Neulich auf der Arbeit kamen wir auf das Thema Computerspiele zu sprechen. Meine Arbeitskollegen sind eine bunte Mischung – vom recht jungen Alter bis hin zu denen, die schon einige Jahrzehnte Berufserfahrung auf dem Rücken haben. Für mich war dieses Gespräch sehr spannend, ja sogar augenöffnend.
Ich selbst bin inzwischen in meinen Vierzigern und kann mich noch sehr gut an meine ersten Begegnungen mit Computerspielen erinnern. Die ersten Spiele, die ich sah, waren bei meiner Tante. Ich denke, es war ein Commodore mit Kassettenlaufwerk, und später auch ein Atari – ganz sicher bin ich mir da nicht mehr, es ist ja schon ein Weilchen her. Auf jeden Fall war das für mich als Kind vor allem spannend und ungewohnt, etwas, womit ich einfach gern gespielt habe.
Später wurden wir als Familie dann selbst stolze Besitzer eines „richtigen“ Computers, den meine Mama noch „einrichten“, also programmieren musste. MS-DOS – wer erinnert sich noch daran? Für meine damaligen Kinderaugen war das alles unglaublich neu und aufregend.
Heute blicke ich zurück und staune, wie weit wir in gerade einmal dreißig, vierzig Jahren gekommen sind. Heute tragen wir kleine Computer in unseren Taschen, wischen mit dem Finger über Bildschirme und sind mit der ganzen Welt verbunden. Es ist wirklich erstaunlich, was der Mensch in so kurzer Zeit erfinden konnte.
Wenn ich an diese frühen Jahre denke, erinnere ich mich vor allem an die einfache, kindliche Freude. Die Spiele waren für mich in erster Linie Spaß – etwas, auf das ich mich gefreut habe, wenn ich wieder spielen durfte. Es war nichts Pädagogisches, sondern etwas Besonderes im Alltag, einfach die Vorfreude darauf, wieder an den Computer zu dürfen und zu sehen, was passiert. Im Rückblick sehe ich, dass ich dabei trotzdem einiges geübt habe – aber damals stand für mich einfach die Freude am Spielen im Vordergrund.
Zurück zu unserem Gespräch im Büro: Wir Älteren schwelgten in Erinnerungen an Spiele wie „Prince of Persia“, „Boulder Dash“ und „Lemmings“ und daran, wie lange man manchmal an bestimmten Leveln festhing. Manchmal wirklich wochenlang. Und dann kam die erstaunte Reaktion der jüngeren Kollegen: „Wochen??? Das Spiel würde ich gar nicht erst spielen.“
Dieser Satz ist mir nachgegangen. Ich habe eine Weile darüber nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass der Unterschied zwischen den Spielen von damals und vielen Spielen von heute unsere Gesellschaft sehr gut widerspiegelt.
Damals mussten wir beim Spielen einiges lernen, ohne dass es jemand so genannt hat. Wir lernten Geduld, weil wir dieselbe Stelle immer und immer wieder versuchen mussten und die Freude, wenn es gelungen war. Wir lernten, mit unseren Gefühlen umzugehen: die Wut, wenn das letzte Leben verloren war, die Enttäuschung, wieder von vorne anfangen zu müssen, und dann der Entschluss: „Ich probiere es noch einmal.“ Wir mussten aushalten, dass etwas nicht auf Anhieb klappt.
Es gab kaum eingebaute Hilfen. Keine kleinen Pfeile, die den Weg zeigen, keine ausführlichen Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Wenn wir Glück hatten, hatten Freunde das gleiche Spiel und waren schon etwas weiter. Dann hat man sich Tipps gegeben, gemeinsam überlegt, ausprobiert – so entstand ein Miteinander. Wir lernten also auch, uns gegenseitig zu helfen, uns auszutauschen und Lösungen gemeinsam zu suchen.
Und wir lernten, wie sich echter Erfolg anfühlt. Wenn man nach vielen Versuchen ein schweres Level endlich geschafft hatte – ohne Hilfe von außen – war das ein wunderbares Gefühl. Man wusste: „Das habe ich mir erarbeitet. Ich bin drangeblieben.“ Diese Mischung aus Frust aushalten, weitermachen und dann Erfolg erleben, hinterlässt Spuren in einem. Das hat uns innerlich gestärkt.
Wenn ich mir viele Spiele von heute anschaue, wirkt vieles anders. Die meisten speichern automatisch ständig den Fortschritt. Man muss nicht mehr mühsam von vorne anfangen und sich den Weg erneut erarbeiten. Man landet einfach wieder direkt vor dem Hindernis. Wenn man nicht weiterkommt, kann man in wenigen Sekunden im Internet nach einer Lösung suchen und dann ohne große Mühe weiterspielen.
Natürlich kann das bequem sein und macht auch Spaß. Vielleicht gibt es einen kurzen Moment der Freude, wenn man endlich weiterkommt. Aber dieses tiefe Gefühl, etwas wirklich geschafft zu haben, weil man lange und geduldig daran gearbeitet hat, entsteht dabei viel seltener. Die Fähigkeit, schwierige Aufgaben Schritt für Schritt selbst zu lösen, wird so – aus meiner Sicht – weniger trainiert.
