Samstag, 26. September 2026
Dienstag, 22. September 2026
Auf der Spur Jesu: Der Menschensohn
Der Titel „Menschensohn“ gehört zu den auffälligsten und zugleich am häufigsten missverstandenen Begriffen der Bibel. Wie so viele, auch mich einst eingeschlossen, verbinden diesen Titel direkt mit Jesus. Das ist nicht unbedingt falsch, aber wenn man dann im Alten Testament liest, kommen schnell Fragen, Zweifel und Missverständnisse auf, denn wir müssen zwischen Titel und Ausdruck unterscheiden.
Bei Jesus begegnet „der Menschensohn“ als besondere
Selbstbezeichnung. Im Alten Testament ist „Menschensohn“ dagegen zunächst kein
fester messianischer Titel und auch nicht automatisch eine Bezeichnung für eine
göttliche Person.
Gerade deshalb ist es wichtig, die verschiedenen
Verwendungen auseinanderzuhalten. Der Ausdruck „Menschensohn“ taucht schon so
früh wie in 4. Mose auf. Besonders in Hesekiel und Daniel 8 beschreibt er
jedoch einen sterblichen Menschen vor Gott. In Daniel 7 dagegen erscheint eine
besondere Gestalt „wie eines Menschen Sohn“, die ewige Herrschaft empfängt.
Erst anschließend stellt sich die Frage, ob diese Gestalt messianisch zu
verstehen ist und schließlich, wie wir Christen sie auf Jesus beziehen.
„Menschensohn“ bei Hesekiel
Am deutlichsten begegnet die gewöhnliche alttestamentliche
Bedeutung im Buch Hesekiel. Gleich zu Beginn seiner Berufung sagt Gott zu ihm:
„Und er sprach zu mir: Menschensohn, stelle dich auf deine
Füße, und ich will mit dir reden!“
Gott redet Hesekiel im Verlauf des Buches immer wieder als
„Menschensohn“ oder, je nach Übersetzung, als „Menschenkind“ an. Die zugrunde
liegende hebräische Wendung lautet ben-’adam (בֶּן־אָדָם) und bedeutet
wörtlich „Sohn des Menschen“ beziehungsweise „Sohn Adams“. Gemeint ist kein
besonderer Ehrentitel, sondern ein einfacher Mensch, ein sterblicher
Angehöriger der Menschheit. Die Wendung erscheint im Buch Hesekiel rund 93-mal
und prägt damit die gesamte prophetische Berufung und Botschaft des Propheten.
Im Gegensatz zu Jesus erhöht diese Anrede Hesekiel also
nicht zu einer übermenschlichen Gestalt, sondern erinnert Hesekiel und uns
vielmehr daran, dass er trotz seines außergewöhnlichen Auftrags ein Mensch
bleibt: sterblich, begrenzt und vollständig auf Gottes Wort, Geist und Auftrag
angewiesen.
Der Ausdruck erinnert uns daran, dass zwischen dem Schöpfer
und seinem Geschöpf ein grundlegender Unterschied besteht.
Hesekiel sieht Gottes Herrlichkeit, empfängt Gottes Wort und
wird als Prophet zu einem widerspenstigen Volk gesandt. Aber er ist nicht der
Ursprung dieser Offenbarung. Er spricht nicht aus eigener Vollmacht. Er ist der
menschliche Bote dessen, der ihn beruft.
Gerade in diesem Kontrast liegt die Kraft der Anrede: Gott
ist der allmächtige Herr, Hesekiel ist sein Geschöpf. Gott ist der Redende,
Hesekiel der Empfangende. Gott sendet, Hesekiel wird gesandt.
Daniel 8: Ein sterblicher Empfänger
Dieselbe Grundbedeutung findet sich auch bei Daniel. In
Daniel 8,17 tritt der Engel Gabriel an Daniel heran und spricht ihn als
„Menschensohn“ an:
„Merke auf, Menschensohn! Denn die Vision gilt für die Zeit
des Endes.“
Auch hier bezeichnet „Menschensohn“ nicht den Messias.
Daniel wird nicht als zukünftiger König, himmlische Gestalt oder göttlicher
Herrscher angesprochen. Er ist der menschliche Empfänger einer Offenbarung, die
aus der himmlischen Welt zu ihm kommt.
Daniel ist von dieser Vision vollkommen überwältigt. Es ist
keine Kleinigkeit, die er da sieht, und Gabriel muss ihm erst erklären, was das
alles zu bedeuten hat. Der Zusammenhang macht deutlich: Mit „Menschensohn“ ist
hier der begrenzte Mensch vor einem himmlischen Boten und vor Gottes großem
Handeln in der Geschichte gemeint.
Wer jedoch das ganze Buch Daniel von Anfang an gelesen hat,
wird von Kapitel 7 etwas überrascht und vielleicht auch etwas verwirrt sein,
denn hier scheint „Menschensohn“ plötzlich etwas ganz anderes zu bedeuten.
