Mittwoch, 25. März 2026

Alle wollen in den Himmel? – Hast du deine Einladung schon angenommen?

Mal wieder ein überraschendes Gespräch

Es passiert mir immer wieder an den unerwartetsten Orten: ein kurzes Gespräch, das plötzlich tief wird. Man redet über Gott und die Welt, wie man so schön sagt, man plaudert über seine Ansichten und ich über meinen Glauben, und plötzlich sagt jemand: „Was glaubst du eigentlich, kommt nach dem Tod?“
Fast reflexartig kommt dann ein Satz, den du wahrscheinlich auch schon gehört hast: „Naja, ich hoffe schon, dass ich in den Himmel komme. Ich bin ja eigentlich ein ganz guter Mensch.“ In diesem Moment spüre ich, wie zwei Welten aufeinanderprallen: unser eigenes Empfinden von „ganz okay“ und Gottes Sicht, wie sie uns die Bibel lehrt.


Gute Menschen kommen in den Himmel...Oder?

Der Gedanke klingt zunächst logisch: Nur gute Menschen gehören in den Himmel. Niemand von uns möchte doch, dass Gewalt, Lüge, Missbrauch oder Egoismus einmal ewig weitergehen.
Also sortieren wir automatisch:
  •  „Die richtig Bösen“ - die gehören natürlich nicht in den Himmel.
  • „Normale Leute wie ich“ - wir sind doch immerhin bemüht, anständig zu sein.
Aber hier beginnt das Problem. Die Bibel sagt nämlich nicht: „Es gibt ein paar sehr böse Menschen und viele ziemlich gute.“ Sie sagt vielmehr: „Da ist kein Gerechter, auch nicht einer“ (Römer 3).
Mit anderen Worten: Wenn wirklich nur absolut gute Menschen in den Himmel kommen, dann hat keiner von uns eine Chance. Das ist die schlechte Nachricht, und sie trifft unseren Stolz sehr hart. Aber gebt jetzt nicht auf, die gute Nachricht kommt noch, versprochen.


Wenn Gott heute Nacht alles Böse beseitigt

Ich habe einmal eine Frage gehört, ich glaube, es war Frank Turek, der sie stellte, und die mich nicht mehr losgelassen hat:
„Stell dir vor, Gott würde heute Nacht um Punkt Mitternacht alles Böse endgültig auslöschen. Wärst du um 00:01 Uhr noch am Leben?“

Wir denken bei „Böse“ fast automatisch zuerst an andere: Kriminelle, korrupte Politiker, skrupellose Menschen, die andere übervorteilen und sich an anderen bereichern … es gibt reichlich Beispiele für die, die wir als ungerecht oder böse empfinden.
  • Doch die Bibel fängt nicht bei „den Anderen“ an, sondern bei mir. Jesus verschärft das Gesetz so, dass es mitten ins Herz trifft: Wer einen Menschen grundlos haßt, ist in Gottes Augen schon ein Mörder.
  •  Wer mit begehrlichem Blick schaut, hat in seinem Herzen bereits die Grenze der Ehe überschritten (vgl. Matthäus 5).
  • Vom zweiten Gebot gar nicht erst zu reden, vor allem im englischen Sprachraum, wo Jesus und Gott regelrecht als Schimpfworte benutzt werden.
Wer mußte mal schnell nachschauen? 😉

Aber Spaß beiseite: Wenn Gott also wirklich alles Böse samt seiner Wurzel entfernen würde: Egoismus, Stolz, Ungeduld, Gleichgültigkeit und so weiter und so fort, dann würde Er nicht nur „die ganz Schlimmen“ treffen.

Er würde mich treffen.

Das ist der Moment, in dem der Satz „Ich bin doch ein guter Mensch“ zerbricht.


Das Gesetz: Der Spiegel, der uns entlarvt

Um das deutlich zu machen, helfen die Zehn Gebote. Nicht als fromme Deko an Kirchenwänden, sondern als Spiegel, der zeigt, wie es um uns steht.
Ein paar Beispiele:
  • Du sollst keine anderen Götter haben neben Mir.“ - Gott an erster Stelle, jeden Tag, in jeder Entscheidung. Trifft das auf mein Leben zu?
  • „Du sollst nicht lügen.“ - Wie häufig haben wir da versagt? Notlügen in all ihren Formen – ob gut gemeint oder zum Schutz gedacht – bleiben am Ende des Tages Lügen.
  • „Du sollst nicht begehren.“ - Wie war das mit des Nachbarn Auto, des alten Schulkollegens Erfolg, der neuen Spielkonsole des Freundes, dem tollen Urlaub, den sich ein Bekannter leisten konnte …

Das Gesetz ist nicht das Problem.

Das Problem bin immer noch ich – ich, in meiner gefallenen Natur, ich in der Not der Erlösung.

Die Gebote Gottes sind wie ein medizinischer Test: Sie machen die Krankheit sichtbar, heilen aber nicht. Genau so beschreibt es Paulus: Durch das Gesetz „erkennen“ wir die Sünde (Römer 3). Es zeigt mir schonungslos: Vor einem heiligen GOTT kann ich nicht bestehen.


Das Gleichnis vom Hochzeitsfest (Matthäus 22,1–14)

Jesus erzählt ein Gleichnis, das diese Spannung in ein Bild faßt. Er spricht von einem König, der für seinen Sohn ein großes Hochzeitsfest vorbereitet.

Die Einladungen gehen raus, aber die meisten der geladenen Gäste haben keine Zeit oder kein Interesse. Manche reagieren sogar aggressiv, sie mißhandeln die Boten. Am Ende läßt der König andere einladen: Menschen von den Straßen, Gute und Böse.

Zwei Dinge stechen heraus:

- Erstens: Die Einladung ist unglaublich großzügig.

Sie geht nicht nur an „die Guten“, sondern an Menschen, die in der Geschichte ausdrücklich als „Gute und Böse“ bezeichnet werde.

- Zweitens: Am Ende steht da ein Mann ohne Hochzeitsgewand, unvorbereitet, ohne Bereitschaft sich auf die Hochzeit des Königs einzulassen. Er ist im Saal, aber nicht vorbereitet. Der König spricht ihn an, und der Mann verstummt. Der mann hat kein Argument, warum er so vor dem König erscheinen kann.

Das Hochzeitsgewand steht für Gottes eigene Gerechtigkeit, die Er schenkt. Es reicht nicht, irgendwo in der Nähe von Religion aufzutauchen oder sich für „grundsätzlich offen“ zu halten. Entscheidend ist, ob ich vor Gott in dem kostbaren Gewand dastehe, das Er mir durch das Opfer Jesu geschenkt hat, nicht eines, daß ich mir aus meinen guten Werken zusammengeflickt habe.

Gott ruft – aber ER zwingt niemanden

Manche sagen: „Wenn Gott wirklich will, daß Menschen gerettet werden, dann nimmt Er doch einfach alle in den Himmel.“ (Die Frage wäre dann, ob Er dann gerecht wäre, aber das ist ein anderes Thema für später.)

Die Bibel zeigt uns die Realität. Gott lädt ernsthaft und allumfassend ein. Er ruft durch Sein Wort, durch das Gewissen, durch Menschen, durch Lebensumstände. Niemand wird abgewiesen, weil man zu schlecht wäre – im Gegenteil, gerade Sünder sind das Ziel der Einladung.

Aber Gott zwingt niemanden in Seine Gegenwart. Wer schon in diesem Leben nichts von Gott wissen will, würde den Himmel, die ewige Gemeinschaft mit Ihm als unerträglichen Ort empfinden. Darum respektiert Gott am Ende die Entscheidung des Menschen.

Das Gleichnis vom Hochzeitsfest zeigt beides:

  • Die Weite der Einladung, alle sind gerufen. - Die Ernsthaftigkeit der Antwort – ich kann sie ausschlagen oder äußerlich annehmen, ohne wirklich gekleidet zu sein.
  • Gott behandelt uns nicht wie Marionetten. - Er nimmt unsere Entscheidung ernst. So ernst, daß sie Ewigkeitsfolgen hat. Lest das Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus in Lukas 16,19-31

Die richtig gute Nachricht: Evangelium

Bis hierher klingt das alles sehr hart. Doch genau an diesem Punkt leuchtet die gute Nachricht umso heller.