Unser Inneres gewöhnt sich leicht an schnelle Belohnung: ein Klick, ein Erfolg, ein kurzer Glücksmoment. Doch Geduld, Ausdauer und das Aushalten von Frust brauchen Zeit. Sie entstehen nicht, wenn der Weg immer gleich mitgeliefert wird. Wenn Spiele uns ständig den nächsten Schritt zeigen, gewöhnen wir uns daran, geführt zu werden, statt selbst den Weg zu suchen.
Ich merke das, wenn ich an viele Jugendliche und junge Erwachsene im Arbeitsleben denke. Gefühle wie Frust oder Langeweile werden oft nicht mehr ausgehalten, sondern möglichst schnell „weggedrückt“. Geduld ist selten gefragt – alles soll schnell gehen, möglichst ohne Umwege. Lösungen sollen am liebsten sofort und möglichst einfach vor einem liegen, so wie ein blinkender Hinweis im Spiel.
Im Alltag sieht das dann zum Beispiel so aus: Eine Aufgabe wird schnell als „zu schwer“ oder „zu kompliziert“ eingestuft, wenn die Lösung nicht sofort klar ist. Viele wünschen sich, dass jemand ständig danebensteht und jeden Schritt erklärt, so wie eine eingebaute Hilfe im Spiel. Das Aushalten von Unsicherheit – also eine Aufgabe zu beginnen, ohne alles von Anfang an zu wissen – fällt vielen schwer.
Gleichzeitig möchte ich nicht sagen: Früher war alles besser, heute ist alles schlecht. Auch moderne Spiele haben ihre guten Seiten. Sie können Reaktionsvermögen schulen, Zusammenarbeit in Gruppen fördern und in großen, komplexen Spielwelten auch anspruchsvolle Aufgaben bieten. Manche nutzen Spiele sogar ganz bewusst, um nach einem schweren Tag zur Ruhe zu kommen oder sich abzulenken. Eine Frage beschäftigt mich allerdings, warum gibt es so überaus viele Spiele, die auf Verletzung oder gar Vernichtung des Gegenübers angelegt sind? Und deshalb mache ich mir Gedanken- Welche Fähigkeiten werden durch die Art, wie wir spielen heute nicht mehr geübt – und welche üben wir heute?Früher haben wir im Spiel ganz nebenbei gelernt, Frust auszuhalten, dranzubleiben und den eigenen Ärger zu beruhigen. Heute sind viele Wege bequemer geworden, aber vielleicht zahlen wir an anderer Stelle einen Preis dafür.
Und trotzdem erlebe ich unsere jungen Kollegen nicht als „verlorene Generation“, im Gegenteil. Viele von ihnen sind freundlich, motiviert und erstaunlich lernbereit. Wenn man sich Zeit nimmt, Dinge zu erklären und Hintergründe zu teilen, merkt man, wie schnell sie aufnehmen und wie offen sie für Neues sind. Vielleicht ist genau das unsere gemeinsame Chance: Wir bringen Geduld, Erfahrung und eine gewisse Frusttoleranz mit, sie bringen frische Ideen, Tempo und einen ganz eigenen Blick auf die Welt. Wenn wir beides miteinander verbinden, kann daraus etwas sehr Wertvolles entstehen.
Am Ende bin ich dankbar, dass Gott uns durch alle Generationen begleitet – die mit Diskette, die mit CD und die mit Download. Wir alle, ich eingeschlossen, brauchen diese Liebe und Geduld immer wieder neu. Er schenkt uns eine Liebe, die geduldig ist, und eine Geduld, die den anderen – und auch uns selbst – nicht fallen lässt.
Hallo meine lieben Leser, ich muß
mich mal wieder um die Funkstille entschuldigen. Im Moment geht es bei der Familie
Faithful auf allen Fronten rund. Ich arbeite gerade am Beitrag über das 7-Berge-Mandat, habe viel zu lesen, viel zu recherchieren – und dann alles vom Kopf aufs
Papier, oder besser gesagt auf den Bildschirm, zu bekommen, ist nicht leicht, deshalb kam der Beitrag verspätet.
Was macht man also, wenn das Leben stürmt? Na klar: man taucht noch tiefer in das
Wort Gottes ein und betet oft auch etwas intensiver.
Gestern
Abend saß ich im Wohnzimmer, während Mr. Faithful die Nachrichten laufen hatte.
Und wie so oft in letzter Zeit kann man nur den Kopf schütteln über den Zustand
dieser Welt und darüber, wie weit die Menschheit von Gott abgefallen ist.
Traurig… Als es mir schließlich zu viel wurde, zog ich mich mit meiner Bibel
zurück.
Als ich es mir dann gemütlich gemacht hatte und
zu lesen begann, ging mir mal wieder ein Licht auf. Ist es nicht
wunderbar, wie viel man in diesem Buch finden kann? Wie sehr es uns durch alle
Lebensphasen begleitet? Und ich könnte fast schwören, dass die lieben Engel des
HERRN die Bibel jede Nacht ein wenig „umschreiben“ (das tun sie natürlich
nicht), denn selbst nach fast 20 Jahren Bibellesen und Studium entdecke ich
Dinge, die ich noch "nie" gelesen habe, oder so noch nie verstanden habe.