Schauen wir es uns also etwas genauer an.
Daniel 7: Eine andere Szene
Wenn wir Daniel 7 aufmerksam lesen, finden wir auch hier den
Begriff „Menschensohn“, jedoch in einem vollkommen neuen Zusammenhang. Daniel
wird hier nicht selbst als „Menschensohn“ angesprochen. Daniel sieht vielmehr
in einer Nachtvision:
„Und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels wie
eines Menschen Sohn und gelangte zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn
gebracht. Der gab ihm Macht, Ehre und Reich, dass ihm alle Völker und Leute aus
so vielen verschiedenen Sprachen dienen sollten. Seine Macht ist ewig und
vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende.“
Diese Worte stehen im Rahmen einer Vision, in der vier
gewaltige Reiche als Tiere erscheinen. Die Tiere stehen für brutale,
gewalttätige und vergängliche Mächte und Reiche. Nach ihnen erscheint keine
weitere Bestie, sondern „einer wie eines Menschen Sohn“, also eine menschlich
erscheinende Gestalt.
Die Wendung lautet hier nicht Hebräisch ben-’adam (בֶּן־אָדָם), sondern
Aramäisch bar ’enāš (בר אנשׁ). Sie bedeutet zunächst ungefähr: „einer
wie ein Mensch“ oder „einer wie ein Menschensohn“. Die Gestalt wird nicht
einfach „der Menschensohn“ genannt; Daniel beschreibt, was er sieht.
Doch die Rolle dieser Gestalt ist außergewöhnlich:
- Sie
kommt mit den Wolken des Himmels.
- Sie
tritt vor den Hochbetagten, also vor Gott.
- Sie
erhält Herrschaft, Ehre und ein Königtum.
- Ihre
Herrschaft umfasst alle Völker, Nationen und Sprachen.
- Ihr
Reich ist unvergänglich und wird nicht zerstört.
Das kann also nicht mit der gewöhnlichen Verwendung von
„Menschensohn“ in Hesekiel oder Daniel 8 gleichgesetzt werden. Dort wird ein
sterblicher Prophet angesprochen. Hier erhält eine menschenähnliche Gestalt
eine ewige, universale Herrschaft.
Ist der Menschensohn messianisch?
Bevor wir uns diese Frage stellen, sollten wir kurz klären,
was „messianisch“ eigentlich bedeutet. Das Wort kommt von dem hebräischen
Wort Maschiach (מָשִׁיחַ),
also „der Gesalbte“. Im Griechischen lautet das Wort Christos (Χριστός).
Messianisch bedeutet hier deshalb nicht unbedingt, dass etwas mit Jesus zu tun
hat. Es geht zunächst um die Erwartung eines von Gott erwählten Königs, Retters
oder Herrschers. Christen glauben, dass Jesus dieser Messias ist.
Die Frage ist hier aber erst einmal: Kann die Gestalt in
Daniel 7 schon für sich genommen als messianisch verstanden werden?
Hier muss man sorgfältig unterscheiden. Daniel 7 ist
zweifellos eine endzeitliche Königsherrschaftsvision. Die Frage lautet jedoch:
Wen oder was stellt die menschliche Gestalt dar?
Verschiedene Deutungen
Eine verbreitete Deutung sieht die Gestalt als symbolische
Darstellung der „Heiligen des Höchsten“. Später im Kapitel wird gesagt, dass
die Heiligen das Reich empfangen werden. So wie die Tiere für Weltreiche
stehen, könnte die menschliche Gestalt für Gottes bedrängtes, aber schließlich
von Gott vindiziertes Volk stehen.
Andere verstehen die Gestalt als einen individuellen,
himmlischen Repräsentanten, etwa eine Engelgestalt, einen endzeitlichen König
oder den Messias. Diese Deutung nimmt besonders ernst, dass die Gestalt mit den
Wolken kommt und persönlich vor den Hochbetagten tritt, um Herrschaft zu
empfangen.
Deshalb wäre es zu einfach zu sagen: „Daniel 7 nennt
eindeutig und ausdrücklich den Messias.“ Der Text verwendet dort weder das Wort
„Messias“ noch erklärt er direkt: „Diese Gestalt ist der Messias.“
Aber ebenso wäre es zu einfach zu behaupten, die
messianische Deutung sei rein christlich oder erst nachträglich erfunden.
Daniel 7 wurde innerhalb jüdischer Auslegung unterschiedlich gelesen, und die
Bildsprache einer menschlichen, von Gott erhöhten endzeitlichen
Herrschaftsfigur konnte messianisch verstanden werden.
Die Frage bleibt also offen. Daniel 7 verwendet nicht
ausdrücklich das Wort „Messias“, beschreibt aber eine Gestalt, die von Gott
Herrschaft, Ehre und ein unvergängliches Reich erhält. Genau deshalb konnte
diese Vision in jüdischen Auslegungstraditionen messianisch verstanden werden,
auch wenn diese Deutung nicht die einzige Möglichkeit ist.
