Donnerstag, 5. November 2026

Die archäologische Bibel (6): Das Taylorprisma und Hiskia von Juda

Wer hier schon etwas länger mitliest, weiß, dass ich in dieser Beitragsserie nach Spuren suche, die Angaben der Bibel auch außerhalb ihrer Seiten bestätigen. Wie so viele kam auch ich einmal an den Punkt, an dem mich jemand fragte: „Und woher weißt du, dass die Bibel wahr ist?“

Ich muss zugeben, dass ich diese Frage gut und berechtigt finde. Wir als Christen sollten darauf auch eine gute Antwort haben. Gerade wenn jemand noch jung im Glauben ist, kann ihn eine solche Frage ins Stolpern bringen. Schnell machen sich Zweifel breit, wenn man selbst noch nicht genauer darüber nachgedacht hat, warum man der Bibel vertraut.

Deshalb beschäftige ich mich in dieser Serie mit äußeren Belegen für die historische Zuverlässigkeit der Bibel. Welche Menschen, Orte und Ereignisse begegnen uns auch in anderen Quellen? Was wurde in der Archäologie gefunden, und was können uns diese Funde tatsächlich bestätigen? (In Zukunft hoffe ich, auch mal darüber zu schreiben, was innerhalb der Bibel selbst für ihre Glaubwürdigkeit spricht.)

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Besonders interessant finde ich es, wenn nicht die Israeliten selbst über ihre Geschichte berichteten, sondern ihre Nachbarn oder sogar ihre Feinde. Solchen Berichten sind wir schon in den vorherigen Beiträgen begegnet.

Auch bei der heutigen Spurensuche bin ich wieder auf einen solchen Fund gestoßen. Diesmal ist es keine Stele, sondern ein Tonprisma. Darauf ließ der assyrische König Sanherib seine Feldzüge festhalten. Unter den Herrschern, die er darin erwähnte, befand sich auch ein König, den wir aus der Bibel kennen: Hiskia von Juda. Doch bevor wir uns diesen Fund genauer ansehen, sollten wir zunächst wissen, wer Sanherib eigentlich war und wie es zu seinem Angriff auf Juda kam.

Taylor Prism jpg: © The Trustees of the British Museum


Wer war Sanherib?

Sanherib regierte das assyrische Reich von 705 bis 681 v. Chr. Er hatte den Thron nach dem Tod seines Vaters Sargon II. übernommen. Das Kernland dieses Reiches lag im Gebiet des heutigen Nordiraks, doch seine Herrschaft reichte weit darüber hinaus. Assyrien war damals eine der mächtigsten Großmächte der Region.

Viele kleinere Königreiche waren von Assyrien abhängig. Ihre Herrscher mussten die assyrische Oberherrschaft anerkennen und Abgaben in Form eines Tributs zahlen. Wer sich widersetzte, musste mit einem militärischen Angriff rechnen. Städte wurden erobert, Menschen verschleppt und ihre Besitztümer als Beute mitgenommen.

Nach dem Tod Sargons II. sahen mehrere unterworfene Herrscher eine Gelegenheit, sich von Assyrien zu lösen. Zu ihnen gehörte auch Hiskia. Er war damals König von Juda und regierte in Jerusalem.

Sanherib wollte diesen Widerstand natürlich nicht hinnehmen. Im Jahr 701 v. Chr. zog er nach Westen, um seine Herrschaft durchzusetzen und dieser Feldzug führte ihn dann auch nach Juda.

Über diesen Krieg berichtet nicht nur die Bibel, auch Sanherib ließ seine Erfolge schriftlich festhalten. Seine Seite der Geschichte ist unter anderem auf dem Taylorprisma erhalten.

Ein Tonprisma mit Geschichte

Seinen heutigen Namen erhielt das Taylorprisma nach dem britischen Oberst Robert Taylor, der es 1830 erwarb. Im Jahr 1855 gelangte es dann ins British Museum in London, wo es sich noch heute befindet.

Es besteht aus Ton, ist etwas mehr als 38 Zentimeter hoch und auf seinen sechs Seiten dicht mit Keilschrift beschrieben. Es stammt aus Ninive, einer bedeutenden Stadt des assyrischen Reiches, die uns auch aus anderen biblischen Berichten bekannt ist. (Hier eine Übersetzung)

Etwa zehn Jahre nach seinem Feldzug gegen Juda ließ Sanherib 691 v. Chr. auf dem Prisma über diesen und weitere Feldzüge berichten, um seine Macht und seine Erfolge festzuhalten.