Das erinnert mich immer wieder an eine Wahrheit, die im Hebräerbrief 4,12 (Menge 2020)
so treffend formuliert ist:
„Denn lebendig ist
Gottes Wort und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert; es dringt hindurch, bis es scheidet Seele und Geist, Gelenke und Mark, und ist ein Richter der Regungen und Gedanken des Herzens.“
Dieser
Vers beschreibt perfekt, was im Herzen eines Gläubigen passiert, wenn es auf das Wort Gottes trifft. Es bleibt nie nur „Text auf einer Seite“ – es arbeitet in uns,
deckt auf, tröstet, korrigiert und richtet aus. Und manchmal, wie gestern
Abend, bringt es Dinge ans Licht, die ich vorher nicht einmal gesucht habe.
Ich las dann im Markus-Evangelium weiter – diesmal in der HFA (Hoffnung für Alle), meiner gemütlichen „Sofa-Version“ (wenn die Studienbibel Feierabend hat) – und stieß dabei auf zwei kurze Verse die mich besonders ansprachen. Der ganze Abschnitt ist länger, und der ursprüngliche Zusammenhang ist ein anderer, aber das Prinzip, das Jesus hier nennt, bleibt wahr: Ein geteiltes Haus hält nicht.
Markus 3, 24–25 (HFA)
24 Ein Staat kann nicht
bestehen, wenn in ihm verschiedene Herrscher um die Macht kämpfen.
25 Eine Familie, die ständig
in Zank und Streit lebt, bricht auseinander.
Mit den Nachrichten noch frisch
im Kopf traf mich eine kleine Offenbarung. Dies ist die Welt, in der wir leben.
Die Menschen sind uneins miteinander, wir erleben extreme Gegensätze und harte
Fronten. Politisch, sozial, familiär und zwischenmenschlich. Es scheint mir,
als wären Europa und viele andere Länder des Westens so zerrissen, dass ihr
Fundament bröckelt. Zivilisierter Austausch ist kaum noch möglich. Familien
zerbrechen nicht an Gewalt oder tiefen Traumata, sondern an Meinungen. An
Worten. An unterschiedlichen Weltanschauungen. Und ja, es bricht mir das Herz.
Da
sah ich gestern Abend wieder ganz deutlich: Wir versuchen, eine Welt zu
reparieren, während wir gleichzeitig die tragenden Balken herausreißen. Wir
reden über Werte, Systeme, Programme und Reformen – aber kaum jemand spricht
über DEN, der wirklich die Macht hat, ein Herz zu heilen und ein Haus wiederaufzurichten.
Ohne Christus bleibt alles Stückwerk.
Und so wurde mir einmal mehr als deutlich:
Ich kann dieses Weltchaos nicht lösen. Ich rette keine Nation, ich repariere
keine Kultur, und ich klebe auch keine zerbrochenen Familien zusammen. Und ich
muß erst recht nicht versuchen, für Gott Aufgaben zu übernehmen, die Er mir nie
gegeben hat. Gott beruft jeden anders. Manche stehen in Politik oder Theologie,
andere tragen ihren Teil im Verborgenen – zu Hause, im Beruf, in der Gemeinde.
Das spielt keine Rolle. Was zählt, ist Treue. Treue in genau der Berufung, die
Christus jedem einzelnen gegeben hat. Dort
sind wir Salz. Dort sind wir Licht. Und nur dort wirkt Gott durch uns.
Und
wenn wir ehrlich sind: Ja, das würde vieles verändern, wenn jeder Christ
tatsächlich so leben würde. Vielleicht mehr, als wir ahnen. Aber eines ist
sicher: Die Welt retten ist nicht unser
Job. Das macht Jesus – und nur ER. Unser Auftrag ist klar und nicht
verhandelbar: das Evangelium weitergeben. Punkt. Die Ewigkeit ist eine sehr
lange Zeit, und wo unsere Familie, unsere Nachbarn und wir selbst sie
verbringen, hängt daran, ob wir Jesus als Heiland annehmen oder nicht.
Ich habe keine großartige Menschenweisheit
anzubieten, aber ich weiß eines: Jesus wird am Ende alles ordnen. Wie weiß ich
das? Weil ER es versprochen hat – in Seinem Wort. Und was Gott verspricht, das
hält Er.
Bis
dahin bin ich eben eine müde Bloggerin mit zeitlichen Verzögerungen, die sich an Christus
festhält und Schritt für Schritt weiterschreibt. Und deswegen arbeite ich
weiter am 7-Berge-Mandat-Beitrag – auch wenn es etwas dauert. Danke, dass ihr
mir die Zeit gebt und mich begleitet.
In diesem Sinne, taucht tief in Gottes Wort ein und prüft alles im Licht Seiner Wahrheit.
So,
es ist so weit. Fräulein Faithful hat einen ernsthaften Freund. Einmal tief
durchatmen, Mister & Misses Faithful – es liegt in Gottes Händen.