Daniel nennt die Gestalt nicht ausdrücklich den Messias und
erst recht nicht Jesus. Dennoch haben wir als Christen guten Grund zu glauben,
dass diese Worte auf Jesus hinweisen. Im Matthäusevangelium greift Jesus selbst
die Worte aus Daniel 7 auf, als er vor dem Hohen Rat gefragt wird, ob er der
Christus, also der Messias, der Sohn Gottes sei. Darauf werden wir gleich noch
genauer eingehen. Siehe Markus 14,61–62 und vgl. Matthäus 26,63–64.
Die christliche Anwendung auf Jesus
Erst an diesem Punkt beginnt die ausdrücklich christliche
Anwendung. Christen bekennen nicht, dass jeder Gebrauch von „Menschensohn“ im
Alten Testament Jesus meint. Hesekiel ist nicht Jesus. Daniel in Kapitel 8 ist
nicht Jesus. Auch die Formulierung in Daniel 7 wird nicht dadurch automatisch
christlich, dass Christen sie später auf Jesus beziehen.
Die christliche Überzeugung lautet vielmehr: Jesus greift
die Bildwelt von Daniel 7 auf und wendet sie auf sich selbst an.
Besonders deutlich wird dies, wie bereits erwähnt, im Verhör
Jesu vor dem Hohen Rat. Auf die Frage des Hohenpriesters, ob er der Messias
sei, antwortet Jesus im Markusevangelium:
„Jesus aber sprach: Ich bin es! Und ihr werdet den Sohn des
Menschen sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen mit den Wolken des
Himmels.“
Vielleicht fällt beim Lesen auf, dass Markus und Matthäus
die Antwort Jesu etwas unterschiedlich wiedergeben. Markus schreibt: „Ich bin
es“, während es bei Matthäus heißt: „Du sagst es.“ Das kann zunächst wie ein
Widerspruch wirken. Doch direkt danach sagen beide Evangelien dasselbe
Entscheidende: Jesus spricht vom Menschensohn, der zur Rechten der Macht sitzt
und mit den Wolken des Himmels kommt. Beide Berichte verbinden damit die Frage,
ob Jesus der Christus, also der Messias, sei, mit den Worten aus Daniel 7.
Jesus verbindet hier zwei wichtige Texte:
- Daniel
7,13: die Gestalt, die mit den Wolken des Himmels kommt.
- Psalm
110,1: der Herr, der zur Rechten Gottes sitzt.
Diese Verbindung ist kein Zufall. Sie stellt Jesus in den
Mittelpunkt der endzeitlichen Herrschaft, Erhöhung und Vollmacht. Markus 14,62
greift nach verbreiteter Auslegung bewusst Daniel 7 und Psalm 110 zusammen auf.
Für Christen ist Jesus daher der Menschensohn aus Daniel 7:
derjenige, der leidet, verworfen wird und sein Leben gibt, aber von Gott erhöht
wird und in Herrlichkeit herrscht.
Diese Anwendung ist christlich. Sie setzt den Glauben
voraus, dass Jesus der Messias ist und dass seine Worte, sein Tod, seine
Auferstehung und seine Erhöhung die Schriften erfüllen. Sie darf deshalb nicht
einfach in Daniel 7 hineingelesen werden, als hätte der Text die spätere
christliche Auslegung bereits vollständig ausformuliert.
Gleichzeitig ist die christliche Deutung nicht willkürlich.
Sie knüpft an die Sprache des Textes selbst an: an die Wolken des Himmels, die
Herrschaft vor dem Hochbetagten und das unvergängliche Reich.
Menschlichkeit und Göttlichkeit
Hier entsteht etwas theologisch sehr Bedeutendes.
Bei Hesekiel bezeichnet „Menschensohn“ klar den Menschen als
Geschöpf vor seinem Schöpfer. Der Ausdruck macht die Grenze sichtbar: Der
Prophet ist Mensch; Gott ist Gott.
Bei Jesus bejaht „der Menschensohn“ ebenfalls seine
wirkliche Menschlichkeit. Jesus hungert, wird müde, weint, leidet, wird
abgelehnt und stirbt. Der Titel bedeutet nicht, dass Jesus weniger Mensch war.
Er zeigt vielmehr, dass Jesus wirklich Mensch wurde und unser Leben teilte.
Doch in der christlichen Auslegung bleibt es nicht bei
dieser Seite. Jesus verbindet den Menschensohn auch mit Sündenvergebung, Leiden
für viele, Erhöhung zur Rechten Gottes und dem Kommen mit den Wolken des
Himmels. Der Ausdruck wird dadurch zum Teil des christlichen Bekenntnisses,
dass Jesus wahrhaft Mensch und zugleich wahrhaft Gott ist.
Was bei Hesekiel den Unterschied zwischen Gott und dem
Menschen sichtbar macht, wird im christlichen Bekenntnis zum Hinweis auf das
Geheimnis der Menschwerdung: Der, den Christen als wahrhaft Gott bekennen,
wurde wahrhaft Mensch.