Für unsere Spurensuche ist besonders der Abschnitt über Hiskia interessant. Hier begegnet uns ein König aus der Bibel in den Aufzeichnungen seines Gegners. Sanherib nannte nicht nur Hiskias Namen, sondern berichtete auch über seinen Angriff auf Juda.

Was hat die Bibel über diese Ereignisse zu sagen?

Was berichtet die Bibel?

In 2. Könige 18,7 lesen wir, dass Hiskia sich gegen den König von Assyrien auflehnte und ihm nicht mehr diente. Einige Verse später folgt dann der Bericht über Sanheribs Angriff auf die befestigten Städte Judas, die er einnahm (2. Könige 18,13).

Beim Lesen kann ich mir gut vorstellen, wie bedrohlich diese Situation gewesen sein musste. Juda rangelte hier nicht mit irgendeinem kleinen Nachbarreich. Hier rückte die Armee einer Großmacht vor und während eine Stadt nach der anderen fiel, blieb Hiskia in Jerusalem.

Mit dem biblischen Bericht im Hinterkopf schauen wir mal, was Sanherib selbst über seinen Feldzug hat aufschreiben lassen.

Hiskia in den Aufzeichnungen seines Feindes


Als erstes vorn heran, Sanherib benannte Hiskia ausdrücklich als Herrscher von Juda und beschrieb ihn als jemanden, der sich seinem Joch nicht unterwerfen wollte.

Anschließend behauptete Sanherib, 46 befestigte Städte Judas sowie zahlreiche kleinere Ortschaften belagert und eingenommen zu haben. Er berichtete von Beute und von den Menschen, die er aus dem Land wegführen ließ.

Die genaue Zahl der eroberten Städte finden wir im biblischen Bericht nicht. Aber der Angriff auf die befestigten Städte Judas wird dort ebenfalls beschrieben.

Das finde ich bemerkenswert. Wir haben hier nicht bloß zwei Texte, in denen zufällig derselbe Name vorkommt. Beide berichten von demselben assyrischen König, demselben judäischen Herrscher und demselben Angriff auf dessen Land. Damit haben wir eine außerbiblische Bestätigung für wesentliche Angaben des biblischen Berichts.

Natürlich erzählte Sanherib, wie auch die Ägypter und Moabiter, die Geschichte aus seiner eigenen Sicht. Er wollte der Welt zeigen, wie erfolgreich er gewesen war und was mit denen geschah, die sich ihm widersetzten. Und bestätigt somit, wenn auch ungewollt, wesentliche Angaben der Geschichte, die wir auch aus der Bibel kennen.

Dass er sich selbst verherrlichen wollte, macht seine Inschrift als historische Quelle nicht wertlos. Es bedeutet lediglich, dass wir beim Lesen berücksichtigen müssen, wer hier sprach und was er mit seinem Bericht erreichen wollte.

Wie ein Vogel im Käfig

Besonders bekannt ist Sanheribs Beschreibung dessen, was er mit Hiskia getan hatte. Sinngemäß erklärte er, er habe ihn in Jerusalem, seiner Königsstadt, eingeschlossen wie einen Vogel im Käfig.

Welch eine interessante Veranschaulichung. Sanherib zeichnete das Bild eines geschwächten Königs, der nach der Verwüstung seines Landes und dem Verlust zahlreicher Städte in Jerusalem eingeschlossen war. Doch bei all den Erfolgen, die Sanherib aufzählte, fällt etwas Wichtiges auf: Eine Eroberung Jerusalems beanspruchte er nicht. Und genau hier passen seine Aufzeichnungen zum biblischen Bericht, denn auch dort fiel die Stadt nicht in seine Hände.

Weshalb Jerusalem nicht fiel, erklärte Sanherib allerdings nicht. Bevor ich darauf zurückkomme, möchte ich mir noch ein weiteres Detail ansehen, das in beiden Berichten vorkommt: Hiskias Zahlung an den assyrischen König.

Gold und Silber für Sanherib

In 2. Könige 18,14 bis 16 lesen wir, welchen Preis Hiskia zahlen musste: 30 Talente Gold und 300 Talente Silber verlangte der assyrische König von ihm. Ein Talent war eine Gewichtseinheit, und um diese Mengen aufzubringen, griff Hiskia auf die Schätze des Tempels und des Königshauses zurück. Selbst das Gold an den Türen und Türpfosten des Tempels ließ er dafür entfernen.

Auch Sanherib hielt diese Zahlung fest. Bei den 30 Talenten Gold stimmen seine Angaben mit dem biblischen Bericht überein, beim Silber nannte er allerdings 800 statt 300 Talente.