Das Wort Gottes bleibt nicht bei „Kein Mensch ist gut“ stehen. Es sagt: Gott selbst hat einen Weg geschaffen, wie ungerechte Menschen gerecht vor Ihm stehen können – ohne das Gesetz, allein aus Gnade, durch den Glauben an Jesus Christus (vgl. Römer 3–5).

Jesus hat das perfekte Leben geführt, das ich nicht führen kann. Er hat das Gesetz in jeder Hinsicht erfüllt, ohne einen einzigen Bruch. Am Kreuz nimmt Er dann die Strafe auf sich, die eigentlich mir zusteht.

Wenn ich Ihm im Vertrauen mein altes Leben hinhalte, dann tauscht Gott sozusagen die Kleider:

JESU Gerechtigkeit wird mir zugerechnet.

Das ist das „Hochzeitsgewand“ aus Matthäus 22: eine Gerechtigkeit, die nicht aus meinen Taten kommt, sondern ein Geschenk ist.

Sola Scriptura, sola gratia, sola fide - Gott rettet durch Sein Wort, aus Gnade, durch Glauben.


Ja, aber was ist mit Menschen, die nie von Jesus gehört haben?

An dieser Stelle kommt fast immer eine ernste Frage: „Aber was ist mit Menschen, die nie von Gott oder von Jesus gehört haben?“

Der Römerbrief sagt zwei wichtige Dinge dazu: Gott hat sich in der Schöpfung und im Gewissen eines jeden Menschen in Grundzügen zu erkennen gegeben. Kein Mensch steht völlig ohne Licht da. Gleichzeitig macht Paulus deutlich, daß niemand durch eigenes Wissen oder eigenes Bemühen gerettet wird, sondern nur durch das Evangelium von Jesus Christus.

Wie Gott im Einzelfall mit Menschen umgeht, die nie eine Bibel in der Hand hatten, sagt die Schrift nicht im Detail. Aber sie zeigt klar: Gott ist gerecht, barmherzig, und niemand wird verloren gehen, weil Gott zu wenig getan hätte. Verloren geht, wer das Licht, das er hat, zurückweist und im eigenen Weg bleiben möchte.

Darum ist unser Glaube keine reine Privatsache, die man für sich behält. Weil Rettung allein in Christus zu finden ist, sprechen wir von Ihm, aus Liebe zu den Menschen um uns. Schließlich braucht es Diener, die die Einladungen austeilen.

Wir vertrauen darauf, daß Gott besser richtet, als wir es je könnten, aber wir schweigen nicht vor der Hoffnung, die uns anvertraut ist.


Wie antworte ich im Alltag?


Vielleicht fragst du dich, wie man all das in ein kurzes Alltagsgespräch packen soll. Natürlich lassen sich all diese Erklärungen selten an der Supermarktkasse unterbringen.

Aber man kann kleine Schritte gehen: Wenn jemand sagt: „Ich bin doch ein guter Mensch“, kannst du fragen: „Nach welchem Maßstab?“

Du kannst ein Gebot nennen, das jeden betrifft, etwa Ehrlichkeit, und ehrlich von dir selbst erzählen.

Du kannst das Bild vom Hochzeitsfest verwenden: „Stell dir vor, Gott lädt dich zu einem Fest ein, und statt Eintritt zu bezahlen, schenkt Er dir ein Gewand.“

Und dann darfst du die einfache, aber entscheidende Frage stellen: „Willst du Gott mit deinem eigenen Lebenslauf gegenübertreten – oder in dem Gewand, das Jesus dir schenken will?“

Genau da entscheidet sich, ob wir am Ende wirklich „gute Menschen“ sind, nicht in unseren Augen, sondern in SEINEN.


In diesem Sinne: Taucht tief in Gottes Wort ein und prüft alles im Licht Seiner Wahrheit.



Eure Lizzy




Dienstag, 10. März 2026

Die große Frage: Woher weiß ich, dass ich gerettet bin?

Diese Frage ist in meinem Leben schon mehrmals aufgetaucht, zuerst für mich selbst, später in der Gemeinde, und ich wurde sowohl von jungen Christen als auch von Atheisten danach gefragt.

Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich sehr verletzlich war. Wir hatten gerade unsere Tochter bekommen, nach einer schwierigen Schwangerschaft. Dieses kleine, zerbrechliche Leben in meinen Armen zu halten, während wir in einem fremden Land lebten, fast ohne Hilfe, machte mich besonders anfällig für Lügen, die sich an Erschöpfung und Angst klammern. Mein Glaube war noch jung, mein Verständnis begrenzt, und plötzlich fühlte sich alles überwältigend an.

Ich erinnere mich an die Zeit, kurz nachdem ich meinen Glaubensweg mit Gott begonnen hatte, als alles unglaublich schwierig wurde. Noch verstrickt in die Lehren des Wohlstandsevangeliums und andere falsche Ideen, war ich geistlich am Limit. Ich fühlte mich von allem verurteilt, von meinen Gedanken, meinen Taten, sogar von jedem Bibelvers, den ich las. Jedes Mal, wenn ich meine Bibel öffnete, sah ich nur, wo ich versagt hatte. Ich las von „den Auserwählten“, und diese fiese Stimme in meinem Kopf flüsterte, dass das alle anderen seien, nur nicht ich.


Damals verbrachte ich Stunden damit, Online-Predigten anzuschauen und versuchte, das Gehörte umzusetzen. Doch was daraus wuchs, war nur Enttäuschung. Und aus der Enttäuschung kamen Zweifel, Zweifel an allem, vor allem aber auch an meinem Heil.

Was habe ich also getan? Wie habe ich das überwunden?
Nun, es war ein Prozess.

Zuerst fasste ich den bewussten Entschluss, nicht aufzugeben und mich nicht auf meine Gefühle zu verlassen. Stattdessen hielt ich an den Zusagen des Gottes der Bibel fest, was die Errettung betrifft. Er sagt, dass Jesus für alle Sünden gestorben ist und dass Er nicht wie ein Mensch ist, der seine Meinung ändert. Der Heilige Geist erinnerte mich früh daran, dass das Herz trügerisch ist und Gefühle selten ein verlässlicher Maßstab für Wahrheit sind. Und doch war mir bewusst, dass mir etwas Entscheidendes fehlte, also hielt ich weiter fest.

In alldem ließ mich ein Gedanke nicht los: Gott hatte mich aus der Esoterik herausgerettet. Konnte ich mich wieder getäuscht haben? Ich zweifelte zwar nie an der Wahrheit Gottes, aber ich hatte Mühe zu glauben, dass Seine Gnade auch mich wirklich erreichen konnte.

Eine der größten Herausforderungen war mein skeptischer Verstand. Immer wenn ich etwas über ein Wunder las, fragte ich mich, ob das wirklich stimmen konnte. Wenn ich über die Auferstehung las, kamen Zweifel hoch. Und damals gab es niemanden in meinem Leben, der bibelfest genug gewesen wäre, um mir Rat oder Gewissheit zu geben.

Gott sei Dank für das Internet.


In Seiner Weisheit „schickte“ Gott mir ein Interview mit Lee Strobel, einem Journalisten, der lange versucht hatte, Gott und die Auferstehung Jesu zu widerlegen. Er recherchierte, forschte und wurde schließlich selbst Christ, weil seine Nachforschungen die Wahrheit der Bibel über Christus bestätigten. Strobels Buch Der Fall Jesus (im Original The Case for Christ), später auch verfilmt, markierte den Beginn meiner eigenen Reise in die Apologetik (also in die Verteidigung und Begründung des Glaubens). Anfangs war ich eine Suchende, heute hoffe ich selber, anderen mit ihren Fragen und Zweifeln helfen zu können.

Doch ehrlich gesagt hat seine Geschichte allein mich noch nicht zum rettenden Glauben geführt. Wie ich schon sagte, ich habe nie an die Existenz Gottes gezweifelt. Dieses neue Wissen öffnete vielmehr eine Tür, die Freiheit, selbst in der Bibel und der Kirchengeschichte zu forschen. Ich begann zu fragen: Wie ist die Bibel eigentlich entstanden? Ist sie zuverlässig? Wurde sie vielleicht politisch verändert? Diese Fragen halfen mir, zuerst meine skeptischen Gedanken loszulassen.