Was
bedeutet das nun für unsere Familie? Ich sage euch zuerst, was es nicht
bedeutet, und bitte, lest bis zum Ende. Man sagt ja oft, man gewinnt einen Sohn
dazu – das klingt schön, aber eigentlich gewinnen wir etwas anderes: eine neue
Familie, die ihre eigenen Flügel bekommt. Gott hat gesagt:
„Darum
wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen,
und sie werden ein Fleisch sein.“ 1. Moses 2,24
Wenn
unsere Kinder ihre eigenen Wege gehen, verändert sich auch unsere Rolle. Aus
Eltern werden Begleiter, aus der Familie wird eine erweiterte Familie. Die
Liebe bleibt, aber sie zeigt sich anders – mit mehr Vertrauen und weniger
Eingreifen.
Die
junge Familie wird ihre eigenen Traditionen schaffen, eigene Regeln für ihren
Haushalt und ihre Finanzen haben. Wir dürfen beratend zur Seite stehen, aber
nur, wenn wir um Rat gebeten werden. Der junge Mann übernimmt Verantwortung für
seine Familie, und beide – Mann und Frau – tragen sie gemeinsam mit Liebe und
gegenseitigem Respekt. Ihre Loyalität gilt nun einander, und unsere Aufgabe ist
es, das zu achten und ihnen Raum zu geben, ihren Weg zu finden.
Etwas,
das Eltern ebenfalls bedenken sollten, ist, dass auch die Familie des Partners
nun Teil des Ganzen wird. Aus zwei Familien entsteht eine größere Gemeinschaft,
die das junge Paar umgibt und trägt. Und noch etwas Wichtiges: Wie oft man sich
sieht, hat oft nichts mit Zuneigung zu tun, sondern einfach mit Gelegenheit zu räumlicher
Nähe.
Es
ist ein neuer Lebensabschnitt – für die Kinder, aber auch für uns Eltern. Es
ist die Zeit, loszulassen, Vertrauen zu lernen und Gott die Führung zu
überlassen. Denn ER ist es, der ihre Wege lenkt, so wie ER auch unsere führt.
Ich
weiß, dass ich all das selbst noch lernen muss. Manches klingt in Worten
leichter, als es im Herzen schon angekommen ist. Aber ich bete, dass Gott mir die Ruhe, die
Weisheit und das Vertrauen schenkt, auch diesen neuen Abschnitt mit Liebe zu leben.
Manchmal entstehen die besten Gespräche mitten im Alltag.
Ohne große Vorbereitung, einfach so zwischen Arbeit, Kaffee und kleinen Weltanalysen. Es beginnt harmlos, vielleicht mit Politik, Wetter oder irgendeinem aktuellen Aufreger – und ehe man sich versieht, landet man bei den richtig großen Fragen des Lebens.
Eine davon taucht erstaunlich oft auf, egal ob am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft oder beim Friseur:
„Wenn dein Gott wirklich so groß und allmächtig ist, warum greift Er dann nicht ein? Warum räumt Er nicht endlich auf auf dieser Welt?“
Eine Frage, die verständlich ist – denn wer von uns hat nicht schon fassungslos auf das Weltgeschehen geblickt und gedacht: Herr, warum tust du nichts?
Aber jedes Mal, wenn ich diese Frage höre, merke ich, wie sie mich selbst herausfordert. Denn die eigentliche Frage lautet nicht, warum Gott nichts tut, sondern wo Er anfängt, etwas zu tun.
Und manchmal führt genau so ein Gespräch mitten im Alltag – ganz unerwartet – zu einer Erinnerung, die tiefer geht als jede Schlagzeile:
Gott hat längst angefangen aufzuräumen. Nur eben ganz anders, als wir es uns vorstellen.
Ein Gespräch auf der Arbeit
Neulich unterhielt ich mich auf der Arbeit mit einem Kunden – und wie es eben so ist, kam auch das Thema Politik auf. Man tastet sich vorsichtig heran, um zu sehen, auf welcher Seite der Gesprächspartner seine Heimat hat, denn wir wissen ja alle: Eine echte Mitte scheint es kaum noch zu geben.
Als wir uns dann langsam durch die Weltpolitik diskutierten, fand ich eine gute Gelegenheit, etwas Persönliches einzubringen. Ich sagte:
„Trotz all dieser furchtbaren Geschehnisse finde ich meinen Frieden in Jesus.“
Einer meiner Lieblingssätze ist:
„Ich bin Christin – ich weiß, wie alles endet. Ich habe das Buch bis zum Ende gelesen.“
Mein Gesprächspartner gab sich als Atheist zu erkennen. Natürlich kam dann die Standardfrage:
„Wenn dein Gott so groß und allmächtig ist, warum räumt Er dann nicht mal auf auf dieser Welt?“
Für solche Fragen habe ich verschiedene Antworten. Dieses Mal entschied ich mich für eine Gegenfrage:
„Mit wem soll Er denn bitte anfangen? Mit mir? Mit Ihnen?“
„Nein, nein“, kam die Antwort schnell, „natürlich mit den Diktatoren und Terroristen, den Kriegsherren, Vergewaltigern und all dem Gesindel …“
Daraufhin fragte ich:
„Warum glauben Sie, dass diese Menschen vor Gott so viel schlimmer dastehen als Sie und ich?“
Mein Gesprächspartner schaute mich etwas verdutzt an – als wollte er sagen: „Worauf will sie denn jetzt hinaus?“
Da half nur noch die Klassiker-Frage:
„Haben Sie schon einmal von den Zehn Geboten gehört?“
Er nickte.
