Dienstag, 7. April 2026

Plauderecke – Der weiteste Weg

Neulich habe ich mal wieder festgestellt, wie schwierig es manchmal sein kann, angesammeltes Kopfwissen in Herzsicherheit umzuwandeln. Vor einigen Tagen in meiner Firma ,ich halte die Details bewusst vage aus offensichtlichen Gründen, zeigte sich wieder einmal, dass Gott oft mitten im Alltäglichen seine leisen Lektionen schreibt. 


Wir haben einen neuen potenziellen Kunden mit einem Investitionspotenzial im sechsstelligen Bereich. Das Problem ist schnell erklärt. Der zuständige Kollege hat das Fachwissen, die Kompetenz und die nötige Motivation, spricht aber kein Deutsch. Also wurde Kollegin Lizzy aus einem anderen Fachgebiet gebeten, auszuhelfen. Kein Problem, ich kann dolmetschen.

Beim ersten Treffen lief alles gut. Alle hatten dasselbe Ziel. Trotzdem wurde ich vom Dolmetscher, trotz fehlenden Fachwissens, plötzlich zum Ansprechpartner.

Warum ich euch das erzähle? Ganz einfach. Der Glaube an einen allmächtigen, gerechten, liebevollen und allgegenwärtigen Gott beschränkt sich nicht auf den Sonntag in der Gemeinde oder die stille Morgenstunde im Bibelstudium. Gelebter Glaube ist Alltag. Jede Minute. Jede Situation. Ist das einfach? Nein.

Auch bei mir wollte sich Angst breitmachen: Angst, das Falsche zu sagen, Angst, diese Investition für die Firma zu verlieren, Unsicherheit in Bezug auf meine eigenen Fähigkeiten … alles zutiefst menschlich.



Aber unser Heiland hat uns versprochen, bei uns zu sein, für immer. Nichts in dieser Welt oder in unserem Leben geschieht, ohne dass der himmlische Vater es erlaubt. Das heißt nicht, dass wir ohne Herausforderungen, Schmerz oder Verlust leben. Aber es heißt, dass wir trotz allem getragen sind.

Es bedeutet, dass Gott einen Plan hat, vorallem auch dann, wenn wir diesen nicht verstehen oder gar erahnen können. In unserer Familie sagen wir oft, dass der liebe Gott 3D-Schach spielt. Mit anderen Worten. Nicht immer scheinen seine Züge Sinn zu ergeben, bis Er am Ende das Schachmatt setzt. Und genau in solchen Momenten wird mir neu bewusst, dass der weiteste Weg auf Erden der vom Kopf ins Herz ist,  denn nur weil ich das weiß, heißt das noch lange nicht, dass ich in jeder Situation automatisch darin lebe.


Wir müssen lernen, dass Gott keine Theorie ist, sondern gelebte Realität, besonders dann, wenn das Leben schwierig wird und sich Angst oder Sorgen einschleichen wollen. Das Wort Gottes ist keine Formel für ein problemloses Leben, sondern lebendig und aktiv; es begegnet uns mitten im Alltag. Gott steht uns in jeder Situation bei, und wir dürfen auf Seine Gnade und Liebe vertrauen. Er ist unser himmlischer Vater, und wie ein Vater führt Er uns geduldig durch alles hindurch. Selbst wenn wir stolpern, bleibt Seine Hand ausgestreckt. Der Kopf mag zweifeln, doch das Herz darf ruhen, in dem Wissen, dass wir geliebt und getragen sind.


In diesem Sinne,


Eure Lizzy

Mittwoch, 25. März 2026

Alle wollen in den Himmel? – Hast du deine Einladung schon angenommen?

Mal wieder ein überraschendes Gespräch

Es passiert mir immer wieder an den unerwartetsten Orten: ein kurzes Gespräch, das plötzlich tief wird. Man redet über Gott und die Welt, wie man so schön sagt, man plaudert über seine Ansichten und ich über meinen Glauben, und plötzlich sagt jemand: „Was glaubst du eigentlich, kommt nach dem Tod?“
Fast reflexartig kommt dann ein Satz, den du wahrscheinlich auch schon gehört hast: „Naja, ich hoffe schon, dass ich in den Himmel komme. Ich bin ja eigentlich ein ganz guter Mensch.“ In diesem Moment spüre ich, wie zwei Welten aufeinanderprallen: unser eigenes Empfinden von „ganz okay“ und Gottes Sicht, wie sie uns die Bibel lehrt.


Gute Menschen kommen in den Himmel...Oder?

Der Gedanke klingt zunächst logisch: Nur gute Menschen gehören in den Himmel. Niemand von uns möchte doch, dass Gewalt, Lüge, Missbrauch oder Egoismus einmal ewig weitergehen.
Also sortieren wir automatisch:
  •  „Die richtig Bösen“ - die gehören natürlich nicht in den Himmel.
  • „Normale Leute wie ich“ - wir sind doch immerhin bemüht, anständig zu sein.
Aber hier beginnt das Problem. Die Bibel sagt nämlich nicht: „Es gibt ein paar sehr böse Menschen und viele ziemlich gute.“ Sie sagt vielmehr: „Da ist kein Gerechter, auch nicht einer“ (Römer 3).
Mit anderen Worten: Wenn wirklich nur absolut gute Menschen in den Himmel kommen, dann hat keiner von uns eine Chance. Das ist die schlechte Nachricht, und sie trifft unseren Stolz sehr hart. Aber gebt jetzt nicht auf, die gute Nachricht kommt noch, versprochen.