Diese Abweichung möchte ich nicht einfach übergehen. Wenn ich nach Bestätigungen suche, gehören Unterschiede ebenso dazu. Weshalb die Silbermengen voneinander abweichen, lässt sich aus den beiden Texten allein nicht sicher erklären. Dennoch bestätigen beide die Tributzahlung Hiskias und nennen dabei dieselbe Goldmenge.

 


Warum Jerusalem nicht fiel

Damit bleibt für mich noch die Frage, weshalb Jerusalem trotz allem nicht in Sanheribs Hände fiel. In 2. Könige 19 führt uns der Bericht von den Drohungen der Assyrer zu Hiskias Gebet und zur Zusage Gottes durch den Propheten Jesaja.

Nachdem bereits zahlreiche Städte seines Landes gefallen waren, brachte Hiskia seine Not vor Gott. Er wusste um die Macht der Assyrer. Ihre Drohungen waren angesichts der Verwüstungen in Juda keine leeren Worte.

Die Bibel berichtet, dass Gott eingriff: Nach 2. Könige 19,35 schlug der Engel des HERRN in einer Nacht 185.000 Mann im assyrischen Lager. Sanherib zog daraufhin ab und kehrte nach Ninive zurück.

Davon ist auf dem Taylorprisma nichts zu lesen. Es liefert uns keine außerbiblische Bestätigung für dieses Eingreifen Gottes oder die Zahl der Toten. Wer darin einen Beleg für die gesamte biblische Erzählung sieht, geht über das hinaus, was die Inschrift tatsächlich hergibt.

Dass Sanherib keine Eroberung Jerusalems beanspruchte, passt zum Ausgang des biblischen Berichts. Warum die Stadt bewahrt blieb, erfahren wir jedoch aus der Bibel, nicht aus seinen Aufzeichnungen.

Was bestätigt das Taylorprisma?

Für mich liegt der Wert dieses Fundes gerade darin, dass die Bestätigung aus den Aufzeichnungen des Gegners kommt. Sanherib wollte seine Macht zeigen, nicht die Glaubwürdigkeit der Bibel unterstützen. Trotzdem hinterließ er mit seinem Bericht über Hiskia, den Angriff auf Juda und die Tributzahlung eine außerbiblische Bestätigung wesentlicher geschichtlicher Angaben aus 2. Könige.

Dabei müssen die Unterschiede weder verschwiegen noch die Übereinstimmungen kleingeredet werden. Die abweichende Silbermenge bleibt eine offene Frage. Sie ändert aber nichts daran, dass uns hier dieselben Herrscher im selben Konflikt begegnen.


Was ich von dieser Spurensuche mitnehme

Wenn mich heute jemand fragt, warum ich die Bibel für glaubwürdig halte, gehört auch dieser Fund zu meiner Antwort. Nicht, weil ein Tonprisma jede Frage klärt, sondern weil ich daran nachvollziehen kann, wie sich ein biblischer Bericht mit einer Quelle außerhalb der Bibel vergleichen lässt.

Mich fasziniert, dass Sanherib seine Seite der Geschichte festhalten ließ und wir sie noch rund 2.700 Jahre später lesen können. Er wollte als mächtiger König in Erinnerung bleiben. Dabei hinterließ er uns auch ein Zeugnis über Hiskia, den wir aus der Bibel kennen.

Gerade angesichts der Zweifel an der historischen Zuverlässigkeit der Bibel haben solche Funde Gewicht. Hier bestätigt eine außerbiblische Quelle wesentliche Angaben des biblischen Berichts, und das ausgerechnet aus der Sicht des Gegners. Solche Bestätigungen sollten begründetes Vertrauen in die historischen Berichte der Bibel schaffen.

In diesem Sinne: Sei auch du mutig in deinen Nachforschungen und freue dich über jede gefundene Wahrheit.

 

