Ich muss zugeben, dass ich diese Frage gut und berechtigt finde. Wir als Christen sollten darauf auch eine gute Antwort haben. Gerade wenn jemand noch jung im Glauben ist, kann ihn eine solche Frage ins Stolpern bringen. Schnell machen sich Zweifel breit, wenn man selbst noch nicht genauer darüber nachgedacht hat, warum man der Bibel vertraut.
Deshalb beschäftige ich mich in dieser Serie mit äußeren Belegen für die historische Zuverlässigkeit der Bibel. Welche Menschen, Orte und Ereignisse begegnen uns auch in anderen Quellen? Was wurde in der Archäologie gefunden, und was können uns diese Funde tatsächlich bestätigen? (In Zukunft hoffe ich, auch mal darüber zu schreiben, was innerhalb der Bibel selbst für ihre Glaubwürdigkeit spricht.)
Besonders interessant finde ich es, wenn nicht die Israeliten selbst über ihre Geschichte berichteten, sondern ihre Nachbarn oder sogar ihre Feinde. Solchen Berichten sind wir schon in den vorherigen Beiträgen begegnet.
Auch bei der heutigen Spurensuche bin ich wieder auf einen solchen Fund gestoßen. Diesmal ist es keine Stele, sondern ein Tonprisma. Darauf ließ der assyrische König Sanherib seine Feldzüge festhalten. Unter den Herrschern, die er darin erwähnte, befand sich auch ein König, den wir aus der Bibel kennen: Hiskia von Juda. Doch bevor wir uns diesen Fund genauer ansehen, sollten wir zunächst wissen, wer Sanherib eigentlich war und wie es zu seinem Angriff auf Juda kam.
Wer war Sanherib?
Sanherib regierte das assyrische Reich von 705 bis 681 v. Chr. Er hatte den Thron nach dem Tod seines Vaters Sargon II. übernommen. Das Kernland dieses Reiches lag im Gebiet des heutigen Nordiraks, doch seine Herrschaft reichte weit darüber hinaus. Assyrien war damals eine der mächtigsten Großmächte der Region.
Viele kleinere Königreiche waren von Assyrien abhängig. Ihre Herrscher mussten die assyrische Oberherrschaft anerkennen und Abgaben in Form eines Tributs zahlen. Wer sich widersetzte, musste mit einem militärischen Angriff rechnen. Städte wurden erobert, Menschen verschleppt und ihre Besitztümer als Beute mitgenommen.
Nach dem Tod Sargons II. sahen mehrere unterworfene Herrscher eine Gelegenheit, sich von Assyrien zu lösen. Zu ihnen gehörte auch Hiskia. Er war damals König von Juda und regierte in Jerusalem.
Sanherib wollte diesen Widerstand natürlich nicht hinnehmen. Im Jahr 701 v. Chr. zog er nach Westen, um seine Herrschaft durchzusetzen und dieser Feldzug führte ihn dann auch nach Juda.
Über diesen Krieg berichtet nicht nur die Bibel, auch Sanherib ließ seine Erfolge schriftlich festhalten. Seine Seite der Geschichte ist unter anderem auf dem Taylorprisma erhalten.
Ein Tonprisma mit Geschichte
Seinen heutigen Namen erhielt das Taylorprisma nach dem britischen Oberst Robert Taylor, der es 1830 erwarb. Im Jahr 1855 gelangte es dann ins British Museum in London, wo es sich noch heute befindet.
Es besteht aus Ton, ist etwas mehr als 38 Zentimeter hoch und auf seinen sechs Seiten dicht mit Keilschrift beschrieben. Es stammt aus Ninive, einer bedeutenden Stadt des assyrischen Reiches, die uns auch aus anderen biblischen Berichten bekannt ist. (Hier eine Übersetzung)
Etwa zehn Jahre nach seinem Feldzug gegen Juda ließ Sanherib 691 v. Chr. auf dem Prisma über diesen und weitere Feldzüge berichten, um seine Macht und seine Erfolge festzuhalten.
Für unsere Spurensuche ist besonders der Abschnitt über Hiskia interessant. Hier begegnet uns ein König aus der Bibel in den Aufzeichnungen seines Gegners. Sanherib nannte nicht nur Hiskias Namen, sondern berichtete auch über seinen Angriff auf Juda.
Was hat die Bibel über diese Ereignisse zu sagen?
Was berichtet die Bibel?
In 2. Könige 18,7 lesen wir, dass Hiskia sich gegen den König von Assyrien auflehnte und ihm nicht mehr diente. Einige Verse später folgt dann der Bericht über Sanheribs Angriff auf die befestigten Städte Judas, die er einnahm (2. Könige 18,13).