Wenn Gott heute Nacht alles Böse beseitigt

Ich habe einmal eine Frage gehört, ich glaube, es war Frank Turek, der sie stellte, und die mich nicht mehr losgelassen hat:
„Stell dir vor, Gott würde heute Nacht um Punkt Mitternacht alles Böse endgültig auslöschen. Wärst du um 00:01 Uhr noch am Leben?“

Wir denken bei „Böse“ fast automatisch zuerst an andere: Kriminelle, korrupte Politiker, skrupellose Menschen, die andere übervorteilen und sich an anderen bereichern … es gibt reichlich Beispiele für die, die wir als ungerecht oder böse empfinden.
  • Doch die Bibel fängt nicht bei „den Anderen“ an, sondern bei mir. Jesus verschärft das Gesetz so, dass es mitten ins Herz trifft: Wer einen Menschen grundlos haßt, ist in Gottes Augen schon ein Mörder.
  •  Wer mit begehrlichem Blick schaut, hat in seinem Herzen bereits die Grenze der Ehe überschritten (vgl. Matthäus 5).
  • Vom zweiten Gebot gar nicht erst zu reden, vor allem im englischen Sprachraum, wo Jesus und Gott regelrecht als Schimpfworte benutzt werden.
Wer mußte mal schnell nachschauen? 😉

Aber Spaß beiseite: Wenn Gott also wirklich alles Böse samt seiner Wurzel entfernen würde: Egoismus, Stolz, Ungeduld, Gleichgültigkeit und so weiter und so fort, dann würde Er nicht nur „die ganz Schlimmen“ treffen.

Er würde mich treffen.

Das ist der Moment, in dem der Satz „Ich bin doch ein guter Mensch“ zerbricht.


Das Gesetz: Der Spiegel, der uns entlarvt

Um das deutlich zu machen, helfen die Zehn Gebote. Nicht als fromme Deko an Kirchenwänden, sondern als Spiegel, der zeigt, wie es um uns steht.
Ein paar Beispiele:
  • Du sollst keine anderen Götter haben neben Mir.“ - Gott an erster Stelle, jeden Tag, in jeder Entscheidung. Trifft das auf mein Leben zu?
  • „Du sollst nicht lügen.“ - Wie häufig haben wir da versagt? Notlügen in all ihren Formen – ob gut gemeint oder zum Schutz gedacht – bleiben am Ende des Tages Lügen.
  • „Du sollst nicht begehren.“ - Wie war das mit des Nachbarn Auto, des alten Schulkollegens Erfolg, der neuen Spielkonsole des Freundes, dem tollen Urlaub, den sich ein Bekannter leisten konnte …

Das Gesetz ist nicht das Problem.

Das Problem bin immer noch ich – ich, in meiner gefallenen Natur, ich in der Not der Erlösung.

Die Gebote Gottes sind wie ein medizinischer Test: Sie machen die Krankheit sichtbar, heilen aber nicht. Genau so beschreibt es Paulus: Durch das Gesetz „erkennen“ wir die Sünde (Römer 3). Es zeigt mir schonungslos: Vor einem heiligen GOTT kann ich nicht bestehen.


Das Gleichnis vom Hochzeitsfest (Matthäus 22,1–14)

Jesus erzählt ein Gleichnis, das diese Spannung in ein Bild faßt. Er spricht von einem König, der für seinen Sohn ein großes Hochzeitsfest vorbereitet.

Die Einladungen gehen raus, aber die meisten der geladenen Gäste haben keine Zeit oder kein Interesse. Manche reagieren sogar aggressiv, sie mißhandeln die Boten. Am Ende läßt der König andere einladen: Menschen von den Straßen, Gute und Böse.

Zwei Dinge stechen heraus:

- Erstens: Die Einladung ist unglaublich großzügig.

Sie geht nicht nur an „die Guten“, sondern an Menschen, die in der Geschichte ausdrücklich als „Gute und Böse“ bezeichnet werde.

- Zweitens: Am Ende steht da ein Mann ohne Hochzeitsgewand, unvorbereitet, ohne Bereitschaft sich auf die Hochzeit des Königs einzulassen. Er ist im Saal, aber nicht vorbereitet. Der König spricht ihn an, und der Mann verstummt. Der mann hat kein Argument, warum er so vor dem König erscheinen kann.

Das Hochzeitsgewand steht für Gottes eigene Gerechtigkeit, die Er schenkt. Es reicht nicht, irgendwo in der Nähe von Religion aufzutauchen oder sich für „grundsätzlich offen“ zu halten. Entscheidend ist, ob ich vor Gott in dem kostbaren Gewand dastehe, das Er mir durch das Opfer Jesu geschenkt hat, nicht eines, daß ich mir aus meinen guten Werken zusammengeflickt habe.

Gott ruft – aber ER zwingt niemanden

Manche sagen: „Wenn Gott wirklich will, daß Menschen gerettet werden, dann nimmt Er doch einfach alle in den Himmel.“ (Die Frage wäre dann, ob Er dann gerecht wäre, aber das ist ein anderes Thema für später.)