Bis dahin hatte mir nie jemand die Bibel wirklich erklärt. Die Prediger, denen ich folgte, waren meistens Vertreter des Wohlstandsevangeliums, die Bibelverse gezielt aus dem Zusammenhang rissen, um ihre eigenen Ziele zu stützen. Über Prophetie wurde nie gesprochen. Erst viel später entdeckte ich Jesaja 53 und seinen historischen Hintergrund. Ich erfuhr, dass diese Prophezeiung über den leidenden Gottesknecht lange vor Jesu Leben niedergeschrieben wurde und dass die alten Handschriften mit dem Text übereinstimmen, den wir heute lesen. Diese Beständigkeit in Gottes Wort und Charakter überzeugte mich nach und nach, dass das Heil natürlich auch für mich galt. Unser Vater sagt, was Er meint, und meint, was Er sagt.


Mein Problem war inzwischen nicht mehr Unwissenheit über Gottes Wesen, sondern das Bewusstsein meiner eigenen Sündhaftigkeit. Diese innere Überzeugung wurde so schwer, dass ich manchmal dachte, sie würde mich zerbrechen. Ich fühlte mich wie „Christ“ in Die Pilgerreise von John Bunyan, beladen mit einer Last, die fast zu groß war, um sie zu tragen. Manchmal schwankte ich zwischen Hoffnung und Verzweiflung, ich wollte so sehr glauben, fühlte mich aber völlig ungenügend vor einem heiligen Gott.

Dabei kam noch etwas hinzu: Ich sehnte mich nach dieser Gewissheit, die andere hatten, nach dieser tiefen Sicherheit in Christus. Im Laufe der Zeit hatte ich mir viel Bibelwissen angeeignet, und Menschen kamen zu mir, um Rat und Zuspruch zu bekommen. Für andere wirkte mein Glaube sicher, doch innerlich betete ich immer noch zu Gott, mir auch den Weg zu Ihm selbst zu zeigen.

Eines Tages stieß ich auf eine Frage-und-Antwort-Runde einer christlichen Konferenz. Eine junge Frau stand auf und stellte genau die Frage, die mich schon so schwer beschäftigt hatte:

„Woher weiß ich, dass ich gerettet bin?“

Ich weiß nicht mehr, wer geantwortet hat, aber ich werde die Antwort nie vergessen:


„Allein die Tatsache, dass du hier aufstehst und diese Frage stellst, zeigt mir, dass du Gott liebst und von Ihm gerettet werden willst, und dass du es schon bist. Woher ich das weiß? Weil du dich kümmerst. Weil du darüber nachdenkst, ja, dir sogar Sorgen machst. Das zeigt, dass der Heilige Geist in dir ist. Menschen ohne den Heiligen Geist denken selten oder gar nicht über Gott nach oder darüber, was Er von ihnen denkt. Und wenn du den Heiligen Geist hast, bist du von Neuem geboren, folglich von Gott versiegelt und sicher in Ihm.“


Als ich das hörte, fand ich endlich Frieden. Wenn ich heute auf mein Leben zurückblicke, sehe ich, dass Seine Gegenwart und Gnade schon immer da waren, deutlich sichtbar. Mein Problem war nie mein fehlender Glaube an Gott, sondern dass ich einen höheren Maßstab für das Heil hatte als Christus selbst. Ich war in die Falle des Feindes geraten und hatte all die aufdringlichen Gedanken geglaubt, die meine Fehler und Schwächen auf eine Waage legten, auf der ich immer verlieren musste.

Heute kann ich darüber fast schmunzeln. Ich hatte volles Vertrauen in Gottes Rettung für andere, ich glaubte es für sie ohne Zweifel, und doch fiel es mir schwer, es für mich anzunehmen. Hast du dir schon einmal die Liste der biblischen Persönlichkeiten und ihrer Fehler angesehen? Abraham log, Noah betrank sich, David beging Mord, und doch liebte und gebrauchte Gott sie. Irgendwie hatte ich mich selbst für noch schlimmer gehalten.

Die Lektion, die ich schließlich lernte, war diese: Am Ende war mein Problem der Stolz. Ich prüfte mein Leben immer wieder und maß mich an dem, was ich als fehlende „Frucht“ wahrnahm, und genau das ließ mich daran zweifeln, ob ich wirklich von Neuem geboren und verändert war. Dazu kam, dass ich „Werke“ und „Frucht“ oft miteinander verwechselte, weil mir niemand den Unterschied wirklich erklärt hatte. Fast unbemerkt war ich innerlich zu einem Maßstab hingeglitten, der mehr vom Gesetz geprägt war als von der Gnade, sodass ich vor allem sah, wo ich nicht ausreichte, statt mich darauf zu stützen, was Christus bereits für mich getan hatte. In meinen Gedanken wurde Gottes Gesetz mehr zu einer Erinnerung an mein menschliches Versagen, als zu dem, was es in Wahrheit ist: ein Spiegel, der uns unsere Sünde zeigt, damit wir zum Retter laufen. So hatte ich also meinen eigenen Maßstab für das Heil höher gesetzt als das, was Christus am Kreuz bereits vollbracht hatte. Aus Gründen, die ich mir kaum erklären kann, fiel es mir schwer zu glauben, dass Gott mich wirklich kennen und mich trotzdem lieben könnte. Ich hatte der Lüge geglaubt, ich müsste mich erst selbst „verbessern“ und innerlich aufräumen, bevor ich vor Ihm bestehen könnte, statt Ihm diese Arbeit zu überlassen. Ich fühlte mich unwürdig, so wie ich war, vor Gott zu kommen.


Aber Gott hat in Seiner Gnade eine wunderbare Art, unsere Sicht zu korrigieren.

Er erinnerte mich immer wieder daran, dass Seine Zusage einfach und unerschütterlich bleibt:

„Wer an mich glaubt und meinen Namen bekennt, wird gerettet werden.“

Am Ende habe ich verstanden: Das Heil hing nie davon ab, was ich bringen, beweisen oder leisten konnte. Es geht allein darum, was Er bereits getan hat. Jonathan Edwards hat es einmal so gesagt:

„Du trägst nichts zu deiner Errettung bei, außer der Sünde, die sie notwendig machte.“

Diese Worte rissen die letzte Schicht meines Stolzes weg und hinterließen nur Dankbarkeit. All das Ringen, die Angst, das ständige Messen und Vergleichen waren unnötig, denn Christus hatte längst alles vollbracht, wonach mein Herz sich sehnte. Und wenn der Zweifel heute noch einmal anklopft, schaue ich zum Kreuz und erinnere mich: Meine Errettung lag nie in meinen Händen.

Wenn du vielleicht mit ähnlichen Fragen ringst, darfst du wissen: Du bist damit nicht allein, und unser himmlischer Vater ist gnädig und geduldig. Klopfe weiter an, denn wer klopft, dem wird geöffnet.

In diesem Sinne



Eure Lizzy


Dienstag, 3. März 2026

Fundsachen #1

Meine lieben Leser,

immer wieder stolpere ich über richtig tolle Dinge – im Internet und im echten Leben. Nicht aus allem lässt sich ein ganzer Blogbeitrag basteln, aber zu schade wäre es ja, sie einfach in der Schublade verschwinden zu lassen.

Darum gibt es ab jetzt hin und wieder kleine Beiträge unter dem vorläufigen Titel „Fundsachen“ (vielleicht fällt mir ja noch ein genialerer Name ein 😉).

Also, Vorhang auf für die heutige Fundsache!

Ein Zitat von Corrie ten Boom. 
einer niederländische Uhrmacherin und Christin, die im Zweiten Weltkrieg Hunderte Juden vor den Nazis versteckte. Sie wurde ins KZ Ravensbrück deportiert, überlebte und widmete ihr Leben danach der Vergebung und Versöhnung weltweit.


"Der Herr gibt mir immer die Gnade, für den heutigen Tag zu leben; nicht in der Zukunft oder in der Vergangenheit soll ich leben, sondern heute! Heute mit Ihm!"




(Kein Partnerlink)

Dienstag, 24. Februar 2026

Aus dem Leben: Die Sache mit den Computerspielen – Generationen, Geduld und ein bisschen Gnade

Neulich auf der Arbeit kamen wir auf das Thema Computerspiele zu sprechen. Meine Arbeitskollegen sind eine bunte Mischung – vom recht jungen Alter bis hin zu denen, die schon einige Jahrzehnte Berufserfahrung auf dem Rücken haben. Für mich war dieses Gespräch sehr spannend, ja sogar augenöffnend.

