenn ich nicht gehorche, enttäusche ich Gott. Dann muss er sich jemand anderen suchen. Und bis dahin leiden womöglich noch andere Menschen wegen mir.

Dann geht es nicht mehr nur um die Frage, ob ich helfen kann und soll. Plötzlich soll ich auch die Verantwortung dafür tragen, dass Gottes Versorgung für jemand anderen ausbleibt. Eine Geschichte, die zum Vertrauen ermutigen soll, erzeugt so Druck und Schuldgefühle.

Ich unterstelle dem Erzähler nicht, dass er das beabsichtigt. Aber genau deshalb müssen wir nicht nur auf die gute Absicht schauen, sondern auch darauf, was mit solchen Geschichten gelehrt wird.

Gehorsam gegenüber Gott ist wichtig. Aber nicht jede Stimme ist Gottes Stimme, und nicht jede Aufforderung zum Gehorsam ist deshalb schon biblisch. Gott gebraucht uns. Das macht uns verantwortlich für unser Handeln, aber nicht dafür, dass er ohne uns angeblich nicht weiterkommt.

In diesem Sinne: Taucht tief in Gottes Wort ein und prüft alles im Licht seiner Wahrheit.



Eure Lizzy



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Dienstag, 29. September 2026

Die Archäologische Bibel (4): Die Tel-Dan-Stele

Das Haus Davids im Blick seiner Nachbarn


Manchmal findet man einen besonderen Stein, einen Stein, dessen Inschrift einen kleinen Einblick in vergangene Ereignisse gibt, ohne die ganze Geschichte zu erzählen. Die Tel-Dan-Stele ist so ein Fund. Sie berichtet von Kriegen und Siegen im 9. Jahrhundert vor Christus. Und mitten in ihrem Bericht taucht eine Formulierung auf, die auch für Leser der Bibel besonders interessant sein sollte: das „Haus Davids“.


Die Stele wurde 1993 bei Ausgrabungen in Tel Dan entdeckt, im Norden Israels, nahe dem Berg Hermon. Weitere Bruchstücke kamen später hinzu. Zusammengesetzt ergeben sie Teile einer aramäischen Inschrift. Der König, der darin spricht, rühmt sich seiner militärischen Erfolge. Die Inschrift wird gewöhnlich Hasaël zugeschrieben, dem König von Aram-Damaskus.

Die Stele wird, wie bereits erwähnt, ins 9. Jahrhundert vor Christus datiert. Viele Forscher verbinden sie mit Hasaël und setzen sie ungefähr um 840 v. Chr. an. Eine spätere Datierung, unter Hasaëls Sohn Bar-Hadad, wird ebenfalls diskutiert. So oder so liegt die Inschrift nur wenige Generationen nach der Zeit, in der David gewöhnlich angesetzt wird. Sie zeigt, dass die Bezeichnung „Haus Davids“ bereits früh als Name einer Königslinie bekannt war.

Ein bemerkenswerter Name

„Haus Davids“ meint hier nicht ein Gebäude. Gemeint ist eine Königslinie, die mit David verbunden wurde. Das ist wichtig, denn die Inschrift stammt nicht aus der Bibel. Ein aramäischer König bezeichnet Juda mit dem Namen einer Dynastie, die auf David zurückgeführt wird.

Die Stele beweist natürlich nicht jedes Detail aus den Erzählungen über David. Sie sagt nichts über Goliath oder die Psalmen und beschreibt auch nicht Davids Leben. Doch sie zeigt, dass die Verbindung zwischen David und einer judäischen Königslinie im 9. Jahrhundert vor Christus bekannt war. Ein fremder König verwendete diese Bezeichnung in einem politischen Bericht über seine Gegner.

Das passt zu der biblischen Überlieferung, nach der David am Anfang der Königslinie von Juda stand. Die Stele ersetzt die biblischen Texte natürlich nicht. Aber sie gibt uns eine weitere Stimme aus der damaligen Welt und bestätigt, dass der Name Davids in der Geschichte der judäischen Könige eine erkennbare Bedeutung hatte.


Ein König feiert seinen Sieg

Die Tel-Dan-Stele war keine neutrale Chronik. Wie auch der Moabiter Stein diente sie dazu, die Macht des regierenden Königs zu verkünden. Auch König Hasaël wollte, dass alle von seinen Erfolgen erfuhren. Er stellte sich, wie damals üblich, als siegreichen König dar und führte seine Erfolge auf seinen Gott Hadad zurück. Die Stele zeigt also vor allem Hasaëls eigene Sicht auf die Ereignisse. Trotzdem hilft sie uns, die politische Welt jener Zeit besser zu verstehen.