Eure Lizzy



Quellen und Bibelstellen

  1. British Museum: „The Taylor Prism“, Museumsnummer 91032. Angaben zu Herkunft, Material, Maßen, Datierung, Erwerbung und Inhalt der Inschrift.britishmuseum
  2. Encyclopaedia Britannica: „Sennacherib“. Zur Regierungszeit Sanheribs, zur Nachfolge seines Vaters Sargon II. und zum assyrischen Reich.britannica
  3. The Metropolitan Museum of Art: „Sennacherib and Jerusalem“. Zum historischen Hintergrund, zum Widerstand gegen die assyrische Herrschaft und zu Sanheribs Feldzug im Jahr 701 v. Chr.metmuseum
  4. Tyndale House: „Artefact in Focus: The Taylor Prism“, 1. Juli 2026. Zur Einordnung des Prismas und zum Vergleich der assyrischen Inschrift mit dem biblischen Bericht.tyndalehouse
  5. Loyola University Chicago: „Sennacherib’s War against Hezekiah“. Englische Übersetzung des Inschriftabschnitts über Hiskia, die eroberten Städte, die Einschließung Jerusalems und die Tributzahlung.avande1.sites.luc
  6. Biblische Texte: 2. Könige 18,7 sowie 18,13 bis 19,37. Parallelberichte finden sich in Jesaja 36 bis 37 und 2. Chronik 32. Die biblischen Aussagen im Beitrag sind sinngemäß wiedergegeben.

 

Bibel Software:

https://www.accordancebible.com

Bilderquellen:

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(Bildbearbeitung)

https://unsplash.com/

(Bildersuche für Hintergründe)

Taylor Prism jpg: © The Trustees of the British Museum. Shared under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International (CC BY-NC-SA 4.0) licence.


Dienstag, 3. November 2026

Fundsachen #8 - Ein Druckfehler mit sündigen Folgen

Wer selbst Texte schreibt, kennt das vielleicht. Man liest etwas mehrfach durch, verbessert hier und da noch eine Kleinigkeit und übersieht trotzdem einen Fehler. Mir geht es jedenfalls so. Meistens ist das nicht weiter schlimm. Aber was passiert, wenn ausgerechnet das Wort „nicht“ fehlt?

1631 erschien in England eine Ausgabe der King-James-Bibel, bei der genau das passiert war. Und zwar an einer denkbar ungünstigen Stelle: in den Zehn Geboten. Statt „Du sollst nicht ehebrechen“ stand dort sinngemäß: „Du sollst ehebrechen.“ Ein einziges fehlendes Wort hatte das Gebot ins Gegenteil verkehrt.


Stellt euch vor, ihr lest nichts ahnend eure Bibel und stolpert über diese Aufforderung. Da würde ich wohl erst einmal nachsehen, ob ich mich verlesen habe.

Nach der Entdeckung wurde die Ausgabe zurückgerufen, die meisten Exemplare wurden vernichtet und die verantwortlichen Drucker mussten eine Geldstrafe zahlen. Einige Exemplare blieben trotzdem erhalten. Bekannt wurde die Ausgabe als „Wicked Bible“, also die „böse Bibel“.

Ob tatsächlich nur ein Versehen dahintersteckte, ist übrigens nicht sicher. Es gibt auch die Vermutung, dass ein Konkurrent den Fehler absichtlich verursacht haben könnte, um einem der Drucker zu schaden. Das ist allerdings eine mögliche Erklärung, keine gesicherte Tatsache.

Ich musste bei dieser Geschichte jedenfalls an meine eigenen Korrekturrunden denken. An die Fehler, die mir erst auffallen, wenn ein Beitrag längst veröffentlicht ist. Zum Glück liest Omi Faithful mit und erwischt manchmal noch den einen oder anderen Fehler, den ich übersehen habe. Manches entgeht einem eben auch beim dritten Lesen noch.

Wobei ich zu meiner Verteidigung sagen muss: Ein Gebot habe ich bisher zum Glück noch nicht ins Gegenteil verkehrt.

In diesem Sinne: Lest eure Texte gründlich durch. Und wenn ihr eine eigene Omi Faithful habt, lasst sie auch noch mal ran.


Eure Lizzy 



Quellen:

https://en.wikipedia.org/wiki/Wicked_Bible

https://www.amusingplanet.com/2022/10/the-wicked-bible.html

Dienstag, 27. Oktober 2026

Plauderecke - Die große Aufregung um die Arche

Ich weiß ja nicht, ob ihr schon davon gehört habt, aber um die Arche Noah gibt es gerade wieder eine ziemliche Aufregung. Oder genauer gesagt um eine sehr interessante Gesteinsformation in der Türkei, die manche für ihre Überreste halten. Neu ist diese Vermutung allerdings nicht. Sie beschäftigt Menschen schon seit Jahrzehnten.