Ich selbst bin inzwischen in meinen Vierzigern und kann mich noch sehr gut an meine ersten Begegnungen mit Computerspielen erinnern. Die ersten Spiele, die ich sah, waren bei meiner Tante. Ich denke, es war ein Commodore mit Kassettenlaufwerk, und später auch ein Atari – ganz sicher bin ich mir da nicht mehr, es ist ja schon ein Weilchen her. Auf jeden Fall war das für mich als Kind vor allem spannend und ungewohnt, etwas, womit ich einfach gern gespielt habe.

Später wurden wir als Familie dann selbst stolze Besitzer eines „richtigen“ Computers, den meine Mama noch „einrichten“, also programmieren musste. MS-DOS – wer erinnert sich noch daran? Für meine damaligen Kinderaugen war das alles unglaublich neu und aufregend.

Heute blicke ich zurück und staune, wie weit wir in gerade einmal dreißig, vierzig Jahren gekommen sind. Heute tragen wir kleine Computer in unseren Taschen, wischen mit dem Finger über Bildschirme und sind mit der ganzen Welt verbunden. Es ist wirklich erstaunlich, was der Mensch in so kurzer Zeit erfinden konnte.

Wenn ich an diese frühen Jahre denke, erinnere ich mich vor allem an die einfache, kindliche Freude. Die Spiele waren für mich in erster Linie Spaß – etwas, auf das ich mich gefreut habe, wenn ich wieder spielen durfte. Es war nichts Pädagogisches, sondern etwas Besonderes im Alltag, einfach die Vorfreude darauf, wieder an den Computer zu dürfen und zu sehen, was passiert. Im Rückblick sehe ich, dass ich dabei trotzdem einiges geübt habe – aber damals stand für mich einfach die Freude am Spielen im Vordergrund.



Zurück zu unserem Gespräch im Büro: Wir Älteren schwelgten in Erinnerungen an Spiele wie „Prince of Persia“, „Boulder Dash“ und „Lemmings“ und daran, wie lange man manchmal an bestimmten Leveln festhing. Manchmal wirklich wochenlang. Und dann kam die erstaunte Reaktion der jüngeren Kollegen: „Wochen??? Das Spiel  würde ich gar nicht erst spielen.“

Dieser Satz ist mir nachgegangen. Ich habe eine Weile darüber nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass der Unterschied zwischen den Spielen von damals und vielen Spielen von heute unsere Gesellschaft sehr gut widerspiegelt.

Damals mussten wir beim Spielen einiges lernen, ohne dass es jemand so genannt hat. Wir lernten Geduld, weil wir dieselbe Stelle immer und immer wieder versuchen mussten und die Freude, wenn es gelungen war. Wir lernten, mit unseren Gefühlen umzugehen: die Wut, wenn das letzte Leben verloren war, die Enttäuschung, wieder von vorne anfangen zu müssen, und dann der Entschluss: „Ich probiere es noch einmal.“ Wir mussten aushalten, dass etwas nicht auf Anhieb klappt.

Es gab kaum eingebaute Hilfen. Keine kleinen Pfeile, die den Weg zeigen, keine ausführlichen Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Wenn wir Glück hatten, hatten Freunde das gleiche Spiel und waren schon etwas weiter. Dann hat man sich Tipps gegeben, gemeinsam überlegt, ausprobiert – so entstand ein Miteinander. Wir lernten also auch, uns gegenseitig zu helfen, uns auszutauschen und Lösungen gemeinsam zu suchen.

Und wir lernten, wie sich echter Erfolg anfühlt. Wenn man nach vielen Versuchen ein schweres Level endlich geschafft hatte – ohne Hilfe von außen – war das ein wunderbares Gefühl. Man wusste: „Das habe ich mir erarbeitet. Ich bin drangeblieben.“ Diese Mischung aus Frust aushalten, weitermachen und dann Erfolg erleben, hinterlässt Spuren in einem. Das hat uns innerlich gestärkt.

Wenn ich mir viele Spiele von heute anschaue, wirkt vieles anders. Die meisten speichern automatisch ständig den Fortschritt. Man muss nicht mehr mühsam von vorne anfangen und sich den Weg erneut erarbeiten. Man landet einfach wieder direkt vor dem Hindernis. Wenn man nicht weiterkommt, kann man in wenigen Sekunden im Internet nach einer Lösung suchen und dann ohne große Mühe weiterspielen.

Natürlich kann das bequem sein und macht auch Spaß. Vielleicht gibt es einen kurzen Moment der Freude, wenn man endlich weiterkommt. Aber dieses tiefe Gefühl, etwas wirklich geschafft zu haben, weil man lange und geduldig daran gearbeitet hat, entsteht dabei viel seltener. Die Fähigkeit, schwierige Aufgaben Schritt für Schritt selbst zu lösen, wird so – aus meiner Sicht – weniger trainiert.

Unser Inneres gewöhnt sich leicht an schnelle Belohnung: ein Klick, ein Erfolg, ein kurzer Glücksmoment. Doch Geduld, Ausdauer und das Aushalten von Frust brauchen Zeit. Sie entstehen nicht, wenn der Weg immer gleich mitgeliefert wird. Wenn Spiele uns ständig den nächsten Schritt zeigen, gewöhnen wir uns daran, geführt zu werden, statt selbst den Weg zu suchen.

Ich merke das, wenn ich an viele Jugendliche und junge Erwachsene im Arbeitsleben denke.
Gefühle wie Frust oder Langeweile werden oft nicht mehr ausgehalten, sondern möglichst schnell „weggedrückt“.
Geduld ist selten gefragt – alles soll schnell gehen, möglichst ohne Umwege.
Lösungen sollen am liebsten sofort und möglichst einfach vor einem liegen, so wie ein blinkender Hinweis im Spiel.

Im Alltag sieht das dann zum Beispiel so aus: Eine Aufgabe wird schnell als „zu schwer“ oder „zu kompliziert“ eingestuft, wenn die Lösung nicht sofort klar ist. Viele wünschen sich, dass jemand ständig danebensteht und jeden Schritt erklärt, so wie eine eingebaute Hilfe im Spiel. Das Aushalten von Unsicherheit – also eine Aufgabe zu beginnen, ohne alles von Anfang an zu wissen – fällt vielen schwer.


Gleichzeitig möchte ich nicht sagen: Früher war alles besser, heute ist alles schlecht. Auch moderne Spiele haben ihre guten Seiten. Sie können Reaktionsvermögen schulen, Zusammenarbeit in Gruppen fördern und in großen, komplexen Spielwelten auch anspruchsvolle Aufgaben bieten. Manche nutzen Spiele sogar ganz bewusst, um nach einem schweren Tag zur Ruhe zu kommen oder sich abzulenken. 
Eine Frage beschäftigt mich allerdings, warum gibt es so überaus viele Spiele, die auf Verletzung oder gar Vernichtung des Gegenübers angelegt sind?

Und deshalb mache ich mir Gedanken-
Welche Fähigkeiten werden durch die Art, wie wir spielen heute nicht mehr geübt – und welche üben wir heute?   Stärkere Aussage Früher haben wir im Spiel ganz nebenbei gelernt, Frust auszuhalten, dranzubleiben und den eigenen Ärger zu beruhigen. Heute sind viele Wege bequemer geworden, aber vielleicht zahlen wir an anderer Stelle einen Preis dafür.

Und trotzdem erlebe ich unsere jungen Kollegen nicht als „verlorene Generation“, im Gegenteil. Viele von ihnen sind freundlich, motiviert und erstaunlich lernbereit. Wenn man sich Zeit nimmt, Dinge zu erklären und Hintergründe zu teilen, merkt man, wie schnell sie aufnehmen und wie offen sie für Neues sind. Vielleicht ist genau das unsere gemeinsame Chance: Wir bringen Geduld, Erfahrung und eine gewisse Frusttoleranz mit, sie bringen frische Ideen, Tempo und einen ganz eigenen Blick auf die Welt. Wenn wir beides miteinander verbinden, kann daraus etwas sehr Wertvolles entstehen.


Am Ende bin ich dankbar, dass Gott uns durch alle Generationen begleitet – die mit Diskette, die mit CD und die mit Download. Wir alle, ich eingeschlossen, brauchen diese Liebe und Geduld immer wieder neu. Er schenkt uns eine Liebe, die geduldig ist, und eine Geduld, die den anderen – und auch uns selbst – nicht fallen lässt.