Die Bibel zeigt uns die Realität. Gott lädt ernsthaft und allumfassend ein. Er ruft durch Sein Wort, durch das Gewissen, durch Menschen, durch Lebensumstände. Niemand wird abgewiesen, weil man zu schlecht wäre – im Gegenteil, gerade Sünder sind das Ziel der Einladung.

Aber Gott zwingt niemanden in Seine Gegenwart. Wer schon in diesem Leben nichts von Gott wissen will, würde den Himmel, die ewige Gemeinschaft mit Ihm als unerträglichen Ort empfinden. Darum respektiert Gott am Ende die Entscheidung des Menschen.

Das Gleichnis vom Hochzeitsfest zeigt beides:

  • Die Weite der Einladung, alle sind gerufen. - Die Ernsthaftigkeit der Antwort – ich kann sie ausschlagen oder äußerlich annehmen, ohne wirklich gekleidet zu sein.
  • Gott behandelt uns nicht wie Marionetten. - Er nimmt unsere Entscheidung ernst. So ernst, daß sie Ewigkeitsfolgen hat. Lest das Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus in Lukas 16,19-31

Die richtig gute Nachricht: Evangelium

Bis hierher klingt das alles sehr hart. Doch genau an diesem Punkt leuchtet die gute Nachricht umso heller.

Das Wort Gottes bleibt nicht bei „Kein Mensch ist gut“ stehen. Es sagt: Gott selbst hat einen Weg geschaffen, wie ungerechte Menschen gerecht vor Ihm stehen können – ohne das Gesetz, allein aus Gnade, durch den Glauben an Jesus Christus (vgl. Römer 3–5).

Jesus hat das perfekte Leben geführt, das ich nicht führen kann. Er hat das Gesetz in jeder Hinsicht erfüllt, ohne einen einzigen Bruch. Am Kreuz nimmt Er dann die Strafe auf sich, die eigentlich mir zusteht.

Wenn ich Ihm im Vertrauen mein altes Leben hinhalte, dann tauscht Gott sozusagen die Kleider:

JESU Gerechtigkeit wird mir zugerechnet.

Das ist das „Hochzeitsgewand“ aus Matthäus 22: eine Gerechtigkeit, die nicht aus meinen Taten kommt, sondern ein Geschenk ist.

Sola Scriptura, sola gratia, sola fide - Gott rettet durch Sein Wort, aus Gnade, durch Glauben.


Ja, aber was ist mit Menschen, die nie von Jesus gehört haben?

An dieser Stelle kommt fast immer eine ernste Frage: „Aber was ist mit Menschen, die nie von Gott oder von Jesus gehört haben?“

Der Römerbrief sagt zwei wichtige Dinge dazu: Gott hat sich in der Schöpfung und im Gewissen eines jeden Menschen in Grundzügen zu erkennen gegeben. Kein Mensch steht völlig ohne Licht da. Gleichzeitig macht Paulus deutlich, daß niemand durch eigenes Wissen oder eigenes Bemühen gerettet wird, sondern nur durch das Evangelium von Jesus Christus.

Wie Gott im Einzelfall mit Menschen umgeht, die nie eine Bibel in der Hand hatten, sagt die Schrift nicht im Detail. Aber sie zeigt klar: Gott ist gerecht, barmherzig, und niemand wird verloren gehen, weil Gott zu wenig getan hätte. Verloren geht, wer das Licht, das er hat, zurückweist und im eigenen Weg bleiben möchte.

Darum ist unser Glaube keine reine Privatsache, die man für sich behält. Weil Rettung allein in Christus zu finden ist, sprechen wir von Ihm, aus Liebe zu den Menschen um uns. Schließlich braucht es Diener, die die Einladungen austeilen.

Wir vertrauen darauf, daß Gott besser richtet, als wir es je könnten, aber wir schweigen nicht vor der Hoffnung, die uns anvertraut ist.


Wie antworte ich im Alltag?


Vielleicht fragst du dich, wie man all das in ein kurzes Alltagsgespräch packen soll. Natürlich lassen sich all diese Erklärungen selten an der Supermarktkasse unterbringen.

Aber man kann kleine Schritte gehen: Wenn jemand sagt: „Ich bin doch ein guter Mensch“, kannst du fragen: „Nach welchem Maßstab?“

Du kannst ein Gebot nennen, das jeden betrifft, etwa Ehrlichkeit, und ehrlich von dir selbst erzählen.

Du kannst das Bild vom Hochzeitsfest verwenden: „Stell dir vor, Gott lädt dich zu einem Fest ein, und statt Eintritt zu bezahlen, schenkt Er dir ein Gewand.“

Und dann darfst du die einfache, aber entscheidende Frage stellen: „Willst du Gott mit deinem eigenen Lebenslauf gegenübertreten – oder in dem Gewand, das Jesus dir schenken will?“

Genau da entscheidet sich, ob wir am Ende wirklich „gute Menschen“ sind, nicht in unseren Augen, sondern in SEINEN.


In diesem Sinne: Taucht tief in Gottes Wort ein und prüft alles im Licht Seiner Wahrheit.



Eure Lizzy




Dienstag, 10. März 2026

Die große Frage: Woher weiß ich, dass ich gerettet bin?

Diese Frage ist in meinem Leben schon mehrmals aufgetaucht, zuerst für mich selbst, später in der Gemeinde, und ich wurde sowohl von jungen Christen als auch von Atheisten danach gefragt.

Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich sehr verletzlich war. Wir hatten gerade unsere Tochter bekommen, nach einer schwierigen Schwangerschaft. Dieses kleine, zerbrechliche Leben in meinen Armen zu halten, während wir in einem fremden Land lebten, fast ohne Hilfe, machte mich besonders anfällig für Lügen, die sich an Erschöpfung und Angst klammern. Mein Glaube war noch jung, mein Verständnis begrenzt, und plötzlich fühlte sich alles überwältigend an.

Ich erinnere mich an die Zeit, kurz nachdem ich meinen Glaubensweg mit Gott begonnen hatte, als alles unglaublich schwierig wurde. Noch verstrickt in die Lehren des Wohlstandsevangeliums und andere falsche Ideen, war ich geistlich am Limit. Ich fühlte mich von allem verurteilt, von meinen Gedanken, meinen Taten, sogar von jedem Bibelvers, den ich las. Jedes Mal, wenn ich meine Bibel öffnete, sah ich nur, wo ich versagt hatte. Ich las von „den Auserwählten“, und diese fiese Stimme in meinem Kopf flüsterte, dass das alle anderen seien, nur nicht ich.


Damals verbrachte ich Stunden damit, Online-Predigten anzuschauen und versuchte, das Gehörte umzusetzen. Doch was daraus wuchs, war nur Enttäuschung. Und aus der Enttäuschung kamen Zweifel, Zweifel an allem, vor allem aber auch an meinem Heil.

Was habe ich also getan? Wie habe ich das überwunden?
Nun, es war ein Prozess.

Zuerst fasste ich den bewussten Entschluss, nicht aufzugeben und mich nicht auf meine Gefühle zu verlassen. Stattdessen hielt ich an den Zusagen des Gottes der Bibel fest, was die Errettung betrifft. Er sagt, dass Jesus für alle Sünden gestorben ist und dass Er nicht wie ein Mensch ist, der seine Meinung ändert. Der Heilige Geist erinnerte mich früh daran, dass das Herz trügerisch ist und Gefühle selten ein verlässlicher Maßstab für Wahrheit sind. Und doch war mir bewusst, dass mir etwas Entscheidendes fehlte, also hielt ich weiter fest.

In alldem ließ mich ein Gedanke nicht los: Gott hatte mich aus der Esoterik herausgerettet. Konnte ich mich wieder getäuscht haben? Ich zweifelte zwar nie an der Wahrheit Gottes, aber ich hatte Mühe zu glauben, dass Seine Gnade auch mich wirklich erreichen konnte.

Eine der größten Herausforderungen war mein skeptischer Verstand. Immer wenn ich etwas über ein Wunder las, fragte ich mich, ob das wirklich stimmen konnte. Wenn ich über die Auferstehung las, kamen Zweifel hoch. Und damals gab es niemanden in meinem Leben, der bibelfest genug gewesen wäre, um mir Rat oder Gewissheit zu geben.

Gott sei Dank für das Internet.


In Seiner Weisheit „schickte“ Gott mir ein Interview mit Lee Strobel, einem Journalisten, der lange versucht hatte, Gott und die Auferstehung Jesu zu widerlegen. Er recherchierte, forschte und wurde schließlich selbst Christ, weil seine Nachforschungen die Wahrheit der Bibel über Christus bestätigten. Strobels Buch Der Fall Jesus (im Original The Case for Christ), später auch verfilmt, markierte den Beginn meiner eigenen Reise in die Apologetik (also in die Verteidigung und Begründung des Glaubens). Anfangs war ich eine Suchende, heute hoffe ich selber, anderen mit ihren Fragen und Zweifeln helfen zu können.

Doch ehrlich gesagt hat seine Geschichte allein mich noch nicht zum rettenden Glauben geführt. Wie ich schon sagte, ich habe nie an die Existenz Gottes gezweifelt. Dieses neue Wissen öffnete vielmehr eine Tür, die Freiheit, selbst in der Bibel und der Kirchengeschichte zu forschen. Ich begann zu fragen: Wie ist die Bibel eigentlich entstanden? Ist sie zuverlässig? Wurde sie vielleicht politisch verändert? Diese Fragen halfen mir, zuerst meine skeptischen Gedanken loszulassen.

Bis dahin hatte mir nie jemand die Bibel wirklich erklärt. Die Prediger, denen ich folgte, waren meistens Vertreter des Wohlstandsevangeliums, die Bibelverse gezielt aus dem Zusammenhang rissen, um ihre eigenen Ziele zu stützen. Über Prophetie wurde nie gesprochen. Erst viel später entdeckte ich Jesaja 53 und seinen historischen Hintergrund. Ich erfuhr, dass diese Prophezeiung über den leidenden Gottesknecht lange vor Jesu Leben niedergeschrieben wurde und dass die alten Handschriften mit dem Text übereinstimmen, den wir heute lesen. Diese Beständigkeit in Gottes Wort und Charakter überzeugte mich nach und nach, dass das Heil natürlich auch für mich galt. Unser Vater sagt, was Er meint, und meint, was Er sagt.


Mein Problem war inzwischen nicht mehr Unwissenheit über Gottes Wesen, sondern das Bewusstsein meiner eigenen Sündhaftigkeit. Diese innere Überzeugung wurde so schwer, dass ich manchmal dachte, sie würde mich zerbrechen. Ich fühlte mich wie „Christ“ in Die Pilgerreise von John Bunyan, beladen mit einer Last, die fast zu groß war, um sie zu tragen. Manchmal schwankte ich zwischen Hoffnung und Verzweiflung, ich wollte so sehr glauben, fühlte mich aber völlig ungenügend vor einem heiligen Gott.