Der Titel „Menschensohn“ bedeutet deshalb nicht einfach,
Jesus sei lediglich ein Mensch. Ebenso wenig ist er eine einfache Formel, die
seine Göttlichkeit ohne weiteren Zusammenhang beweist. Seine Tiefe liegt gerade
in der Verbindung von wirklicher menschlicher Niedrigkeit, dienendem Leiden,
von Gott verliehener Vollmacht und endzeitlicher Herrschaft.
Fazit
„Menschensohn“ ist in der Bibel nicht überall dasselbe.
In Hesekiel und Daniel 8 bezeichnet der Ausdruck einen
sterblichen Menschen, der Gottes Offenbarung empfängt. Er hält den
grundlegenden Unterschied zwischen Schöpfer und Geschöpf fest.
In Daniel 7 erscheint dagegen „einer wie eines Menschen
Sohn“ als besondere Gestalt, die mit den Wolken des Himmels kommt und von Gott
ewige Herrschaft empfängt. Ob diese Figur ursprünglich kollektiv, himmlisch
oder messianisch gedacht ist, bleibt Gegenstand der Auslegung. Ihre Rolle ist
jedoch eindeutig außergewöhnlich: Sie steht für Gottes endgültige Herrschaft
über die Reiche dieser Welt.
In der christlichen Auslegung erkennen wir in Jesus die
Erfüllung dieser Vision. Wenn Jesus in Markus 14 vom Menschensohn spricht, der
zur Rechten der Macht sitzt und mit den Wolken kommt, verbindet er die Sprache
aus Daniel 7 mit Psalm 110. Christen sehen darin nicht die Behauptung, dass
jeder „Menschensohn“ im Alten Testament Jesus meine, sondern die Überzeugung,
dass Jesus die besondere, herrschaftliche Menschensohn-Gestalt aus Daniel 7 auf
sich bezieht.
Heute am Ende, aber noch nicht fertig
Für mich persönlich ist jedoch noch ein weiterer Punkt
wichtig: Jesus selbst verwendet die Bezeichnung „Menschensohn“ in den
Evangelien mehr als achtzigmal für sich. Das allein beantwortet nicht jede
Frage, aber es gibt uns Christen guten Grund, seine Worte im Licht von Daniel 7
zu lesen.
Es gibt noch weitere gute Gründe, warum Christen in Jesus
den Menschensohn erkennen. In zukünftigen Beiträgen möchte ich mich deshalb
unter anderem mit Jesus als dem Eckstein beschäftigen, mit dem von Menschen
verworfenen Stein, den Gott zum Eckstein gemacht hat. Auch die Frage, wie die
Bibel von Jesu göttlicher Herrschaft und seinen göttlichen Eigenschaften
spricht, möchte ich später noch einmal genauer betrachten.
Ich habe mit diesem Thema also noch lange nicht
abgeschlossen. Ich werde mich weiter in mein Bibelstudium hineinknien, fleißig
lesen und die verschiedenen Bibelstellen miteinander vergleichen. Mal sehen,
wohin mich Gottes Wort dabei noch führt. Vielleicht gehen wir diesen Weg ja
gemeinsam weiter.
In diesem Sinne: Taucht tief in Gottes Wort ein und prüft
alles im Licht seiner Wahrheit.
Eure Lizzy
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Freitag, 18. September 2026
Nachtrag - Die Sache mit dem 5. Gebot: Wer entscheidet, welches Leben lebenswert ist?
Mein ursprünglicher Beitrag zum Thema befindet sich hier: Die Sache mit dem 5. Gebot: Wer entscheidet, welches Leben lebenswert ist?
Ein kurzer Nachtrag zu meinem vorhergehenden Beitrag.
Wieder bin ich auf einen weiteren Fall gestoßen, der mich nicht loslässt. In den Niederlanden hat erstmals ein schwer krankes Kind unter zwölf Jahren Sterbehilfe erhalten.
Ganz am Ende des Beitrags fast schon versteckt unter den Leseempfehlungen ein ganz wichtiger Absatz zum Ablschluss des Artikels...."Ob all die vorgeschriebenen Auflagen erfüllt worden sind, untersucht nun ein Ausschuss. Im Zuge der Überprüfung entscheidet sich, ob gegen die beiden Ärzte nicht doch Anklage wegen unrechtmäßiger Tötung erhoben wird."
Dienstag, 15. September 2026
Fundsachen #6 - Die Tücken der Übersetzung
Ein kleiner Buchstabe mit großer Bedeutung
Omi Faithful hört sich gerne Predigten an – auch auf Englisch, meist mit deutschen Untertiteln. Dabei ist ihr eine kleine Formulierung aufgefallen, die zeigt, wie entscheidend eine sorgfältige Übersetzung sein kann.
Im englischen Original hieß es:
I am yours, Lord.
In den deutschen Untertiteln stand jedoch:
Ich bin dein Herr.