Eine Entdeckung mit langer Vorgeschichte

Angefangen hatte es 1959, als dem türkischen Hauptmann İlhan Durupınar auf Luftaufnahmen eine Form auffiel, die an ein Schiff erinnerte. Die Stelle lag zudem im Osten der Türkei, in der Nähe des Berges Ararat. Da war der Gedanke an die Arche erst mal nicht weit. Schon im folgenden Jahr wurde diese Entdeckung untersucht, allerdings ohne einen Nachweis dafür zu finden, dass es sich um etwas von Menschen Gebautes handelte. Das hielt jedoch andere nicht davon ab, weiterzusuchen. Besonders Ron Wyatt machte die Stelle später bekannt. Er meinte, dort unter anderem versteinerte Holzteile und Metallbeschläge erkannt zu haben. Auch der Archeforscher David Fasold war zunächst überzeugt, dass man hier auf die Überreste der Arche gestoßen sei.

Wenn man die Bilder sieht, kann man das Interesse schon verstehen. Die Form ist ja wirklich auffällig und natürlich wäre es spannend, wenn sich dahinter tatsächlich mehr verbergen würde. Aber wie sagt man so schön: Es ist nicht alles Gold, was glänzt …

Zu der Geschichte gehört deshalb auch etwas, das bei der Begeisterung nicht untergehen sollte. Fasold kam bei seinen weiteren Untersuchungen allerdings zu einer anderen Einschätzung. Gemeinsam mit dem Geologen Lorence Collins veröffentlichte er 1996 eine Untersuchung, die die Formation als natürliches Gebilde erklärte. Die vermeintlichen Eisenbeschläge waren demnach natürliche Mineralbildungen. Auch die untersuchten Materialien lieferten keinen Nachweis für die behaupteten hölzernen Bauteile. Die auffälligen Strukturen ließen sich nach ihrer Untersuchung durch geologische Vorgänge erklären.

Nun könnte man natürlich sagen: Die Wissenschaftler wollen eben nicht glauben oder zugeben, dass es die Arche ist. Aber zumindest bei Fasold passt dieser Einwand nicht so recht. Er war ja zunächst selbst davon überzeugt gewesen. Wenn jemand nach seinen Untersuchungen zu einem anderen Ergebnis kommt, sollten wir schon genauer hinsehen, warum. Vielleicht würden wir uns wünschen, dass er bei seiner ersten Einschätzung geblieben wäre. Aber dadurch werden seine späteren Einwände nicht weniger wichtig. Entscheidend ist doch, ob dort tatsächlich Überreste eines Schiffes liegen, nicht, ob wir sie dort gern finden würden.

Quelle: NoahsArkScan



Was ist 2026 Neues dazugekommen?

In diesem Jahr begann ein offiziell genehmigtes Forschungsprojekt unter der Leitung von Professor Cenker Atila, an dem auch die Organisation Noah’s Ark Scans beteiligt ist. Es wurden weitere Messungen durchgeführt, Proben genommen und Kernbohrungen vorgenommen. Das Team sieht Hinweise, die es weiter untersuchen möchte. Nach den veröffentlichten Angaben laufen die Laboranalysen noch. Ein abschließender Bericht wurde für das Frühjahr 2027 angekündigt. Damit gibt es neue Untersuchungen. Einen wissenschaftlich bestätigten Fund der Arche gibt es nach dem bis Ende Oktober 2026 veröffentlichten Stand aber nicht.

Und genau diesen Unterschied möchte ich nicht überspringen. Wenn auf Messbildern etwas auffällt, muss erst geklärt werden, was es ist. Wenn sich Bodenproben unterscheiden, gilt dasselbe. Die Erklärung „Hier lag ein Schiff“ muss sich an den Ergebnissen prüfen lassen. Es reicht nicht, dass die Ergebnisse irgendwie dazu passen könnten. Das bedeutet nicht, dass ich die Untersuchungen uninteressant finde. Im Gegenteil. Aber ich möchte auch nicht heute etwas als Bestätigung weitergeben, das erst noch untersucht werden soll.

Deshalb gehört dieser Beitrag auch nicht als weiterer Fund in meine Reihe zur Archäologischen Bibel. Ich wollte das Thema trotzdem aufgreifen, weil solche Meldungen verständlicherweise Interesse wecken. Und weil wir gerade bei etwas, das wir gern für wahr halten würden, ehrlich bleiben sollten.
Was würde sich durch einen Fund ändern?

Was wäre denn, wenn die Untersuchungen am Ende wieder für eine natürliche Formation sprechen? Hätten wir dann einen Grund weniger, Gott zu vertrauen? Oder hätten wir lediglich festgestellt, dass diese Stelle nicht das ist, was manche darin vermutet haben? Für mich ist das ein wichtiger Unterschied.

Die Bibel verspricht uns nicht, dass wir die Arche eines Tages finden werden. Sie schließt es aber auch nicht aus. Deshalb möchte ich hier weder das eine noch das andere behaupten. Ich weiß nicht, ob Gott Überreste der Arche erhalten hat und ob wir sie jemals finden werden. Aber ich muss das auch nicht wissen, um ihm zu vertrauen.