Dabei kam noch etwas hinzu: Ich sehnte mich nach dieser Gewissheit, die andere hatten, nach dieser tiefen Sicherheit in Christus. Im Laufe der Zeit hatte ich mir viel Bibelwissen angeeignet, und Menschen kamen zu mir, um Rat und Zuspruch zu bekommen. Für andere wirkte mein Glaube sicher, doch innerlich betete ich immer noch zu Gott, mir auch den Weg zu Ihm selbst zu zeigen.

Eines Tages stieß ich auf eine Frage-und-Antwort-Runde einer christlichen Konferenz. Eine junge Frau stand auf und stellte genau die Frage, die mich schon so schwer beschäftigt hatte:

„Woher weiß ich, dass ich gerettet bin?“

Ich weiß nicht mehr, wer geantwortet hat, aber ich werde die Antwort nie vergessen:


„Allein die Tatsache, dass du hier aufstehst und diese Frage stellst, zeigt mir, dass du Gott liebst und von Ihm gerettet werden willst, und dass du es schon bist. Woher ich das weiß? Weil du dich kümmerst. Weil du darüber nachdenkst, ja, dir sogar Sorgen machst. Das zeigt, dass der Heilige Geist in dir ist. Menschen ohne den Heiligen Geist denken selten oder gar nicht über Gott nach oder darüber, was Er von ihnen denkt. Und wenn du den Heiligen Geist hast, bist du von Neuem geboren, folglich von Gott versiegelt und sicher in Ihm.“


Als ich das hörte, fand ich endlich Frieden. Wenn ich heute auf mein Leben zurückblicke, sehe ich, dass Seine Gegenwart und Gnade schon immer da waren, deutlich sichtbar. Mein Problem war nie mein fehlender Glaube an Gott, sondern dass ich einen höheren Maßstab für das Heil hatte als Christus selbst. Ich war in die Falle des Feindes geraten und hatte all die aufdringlichen Gedanken geglaubt, die meine Fehler und Schwächen auf eine Waage legten, auf der ich immer verlieren musste.

Heute kann ich darüber fast schmunzeln. Ich hatte volles Vertrauen in Gottes Rettung für andere, ich glaubte es für sie ohne Zweifel, und doch fiel es mir schwer, es für mich anzunehmen. Hast du dir schon einmal die Liste der biblischen Persönlichkeiten und ihrer Fehler angesehen? Abraham log, Noah betrank sich, David beging Mord, und doch liebte und gebrauchte Gott sie. Irgendwie hatte ich mich selbst für noch schlimmer gehalten.

Die Lektion, die ich schließlich lernte, war diese: Am Ende war mein Problem der Stolz. Ich prüfte mein Leben immer wieder und maß mich an dem, was ich als fehlende „Frucht“ wahrnahm, und genau das ließ mich daran zweifeln, ob ich wirklich von Neuem geboren und verändert war. Dazu kam, dass ich „Werke“ und „Frucht“ oft miteinander verwechselte, weil mir niemand den Unterschied wirklich erklärt hatte. Fast unbemerkt war ich innerlich zu einem Maßstab hingeglitten, der mehr vom Gesetz geprägt war als von der Gnade, sodass ich vor allem sah, wo ich nicht ausreichte, statt mich darauf zu stützen, was Christus bereits für mich getan hatte. In meinen Gedanken wurde Gottes Gesetz mehr zu einer Erinnerung an mein menschliches Versagen, als zu dem, was es in Wahrheit ist: ein Spiegel, der uns unsere Sünde zeigt, damit wir zum Retter laufen. So hatte ich also meinen eigenen Maßstab für das Heil höher gesetzt als das, was Christus am Kreuz bereits vollbracht hatte. Aus Gründen, die ich mir kaum erklären kann, fiel es mir schwer zu glauben, dass Gott mich wirklich kennen und mich trotzdem lieben könnte. Ich hatte der Lüge geglaubt, ich müsste mich erst selbst „verbessern“ und innerlich aufräumen, bevor ich vor Ihm bestehen könnte, statt Ihm diese Arbeit zu überlassen. Ich fühlte mich unwürdig, so wie ich war, vor Gott zu kommen.


Aber Gott hat in Seiner Gnade eine wunderbare Art, unsere Sicht zu korrigieren.

Er erinnerte mich immer wieder daran, dass Seine Zusage einfach und unerschütterlich bleibt:

„Wer an mich glaubt und meinen Namen bekennt, wird gerettet werden.“

Am Ende habe ich verstanden: Das Heil hing nie davon ab, was ich bringen, beweisen oder leisten konnte. Es geht allein darum, was Er bereits getan hat. Jonathan Edwards hat es einmal so gesagt:

„Du trägst nichts zu deiner Errettung bei, außer der Sünde, die sie notwendig machte.“

Diese Worte rissen die letzte Schicht meines Stolzes weg und hinterließen nur Dankbarkeit. All das Ringen, die Angst, das ständige Messen und Vergleichen waren unnötig, denn Christus hatte längst alles vollbracht, wonach mein Herz sich sehnte. Und wenn der Zweifel heute noch einmal anklopft, schaue ich zum Kreuz und erinnere mich: Meine Errettung lag nie in meinen Händen.