In diesem Sinne Eure Lizzy



Bilderquellen: 
https://images.techadvisor.com/cmsdata/features/3787146/retro-replay-lemmings_level3.png
https://boulder-dash.com/wp-content/uploads/2019/11/Boulder-Dash-Commodore-64.jpg
https://www.perplexity.ai/


Dienstag, 10. Februar 2026

Die Sache mit den unbemerkten Alltagsgötzen


Vor einiger Zeit hatte ich einen Beitrag zum Thema Götzen im Haus geschrieben, den könnt ihr hier finden, und das Thema beschäftigt mich immer noch – aber auf einer anderen Ebene. Die Götzen im Alltag, oder besser noch: in der Freizeit.

Während meiner Recherchen für den Blog finde ich mich häufig auf YouTube wieder, ich sehe mir Predigten von den verschiedensten Lehrern an – gute, irreführende und ziemlich viel dazwischen.
Da fällt mir gleich das Zitat von Charles Spurgeon ein:

„Unterscheidungsvermögen heißt nicht, den Unterschied zwischen richtig und falsch zu kennen, sondern den Unterschied zwischen richtig und fast richtig.“

Aber darum soll es heute gar nicht gehen. Worum es mir eigentlich geht, ist eine Falle, in die ich neulich mal wieder getappt bin.



Ich suche also Videos zum Thema, und in den Empfehlungen erscheint mir dieses Kurzvideo mit einem niedlichen Katzenpaar. Wie niedlich nur mal nur schnell draufgedrückt dachte ich… eine halbe Stunde später tauchte ich wieder auf. Dreißig Minuten verschwendete Zeit in einem Alltag, der sich sowieso schon anfühlt, als hätte er zu wenig Stunden. Eine halbe Stunde gefüllt mit nichts Wertvollem – eigentlich nur viel Lärm und gedönst.

Versteht mich nicht falsch: Ab und zu abschalten ist völlig in Ordnung und auch nötig. Ein lustiges Video, ein wenig Leichtigkeit – das ist nichts Böses. Aber an diesem Tag war mein Ziel ein anderes gewesen. Und genau das löste mal wieder eine meiner inneren Gedankenkaskaden aus. Wieviel Zeit geben wir gewollt oder ungewollt den „Geistern des Alltags“? Wie viel Zeit rauben wir unserer Familie und Gott mit sinnlosem Wischen über Bildschirme?Und das löste bei mir mal wieder eine meiner Gedankenketten aus:

Wie viel Zeit geben wir gewollt oder ungewollt den „Geistern des Alltags“? Wie viel Zeit rauben wir unserer Familie und Gott mit sinnlosem Wischen über Bildschirme?

Ich ertappe mich immer wieder bei dem Wunsch nach der Zeit vor den Smartphones. Eine Zeit, in der Familien noch am Tisch saßen, miteinander sprachen und Kinder in Gespräche einbezogen wurden, statt vor Handy oder Tablet „geparkt“ zu werden, damit sie ruhig sind.

Ich sehe junge Mütter und Väter, zutiefst in ihrem Bildschirm versunken, während ihre Kinder versuchen, ihre Aufmerksamkeit zu bekommen – und mir bricht das Herz. Was kann denn nur so wichtig sein, dass man seine Kinder und seine Umwelt kaum noch wahrnimmt?

Wie viel geht einem Menschen und gerade Kindern dadurch verloren? An Nähe, Zuwendung und menschlicher Verbindung?
Ich mache mir Sorgen um die neuen Generationen – ihnen geht durch die heutige Technik elementare menschliche Bindung 
echte Präsenz, der Blick in Augen statt auf Displays.




Und, ganz wichtig für uns Christen: Wo bleibt Gott?
Wo bleibt die Zeit für Gebet und Reflexion? Wie, in all diesem Lärm, soll der Heilige Geist denn zu uns sprechen?

Viele beschweren sich: „Gott antwortet mir nie.“
Wirklich? Oder ist unser Alltag so voll von Lärm und Ablenkung, dass wir Ihn nicht hören?

Die Frage ist eine von Prioritäten: Wer nimmt welchen Platz ein – und in welchem Ausmaß?
Wird die Liebe zum Fußball fanatisch? Muss jedes Spiel verfolgt und jedes Trikot gekauft werden? Steht das Fußballspiel vor dem Gottesdienst?
Ist die Netflix-Serie wichtiger als das gemeinsame Abendbrot?
Ist das spannende Buch wichtiger als ein Kartenspiel mit den Kindern?

Wem oder was schenken wir unsere Aufmerksamkeit?
Stellt euch einmal vor, wie intensiv unsere Beziehung zu Jesus sein könnte, wenn wir Ihm nur einen Teil der Zeit schenken würden, die täglich in Serien, Feeds, Kurzvideos und Endlos-Scrollen fließt. Nicht als fromme Leistung, sondern als echte, bewusste Hinwendung: Blick weg vom Bildschirm, Blick hin zu Ihm.


Ich habe so viele Beispiele im Kopf – auch viele, bei denen ich selbst schuldig bin –, dass ich sie gar nicht alle erfassen und aufschreiben kann. Es ist, wie so häufig, ein sehr breites und persönliches Thema, und jeder muss also mit sich selbst ins Gericht gehen. Aber ich denke, es ist den einen oder anderen Gedanken wert.

Und wer weiß, vielleicht fasse ich dieses Thema noch in der Zukunft auf – ich bin ja schließlich nicht ganz unschuldig in diesem Bereich.


In diesem Sinne,





Eure nachdenkliche Lizzy


Freitag, 30. Januar 2026

NAR – Der Heilige Geist im Denken der Neuen Apostolischen Reformation

Wenn der Heilige Geist zum Werkzeug wird


Ich schreibe diesen Beitrag bewusst über den Heiligen Geist. Über Ihn – nicht über eine Kraft, nicht über eine Energie, nicht über ein geistliches Prinzip, das man aktiviert. Gerade im Denken der Neuen Apostolischen Reformation zeigt sich, wie tiefgreifend sich das Verständnis vom Heiligen Geist verschoben hat. Er wird zunehmend nicht mehr als Person verstanden, sondern funktional gedacht: als Aktivator, als geistliche Ressource, als etwas, das man einsetzen, lenken oder freisetzen könne.

Diese Verschiebung ist kein Randphänomen. Sie berührt das Gottesbild selbst und prägt Lehre, Praxis und geistliche Sprache. An der Frage, wer der Heilige Geist ist, entscheidet sich, ob christliche Theologie trinitarisch bleibt – oder funktional wird.

Der konkrete Anlass, diesem Denkmodell nachzugehen, ist die Lektüre von C. Peter Wagners Buch Dominion! (auch erschienen unter dem Titel On Earth as It Is in Heaven). Wagner ist hier nicht der Maßstab, sondern eine Quelle, weil er die Neue Apostolische Reformation nicht nur benannt, sondern ihr Denken systematisch beschrieben und geprägt hat. Seine Aussagen helfen dabei zu verstehen, wie innerhalb dieser Bewegung argumentiert wird – gerade dort, wo es um den Heiligen Geist geht.

Im Denken der Neuen Apostolischen Reformation wird der Heilige Geist häufig funktionalisiert: als Machtquelle, als Aktivator, als geistliche Energie, die man freisetzt, lenkt oder strategisch einsetzt. Oft fällt schon sprachlich auf, dass vom „Holy Spirit“ gesprochen wird – ohne Artikel, ohne Bestimmung. Das ist kein Zufall.

Denn es gibt viele Geister. Auch solche, die sich „heilig“ nennen. Aber das Wort Gottes kennt nur den Heiligen Geist. So wie Jesus nicht eine Wahrheit ist, sondern die Wahrheit, so ist der Heilige Geist nicht irgendein Geist, sondern die dritte Person der Trinität, gleich an Wesen, Macht und Herrlichkeit mit dem Vater und dem Sohn.
Genau hier liegt das Problem.

1. Der Heilige Geist ist eine Person – keine Kraft


Die Bibel spricht vom Heiligen Geist nicht als unpersönlicher Energie, sondern als Person:

Er lehrt und erinnert (Joh 14,26)
Der Heilige Geist übernimmt hier eine zutiefst personale Aufgabe. Lehren setzt Beziehung voraus, Erinnern ein gemeinsames Gehen. 

Er spricht und sendet (Apg 13,2)
In Antiochia spricht der Heilige Geist bewusst, unterscheidbar und zielgerichtet. Er beruft, er sendet, er entscheidet. Das ist kein diffuses Wirken, sondern göttliche Initiative. Hier handelt kein Prinzip, sondern ein souveräner Wille.