„Haben Sie in Ihrem Leben schon einmal etwas gestohlen – vielleicht den Kaugummi als Kind oder den Kugelschreiber auf der Arbeit?“ fragte ich weiter.
Er zögerte kurz und gab dann zu: „Ja.“
„Aha, also haben Sie gegen Gottes Gesetz verstoßen“, sagte ich lächelnd. „Und – seien Sie ehrlich – haben Sie schon einmal einer hübschen Frau mit lustvollem Blick hinterhergesehen? Jesus sagt, dass schon das im Herzen wie Ehebruch ist.“
„Jaaaa, aber …“
„Und haben Sie jemals den Namen Gottes missbraucht?“
„Ja, wahrscheinlich vor fünf Minuten … aber …“
Ich lächelte erneut. „Sehen Sie, Jesus sagte, wer auch nur eines dieser Gebote bricht, ist schuldig, das ganze Gesetz gebrochen zu haben. Und Pastor Wilhelm Busch brachte es wunderbar auf den Punkt:
‚In Deutschland herrschen deutsche Gesetze, in England englische Gesetze – und im Reich Gottes herrschen Gottes Gesetze.‘
Und wir alle haben dieses Gesetz gebrochen. Sünde ist Sünde – und Gesetz ist Gesetz.“
Gott räumt auf – aber anders
Da wurde es still zwischen uns. Ich lächelte und sagte leise:
„Sehen Sie, genau deshalb ist Jesus gekommen – nicht um aufzuräumen, sondern um zu retten.
Denn wenn Gott heute mit dem Aufräumen beginnen würde, müsste Er auch bei mir anfangen.
Aber durch Jesus hat Er mir vergeben – und das steht auch Ihnen offen.“
Er nickte langsam, wohl eher aus Höflichkeit als aus Überzeugung – aber das war in Ordnung. Es geht ja nicht darum, ein Gespräch zu gewinnen, sondern einen Gedanken zu säen.
Und während ich später an meinem Schreibtisch saß, musste ich lächeln und dachte: Wie oft habe ich selbst Gott gefragt, warum Er nicht endlich eingreift – und dabei vergessen, dass Er das längst getan hat.
Am Kreuz. Da hat Er aufgeräumt –mit jeder, auch meiner Schuld.
In diesem Sinne, taucht tief in Gottes Wort ein und prüft alles im Licht Seiner Wahrheit.
Manchmal beginnt eine Reise nicht mit einem lauten Knall, sondern mit einem leisen Unbehagen. Bei mir war es ein Bibelvers. Oder besser gesagt: eine „Übersetzung“ davon. Der Artikel dazu ist [hier verlinkt].
Ich erinnere mich noch gut, wie ich zum ersten Mal – in der scheinbaren Sicherheit meiner Gemeinde – auf The Passion Translation (TPT) aufmerksam gemacht wurde. Wie ich schon in meinem Artikel schrieb: Ich war neugierig. Aber durch meine eigenen Erfahrungen mit der Verführung in die Esoterik neige ich dazu, bei spirituellen Themen lieber erst einmal gründlich nachzuforschen.
Zwar klang der Text auf den ersten Blick sehr poetisch … aber irgendetwas stimmte nicht. Schon nach wenigen Minuten mit "Tante Google" wurde mir klar: Hier ging es nicht nur um Stil oder Sprachgefühl, sondern um Inhalte – und um die Autorität des biblischen Textes selbst. Diese Erfahrung hat mir die Augen geöffnet, wie entscheidend es ist, am inspirierten Wort Gottes festzuhalten – und wie gefährlich es ist, wenn man sich von emotionalen Formulierungen blenden lässt.
Was sich zunächst als schlechte und theologisch fragwürdige „Übersetzung“ präsentierte, entpuppte sich als Teil eines größeren Netzwerks – einer Bewegung, die viel weiter reicht, als ich je geahnt hätte. Es war nicht einfach ein anderer Bibeltext. Es war – und ist – eine andere Botschaft.
Was als persönliche Entdeckung begann, führte mich auf eine tiefere Spurensuche: nicht nur nach den Ursprüngen der TPT, sondern auch nach dem theologischen Umfeld, in dem sie entstanden ist. Und so stieß ich auf die sogenannte Neue Apostolische Reformation – ein Begriff, der von C. Peter Wagner geprägt wurde. Was ich dabei entdeckte, hat mich schockiert und traurig gemacht – und doch war es, als hätte ich endlich das fehlende Puzzlestück gefunden. Plötzlich ergaben viele geistliche Entwicklungen in der heutigen Christenheit Sinn – leider im negativen Sinne.
In den kommenden Beiträgen möchte ich einige zentrale Anliegen und Ziele dieser Bewegung beleuchten. Nicht alles auf einmal – das würde den Rahmen sprengen und mich ehrlich gesagt überfordern. Es braucht viel Nachforschung und Zeit. Ich lese Bücher zu den Themen – sowohl von denen, die diese Lehren vertreten, als auch von denen, die eindringlich davor warnen. Ich sehe mir Predigten beider Lager an, und vor allem vergleiche ich alles mit dem wahren Wort Gottes.