Doch diese Übersetzung verändert die Aussage vollständig. Denn die entscheidende Frage lautet: Wer gehört eigentlich wem?
Im Original sagt ein Mensch zu Gott: „Ich bin dein, Herr.“ Das bedeutet: „Ich gehöre dir, Herr.“
Wahrscheinlich wurde beim Übersetzen das kleine s am Ende von yours übersehen. Aus yours – „dein“ im Sinn von „Ich gehöre dir“ – wurde offenbar gedanklich your Lord, also „dein Herr“.
your Lord = dein Herr
I am yours, Lord = Ich bin dein, Herr
Noch klarer: Ich gehöre dir, Herr
Ein einziges kleines s kann also die Bedeutung eines ganzen Satzes verändern. Deshalb lohnt es sich, Übersetzungen aufmerksam zu lesen und bei Unklarheiten auch einmal auf den Originaltext zu schauen.
In diesem Sinne: Sei mutig in deinen Nachforschungen – und freue dich über jede gefundene Wahrheit.
Eure Lizzy
Donnerstag, 10. September 2026
Fundsachen #5 Glauben vs Gehorsam
Dienstag, 8. September 2026
Jesus und die Frage nach seiner Göttlichkeit
Einer meiner Gesprächspartner befindet sich noch auf der Suche nach der Wahrheit und würde sich selbst wohl eher als Theist bezeichnen. Ein Theist ist jemand, der zwar an einen Gott glaubt, aber noch nicht sicher ist, wer dieser Gott eigentlich ist. Praktisch alle Religionen behaupten schließlich, den wahren Gott zu kennen, und ein Theist ist sich noch nicht sicher, welche von ihnen recht hat.
Ich erzählte also, dass ich Christin bin und Jesus als meinen Heiland angenommen habe.
Daraufhin bekam ich eine unerwartete und interessante Antwort: „Ich habe die Bibel gelesen, aber nirgendwo behauptet Jesus, dass er Gott ist.“
Meine Gegenfrage war ganz schlicht: „Sind Sie sich da ganz sicher?“
Unser folgendes Gespräch war ziemlich interessant. Ich kann es hier natürlich nicht vollständig wiedergeben, denn auch andere aus unserer Gruppe hatten ihre Meinungen dazu. Was mich überraschte, war, wie schnell nicht nur mein Gesprächspartner, sondern auch der eine oder andere Christ plötzlich recht unsicher wirkte. Dabei ist die Frage gar nicht so nebensächlich. Wenn Jesus nicht Gott ist, dann wäre er vielleicht nur ein Prophet, Lehrer oder besonders guter Mensch. Wenn er aber wirklich Gott ist, dann verändert das alles.
Paulus nimmt jedenfalls kein Blatt vor den Mund. Er schreibt: „Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“ (Kolosser 2,9). Das ist schon eine Aussage, die man nicht einfach so wegwischen kann.
Die Wahrheit ist: Jesus hat nicht einfach in genau diesen modernen Worten gesagt: „Ich bin Gott.“ Aber er hat auf viele verschiedene Arten deutlich gemacht, wer er ist. Was für uns heute vielleicht subtil wirkt, war für viele Menschen damals in ihrem jüdischen und biblischen Umfeld alles andere als unauffällig.
Dieses Gespräch hat mich eine Weile verfolgt, und ich dachte: Warum nicht einmal eine kleine Einführung in dieses wirklich spannende Thema schreiben?
Die folgenden Beispiele sind bei Weitem nicht alle. Sie sollen eher wieder eine kleine Spurensuche im Wort Gottes sein, vielleicht als Anregung für ein eigenes tieferes Bibelstudium. Und wer weiß: Vielleicht hilft es auch euch beim nächsten Gespräch, wenn wieder einmal jemand sagt: „Jesus hat doch nie behauptet, Gott zu sein.“
Denn die entscheidende Frage lautet ja nicht nur: Was sagt Jesus über sich selbst? Sondern auch: Was sagt Gott im Alten Testament über sich selbst, und welche Dinge tut oder beansprucht Jesus später?
Natürlich muss man beim Bibellesen immer auf den Zusammenhang achten. Aber manchmal sind die Parallelen wirklich so deutlich, dass man zumindest nicht einfach behaupten kann, Jesus habe nie einen Anspruch erhoben, der über den eines Propheten oder Lehrers hinausgeht.
Ehe Abraham wurde, bin ich
Fangen wir direkt mit einer Aussage an, die es wirklich in sich hat. In Johannes 8 spricht Jesus mit Menschen, die ihm nicht glauben wollen. Sie fragen ihn schließlich: „Bist du etwa größer als unser Vater Abraham?“Jesus antwortet: „Ehe Abraham wurde, bin ich“ (Johannes 8,58).