Dabei beschäftigt mich noch ein anderer, ganz wichtiger Gedanke. Man hört bei solchen Themen schnell die Hoffnung heraus, dass ein Fund endlich die Menschen überzeugen würde. Dann hätten wir etwas in der Hand. Dann müssten sie doch glauben. Wirklich? Warum gerade bei diesem Fund? Es gibt doch schon so viele historische und archäologische Funde, die biblische Berichte bestätigen. Was wäre an diesem anders? Nur weil dieser Fund größer und sichtbarer wäre? Aber können wir wirklich davon ausgehen, dass Menschen dann glauben würden, wenn der Beweis nur eindrucksvoll genug wäre?


Zeichen, Zeitzeugen und Vertrauen

Als Schriftgelehrte und Pharisäer von Jesus ein Zeichen verlangten, erfüllte er ihre Forderung nicht. Er verwies sie auf das Zeichen des Propheten Jona (Matthäus 12,39). Und in der Geschichte vom reichen Mann und Lazarus bat der reiche Mann darum, seine Brüder durch jemanden aus dem Totenreich warnen zu lassen. Er meinte, dann würden sie umkehren. Abraham antwortete dagegen, dass sie Mose und die Propheten hätten. Wenn sie auf diese nicht hörten, würden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde (Lukas 16,31).

Historische und archäologische Funde haben durchaus ihren Platz. Sonst würde ich mich in meiner anderen Reihe wohl kaum so ausführlich damit beschäftigen. Sie dienen als eine Art Zeitzeuge und können bestätigen, was die Bibel berichtet. Aber zwischen der Überzeugung, dass ein biblischer Bericht historisch zutrifft, und dem persönlichen Vertrauen auf Gott besteht ein riesiger Unterschied. Zeichen und Wunder gab es ja auch damals schon. Trotzdem kamen nicht alle Menschen, die sie erlebten, zum Glauben. Warum sollten wir also erwarten, dass ein neuer archäologischer Fund das bewirken würde? Paulus schrieb eindeutig, dass der Glaube aus dem Hören der Botschaft kommt (Römer 10,17).

Natürlich würde ich mich freuen, wenn tatsächlich Überreste der Arche gefunden würden. Und ich würde auch wissen wollen, wie man zu diesem Ergebnis gekommen ist. Bis dahin können wir die Untersuchungen mit Interesse verfolgen, ohne schon mehr darin zu sehen, als bisher nachgewiesen wurde. Aber ob sich diese Formation nun als Überrest der Arche erweist oder nicht: Unser Vertrauen auf Gott muss nicht auf den nächsten Laborbericht warten.

In diesem Sinne, 
eure auch ohne Laborbericht zuversichtliche 


Donnerstag, 22. Oktober 2026

Die Archäologische Bibel (5): Der Siegelabdruck Hiskias

In den bisherigen Beiträgen dieser Reihe ging es um die Merenptahstele, das Relief Scheschonqs in Karnak, die Mescha-Stele und die Tel-Dan-Stele. Nun geht unsere Spurensuche weiter, diesmal mit einem wesentlich kleineren Gegenstand: einem Siegelabdruck aus Ton, der den Namen Hiskias trägt.

Bei solchen Funden stellt sich für mich immer wieder dieselbe Frage: Was haben wir tatsächlich vor uns, und was lässt sich daraus über die Menschen erfahren, von denen wir in der Bibel lesen? Dass ein vertrauter Name auftaucht, ist ja interessant, aber natürlich möchte ich auch wissen, ob sich der Fund der entsprechenden biblischen Person zuordnen lässt und worauf diese Zuordnung beruht.

Diesmal stehen auf einem kleinen Stück Ton nicht nur der Name eines Königs, sondern auch der Name seines Vaters und sein Titel. Schauen wir uns also mal an, was gefunden wurde und weshalb dieser Abdruck für unsere Spurensuche von Bedeutung ist.

Image credit: Ouria Tadmor / Eilat Mazar

Ein königlicher Name auf einem kleinen Stück Ton

Die Inschrift lautet übersetzt: „Gehört Hiskia, [Sohn des] Ahas, König von Juda.“ Der Abdruck stammt aus der Zeit um 700 vor Christus. Die Verbindung von Name, Vater und Königstitel ermöglicht die Zuordnung zu dem Hiskia, den wir aus der Bibel kennen.