Er kann betrübt werden (Eph 4,30)

Betrübnis ist eine zutiefst relationale Kategorie. Nur wer liebt, kann verletzt werden. Dass der Heilige Geist betrübt werden kann, zeigt, dass er nicht Mittel zum Zweck ist, sondern Persönlichkeit – und dass unser Umgang mit ihm moralische Bedeutung hat.

Er tritt ein für die Heiligen (Röm 8,26)
Der Heilige Geist kennt unsere Schwachheit und vertritt uns vor Gott. Er übersetzt unser Stammeln in Fürbitte. Das ist kein mechanischer Vorgang, sondern persönliches, mitleidendes Handeln.

Einer Person begegnet man in Beziehung, nicht in Verfügung.

Wer den Heiligen Geist als manipulierbar oder lenkbar denkt – als wäre er steuerbar –, verschiebt unweigerlich das Verhältnis: vom Empfangenden zum Akteur, vom Hörenden zum Strategen. An diesem Punkt wird Theologie funktional – und genau das ist typisch für das Denken der NAR (Neu Apostolische Reformation).


2. C. Peter Wagner und die These vom „in den Hintergrund getretenen“ Heiligen Geist


C. Peter Wagner schreibt in Dominion! (S. 97 sinngemäß):
Die Kraft des Heiligen Geistes war zwar seit der Geburt der Kirche verfügbar, sei aber nach den ersten zwei bis drei Jahrhunderten weitgehend in den Hintergrund getreten und praktisch wirkungslos geworden und erst jetzt, in jüngerer Zeit wieder wirksam geworden.

Er räumt zwar einzelne historische Gestalten ein – Patrick von Irland, Bonifatius, Savonarola – behauptet aber, ihr Wirken habe das Gefüge der Kirche als Ganzes nicht geprägt.

Das wirft zwangsläufig Fragen auf:
  • Wo ist der biblische Beleg dafür?
  • Wo lehrt die Bibel, dass der Heilige Geist sich für 1600–1700 Jahre weitgehend zurückgezogen hat?
  • Wo sagt Jesus, dass seine Verheißung „Ich bin bei euch alle Tage“ zeitlich begrenzt sei?

Die Konsequenz dieser These ist gravierend: Sie impliziert, dass Gott seine Kirche über viele Jahrhunderte hinweg praktisch ohne die wirksame Gegenwart seines Geistes gelassen habe.

Das ist kein kleiner theologischer Nebengedanke. Das stellt die Treue Gottes selbst infrage.

Denn wenn der Geist Gottes über Jahrhunderte hinweg angeblich nur randständig oder episodisch gewirkt haben soll, dann wäre Pfingsten kein Beginn einer bleibenden Realität gewesen, sondern ein kurzfristiger Höhepunkt. Die Bibel kennt jedoch keinen solchen Rückzug des Geistes. Im Gegenteil: Die Verheißung der bleibenden Gegenwart Gottes ist nicht an Zeiten geistlicher Hochleistung gebunden, sondern an Gottes eigenen Charakter.

An dieser Stelle wird für mich auch eine aktuelle Tendenz sichtbar, die zumindest nachdenklich machen sollte. In der englischsprachigen Lobpreismusik ist kürzlich ein Lied erschienen – Send the Fire (Jesus Culture) – in dem ausdrücklich um ein „zweites Pfingsten“ gebeten wird. Ich verstehe, was ausgedrückt werden soll: Sehnsucht nach Erneuerung, nach lebendigem Glauben, nach Gottes Wirken. Diese Sehnsucht ist nicht falsch.

Aber Worte haben Bedeutung.

Nach einem weiteren Pfingsten zu fragen, impliziert unweigerlich, dass das erste nicht ausreichend gewesen sei. War der Heilige Geist nicht genug? Hat Gott sich in Pfingsten nur teilweise gegeben? Diese Sprache erinnert mich stark an die Situation, in der die Pharisäer Jesus immer wieder nach neuen Zeichen und Wundern fragten – obwohl sie bereits vor Augen hatten, wer vor ihnen stand.

Warum ist das, was Christus bereits getan hat, nicht genug? Er hat sein Leben gegeben. Er ist auferstanden. Er hat uns mit dem Vater versöhnt – und er hat uns darüber hinaus den Heiligen Geist geschenkt: den Tröster, den Beistand, den, der bleibt.

Ich halte es für bedenklich, den Heiligen Geist so zu behandeln, als müsse er immer wieder neu herabgerufen, neu aktiviert oder neu entfacht werden. Eine solche Sprache setzt voraus, dass seine Gegenwart episodisch wäre. Doch das Wort Gottes lehrt anders. Der Heilige Geist lebt im Gläubigen und bleibt. Wir wurden mit ihm versiegelt, als wir zum Glauben kamen (Eph 1,13; 4,30). Seine Gegenwart ist keine vorübergehende Erfahrung, sondern Gottes bleibende Zusage an die, die in Christus sind.

So wie ich das sehe, braucht der Autor diese Annahme als Grundlage, um all die nachfolgenden neuen Ideen einzuführen. Unter dem Leitgedanken „Seht, Gott macht etwas Neues“ wird Erwartung erzeugt, Begeisterung geweckt – und zugleich Raum geschaffen für neue Offenbarungen, neue Lehren und vor allem neue Erlebnisse.

Diese Erlebnisse stehen oft im Zentrum: intensive Emotionen, euphorische Freude, das Gefühl neuer geistlicher Befähigung. Das Problem ist nicht, dass Gott erfahrbar wäre – denn das ist er. Das Problem ist, dass diese Erfahrungen zunehmend vom biblischen Wort gelöst werden. Die Bibel wird nicht mehr Prüfmaßstab, sondern Begleitmusik. Nicht mehr Gottes Wort beurteilt das Erlebnis – sondern das Erlebnis interpretiert das Wort. An dieser Stelle verschiebt sich das Fundament leise, aber entscheidend.



3. Kirchengeschichte oder persönliche Offenbarung?

An dieser Stelle wird deutlich, dass Wagner weniger vom Wort Gottes her argumentiert, sondern von einer bestimmten Interpretation der Geschichte. Kirchengeschichte wird dabei nicht nüchtern beschrieben, sondern bewertet – und zwar nach dem Maßstab sichtbarer Macht, spektakulärer Manifestationen und gesellschaftlicher Durchschlagskraft.

Er schreibt weiter, dass erst um 1900 herum – durch die Pfingstbewegung in Amerika und die African Independent Churches – die Kraft des Heiligen Geistes wieder "aktiviert" worden sei, nachdem diese Bewegungen lange gegen den Strom der traditionellen Christenheit hätten schwimmen müssen.

An dieser Stelle stellt sich erneut eine einfache, aber unbequeme Frage:

Seit wann ist die Macht Gottes abhängig vom Konsens der Kirche?

Hat Gott uns nicht bereits alles gegeben, was wir zum Leben und zur Gottseligkeit brauchen (2 Petr 1,3)?
Ist sein Wort nicht lebendig, wirksam und ausreichend – ohne dass es ergänzt oder gar neu interpretiert werden müsste?

Wenn diese Sichtweise nicht aus der Bibel stammt, woher dann?
Aus persönlicher Offenbarung? Aus innerer Eingebung? Aus Deutung von Geschichte?
Und wenn ja: Wer oder was offenbart hier eigentlich?

Die Bibel kennt persönliche Führung durch den Heiligen Geist. Aber sie kennt keine Offenbarung, die sich von dem löst, was Gott bereits gesagt hat. Der Heilige Geist widerspricht sich nicht selbst. Wo neue Lehren entstehen, die sich nur durch subjektive Eindrücke oder geschichtliche Neudeutungen rechtfertigen lassen, ist große Vorsicht geboten.

Unser Maßstab ist und bleibt immer das Wort Gottes.


4. Der Heilige Geist als Mittel zum Zweck


An dieser Stelle stellt sich unausweichlich die Frage: Welcher Geist – und wozu?

Denn in Wagners theologischer Argumentation nimmt die Vorstellung vom Wirken des Geistes eine zentrale Rolle ein – nicht nur als Ergebnis einer erneuten biblischen Auslegung, sondern auch als Voraussetzung, ohne die seine weitergehenden Ideen nicht tragfähig wären. Neue Offenbarungen bilden dabei die Grundlage für eine neue „christliche Gesellschaft".