Das klingt für uns heute vielleicht erst einmal etwas seltsam. Abraham lebte schließlich viele Jahrhunderte vor Jesu Geburt in Bethlehem. Jesus sagt also nicht einfach: „Ich war schon vor Abraham da.“ Er sagt auch nicht: „Bevor Abraham war, war ich.“ Sondern: „Ehe Abraham wurde, bin ich.“
Warum ist das wichtig? Im Alten Testament begegnet Mose Gott am brennenden Dornbusch. Als Mose Gott nach seinem Namen fragt, antwortet Gott: „Ich bin, der ich bin“ (2. Mose 3,14).
Gott offenbart sich damit als der ewig Seiende, der nicht wird, sondern ist. Er steht über der Schöpfung, unabhängig von Zeit und Menschen.
Jesus verwendet in Johannes 8 eine Formulierung, die stark an diese Selbstoffenbarung Gottes erinnert. Dabei sollte man natürlich nicht behaupten, jedes „Ich bin“ sei automatisch ein Gottesname. Die Formulierung in 2. Mose 3,14 ist im Griechischen ausführlicher.
Aber der Zusammenhang ist auffällig: Jesus spricht von einer Existenz vor Abraham und verwendet dabei nicht einfach eine Vergangenheitsform. Er sagt „bin ich“ im Präsens, nicht „war ich“.
Die Reaktion seiner Zuhörer ist ebenfalls bemerkenswert. Direkt danach heben sie Steine auf, um ihn zu töten (Johannes 8,59). Sie verstanden seine Worte offenbar nicht als harmlose Bemerkung darüber, dass Jesus irgendwie älter als Abraham sei.
Für sie war es eine ungeheuerliche Aussage, ein Anspruch, den sie als Gotteslästerung auffassten.
Jesus hat hier nicht direkt gesagt: „Ich bin Gott.“ Aber er hat etwas gesagt, das nur Gott sagen kann. Und seine Zuhörer haben genau das verstanden.
Nur Gott kann Sünden vergeben
Fangen wir mit einem besonders deutlichen Beispiel an. Im Alten Testament sagt Gott in Jesaja 43,25: „Ich, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen und gedenke deiner Sünden nicht.“Sündenvergebung ist also nicht einfach eine nette Geste. Sünde richtet sich letztlich gegen Gott, und deshalb kann nur Gott sie wirklich vergeben.
Als Jesus einem Gelähmten sagte: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben“, waren die Schriftgelehrten deshalb schockiert. Sie fragten: „Wer kann Sünden vergeben außer Gott allein?“ Jesus korrigiert sie an dieser Stelle nicht und sagt auch nicht: „Nein, nein, ich meinte natürlich nur, dass Gott euch vergibt.“ Stattdessen bestätigt er seine Vollmacht, indem er den Gelähmten heilt. (Markus 2,1-12)
Jesus stillt den Sturm
Im Alten Testament wird immer wieder deutlich: Nur Gott hat
Gewalt über Meer und Sturm. In Psalm 107 heißt es über Menschen, die auf dem
Meer fuhren und in Not gerieten:
„Da schrien sie zum Herrn in ihrer Not, und er führte sie
heraus aus ihren Stürmen. Er stillte den Sturm, und die Wellen schwiegen“
(Psalm 107,28–29).
Dann lesen wir in Markus 4, dass Jesus mit seinen Jüngern
auf dem See ist. Ein gewaltiger Sturm kommt auf, und die Jünger haben Angst.
Jesus steht auf, bedroht den Wind und sagt zum Meer:
„Schweig! Verstumme!“ Und der Wind legt sich, und es wird ganz still (Markus
4,37–39).
Die Jünger fragen sich daraufhin: „Wer ist der, dass ihm
sogar Wind und Meer gehorchen?“
Das ist eine berechtigte Frage. Denn sie erkennen: Hier wirkt eine Macht, die nach dem Zeugnis des Alten Testaments Gott allein zusteht. Jesus tut, was nur Gott tun kann.
„Ich und der Vater sind eins“
Jesus sagt in Johannes 10,30: „Ich und der Vater sind eins.“
Auch diese radikale Aussage steht nicht einfach so im Raum. Die
Menschen, die Jesus hörten, verstanden diese als weit mehr als: „Wir haben
dieselbe Meinung“ oder „Wir arbeiten gut zusammen.“ Denn kurz darauf wollten sie ihn
steinigen.
Sie erklärten auch warum: „Nicht wegen eines guten Werkes
steinigen wir dich, sondern wegen Gotteslästerung, weil du, der du ein Mensch
bist, dich selbst zu Gott machst“ (Johannes 10,33).
Jesus hat hier also nicht nur erklärt, dass er Gott besonders nahe sei. Seine Zuhörer verstanden seine Aussage als einen Anspruch, der für einen bloßen Menschen Gotteslästerung gewesen wäre.
Eine Einladung zum selbst weiter lesen und suchen
Diese Beispiele sind bei Weitem nicht alles. Wenn du selbst
tiefer graben möchtest, achte beim Lesen der Bibel einmal auf folgendes Muster:
- Gott
allein kann Sünden vergeben. - Jesus vergibt Sünden.