Wenn du vielleicht mit ähnlichen Fragen ringst, darfst du wissen: Du bist damit nicht allein, und unser himmlischer Vater ist gnädig und geduldig. Klopfe weiter an, denn wer klopft, dem wird geöffnet.

In diesem Sinne



Eure Lizzy


Dienstag, 3. März 2026

Fundsachen #1

Meine lieben Leser,

immer wieder stolpere ich über richtig tolle Dinge – im Internet und im echten Leben. Nicht aus allem lässt sich ein ganzer Blogbeitrag basteln, aber zu schade wäre es ja, sie einfach in der Schublade verschwinden zu lassen.

Darum gibt es ab jetzt hin und wieder kleine Beiträge unter dem vorläufigen Titel „Fundsachen“ (vielleicht fällt mir ja noch ein genialerer Name ein 😉).

Also, Vorhang auf für die heutige Fundsache!

Ein Zitat von Corrie ten Boom. 
einer niederländische Uhrmacherin und Christin, die im Zweiten Weltkrieg Hunderte Juden vor den Nazis versteckte. Sie wurde ins KZ Ravensbrück deportiert, überlebte und widmete ihr Leben danach der Vergebung und Versöhnung weltweit.


"Der Herr gibt mir immer die Gnade, für den heutigen Tag zu leben; nicht in der Zukunft oder in der Vergangenheit soll ich leben, sondern heute! Heute mit Ihm!"




(Kein Partnerlink)

Dienstag, 24. Februar 2026

Plauderecke - Die Sache mit den Computerspielen – Generationen, Geduld und ein bisschen Gnade

Neulich auf der Arbeit kamen wir auf das Thema Computerspiele zu sprechen. Meine Arbeitskollegen sind eine bunte Mischung – vom recht jungen Alter bis hin zu denen, die schon einige Jahrzehnte Berufserfahrung auf dem Rücken haben. Für mich war dieses Gespräch sehr spannend, ja sogar augenöffnend.

Ich selbst bin inzwischen in meinen Vierzigern und kann mich noch sehr gut an meine ersten Begegnungen mit Computerspielen erinnern. Die ersten Spiele, die ich sah, waren bei meiner Tante. Ich denke, es war ein Commodore mit Kassettenlaufwerk, und später auch ein Atari – ganz sicher bin ich mir da nicht mehr, es ist ja schon ein Weilchen her. Auf jeden Fall war das für mich als Kind vor allem spannend und ungewohnt, etwas, womit ich einfach gern gespielt habe.

Später wurden wir als Familie dann selbst stolze Besitzer eines „richtigen“ Computers, den meine Mama noch „einrichten“, also programmieren musste. MS-DOS – wer erinnert sich noch daran? Für meine damaligen Kinderaugen war das alles unglaublich neu und aufregend.

Heute blicke ich zurück und staune, wie weit wir in gerade einmal dreißig, vierzig Jahren gekommen sind. Heute tragen wir kleine Computer in unseren Taschen, wischen mit dem Finger über Bildschirme und sind mit der ganzen Welt verbunden. Es ist wirklich erstaunlich, was der Mensch in so kurzer Zeit erfinden konnte.

Wenn ich an diese frühen Jahre denke, erinnere ich mich vor allem an die einfache, kindliche Freude. Die Spiele waren für mich in erster Linie Spaß – etwas, auf das ich mich gefreut habe, wenn ich wieder spielen durfte. Es war nichts Pädagogisches, sondern etwas Besonderes im Alltag, einfach die Vorfreude darauf, wieder an den Computer zu dürfen und zu sehen, was passiert. Im Rückblick sehe ich, dass ich dabei trotzdem einiges geübt habe – aber damals stand für mich einfach die Freude am Spielen im Vordergrund.



Zurück zu unserem Gespräch im Büro: Wir Älteren schwelgten in Erinnerungen an Spiele wie „Prince of Persia“, „Boulder Dash“ und „Lemmings“ und daran, wie lange man manchmal an bestimmten Leveln festhing. Manchmal wirklich wochenlang. Und dann kam die erstaunte Reaktion der jüngeren Kollegen: „Wochen??? Das Spiel  würde ich gar nicht erst spielen.“

Dieser Satz ist mir nachgegangen. Ich habe eine Weile darüber nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass der Unterschied zwischen den Spielen von damals und vielen Spielen von heute unsere Gesellschaft sehr gut widerspiegelt.

Damals mussten wir beim Spielen einiges lernen, ohne dass es jemand so genannt hat. Wir lernten Geduld, weil wir dieselbe Stelle immer und immer wieder versuchen mussten und die Freude, wenn es gelungen war. Wir lernten, mit unseren Gefühlen umzugehen: die Wut, wenn das letzte Leben verloren war, die Enttäuschung, wieder von vorne anfangen zu müssen, und dann der Entschluss: „Ich probiere es noch einmal.“ Wir mussten aushalten, dass etwas nicht auf Anhieb klappt.

Es gab kaum eingebaute Hilfen. Keine kleinen Pfeile, die den Weg zeigen, keine ausführlichen Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Wenn wir Glück hatten, hatten Freunde das gleiche Spiel und waren schon etwas weiter. Dann hat man sich Tipps gegeben, gemeinsam überlegt, ausprobiert – so entstand ein Miteinander. Wir lernten also auch, uns gegenseitig zu helfen, uns auszutauschen und Lösungen gemeinsam zu suchen.