Könige ließen ihre Siege in Stein schreiben, damit ihre Untertanen und Nachbarn von ihrer Macht erfuhren. Eine solche Inschrift erzählte aus dem Blickwinkel des Königs, der den Stein aufstellen ließ. Auch die Bibel berichtet von den Kämpfen zwischen Israel, Juda und Aram. Die Tel-Dan-Stele führt uns also in dieselbe politische Welt wie die biblischen Erzählungen. Sie zeigt, dass die Königreiche und Konflikte, von denen die Bibel spricht, in einem konkreten historischen Umfeld standen.


Joram und Ahasja

Bei einem Punkt unterscheiden sich die Berichte. Hasaël schreibt auf der Stele, er habe Joram, den König von Israel, und Ahasja, den König des „Hauses Davids“, getötet. In 2. Könige 9 wird erzählt, dass Jehu Joram erschoss. Ahasja floh nach der Begegnung mit Jehu und starb später an seinen Verletzungen. 2. Chronik 22 berichtet ebenfalls von diesem Machtwechsel und von Ahasjas Tod, erzählt die letzten Ereignisse aber anders: Ahasja wird dort gefangen genommen und zu Jehu gebracht.

Beide biblischen Kapitel berichten also von demselben Aufstand Jehus und vom Ende Ahasjas. Der Chronist erzählt die Ereignisse aus einem anderen Blickwinkel und richtet seine Aufmerksamkeit stärker auf den König von Juda und seine Verbindung zum Haus Ahab. Die Einzelheiten stimmen nicht vollständig überein. Die Tel-Dan-Stele allein kann uns nicht sagen, wie genau alles ablief. Hasaël könnte den Sieg für sich beansprucht haben, obwohl Jehu die Könige unmittelbar tötete. Das bleibt eine Möglichkeit, keine Gewissheit.

In 2. Könige geht es nicht nur um einen Wechsel auf dem Thron. Der Verfasser zeigt, wie Jehus Aufstieg mit Gottes Gericht über das Haus Ahab verbunden wird. Der Prophet kündigt an, dass Jehu gegen Ahabs Familie vorgehen soll. Die Geschichte wird aus einer theologischen Perspektive erzählt: Macht und politische Ereignisse stehen nicht außerhalb von Gottes Handeln.

Der Chronist setzt andere Akzente. Er richtet den Blick besonders auf die Könige von Juda und ihre Treue zu Gott. Deshalb erzählt er Ahasjas Ende anders und macht seine Verbindung zum Haus Ahab zum wichtigen Teil der Erzählung. Die biblischen Autoren berichten nicht nur, was Könige taten. Sie zeigen auch, was diese Ereignisse für Gottes Volk bedeuten.


Was der Stein bezeugt

Die Tel-Dan-Stele erzählt nicht die ganze Geschichte Davids. Aber sie bewahrt einen Namen, der im Zentrum der biblischen Königsgeschichte steht. Ein aramäischer König wollte seine Siege verewigen und erwähnte dabei das „Haus Davids“. Für uns ist das ein wichtiger Hinweis darauf, dass die davidische Königslinie bereits im 9. Jahrhundert vor Christus bekannt war.

Hasaël wollte seinen Ruhm festhalten. Aus biblischer Sicht lässt sich darin noch etwas anderes sehen: Ein König kann seinen eigenen Plan verfolgen und dennoch nicht außerhalb von Gottes Herrschaft handeln. Sprüche 21,1 sagt: „Wie Wasserbäche ist das Herz des Königs in der Hand des HERRN; er lenkt es, wohin er will.“ Das heißt nicht, dass die Stele selbst diese Botschaft ausspricht. Aber im Licht dieses Verses können wir sie als unbeabsichtigtes Zeugnis dafür lesen, dass selbst die Macht eines fremden Königs Gottes Geschichte nicht auslöschen konnte.

Der Stein erzählt von Hasaëls Anspruch auf den Sieg. Und zugleich bewahrt er den Namen Davids.

Und genau das ist der Grund, warum Archäologie für mich so spannend ist: In einer Zeit, in der Gott und die Bibel von vielen verachtend beiseitegelegt werden, legt Gott Stück für Stück Spuren seiner Geschichte frei, damit alle sie sehen können.

In diesem Sinne: Sei auch du mutig in deinen Nachforschungen und freue dich über jede gefundene Wahrheit.


Eure Lizzy

Quellen:

The Jewish Museum: Tel Dan Stele

Bible Odyssey: The Tel Dan Inscription

Biblical Archaeology Society: The Tel Dan Inscription

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Bilderquellen:

    https://www.canva.com
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