- Gott
allein ist der Richter der Welt. - Jesus spricht Gericht.
- Gott
allein kann Tote auferwecken. - Jesus erweckt Tote.
- Gott
allein ist der Schöpfer. - Durch Jesus ist alles geschaffen.
- Gott
allein ist der Hirte Israels. - Jesus ist der gute Hirte.
- Gott
allein ist das Licht der Welt. - Jesus ist das Licht der Welt.
- Gott
allein ist „Ich bin“. - Jesus sagt: „Ich bin.“
Und noch ein kleiner Vorschlag zum eigenen Studium:
Vergleiche Jesaja 40 bis 55. Dort offenbart Gott sich als
der einzige Gott, als Schöpfer und als Retter. Lies anschließend das
Johannesevangelium mit diesen Aussagen im Hinterkopf. Achte darauf, welche
Eigenschaften und Titel Gott sich dort gibt und was Jesus über sich selbst
sagt.
Oder nimm dir die „Ich bin“-Worte Jesu im Johannesevangelium
vor:
- „Ich
bin das Brot des Lebens.“
- „Ich
bin das Licht der Welt.“
- „Ich
bin die Tür.“
- „Ich
bin der gute Hirte.“
- „Ich
bin die Auferstehung und das Leben.“
- „Ich
bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“
- „Ich
bin der Weinstock.“
Was bedeutet es, wenn Jesus diese Bilder verwendet, die im Alten Testament oft mit Gott verbunden sind?
Die Herausforderung
Natürlich kann man all diese Stellen lesen und trotzdem sagen: „Ich weiß nicht, ob mich das überzeugt.“ Das ist ehrlich. Glaube entsteht nicht dadurch, dass man möglichst viele Bibelverse abhakt oder in einer Diskussion die besseren Argumente hat.Aber Jesus lässt sich auch nicht so leicht auf die Rolle eines guten Lehrers reduzieren. Ein guter Lehrer zeigt auf Gott. Jesus ruft Menschen zu sich. Er vergibt Sünden, spricht von ewigem Leben, stillt den Sturm, nimmt Titel und Bilder auf, die im Alten Testament Gott selbst gehören, und sagt: „Ich und der Vater sind eins.“
Dann geht es nicht mehr nur um eine interessante theologische Frage.
Jesus sagte von sich selbst:
„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. “
(Johannes 14,6)
Nun: Ist er das – oder nicht?
In diesem Sinne: Taucht tief in Gottes Wort ein und prüft alles im Licht seiner Wahrheit.
Eure Lizzy
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Dienstag, 1. September 2026
Die Archäologische Bibel (3): Was ein Stein aus Moab über Israel und Gott erzählt
Dort regierte im 9. Jahrhundert vor Christus ein König namens Mescha. Sein Name begegnet uns auch in der Bibel, und zwar in 2. Könige 3. Dort lesen wir, dass Mescha, der König von Moab, dem König von Israel lange Zeit Tribut zahlen musste. Nach dem Tod König Ahabs lehnt er sich jedoch gegen Israel auf. Genau dieser Konflikt steht auch im Mittelpunkt eines der bekanntesten archäologischen Funde aus der Welt der Bibel: der Mescha-Stele, die oft auch Moabiterstein genannt wird.
Diese Stele ist ungefähr einen Meter hoch und trägt eine Inschrift mit 34 Zeilen. Mescha erzählt darin seine eigene Geschichte. Er schreibt, dass Moab lange unter der Herrschaft Israels gelitten habe. Dann berichtet Mescha, wie sein falscher Gott Kemosch Moab geholfen habe. Er erzählt, wie er Städte zurückerobert und aufgebaut habe. Natürlich beschreibt Mescha die Ereignisse aus seiner moabitischen Sicht. Er wollte nicht neutral berichten, sondern seinen Sieg feiern und seinen Gott ehren. Gerade das macht die Stele aber so interessant: Wir hören hier nicht nur die Stimme Israels aus der Bibel, sondern auch die Stimme eines Nachbarvolkes. Mit anderen Worten: eine weitere unabhängige Quelle neben der Bibel.
Die Stele nennt auch ausdrücklich Omri, einen weiteren König Israels. Mescha berichtet, dass Omri Moab unterdrückt habe und dass auch sein Sohn Moab weiterhin unterdrücken wollte. Das ist für mich sehr interessant, denn hier treffen sich die Stele und der biblische Bericht. In der Bibel wird Omri als König des Nordreichs Israel genannt, und Ahab war sein Sohn. Auch 2. Könige 3 setzt genau in dieser Zeit an, als Moab sich gegen die Herrschaft Israels auflehnt. Die Mescha-Stele beweist nicht jedes Detail des biblischen Berichts. Es ist schon etwas Besonderes, diese Namen nicht nur im biblischen Bericht zu lesen, sondern auch auf einer alten Stele wiederzufinden.