Beim Lesen kann ich mir gut vorstellen, wie bedrohlich diese Situation gewesen sein musste. Juda rangelte hier nicht mit irgendeinem kleinen Nachbarreich. Hier rückte die Armee einer Großmacht vor und während eine Stadt nach der anderen fiel, blieb Hiskia in Jerusalem.
Mit dem biblischen Bericht im Hinterkopf schauen wir mal, was Sanherib selbst über seinen Feldzug hat aufschreiben lassen.
Hiskia in den Aufzeichnungen seines Feindes
Als erstes vorn heran, Sanherib benannte Hiskia ausdrücklich als Herrscher von Juda und beschrieb ihn als jemanden, der sich seinem Joch nicht unterwerfen wollte.
Anschließend behauptete Sanherib, 46 befestigte Städte Judas sowie zahlreiche kleinere Ortschaften belagert und eingenommen zu haben. Er berichtete von Beute und von den Menschen, die er aus dem Land wegführen ließ.
Die genaue Zahl der eroberten Städte finden wir im biblischen Bericht nicht. Aber der Angriff auf die befestigten Städte Judas wird dort ebenfalls beschrieben.
Das finde ich bemerkenswert. Wir haben hier nicht bloß zwei Texte, in denen zufällig derselbe Name vorkommt. Beide berichten von demselben assyrischen König, demselben judäischen Herrscher und demselben Angriff auf dessen Land. Damit haben wir eine außerbiblische Bestätigung für wesentliche Angaben des biblischen Berichts.
Natürlich erzählte Sanherib, wie auch die Ägypter und Moabiter, die Geschichte aus seiner eigenen Sicht. Er wollte der Welt zeigen, wie erfolgreich er gewesen war und was mit denen geschah, die sich ihm widersetzten. Und bestätigt somit, wenn auch ungewollt, wesentliche Angaben der Geschichte, die wir auch aus der Bibel kennen.
Dass er sich selbst verherrlichen wollte, macht seine Inschrift als historische Quelle nicht wertlos. Es bedeutet lediglich, dass wir beim Lesen berücksichtigen müssen, wer hier sprach und was er mit seinem Bericht erreichen wollte.
Wie ein Vogel im Käfig
Besonders bekannt ist Sanheribs Beschreibung dessen, was er mit Hiskia getan hatte. Sinngemäß erklärte er, er habe ihn in Jerusalem, seiner Königsstadt, eingeschlossen wie einen Vogel im Käfig.
Welch eine interessante Veranschaulichung. Sanherib zeichnete das Bild eines geschwächten Königs, der nach der Verwüstung seines Landes und dem Verlust zahlreicher Städte in Jerusalem eingeschlossen war. Doch bei all den Erfolgen, die Sanherib aufzählte, fällt etwas Wichtiges auf: Eine Eroberung Jerusalems beanspruchte er nicht. Und genau hier passen seine Aufzeichnungen zum biblischen Bericht, denn auch dort fiel die Stadt nicht in seine Hände.
Weshalb Jerusalem nicht fiel, erklärte Sanherib allerdings nicht. Bevor ich darauf zurückkomme, möchte ich mir noch ein weiteres Detail ansehen, das in beiden Berichten vorkommt: Hiskias Zahlung an den assyrischen König.
Gold und Silber für Sanherib
In 2. Könige 18,14 bis 16 lesen wir, welchen Preis Hiskia zahlen musste: 30 Talente Gold und 300 Talente Silber verlangte der assyrische König von ihm. Ein Talent war eine Gewichtseinheit, und um diese Mengen aufzubringen, griff Hiskia auf die Schätze des Tempels und des Königshauses zurück. Selbst das Gold an den Türen und Türpfosten des Tempels ließ er dafür entfernen.
Auch Sanherib hielt diese Zahlung fest. Bei den 30 Talenten Gold stimmen seine Angaben mit dem biblischen Bericht überein, beim Silber nannte er allerdings 800 statt 300 Talente.
Diese Abweichung möchte ich nicht einfach übergehen. Wenn ich nach Bestätigungen suche, gehören Unterschiede ebenso dazu. Weshalb die Silbermengen voneinander abweichen, lässt sich aus den beiden Texten allein nicht sicher erklären. Dennoch bestätigen beide die Tributzahlung Hiskias und nennen dabei dieselbe Goldmenge.
Warum Jerusalem nicht fiel
Damit bleibt für mich noch die Frage, weshalb Jerusalem trotz allem nicht in Sanheribs Hände fiel. In 2. Könige 19 führt uns der Bericht von den Drohungen der Assyrer zu Hiskias Gebet und zur Zusage Gottes durch den Propheten Jesaja.