An dieser Stelle wird auch die Nähe zum sogenannten 7-Berge-Mandat deutlich. Dort geht es nicht primär um Umkehr, Nachfolge und Gemeinde, sondern um gezielte kulturelle Einflussnahme. Der Heilige Geist erscheint in diesem Modell nicht mehr als der, der überführt, tröstet und heiligt, sondern wird in den Dienst eines Projekts gestellt.

Dieses Denken ist nicht auf Wagner oder die NAR beschränkt. Auch andere sogenannte christliche Strömungen greifen auf ähnliche Voraussetzungen zurück, wenn neue Offenbarungen zur Grundlage gesellschaftlicher oder geistlicher Programme gemacht werden.

Das ist kein biblisches Verwalten.

Denn biblisches Verwalten bedeutet, unter der Herrschaft Gottes treu mit dem umzugehen, was er anvertraut – niemals aber, Gott selbst einem menschlichen Ziel zu unterstellen. Hier jedoch wird Gott selbst, genauer: der Heilige Geist, dem angestrebten Ergebnis untergeordnet. Er wird eingesetzt, aktiviert und benutzt – nicht angebetet und verehrt. Das Evangelium rückt vom Zentrum weg, und an seine Stelle tritt ein Vorhaben, eine Agenda.

Der Heilige Geist, wie ihn das Wort Gottes bezeugt, ist Person – kein Zauberstab. Er offenbart Christus, nicht Konzepte. Er führt in die Wahrheit, nicht in Strategien. Er lässt sich weder planen noch lenken, noch zur Bestätigung menschlich vorgegebener Ziele einsetzen.

Wo die Realität des Heiligen Geistes so umgedeutet und verzerrt wird, dass sie eine neue Lehre oder „Realität" stützen soll, wird die göttliche Ordnung zerstört: Dann wird nicht mehr am Wort Gottes gemessen, was gelehrt und gelebt wird, sondern ein „neuer Geist" wird herangezogen, um bereits feststehende Ideen zu bestätigen.

Man kann das nur so benennen, wie es ist: ein geistliches Zweckdenken. Der Heilige Geist wird nicht mehr um seiner selbst willen erkannt und geehrt, sondern danach beurteilt, ob und wie sehr er ein bestimmtes Ziel voranbringt.

Aus diesem Zweckdenken heraus entwickeln sich folgerichtig auch Konzepte sogenannter geistlicher „Kriegsführung". Wo geistliche Wirklichkeit primär unter dem Aspekt von Durchsetzung, Einfluss und Zielerreichung verstanden wird, liegt es nahe, Glauben in Kategorien von Strategie, Kampf und Kontrolle zu denken.
Darauf werde ich in einem weiteren Beitrag näher eingehen.

Damit bleibt die Frage bewusst offen: Welcher Geist – und wozu?

Geht es um Gottes Wirken – oder um menschliches Wunschdenken, das geistlich begründet wird?


Schlussgedanke: Der Heilige Geist – einzigartig, unverändert und treu


Dieser Beitrag ist kein historischer Streit und kein persönlicher Angriff. Er stellt eine einfache, aber grundlegende Frage: Wie reden wir vom Heiligen Geist – und was sagt das über unser Gottesbild aus?

Der Heilige Geist ist kein Werkzeug, das Gott uns gibt, damit wir damit werkeln. Wenn die Bibel vom Heiligen Geist als Gabe spricht, dann im Sinn göttlicher Selbstmitteilung: Gott gibt kein Werkzeug, das wir benutzen könnten – er gibt sich selbst. Der Heilige Geist ist Teil der Dreieinigkeit, wesensgleich mit dem Vater und dem Sohn. Er bleibt nicht wegen unseres geistlichen Erfolgs oder unserer Treue, sondern weil Gott sich selbst treu bleibt und sich nicht widerspricht. Das ist die Zusage von Pfingsten.

Daraus folgt die Pflicht zur Prüfung am Wort Gottes, denn
  • Nicht jede Berufung auf den Heiligen Geist ist automatisch von Gott. 
  • Nicht jede Erfahrung ist Offenbarung. 
  • Und nicht jedes „Neue" stammt von Gott.

Unser himmlischer Vater hat uns alles gegeben, was wir brauchen. Er hat gesprochen, gehandelt und zugesagt – in seinem Wort, in seinem Sohn und durch seinen Geist. Darum braucht das Evangelium keine Ergänzung.

Das genügt seit jeher.

 Ihr aber, die ihr dem HERRN, eurem Gott, anhinget, ihr seid heute alle am Leben. (5. Mose 4,2)

In diesem Sinne: Taucht tief in Gottes Wort ein und prüft alles im Licht Seiner Wahrheit.


Eure Lizzy




Freitag, 16. Januar 2026

Die Sache mit den Götzen im Haus

Ein neuer Beitrag – und eine alte Beobachtung

Ich kann es kaum glauben – ist wirklich ein ganzer Monat seit meinem letzten Beitrag vergangen? Sind wir tatsächlich schon mitten im Januar? Wer hat bitte die Zeit gestohlen? Nun ja: Familie Faithful hatte ein sehr schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Aber wie das so ist – der Urlaub ist vorbei, der Alltag ist wieder eingezogen. Und irgendwann kam der Punkt, an dem ich mich fragte, worüber ich eigentlich schreiben könnte. Der nächste Serienbeitrag ist noch in Arbeit. Und während ich darüber nachdachte, erinnerte mich der Heilige Geist an etwas, das mir in den letzten Wochen immer wieder aufgefallen war.

Wie jedes Jahr in der Vor- und Nachweihnachtszeit besucht man viele Geschäfte, man ist bei Freunden und Bekannten zu Gast, und natürlich schaut man sich um. Und was mir fast überall auffiel, war Dekoration. Ich meine dabei nicht Weihnachtsbäume oder Nussknacker. Ich meine etwas anderes: Götzen.




„Das ist doch nur Deko … oder?“

Praktisch überall, wo ich hinkam, fanden sich Buddhas und Hindu-Statuen, Traumfänger in Fenstern, japanische Dämonenmasken an den Wänden. Kleine Statuen, große Statuen, freundlich lächelnd, scheinbar harmlos. Und niemand scheint sich daran mehr zu stoßen.

„Aber Lizzy, jetzt sei doch nicht so“, höre ich es förmlich. „Buddhas sind doch süß – der dicke Bauch, das lachende Gesicht. Und die anderen Figuren sind doch elegant, machen eine schöne Atmosphäre oder sind richtig cool. Das ist doch einfach Deko. Total Zen. Du übertreibst doch sicher, oder?“

Übertreibe ich wirklich?

Was die Bibel dazu sagt

Die Bibel ist an diesem Punkt erstaunlich eindeutig:

„Du sollst dir kein Bildnis machen, noch irgendein Gleichnis von dem, was im Himmel oben oder auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde ist. Du sollst sie nicht anbeten noch ihnen dienen; denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott“
(2. Mose 20,4–5).

Und genau hier beginnt das eigentliche Problem. Nicht erst dort, wo Menschen sich vor Statuen niederwerfen oder Räucherstäbchen anzünden. Sondern viel früher. Dort, wo wir anfangen, Spiritualität zu verniedlichen, zu ästhetisieren, zu „neutralisieren“ – und sie dann wie ein Wohnaccessoire in unseren Alltag integrieren, ohne uns auch nur einen Moment ehrlich zu fragen: Was ist das eigentlich? Und was tue ich da?

Ein altes Muster: Das goldene Kalb

Ich persönlich glaube, wir verstehen die Welt, in der wir leben, falsch. Und wir verstehen uns selbst falsch. Der Mensch hat seit jeher die Angewohnheit, Dinge wegzuerklären, umzudeuten, zu rechtfertigen oder schlicht zu ignorieren. Unsere Generation ist darin nicht einzigartig – nur besonders effizient, bequem und dazu noch unwissend. Schon das Volk Israel liefert uns ein erschreckend klares Beispiel dafür, wie schnell Götzendienst entsteht.

Im zweiten Buch Mose, als Mose länger auf dem Berg blieb und nicht zurückkam, wurde das Volk unruhig. Und was sie dann sagten und taten, ist aufschlussreicher, als man auf den ersten Blick meint:

„Auf, mache uns Götter, die vor uns hergehen! Denn wir wissen nicht, was diesem Mann Mose widerfahren ist, der uns aus Ägyptenland geführt hat.“
(2. Mose 32,1)

Hier wird nichts beschönigt. Die Israeliten sprechen nicht vom HERRN. Sie bitten nicht um ein Zeichen, nicht um eine Erinnerung, nicht um Hilfe. Sie verlangen neue Götter. Und noch etwas ist bemerkenswert: Sie schreiben die Befreiung aus Ägypten nicht Gott, sondern Mose zu.