Was ich auch faszinierend finde, ist, dass in der Stele von bestimmten Gegenständen geschrieben wird. Es heißt, dass Mescha, der Moabiter, die Geräte oder Gefäße JHWHs nahm und sie vor Kemosch brachte. JHWH ist die hebräische Schreibweise des Namens, den Gott im Alten Testament offenbart. Damit haben wir auf einer moabitischen Inschrift aus dem 9. Jahrhundert vor Christus eine außerbiblische Erwähnung des Gottes Israels. Das bedeutet nicht, dass Mescha JHWH verehrt hätte. Im Gegenteil: Er schreibt aus der Sicht eines Mannes, der dem Götzen Kemosch dienen wollte. Aber gerade deshalb ist es bemerkenswert, dass der Name JHWH hier erscheint. Ein Gegner Israels kannte den Gott, zu dem Israel gehörte.
Und dann gibt es noch eine Stelle, über die bis heute diskutiert wird. In Zeile 31 der Stele meinte der französische Epigraphiker André Lemaire, die Worte „Haus David“ erkennen zu können. Falls diese Lesung richtig ist, wäre das eine sehr frühe außerbiblische Erwähnung der davidischen Königsdynastie. „Haus David“ meint dabei nicht ein Gebäude, sondern die königliche Familie und Herrschaftslinie Davids, so wie auch „Haus Omri“ für das israelitische Königshaus stehen kann.
Hier ist jedoch Vorsicht geboten. Die Stelle ist beschädigt, und ein Teil des Textes muss aus älteren Abdrücken und aus dem erhaltenen Rest erschlossen werden. 2019 untersuchten Israel Finkelstein, Nadav Na’aman und Thomas Römer neue Fotografien sowie einen Abdruck der Stele, der aufgenommen worden war, bevor sie im 19. Jahrhundert zerbrochen wurde. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass „Haus David“ an dieser Stelle nicht mehr überzeugend gelesen werden könne. Stattdessen schlugen sie vorsichtig den Namen Balak vor, also den moabitischen König aus der Bileam-Erzählung in 4. Mose 22 bis 24. Nach ihrer Rekonstruktion könnte die betreffende Zeile sagen, dass Balak in Horonajim wohnte.
Diese alternative Lesung ist jedoch ebenfalls nicht einfach eine endgültige Lösung. Fachleute diskutieren weiter darüber, welche Buchstaben an dieser beschädigten Stelle wirklich gestanden haben und wie viel sich ergänzen lässt. André Lemaire hält an seiner Lesung „Haus David“ fest. Andere Forscher beurteilen die Stelle vorsichtiger und sehen die Frage als offen an. Wir können also nicht zu 100 Prozent sagen: Die Mescha-Stele beweist eindeutig das Haus Davids. Das wäre mehr, als der Fund hergibt. Aber wir dürfen sagen: Es gibt eine ernsthafte wissenschaftliche Diskussion darüber, ob die Stele das Haus Davids erwähnt. Die Lesung ist möglich und für viele sehr interessant, doch sie ist nicht so sicher wie die Erwähnung JHWHs oder des Hauses Omris.
Photo by Hendrik Cornelissen on Unsplash
Für jemanden wie mich, der seinen Glauben prüfen möchte, ist genau das wertvoll. Die Mescha-Stele zwingt uns nicht dazu, jeden Satz schnell als Beweis zu benutzen. Sie lädt uns dazu ein, genau hinzusehen. Wir haben einen moabitischen König, dessen Name auch in 2. Könige 3 vorkommt. Wir haben einen Konflikt zwischen Moab und Israel. Wir haben Omri und sein Königshaus. Und wir haben sogar den Namen JHWH auf einer Inschrift eines Nachbarvolkes. Das alles macht die Welt der Bibel geschichtlich greifbarer.
Die Frage nach dem Haus Davids bleibt dabei ein gutes Beispiel für ehrliche Spurensuche. Manche Spuren sind klarer als andere. Nicht jede beschädigte Zeile lässt sich mit letzter Sicherheit lesen. Darin liegt für mich aber kein Grund, vorschnell aufzugeben. Nicht jede Frage braucht einen perfekten Beweis, wenn der geschichtliche Rahmen bereits so viel trägt. Nun bin ich gespannt, wohin mich meine Spurensuche als Nächstes führt.
Ein Gedanke zum Schluß
Der Gott der Bibel lässt sich nicht von einem moabitischen König besiegen oder vereinnahmen.
Mescha schreibt auf seindass er Gefäße JHWHs vor Kemosch brachte. Für ihn war das ein Sieg seines falschen Gottes über Israel. Doch die Bibel gibt ihm nicht das letzte Wort. In 2. Könige 3 sehen wir, wie Gott Israels durch Elisa hilft, und Moab in die Hand der Könige gibt. Das Ende des Berichts bleibt offen und nicht leicht zu verstehen, aber auch das sehe ich als ein Zeichen eines treuen historischen Berichtes. Vielleicht liegt gerade darin seine besondere Stärke.
(Bildbearbeitung)
















