Es passiert mir immer wieder an den unerwartetsten Orten: ein kurzes Gespräch, das plötzlich tief wird. Man redet über Gott und die Welt, wie man so schön sagt, man plaudert über seine Ansichten und ich über meinen Glauben, und plötzlich sagt jemand: „Was glaubst du eigentlich, kommt nach dem Tod?“
Fast reflexartig kommt dann ein Satz, den du wahrscheinlich auch schon gehört hast: „Naja, ich hoffe schon, dass ich in den Himmel komme. Ich bin ja eigentlich ein ganz guter Mensch.“ In diesem Moment spüre ich, wie zwei Welten aufeinanderprallen: unser eigenes Empfinden von „ganz okay“ und Gottes Sicht, wie sie uns die Bibel lehrt.
Gute Menschen kommen in den Himmel...Oder?
Der Gedanke klingt zunächst logisch: Nur gute Menschen gehören in den Himmel. Niemand von uns möchte doch, dass Gewalt, Lüge, Missbrauch oder Egoismus einmal ewig weitergehen.
Also sortieren wir automatisch:
- „Die richtig Bösen“ - die gehören natürlich nicht in den Himmel.
- „Normale Leute wie ich“ - wir sind doch immerhin bemüht, anständig zu sein.
Mit anderen Worten: Wenn wirklich nur absolut gute Menschen in den Himmel kommen, dann hat keiner von uns eine Chance. Das ist die schlechte Nachricht, und sie trifft unseren Stolz sehr hart. Aber gebt jetzt nicht auf, die gute Nachricht kommt noch, versprochen.
Wenn Gott heute Nacht alles Böse beseitigt
Ich habe einmal eine Frage gehört, ich glaube, es war Frank Turek, der sie stellte, und die mich nicht mehr losgelassen hat:
„Stell dir vor, Gott würde heute Nacht um Punkt Mitternacht alles Böse endgültig auslöschen. Wärst du um 00:01 Uhr noch am Leben?“
Wir denken bei „Böse“ fast automatisch zuerst an andere: Kriminelle, korrupte Politiker, skrupellose Menschen, die andere übervorteilen und sich an anderen bereichern … es gibt reichlich Beispiele für die, die wir als ungerecht oder böse empfinden.
- Doch die Bibel fängt nicht bei „den Anderen“ an, sondern bei mir. Jesus verschärft das Gesetz so, dass es mitten ins Herz trifft: Wer einen Menschen grundlos haßt, ist in Gottes Augen schon ein Mörder.
- Wer mit begehrlichem Blick schaut, hat in seinem Herzen bereits die Grenze der Ehe überschritten (vgl. Matthäus 5).
- Vom zweiten Gebot gar nicht erst zu reden, vor allem im englischen Sprachraum, wo Jesus und Gott regelrecht als Schimpfworte benutzt werden.
Aber Spaß beiseite: Wenn Gott also wirklich alles Böse samt seiner Wurzel entfernen würde: Egoismus, Stolz, Ungeduld, Gleichgültigkeit und so weiter und so fort, dann würde Er nicht nur „die ganz Schlimmen“ treffen.
Er würde mich treffen.
Das ist der Moment, in dem der Satz „Ich bin doch ein guter Mensch“ zerbricht.
Das Gesetz: Der Spiegel, der uns entlarvt
Um das deutlich zu machen, helfen die Zehn Gebote. Nicht als fromme Deko an Kirchenwänden, sondern als Spiegel, der zeigt, wie es um uns steht.
Ein paar Beispiele:
- „Du sollst keine anderen Götter haben neben Mir.“ - Gott an erster Stelle, jeden Tag, in jeder Entscheidung. Trifft das auf mein Leben zu?
- „Du sollst nicht lügen.“ - Wie häufig haben wir da versagt? Notlügen in all ihren Formen – ob gut gemeint oder zum Schutz gedacht – bleiben am Ende des Tages Lügen.
- „Du sollst nicht begehren.“ - Wie war das mit des Nachbarn Auto, des alten Schulkollegens Erfolg, der neuen Spielkonsole des Freundes, dem tollen Urlaub, den sich ein Bekannter leisten konnte …
Das Gesetz ist nicht das Problem.
Die Gebote Gottes sind wie ein medizinischer Test: Sie
machen die Krankheit sichtbar, heilen aber nicht. Genau so beschreibt es
Paulus: Durch das Gesetz „erkennen“ wir die Sünde (Römer 3). Es zeigt mir
schonungslos: Vor einem heiligen GOTT kann ich nicht bestehen.
Das Gleichnis vom Hochzeitsfest (Matthäus 22,1–14)
Jesus erzählt ein Gleichnis, das diese Spannung in ein Bild faßt. Er spricht
von einem König, der für seinen Sohn ein großes Hochzeitsfest vorbereitet.
Die Einladungen gehen raus, aber die meisten der geladenen
Gäste haben keine Zeit oder kein Interesse. Manche reagieren sogar aggressiv,
sie mißhandeln die Boten. Am Ende läßt der König andere einladen: Menschen von
den Straßen, Gute und Böse.
Zwei Dinge stechen heraus:
- Erstens: Die Einladung ist unglaublich großzügig.
- Zweitens: Am Ende steht da ein Mann ohne Hochzeitsgewand, unvorbereitet, ohne Bereitschaft sich auf die Hochzeit des Königs einzulassen. Er ist im Saal, aber nicht vorbereitet. Der König spricht ihn an, und der Mann verstummt. Der mann hat kein Argument, warum er so vor dem König erscheinen kann.