Und wir lernten, wie sich echter Erfolg anfühlt. Wenn man nach vielen Versuchen ein schweres Level endlich geschafft hatte – ohne Hilfe von außen – war das ein wunderbares Gefühl. Man wusste: „Das habe ich mir erarbeitet. Ich bin drangeblieben.“ Diese Mischung aus Frust aushalten, weitermachen und dann Erfolg erleben, hinterlässt Spuren in einem. Das hat uns innerlich gestärkt.

Wenn ich mir viele Spiele von heute anschaue, wirkt vieles anders. Die meisten speichern automatisch ständig den Fortschritt. Man muss nicht mehr mühsam von vorne anfangen und sich den Weg erneut erarbeiten. Man landet einfach wieder direkt vor dem Hindernis. Wenn man nicht weiterkommt, kann man in wenigen Sekunden im Internet nach einer Lösung suchen und dann ohne große Mühe weiterspielen.

Natürlich kann das bequem sein und macht auch Spaß. Vielleicht gibt es einen kurzen Moment der Freude, wenn man endlich weiterkommt. Aber dieses tiefe Gefühl, etwas wirklich geschafft zu haben, weil man lange und geduldig daran gearbeitet hat, entsteht dabei viel seltener. Die Fähigkeit, schwierige Aufgaben Schritt für Schritt selbst zu lösen, wird so – aus meiner Sicht – weniger trainiert.

Unser Inneres gewöhnt sich leicht an schnelle Belohnung: ein Klick, ein Erfolg, ein kurzer Glücksmoment. Doch Geduld, Ausdauer und das Aushalten von Frust brauchen Zeit. Sie entstehen nicht, wenn der Weg immer gleich mitgeliefert wird. Wenn Spiele uns ständig den nächsten Schritt zeigen, gewöhnen wir uns daran, geführt zu werden, statt selbst den Weg zu suchen.

Ich merke das, wenn ich an viele Jugendliche und junge Erwachsene im Arbeitsleben denke.
Gefühle wie Frust oder Langeweile werden oft nicht mehr ausgehalten, sondern möglichst schnell „weggedrückt“.
Geduld ist selten gefragt – alles soll schnell gehen, möglichst ohne Umwege.
Lösungen sollen am liebsten sofort und möglichst einfach vor einem liegen, so wie ein blinkender Hinweis im Spiel.

Im Alltag sieht das dann zum Beispiel so aus: Eine Aufgabe wird schnell als „zu schwer“ oder „zu kompliziert“ eingestuft, wenn die Lösung nicht sofort klar ist. Viele wünschen sich, dass jemand ständig danebensteht und jeden Schritt erklärt, so wie eine eingebaute Hilfe im Spiel. Das Aushalten von Unsicherheit – also eine Aufgabe zu beginnen, ohne alles von Anfang an zu wissen – fällt vielen schwer.


Gleichzeitig möchte ich nicht sagen: Früher war alles besser, heute ist alles schlecht. Auch moderne Spiele haben ihre guten Seiten. Sie können Reaktionsvermögen schulen, Zusammenarbeit in Gruppen fördern und in großen, komplexen Spielwelten auch anspruchsvolle Aufgaben bieten. Manche nutzen Spiele sogar ganz bewusst, um nach einem schweren Tag zur Ruhe zu kommen oder sich abzulenken. 
Eine Frage beschäftigt mich allerdings, warum gibt es so überaus viele Spiele, die auf Verletzung oder gar Vernichtung des Gegenübers angelegt sind?

Und deshalb mache ich mir Gedanken-
Welche Fähigkeiten werden durch die Art, wie wir spielen heute nicht mehr geübt – und welche üben wir heute?   Stärkere Aussage Früher haben wir im Spiel ganz nebenbei gelernt, Frust auszuhalten, dranzubleiben und den eigenen Ärger zu beruhigen. Heute sind viele Wege bequemer geworden, aber vielleicht zahlen wir an anderer Stelle einen Preis dafür.

Und trotzdem erlebe ich unsere jungen Kollegen nicht als „verlorene Generation“, im Gegenteil. Viele von ihnen sind freundlich, motiviert und erstaunlich lernbereit. Wenn man sich Zeit nimmt, Dinge zu erklären und Hintergründe zu teilen, merkt man, wie schnell sie aufnehmen und wie offen sie für Neues sind. Vielleicht ist genau das unsere gemeinsame Chance: Wir bringen Geduld, Erfahrung und eine gewisse Frusttoleranz mit, sie bringen frische Ideen, Tempo und einen ganz eigenen Blick auf die Welt. Wenn wir beides miteinander verbinden, kann daraus etwas sehr Wertvolles entstehen.


Am Ende bin ich dankbar, dass Gott uns durch alle Generationen begleitet – die mit Diskette, die mit CD und die mit Download. Wir alle, ich eingeschlossen, brauchen diese Liebe und Geduld immer wieder neu. Er schenkt uns eine Liebe, die geduldig ist, und eine Geduld, die den anderen – und auch uns selbst – nicht fallen lässt.