Zunächst muss ich allerdings eine kleine Unterscheidung machen. Gefunden wurde nicht das Siegel selbst, sondern sein Abdruck in Ton. Ein solcher Tonverschluss wird als Bulla bezeichnet. Dieses Exemplar ist gerade einmal etwa 13 mal 12 Millimeter groß. Es verschloss ursprünglich ein zusammengerolltes Papyrusdokument, das mit dünnen Schnüren zusammengebunden war. 

Das finde ich einen interessanten Fundstück im Gegensatz zu den großen Inschriften, denen wir bisher begegnet sind. Hier ließ kein König seine militärischen Erfolge auf einem Denkmal verewigen. Der Abdruck hatte einen sehr praktischen wohl eher Alltäglichen Zweck in der damaligen Verwaltung des Könighaushaltes. Und trotzdem blieb gerade darauf sein Name erhalten.

Wo wurde der Abdruck gefunden?

Entdeckt wurde die Bulla 2009 bei den Ausgrabungen am Ophel in Jerusalem, südlich des Tempelbergs. Die Arbeiten standen unter der Leitung der Archäologin Eilat Mazar. Beim Nasssieben des Grabungsmaterials kam das kleine Stück zum Vorschein. Wessen Namen es trug, wurde allerdings nicht sofort erkannt. Erst bei einer späteren Untersuchung der Inschrift erfolgte die Zuordnung zu Hiskia. Öffentlich vorgestellt wurde der Fund im Dezember 2015.

Der Fundort war weniger königlich, als man vielleicht erwarten würde. Stellt euch vor, dieser königliche Siegelabdruck landete irgendwann auf einer Müllhalde, ohne dass jemand ahnte, welche Bedeutung er einmal haben würde. Genau dort wurde die Bulla nämlich etwa 2700 Jahre später gefunden, neben einem Gebäude, das die Ausgräber dem königlichen Bereich zuordneten. Mit ihr kamen weitere Tonverschlüsse zum Vorschein. Einige trugen Abdrücke von gröberem Stoff und stärkeren Schnüren, vermutlich von Säcken mit Lebensmitteln.

Wir haben hier also nicht nur einen einzelnen Gegenstand mit einem bekannten Namen. Auch die anderen Funde helfen dabei, ihn in seinen damaligen Zusammenhang einzuordnen.

Warum die Herkunft wichtig ist

Abdrücke mit Hiskias Namen waren bereits seit den 1990er Jahren auf dem Antiquitätenmarkt bekannt. Warum bekam dieser Fund dann so viel Aufmerksamkeit? Weil er aus einer wissenschaftlichen Ausgrabung stammte. Nach Angaben des Grabungsteams war es der erste Siegelabdruck eines Königs von Israel oder Juda, der bei einer solchen Ausgrabung entdeckt wurde.

Bei einem Gegenstand vom Antiquitätenmarkt lässt sich häufig nicht mehr zuverlässig feststellen, wo und unter welchen Umständen er gefunden wurde. Das bedeutet nicht automatisch, dass er unecht ist. Aber wichtige Informationen fehlen. Welche anderen Gegenstände lagen daneben? Aus welcher Schicht kam er? Was wissen wir über den ursprünglichen Fundort?

Bei der Bulla aus Jerusalem ist dieser Zusammenhang dokumentiert. Für die historische Einordnung macht das einen Unterschied. Es geht eben nicht nur darum, ob die Inschrift zu unseren Erwartungen passt, sondern auch darum, wie sich der Fund überprüfen lässt.

Die Bilder neben der Schrift

Auf dem Abdruck steht nicht nur Text. Er zeigt auch eine Sonne mit zwei nach unten gerichteten Flügeln. Rechts und links befinden sich zwei Anchzeichen, die für Leben stehen. Solche Motive kennen viele von uns vor allem aus Ägypten. Die geflügelte Sonne gehörte allerdings zu einer Bildsprache, die auch darüber hinaus im Alten Orient verbreitet war.

Was die Zeichen in diesem konkreten Fall ausdrücken sollten, ist schwieriger zu beantworten. Eilat Mazar erwog einen Zusammenhang mit Hiskias in der Bibel beschriebener Genesung von einer lebensbedrohlichen Krankheit. Sie brachte die Gestaltung deshalb mit seiner späteren Regierungszeit in Verbindung.

Das ist ein interessanter Gedanke. Aber hier möchte ich zwischen dem Fund und seiner Deutung unterscheiden. Die Inschrift berichtet weder von einer Krankheit noch von einer Heilung. Dass die Symbolik zu diesem Ereignis passen könnte, ist noch kein Beleg dafür, dass sie deshalb gewählt wurde.