Das Hochzeitsgewand steht für Gottes eigene Gerechtigkeit,
die Er schenkt. Es reicht nicht, irgendwo in der Nähe von Religion aufzutauchen
oder sich für „grundsätzlich offen“ zu halten. Entscheidend ist, ob ich vor
Gott in dem kostbaren Gewand dastehe, das Er mir durch das Opfer Jesu geschenkt
hat, nicht eines, daß ich mir aus meinen guten Werken zusammengeflickt habe.
Gott ruft – aber ER zwingt niemanden
Manche sagen: „Wenn Gott wirklich will, daß Menschen gerettet werden, dann nimmt Er doch einfach alle in den Himmel.“ (Die Frage wäre dann, ob Er dann gerecht wäre, aber das ist ein anderes Thema für später.)Die Bibel zeigt uns die Realität. Gott lädt ernsthaft und allumfassend ein. Er ruft durch Sein Wort, durch das Gewissen, durch Menschen, durch Lebensumstände. Niemand wird abgewiesen, weil man zu schlecht wäre – im Gegenteil, gerade Sünder sind das Ziel der Einladung.
Aber Gott zwingt niemanden in Seine Gegenwart. Wer schon in diesem Leben nichts von Gott wissen will, würde den Himmel, die ewige Gemeinschaft mit Ihm als unerträglichen Ort empfinden. Darum respektiert Gott am Ende die Entscheidung des Menschen.
Das Gleichnis vom Hochzeitsfest zeigt beides:
- Die Weite der Einladung, alle sind gerufen. - Die Ernsthaftigkeit der Antwort – ich kann sie ausschlagen oder äußerlich annehmen, ohne wirklich gekleidet zu sein.
- Gott behandelt uns nicht wie Marionetten. - Er nimmt unsere Entscheidung ernst. So ernst, daß sie Ewigkeitsfolgen hat. Lest das Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus in Lukas 16,19-31
Die richtig gute Nachricht: Evangelium
Bis hierher klingt das alles sehr hart. Doch genau an diesem
Punkt leuchtet die gute Nachricht umso heller.
Das Wort Gottes bleibt nicht bei „Kein Mensch ist gut“
stehen. Es sagt: Gott selbst hat einen Weg geschaffen, wie ungerechte Menschen
gerecht vor Ihm stehen können – ohne das Gesetz, allein aus Gnade, durch den
Glauben an Jesus Christus (vgl. Römer 3–5).
Jesus hat das perfekte Leben geführt, das ich nicht führen
kann. Er hat das Gesetz in jeder Hinsicht erfüllt, ohne einen einzigen Bruch. Am
Kreuz nimmt Er dann die Strafe auf sich, die eigentlich mir zusteht.
Wenn ich Ihm im Vertrauen mein altes Leben hinhalte, dann
tauscht Gott sozusagen die Kleider:
JESU Gerechtigkeit wird mir zugerechnet.
Das ist das „Hochzeitsgewand“ aus Matthäus 22: eine
Gerechtigkeit, die nicht aus meinen Taten kommt, sondern ein Geschenk ist.
Sola Scriptura, sola gratia, sola fide - Gott rettet durch
Sein Wort, aus Gnade, durch Glauben.
Ja, aber was ist mit Menschen, die nie von Jesus gehört haben?
An dieser Stelle kommt fast immer eine ernste Frage: „Aber
was ist mit Menschen, die nie von Gott oder von Jesus gehört haben?“
Der Römerbrief sagt zwei wichtige Dinge dazu: Gott hat sich
in der Schöpfung und im Gewissen eines jeden Menschen in Grundzügen zu erkennen
gegeben. Kein Mensch steht völlig ohne Licht da. Gleichzeitig macht Paulus
deutlich, daß niemand durch eigenes Wissen oder eigenes Bemühen gerettet wird,
sondern nur durch das Evangelium von Jesus Christus.
Wie Gott im Einzelfall mit Menschen umgeht, die nie eine
Bibel in der Hand hatten, sagt die Schrift nicht im Detail. Aber sie zeigt
klar: Gott ist gerecht, barmherzig, und niemand wird verloren gehen, weil Gott zu wenig getan hätte. Verloren geht, wer das Licht, das er hat, zurückweist und
im eigenen Weg bleiben möchte.
Darum ist unser Glaube keine reine Privatsache, die man für
sich behält. Weil Rettung allein in Christus zu finden ist, sprechen wir von
Ihm, aus Liebe zu den Menschen um uns. Schließlich braucht es Diener, die die
Einladungen austeilen.
Wir vertrauen darauf, daß Gott besser richtet, als wir
es je könnten, aber wir schweigen nicht vor der Hoffnung, die uns anvertraut
ist.
Wie antworte ich im Alltag?
Vielleicht fragst du dich, wie man all das in ein kurzes Alltagsgespräch packen
soll. Natürlich lassen sich all diese Erklärungen selten an der Supermarktkasse
unterbringen.
Aber man kann kleine Schritte gehen: Wenn jemand sagt: „Ich
bin doch ein guter Mensch“, kannst du fragen: „Nach welchem Maßstab?“
Du kannst ein Gebot nennen, das jeden betrifft, etwa
Ehrlichkeit, und ehrlich von dir selbst erzählen.
Du kannst das Bild vom Hochzeitsfest verwenden: „Stell dir
vor, Gott lädt dich zu einem Fest ein, und statt Eintritt zu bezahlen, schenkt
Er dir ein Gewand.“
Und dann darfst du die einfache, aber entscheidende Frage
stellen: „Willst du Gott mit deinem eigenen Lebenslauf gegenübertreten – oder
in dem Gewand, das Jesus dir schenken will?“
Genau da entscheidet sich, ob wir am Ende wirklich „gute
Menschen“ sind, nicht in unseren Augen, sondern in SEINEN.
In diesem Sinne: Taucht tief in Gottes Wort ein und prüft alles im Licht Seiner Wahrheit.
Eure Lizzy
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