Abkehr trotz sichtbarer Gegenwart Gottes

Und das ist das eigentlich Erschütternde daran: Gott war keineswegs abwesend. Er hatte sich dem Volk sichtbar offenbart – als Wolke am Tag, als Feuersäule bei Nacht. Am Sinai kam er in gewaltiger Weise herab, für alle sichtbar, in Feuer, Rauch und Donner. Gottes Gegenwart war Realität, nicht Theorie.

Und dennoch geschieht in diesem Moment etwas Entscheidendes. Als Mose aus dem Blickfeld verschwindet, verschiebt sich der Bezugspunkt. Nicht, weil Gott abwesend wäre – seine Gegenwart war weiterhin sichtbar und real –, sondern weil der Mensch beginnt, sich ihr zu entziehen.

Gott bleibt derselbe. Er führt, spricht, fordert und wartet. Doch genau darin liegt die Spannung. Seine Nähe lässt sich nicht lenken. Seine Wahrheit nicht anpassen. Sein Wille nicht formen. Und an diesem Punkt beginnt der Mensch, nach etwas anderem zu greifen.

Wie Götzen und Religionen entstehen

Hier zeigt sich ein Mechanismus, der sich durch die gesamte Religionsgeschichte zieht.

Wo der Mensch sich der lebendigen Gegenwart Gottes verschließt, entsteht Raum für etwas, das greifbar ist. Wo Offenbarung bindet, wird etwas gesucht, das sich einfacher handhaben lässt. Und so wird etwas Neues geschaffen – nicht, weil Gott fehlt, sondern weil der Mensch sich seiner Heiligkeit entzieht.

Das goldene Kalb entsteht nicht aus Orientierungslosigkeit, sondern aus diesem Prinzip: Ein geschaffenes Objekt übernimmt eine geistliche Funktion. Es steht da. Es ist sichtbar. Es lässt sich deuten, tragen, weitergeben. Und genau deshalb kann ihm zugeschrieben werden, was eigentlich Gott gehört.

Als das Kalb fertig ist, wird es offen ausgesprochen:

„Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat“
(2. Mose 32,4).

Gottes Werk wird umgedeutet. Neu zugeschrieben. Einem Objekt zugesprochen, das aus einer neuen religiösen Vorstellung geboren wird. Der lebendige Gott wird nicht nur ignoriert – er wird ersetzt.

Das Muster wiederholt sich – bis heute

Und genau hier liegt das verbindende Prinzip zu unserer Zeit.

Denn auch heute geht es selten um offene Anbetung. Es geht – wie damals – um Ersatz. Um etwas, das da ist, wenn der Mensch sich der Wahrheit Gottes entzieht. Um etwas Sichtbares, während der lebendige Gott Vertrauen verlangt. Um etwas, das nichts fordert – und gerade deshalb angenommen wird.

Das goldene Kalb war kein historischer Einzelfall. Es war ein geistliches Muster. Und dieses Muster begegnet uns heute wieder – nur moderner, ästhetischer und gesellschaftlich akzeptiert.

Die Statuen, Masken und Symbole unserer Zeit sind geistlich gesehen nichts anderes als neu gegossene goldene Kälber. Sie stammen aus Religionen, Weltbildern und Glaubenssystemen, die nicht von Gott sind, sondern ihm widersprechen. Und dennoch werden ihnen Eigenschaften zugeschrieben, die allein Gott gehören: Frieden, Schutz, Harmonie, Orientierung, Sinn.


Symbole sind nicht neutral

Und damit sind wir bei einem Punkt, den wir oft unterschätzen: Symbole sind nicht neutral.

An dieser Stelle ist eine wichtige Unterscheidung nötig. Nicht jedes Symbol ist automatisch ein Götze. Ein Ehering ist ein Symbol – aber kein Götze. Eine Flagge ist ein Symbol. Auch Worte, Gesten und Bilder können symbolisch sein, ohne geistlich problematisch zu werden.

Der Unterschied liegt nicht in der Symbolik selbst, sondern in ihrer geistlichen Verortung.

Religiöse Symbole aus fremden Glaubenssystemen wurden nicht geschaffen, um lediglich etwas zu „erinnern“ oder „darzustellen“. Sie wurden geschaffen, um spirituelle Wirklichkeit abzubilden, zu vermitteln oder zugänglich zu machen. Sie stehen für ein bestimmtes Verständnis von Gott, Erlösung, Macht und Wahrheit.

Und genau deshalb kann man sie nicht von ihrem Ursprung trennen.

Wenn Symbolik geistliche Bedeutung übernimmt

Ein Symbol, das aus einer Religion stammt, trägt diese Religion mit sich – auch dann, wenn man sie nicht teilt. Es ist nicht leer. Es ist nicht neutral. Es ist geistlich aufgeladen, weil es von Anfang an in einem spirituellen Kontext verankert ist.

Wenn heute einem Buddha Frieden zugeschrieben wird, dann ist das keine harmlose Bedeutungsverschiebung. Es ist die Übernahme einer spirituellen Aussage: Frieden ohne Gott. Erlösung ohne Kreuz. Ruhe ohne Wahrheit. Und damit wird einem Symbol etwas zugesprochen, was allein Gott gehört.

Hier schließt sich der Kreis zum goldenen Kalb. Auch dort wurde einem geschaffenen Objekt geistliche Bedeutung und göttliches Wirken zugeschrieben. Nicht, weil das Objekt diese Macht hatte – sondern weil Menschen bereit waren, sie ihm zu geben.

Es ist nie „nur“ ein Symbol

Man kann Symbole nicht von ihrem Ursprung trennen. Geschichte verschwindet nicht durch Umbenennung. Geistliche Herkunft löst sich nicht auf, nur weil wir sie ignorieren. Ein Zeichen wirkt nicht erst dann, wenn wir es bewusst verehren, sondern schon dann, wenn wir ihm Raum geben.

Viele der Symbole, die heute unsere Wohnungen, Gärten und Lebensräume schmücken, stammen aus religiösen Systemen, die den biblischen Gott ausdrücklich ausschließen. Und dennoch schreiben wir ihnen Dinge zu, die allein Gott gehören: innere Ruhe, Schutz, Ausgleich, Sinn, Orientierung.

Damit wiederholt sich exakt das Prinzip des goldenen Kalbes – nicht in der Form, aber im Wesen.

Die entscheidende Frage

Man muss nicht niederfallen, um Gott zu ersetzen.
Es reicht, ihm den Platz zu nehmen, der Gott allein gehört: Vertrauen, Orientierung, Sicherheit, Sinn.

Die Bibel ist auch hier unmissverständlich:

„Was die Heiden opfern, das opfern sie den Dämonen und nicht Gott“
(1. Korinther 10,20).

Das ist keine kulturelle Bewertung. Das ist eine geistliche Einordnung. Hinter falschen Göttern steht keine Leere. Hinter ihnen steht auch nicht bloß menschliche Fantasie. Hinter ihnen steht eine reale geistliche Wirklichkeit, die im Gegensatz zu Gott steht.

Und damit zerbricht endgültig das Argument: „Das ist doch nur Deko.“

Denn geistlich betrachtet gibt es kein „nur“. Dinge haben eine Herkunft. Symbole haben eine Bedeutung. Und geistliche Realitäten verschwinden nicht, nur weil wir sie ästhetisch verpacken.

Ein letzter Gedanke

Am Ende bleibt eine sehr persönliche Frage, der wir nicht ausweichen können:

Ist mir die Deko wichtiger als Gott?
Was gibt mir wirklich Frieden?
Wem schreibe ich Schutz, Orientierung und Sinn zu?
Und weiß ich eigentlich, worauf ich mich einlasse?

Vielleicht ist heute der Moment, einmal ehrlich durch die eigenen vier Wände zu gehen – nicht mit dem Blick eines Einrichtungskatalogs, sondern mit geistlicher Nüchternheit. 

Denn am Ende ist es nie nur ein Symbol.
Es geht darum, wem wir Raum geben und welche Wahrheit wir dafür preisgeben.


In diesem Sinne: Taucht tief in Gottes Wort ein und prüft alles im Licht Seiner Wahrheit.


Eure Lizzy