Dies alles nimmt viel Zeit und Kraft in Anspruch, also bitte ich um eure Geduld. Mein Wunsch dabei ist es nicht, aus einer Haltung der Überheblichkeit oder Rechthaberei zu schreiben, sondern als jemand, der selbst eine Zeit lang auf Stimmen hereingefallen ist, die biblische Wahrheit mit hypercharismatischem Glanz überdecken. Worum geht es also bei dieser Neu Apostolischen Reformation?
Die Wiederherstellung des „fünffältigen Dienstes“, besonders der Ämter von Aposteln und Propheten, die heute wieder autoritativ in der Gemeinde sprechen sollen.
Dominionismus, also die Überzeugung, dass Christen alle gesellschaftlichen Bereiche – Politik, Wirtschaft, Bildung, Medien usw. – unter die Herrschaft Christi bringen sollen, und zwar jetzt, noch vor seiner Wiederkunft.
Ein bekanntes Konzept in diesem Zusammenhang ist das sogenannte „Seven Mountain Mandate“, das die „sieben Einflusssphären“ der Gesellschaft benennt, die von Christen „eingenommen“ werden sollen: Familie, Religion, Bildung, Medien, Kunst & Unterhaltung, Wirtschaft und Regierung
Ein neues Kirchenverständnis, das nicht mehr an konfessionellen Strukturen, sondern an „apostolischen Netzwerken“ hängt – mit einem starken Fokus auf Hierarchie und „geistliche Autorität“.
Eine neue Sicht auf Offenbarung, bei der prophetische Eindrücke und „neue Wahrheiten“ eine mindestens gleichwertige Rolle neben der Heiligen Schrift einnehmen – oder sie gar überlagern.
Die Neue Apostolische Reformation ist keine Organisation mit einem Hauptsitz und Mitgliedsausweisen – viele ihrer Vertreter verleugnen sogar ihre persönliche Zugehörigkeit. Sie ist vielmehr ein loses, aber äußerst einflussreiches Netzwerk von Predigern, „Aposteln“ und „Propheten“, das weltweit Gemeinden und Bewegungen prägt. Ihre Ziele sind strategisch durchdacht, dominanzorientiert – und tiefgreifend.:
Ein besonders einflussreiches Beispiel dafür ist die sogenannte „1 Billion Soul Harvest“ (Ernte von einer Milliarde Seelen), eine prophetische Vision des verstorbenen „Propheten“ Bob Jones, der eine Endzeit-Erweckung voraussagte, in der über eine Milliarde Menschen zu Christus finden sollen – unter der Leitung einer neuen, „geistgesalbten“ Generation. Viele bekannte Sprecher und Bewegungen innerhalb der NAR berufen sich direkt auf diese Prophezeiung.
Diese Mischung aus spirituellem Machtanspruch, endzeitlicher Euphorie und fehlender theologischer Bodenhaftung macht die NAR zu einer der gefährlichsten Bewegungen unserer Zeit – nicht, weil sie offensichtlich unbiblisch wäre, sondern gerade weil sie so viele biblische Begriffe verwendet, aber mit anderen Inhalten füllt.
Diese Entdeckung war für mich wie ein geistliches Erwachen – nicht nur in Bezug auf die Passion Translation, sondern auch auf Strömungen innerhalb der weltweiten Kirche, die sich zwar christlich geben, aber etwas ganz anderes verkünden. Die Neue Apostolische Reformation (NAR) ist dabei keine Randerscheinung mehr, sondern beeinflusst unzählige Gemeinden, Netzwerke und Prediger – oft ohne dass es überhaupt auffällt.
In dieser Blogserie hoffe ich Stück für Stück aufzuzeigen, welche Lehren und Ziele hinter der NAR stehen, warum sie so verführerisch wirken – und warum wir als Christen umso mehr zur Schrift zurückkehren müssen. Nicht aus Angst, sondern aus Liebe zur Wahrheit mit offenem Blick und festem Herzen.
In diesem Sinne, taucht tief in Gottes Wort ein und prüft alles im Licht Seiner Wahrheit.
Wenn Heilung ausbleibt: Eine Täuschung der „Wort des Glaubens“-Lehre
Eigentlich
hatte ich vor, über etwas anderes zu schreiben – genauer gesagt, über die Neue
Apostolische Reformation. Doch je mehr ich mich mit ihr beschäftigte, desto
deutlicher wurde mir, wie sehr ihre Lehre auf den Ideen der "Wort des Glaubens"-Bewegung fußt. Bevor ich also weiter in diese Richtung gehe,
scheint es mir notwendig, zuerst dieses Fundament offenzulegen.
Und ehrlich
gesagt: Auch ein persönlicher Anlass hat mich zu diesem Beitrag bewegt. Ein
lieber Freund von mir ist kürzlich plötzlich an einem Herzinfarkt verstorben.
Wir hatten gebetet, wir hatten gehofft – und doch hat Gott ihn in seiner
Weisheit nicht geheilt, sondern heimgerufen. Dieser Verlust hat viele Gedanken
in mir ausgelöst – über Glauben, Heilung und über die Erwartungen, die manche
Gläubige mitbringen, oft mehr geprägt durch bestimmte Lehren als durch die
Schrift selbst.