In diesem Sinne Eure Lizzy



Bilderquellen: 
https://images.techadvisor.com/cmsdata/features/3787146/retro-replay-lemmings_level3.png
https://boulder-dash.com/wp-content/uploads/2019/11/Boulder-Dash-Commodore-64.jpg
https://www.perplexity.ai/


Dienstag, 10. Februar 2026

Die Sache mit den unbemerkten Alltagsgötzen


Vor einiger Zeit hatte ich einen Beitrag zum Thema Götzen im Haus geschrieben, den könnt ihr hier finden, und das Thema beschäftigt mich immer noch – aber auf einer anderen Ebene. Die Götzen im Alltag, oder besser noch: in der Freizeit.

Während meiner Recherchen für den Blog finde ich mich häufig auf YouTube wieder, ich sehe mir Predigten von den verschiedensten Lehrern an – gute, irreführende und ziemlich viel dazwischen.
Da fällt mir gleich das Zitat von Charles Spurgeon ein:

„Unterscheidungsvermögen heißt nicht, den Unterschied zwischen richtig und falsch zu kennen, sondern den Unterschied zwischen richtig und fast richtig.“

Aber darum soll es heute gar nicht gehen. Worum es mir eigentlich geht, ist eine Falle, in die ich neulich mal wieder getappt bin.



Ich suche also Videos zum Thema, und in den Empfehlungen erscheint mir dieses Kurzvideo mit einem niedlichen Katzenpaar. Wie niedlich nur mal nur schnell draufgedrückt dachte ich… eine halbe Stunde später tauchte ich wieder auf. Dreißig Minuten verschwendete Zeit in einem Alltag, der sich sowieso schon anfühlt, als hätte er zu wenig Stunden. Eine halbe Stunde gefüllt mit nichts Wertvollem – eigentlich nur viel Lärm und gedönst.

Versteht mich nicht falsch: Ab und zu abschalten ist völlig in Ordnung und auch nötig. Ein lustiges Video, ein wenig Leichtigkeit – das ist nichts Böses. Aber an diesem Tag war mein Ziel ein anderes gewesen. Und genau das löste mal wieder eine meiner inneren Gedankenkaskaden aus. Wieviel Zeit geben wir gewollt oder ungewollt den „Geistern des Alltags“? Wie viel Zeit rauben wir unserer Familie und Gott mit sinnlosem Wischen über Bildschirme?Und das löste bei mir mal wieder eine meiner Gedankenketten aus:

Wie viel Zeit geben wir gewollt oder ungewollt den „Geistern des Alltags“? Wie viel Zeit rauben wir unserer Familie und Gott mit sinnlosem Wischen über Bildschirme?

Ich ertappe mich immer wieder bei dem Wunsch nach der Zeit vor den Smartphones. Eine Zeit, in der Familien noch am Tisch saßen, miteinander sprachen und Kinder in Gespräche einbezogen wurden, statt vor Handy oder Tablet „geparkt“ zu werden, damit sie ruhig sind.

Ich sehe junge Mütter und Väter, zutiefst in ihrem Bildschirm versunken, während ihre Kinder versuchen, ihre Aufmerksamkeit zu bekommen – und mir bricht das Herz. Was kann denn nur so wichtig sein, dass man seine Kinder und seine Umwelt kaum noch wahrnimmt?

Wie viel geht einem Menschen und gerade Kindern dadurch verloren? An Nähe, Zuwendung und menschlicher Verbindung?
Ich mache mir Sorgen um die neuen Generationen – ihnen geht durch die heutige Technik elementare menschliche Bindung 
echte Präsenz, der Blick in Augen statt auf Displays.




Und, ganz wichtig für uns Christen: Wo bleibt Gott?
Wo bleibt die Zeit für Gebet und Reflexion? Wie, in all diesem Lärm, soll der Heilige Geist denn zu uns sprechen?

Viele beschweren sich: „Gott antwortet mir nie.“
Wirklich? Oder ist unser Alltag so voll von Lärm und Ablenkung, dass wir Ihn nicht hören?

Die Frage ist eine von Prioritäten: Wer nimmt welchen Platz ein – und in welchem Ausmaß?
Wird die Liebe zum Fußball fanatisch? Muss jedes Spiel verfolgt und jedes Trikot gekauft werden? Steht das Fußballspiel vor dem Gottesdienst?
Ist die Netflix-Serie wichtiger als das gemeinsame Abendbrot?
Ist das spannende Buch wichtiger als ein Kartenspiel mit den Kindern?

Wem oder was schenken wir unsere Aufmerksamkeit?
Stellt euch einmal vor, wie intensiv unsere Beziehung zu Jesus sein könnte, wenn wir Ihm nur einen Teil der Zeit schenken würden, die täglich in Serien, Feeds, Kurzvideos und Endlos-Scrollen fließt. Nicht als fromme Leistung, sondern als echte, bewusste Hinwendung: Blick weg vom Bildschirm, Blick hin zu Ihm.


Ich habe so viele Beispiele im Kopf – auch viele, bei denen ich selbst schuldig bin –, dass ich sie gar nicht alle erfassen und aufschreiben kann. Es ist, wie so häufig, ein sehr breites und persönliches Thema, und jeder muss also mit sich selbst ins Gericht gehen. Aber ich denke, es ist den einen oder anderen Gedanken wert.

Und wer weiß, vielleicht fasse ich dieses Thema noch in der Zukunft auf – ich bin ja schließlich nicht ganz unschuldig in diesem Bereich.


In diesem Sinne,





Eure nachdenkliche Lizzy