Was bestätigt der Siegelabdruck?

Wenn wir uns auf den eigentlichen Befund beschränken, bleibt bereits einiges übrig: ein Siegelabdruck aus Jerusalem, der Hiskia, Ahas und den Titel „König von Juda“ nennt. Dazu kommen der dokumentierte Fundzusammenhang und eine zeitliche Einordnung, die zu diesem König passt. Damit haben wir einen archäologischen Beleg für einen Herrscher und seine familiäre Verbindung, die uns auch im biblischen Bericht begegnen.

Ob Hiskia das Siegel persönlich in den Ton drückte, wissen wir dadurch nicht. Auch bestätigt dieser Abdruck nicht automatisch jedes Ereignis, das über ihn erzählt wird. Das sollte man nicht behaupten.

Aber wir müssen den Fund auch nicht größer machen, als er ist, damit er Bedeutung hat. In dieser Reihe gehe ich der Frage nach, ob sich historische Angaben der Bibel auch außerhalb ihrer Seiten bestätigen lassen. Hier haben wir ein konkretes Beispiel dafür: Ein Siegelabdruck nennt Hiskia, seinen Vater Ahas und seinen Titel als König von Juda. Diese Angaben stimmen mit dem biblischen Bericht überein. Das bestätigt nicht jede Aussage über sein Leben, gibt uns aber einen weiteren Grund, die Bibel als historische Quelle ernst zu nehmen.

Was ich von dieser Spurensuche mitnehme

Für mich ist damit auch dieser Fund ein Grund, die historischen Angaben der Bibel ernst zu nehmen. Nicht, weil ein kleines Stück Ton jede Frage beantwortet, sondern weil wir daran eine konkrete Angabe überprüfen können. Hiskia begegnet uns nicht ausschließlich auf den Seiten der Bibel.

Dabei möchte ich weder mögliche Deutungen als gesicherte Tatsachen darstellen noch die Bedeutung einer tatsächlichen Übereinstimmung kleinreden. Wenn ich wissen will, warum ich glaube, was ich glaube, gehört beides dazu: Fragen zu stellen und die Antworten sorgfältig zu prüfen.

Bei meiner Suche bin ich noch auf einen weiteren Fund gestoßen, der denselben Hiskia nennt: das Taylorprisma. Dort berichtet der assyrische König Sanherib über seinen Feldzug gegen Juda. Mehr dazu hoffentlich bald, ich arbeite dran …

In diesem Sinne: Sei auch du mutig in deinen Nachforschungen und freue dich über jede gefundene Wahrheit.


Eure Lizzy

 

Quellen und weiterführende Informationen

BBC News: „Impression of biblical king’s seal found in Jerusalem“. Zum Fund und seiner Bekanntgabe.
https://www.bbc.com/news/world-middle-east-34988649

Armstrong Institute of Biblical Archaeology: „Hezekiah Bulla“. Überblick zum Siegelabdruck Hiskias.
https://armstronginstitute.org/773-hezekiah-bulla

ScienceDaily: „Impression of King Hezekiah’s royal seal discovered in excavations in Jerusalem“. Mitteilung der Hebräischen Universität Jerusalem zu Fundumständen, Inschrift, Gestaltung und möglichen Deutungen.
https://www.sciencedaily.com/releases/2015/12/151202132519.htm

Wikipedia: „King Hezekiah bulla“. Ergänzender Überblick zum Fund.
https://en.wikipedia.org/wiki/King_Hezekiah_bulla


Bibel Software:

https://www.accordancebible.com

Bilderquellen:

https://www.canva.com
(Bildbearbeitung)

https://unsplash.com/

(Bildersuche für Hintergründe) 

Bulla: Image credit: Ouria Tadmor / Eilat Mazar

Dienstag, 20. Oktober 2026

Fundsache #7: Ein versteckter Segen

Wusstet ihr schon, dass in einem einfachen Abschiedsgruß ein kleiner Segen stecken kann?

Laut Merriam-Webster ist das englische „Goodbye“ aus „God be with you“ entstanden, „Gott sei mit dir“.

Auch das spanische „adiós“, das französische „adieu“ und das italienische „addio“ tragen diesen Gedanken in sich: „Gott befohlen.“

Und im Deutschen? Unser „Ade“ kommt ebenfalls von „adieu“, und auch „Tschüss“ hat dort seine Wurzeln.

Ein schöner Gedanke: Manchmal geben wir einander beim Abschied einen Segen mit, ohne es zu wissen.


In diesem Sinne, Goodby


Eure Lizzy