Deshalb ist
dieser Beitrag nicht der, den ich geplant hatte – aber vielleicht der, der
jetzt geschrieben werden musste.
Meine erste Begegnung mit dieser Lehre
Mein erster
Kontakt mit dieser Art von Botschaft war durch die Bücher von Catherine Ponder. Sie gehört zur sogenannten New Thought-Bewegung (Neugeist). Für
mich öffneten ihre Bücher die Tür zu esoterischen und okkulten Vorstellungen –
getarnt in christlicher Sprache. Sie war Teil der Unity Church, zitierte
häufig die Bibel und sprach von Gottes Herrlichkeit. Doch in Wahrheit handelte
es sich um eine tiefgreifende Verzerrung der biblischen Botschaft und um ein
Gottesbild, das mehr mit Magie als mit Gnade zu tun hat.
Immer wieder
wurden Bibelstellen aus dem Zusammenhang gerissen, die Verantwortung für Wunder
dem Glaubenden aufgebürdet. Diese Denkweise ist nicht neu. Ihre modernen
Wurzeln finden sich bei Personen wie Maria Woodworth-Etter, John G.
Lake, Charles Parham oder William Branham – Gestalten, die
stark mit der frühen charismatischen Bewegung und Heilungserweckungen des 19.
und frühen 20. Jahrhunderts verbunden sind.
Die
detaillierte Aufarbeitung der historischen Entwicklung und weltweiten
Verbreitung dieser Ideen ist komplex. Deshalb möchte ich mich hier auf die
heutige Anwendung und Verbreitung konzentrieren.
Was ist das Wort-des-Glaubens
Es ist die Vorstellung,
dass im gesprochenen Wort eine kreative Kraft liegt. Diese Kraft, die im
Schöpfungsbericht von 1. Mose 1 deutlich wird, wird jedoch nicht allein Gott
zugeschrieben. Vielmehr behaupten manche Lehrer dieser Bewegung, dass auch
Christen über diese schöpferische Fähigkeit verfügen – schließlich hat uns Gott
in seinem Ebenbild geschaffen.
In manchen
Fällen geht das so weit, dass Menschen gar als „kleine Götter“ bezeichnet
werden.
Heutige Verfechter dieser Lehre sind z. B. Kenneth Copeland, Benny
Hinn, Joseph Prince, Bill Johnson (Bethel) – und noch viele
mehr.
In Teilen
dieser neo-charismatischen Bewegung gibt es eine weitverbreitete Lehre, die
besagt:
Es ist immer
Gottes Wille zu heilen.
Lass das einen
Moment sacken.
Wenn das wirklich wahr wäre, stellt sich unweigerlich eine Frage:
Warum gibt
es dann noch so viele kranke Menschen – auch Christen?
Warum gibt
es kranke Babys?
Warum
erkranken Menschen an Krebs?
Warum
werden manche Kinder mit schweren Behinderungen geboren?
Warum trägt mein Prediger eine Brille?
Diese Fragen
führen uns bereits zum Kern des Problems.
Denn wenn diese Lehre stimmt – warum sieht unsere Welt dann so grundlegend
anders aus?
Um mit diesem
Widerspruch umzugehen, bleiben am Ende nur zwei Erklärungen:
Es ist unsere Schuld.
Es ist Gottes Schuld.
Beide Antworten
sind zerstörerisch für den Glauben – und beide werfen schwerwiegende
theologische Probleme auf, die ich hier näher betrachten möchte.
Was die Bibel wirklich sagt
Gott hat uns
kein leidfreies Leben versprochen.
Er hat uns nicht garantiert, dass wir in diesem Leben immer gesund sein werden.
Aber Er hat versprochen:
„In der
Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ –
Johannes 16,33
„Meine
Gnade genügt dir, denn meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung.“ – 2. Korinther 12,9
„Dreimal
habe ich den Herrn gebeten, dass er von mir ablasse.“ – 2. Korinther 12,8
Gottes Antwort
war keine Heilung, sondern Gnade.
Selbst Jesus,
im Garten Gethsemane, betete:
„Vater, wenn du
willst, nimm diesen Kelch von mir. Doch nicht mein, sondern dein Wille
geschehe.“ – Lukas 22,42
Er wurde nicht
vom Leiden verschont – sondern ging bewusst hindurch. Für uns.
Punkt 1: Es ist unsere Schuld...
Wenn man der Logik dieser Lehre folgt, gibt es viele Gründe, warum es nicht klappt:
•Du hast nicht genug Glauben •Du zweifelst •Jemand in deinem Umfeld zweifelt •Du hast nicht genug gebetet •Es gibt verborgene Sünde •Du hast nicht genug gespendet – am besten an den Lehrer, der diese Botschaft verbreitet
...und so weiter.
Seht ihr das Problem?
Es geht nur noch um uns – um unsere Leistung, unsere Anstrengung, unseren Mangel.
Wir werden zu denjenigen, die Gott überzeugen müssen.