Nachdem bereits zahlreiche Städte seines Landes gefallen waren, brachte Hiskia seine Not vor Gott. Er wusste um die Macht der Assyrer. Ihre Drohungen waren angesichts der Verwüstungen in Juda keine leeren Worte.
Die Bibel berichtet, dass Gott eingriff: Nach 2. Könige 19,35 schlug der Engel des HERRN in einer Nacht 185.000 Mann im assyrischen Lager. Sanherib zog daraufhin ab und kehrte nach Ninive zurück.
Davon ist auf dem Taylorprisma nichts zu lesen. Es liefert uns keine außerbiblische Bestätigung für dieses Eingreifen Gottes oder die Zahl der Toten. Wer darin einen Beleg für die gesamte biblische Erzählung sieht, geht über das hinaus, was die Inschrift tatsächlich hergibt.
Dass Sanherib keine Eroberung Jerusalems beanspruchte, passt zum Ausgang des biblischen Berichts. Warum die Stadt bewahrt blieb, erfahren wir jedoch aus der Bibel, nicht aus seinen Aufzeichnungen.
Was bestätigt das Taylorprisma?
Für mich liegt der Wert dieses Fundes gerade darin, dass die Bestätigung aus den Aufzeichnungen des Gegners kommt. Sanherib wollte seine Macht zeigen, nicht die Glaubwürdigkeit der Bibel unterstützen. Trotzdem hinterließ er mit seinem Bericht über Hiskia, den Angriff auf Juda und die Tributzahlung eine außerbiblische Bestätigung wesentlicher geschichtlicher Angaben aus 2. Könige.
Dabei müssen die Unterschiede weder verschwiegen noch die Übereinstimmungen kleingeredet werden. Die abweichende Silbermenge bleibt eine offene Frage. Sie ändert aber nichts daran, dass uns hier dieselben Herrscher im selben Konflikt begegnen.
Wenn mich heute jemand fragt, warum ich die Bibel für glaubwürdig halte, gehört auch dieser Fund zu meiner Antwort. Nicht, weil ein Tonprisma jede Frage klärt, sondern weil ich daran nachvollziehen kann, wie sich ein biblischer Bericht mit einer Quelle außerhalb der Bibel vergleichen lässt.
Mich fasziniert, dass Sanherib seine Seite der Geschichte festhalten ließ und wir sie noch rund 2.700 Jahre später lesen können. Er wollte als mächtiger König in Erinnerung bleiben. Dabei hinterließ er uns auch ein Zeugnis über Hiskia, den wir aus der Bibel kennen.
Gerade angesichts der Zweifel an der historischen Zuverlässigkeit der Bibel haben solche Funde Gewicht. Hier bestätigt eine außerbiblische Quelle wesentliche Angaben des biblischen Berichts, und das ausgerechnet aus der Sicht des Gegners. Solche Bestätigungen sollten begründetes Vertrauen in die historischen Berichte der Bibel schaffen.
In diesem Sinne: Sei auch du mutig in deinen Nachforschungen und freue dich über jede gefundene Wahrheit.
Quellen und Bibelstellen
- British Museum: „The Taylor Prism“,
Museumsnummer 91032. Angaben zu Herkunft, Material,
Maßen, Datierung, Erwerbung und Inhalt der Inschrift.britishmuseum
- Encyclopaedia
Britannica: „Sennacherib“. Zur Regierungszeit Sanheribs, zur Nachfolge
seines Vaters Sargon II. und zum assyrischen Reich.britannica
- The Metropolitan Museum of Art:
„Sennacherib and Jerusalem“. Zum historischen Hintergrund,
zum Widerstand gegen die assyrische Herrschaft und zu Sanheribs Feldzug im
Jahr 701 v. Chr.metmuseum
- Tyndale House: „Artefact in Focus: The
Taylor Prism“, 1. Juli 2026. Zur Einordnung des Prismas und zum Vergleich der
assyrischen Inschrift mit dem biblischen Bericht.tyndalehouse
- Loyola University Chicago: „Sennacherib’s
War against Hezekiah“. Englische Übersetzung des
Inschriftabschnitts über Hiskia, die eroberten Städte, die Einschließung
Jerusalems und die Tributzahlung.avande1.sites.luc
- Biblische
Texte: 2. Könige 18,7 sowie 18,13 bis 19,37. Parallelberichte finden sich
in Jesaja 36 bis 37 und 2. Chronik 32. Die biblischen Aussagen im Beitrag
sind sinngemäß wiedergegeben.
Bibel Software:
https://www.accordancebible.com
Bilderquellen:
https://www.canva.com
(Bildbearbeitung)
(Bildersuche für Hintergründe)
Taylor
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