Und nicht nur das: Nach dieser Logik scheint Gott ohne unser Zutun gar nicht handeln zu können. Oder anders gesagt: Unser Versagen hindert Gott daran, Seinen Willen auszuführen.
Was für ein erschütterndes Gottesbild – als wäre der Schöpfer des Himmels und der Erde abhängig von der Leistung seiner Geschöpfe.
Und so wird gebetet, gehofft, gekämpft. Und irgendwann setzt die Verzweiflung ein. Dann kommen schnell die Fragen wie:
•Was mache ich falsch? •Was stimmt nicht mit mir? •Warum heilt Gott andere, aber nicht mich? •Liebt Er mich überhaupt?
Punkt 2: Es ist Gottes Schuld...
Wenn man alles „abgearbeitet“ hat – geglaubt, gefastet, bekannt, gespendet – und es passiert trotzdem nichts, dann bleibt nur noch der Gedanke:
Vielleicht ist Gott das Problem.
Wenn das Versprochene nicht eintritt, dann beginnt man zu zweifeln:
•Ist Gott wirklich gut? •Ist Er vertrauenswürdig? •Ist Er überhaupt allmächtig? •Oder ist Er – Gott bewahre – ungerecht?
Solche Gedanken, ob laut ausgesprochen oder innerlich getragen, sind gefährlich. Sie führen zu einem verzerrten Gottesbild, das mehr mit Enttäuschung als mit Offenbarung zu tun hat – genährt durch falsche Erwartungen und irreführende Lehren.
Die Folge:
Das Gebet wird kraftlos, Glaube wird zu Frustration, Anbetung verstummt…. Und leider kommen viele an den Punkt zu denken: „Nach all dem – es gibt keinen Gott…“
Woher kommt die Vorstellung, dass Gott immer heilen will?
Zwei Bibelverse werden besonders oft als Beleg für diese Lehre herangezogen:
•„Durch seine Wunden sind wir geheilt.“ – Jesaja 53,5
•„Und viele folgten ihm (Jesus), und er heilte sie alle.“ – Matthäus 12,15
Doch die entscheidende Frage bleibt:
Bezieht sich diese „Heilung“ wirklich auf körperliche Gesundheit – und zwar jederzeit, für jeden?
Ich wage zu sagen: Nein.
In 1. Petrus 2,24 wird deutlich, dass sich die Heilung, von der Jesaja spricht, in erster Linie auf unsere Sünde und das Verhältnis zu Gott bezieht – nicht auf Krankheiten im physischen Sinne. Es geht um Erlösung, nicht um garantierte Gesundheit in diesem Leben.
Heilt Gott? Ja.
Garantiert Er es? Nein.
Tut Gott heute noch Wunder? Ja.
Aber: Hat Er uns Heilung in jedem Fall, zu jeder Zeit versprochen? Nein.
Meine liebe Mama hat mir einmal etwas gesagt, das ich nie vergessen habe. Sie sagte, dass Gott auf drei Arten heilt:
1.Sofort – das ist ein Wunder. 2.Im Prozess – das ist Genesung. 3.Durch den Tod – das ist Erlösung und Auferstehung.
Wer ist Gott wirklich?
Er ist Gott.
Heilig. Souverän. Barmherzig. Und gerecht.
·Also ist Gott kein Roboter.
·Kein Wunsch-Erfüller.
·Kein Flaschengeist.
·Kein spiritueller
Dienstleister.
·Kein kosmischer
Butler, der auf unsere Befehle wartet.
Manchmal sagt Er „nein“. Oder „noch nicht“. Nicht aus Lieblosigkeit, sondern weil Seine Weisheit über unser Verstehen hinausgeht.
Das ist vielleicht kein Trost in der ersten Trauer.
Aber auf lange Sicht ist ein Gott, der nicht unserem Willen folgt, sondern das Universum lenkt, der einzige Gott, dem wir wirklich vertrauen können.
Ein letzter Gedanke (für den Moment)
Die falsche Lehre, dass Gott immer heilen will, lässt uns am Ende nur zwei Orte, an denen wir die Schuld suchen, wenn Heilung ausbleibt: bei uns – oder bei Gott.
Beides ist zerstörerisch. Beides ist unbiblisch.
Doch das Evangelium ist größer.
Heilung ist nicht das Ziel – Christus ist es.
Ob Heilung heute geschieht, morgen oder erst in der Ewigkeit:
Wir haben das Kostbarste schon empfangen – Ihn selbst.
Deshalb ist es entscheidend, dass wir unser Gottesbild nicht aus Erfahrungen, Gefühlen oder Enttäuschungen formen, sondern aus der Schrift. Die Bibel zeigt uns einen Gott, der treu ist – auch wenn wir ihn nicht verstehen. Einen Gott, der uns nicht immer von Krankheit befreit, aber uns durch sie hindurchträgt. Einen Gott, der uns nicht alles gibt, was wir wollen, aber alles, was wir wirklich brauchen.
In diesem Sinne, taucht tief in Gottes Wort ein und prüft alles im Licht Seiner Wahrheit.
ich litt gerade mal wieder unter einer kleinen Schreibblockade. Die scheine ich nun überwunden zu haben – schnallt euch an, heute wird’s lang.
Die letzten Monate waren ziemlich schwierig für mich. Ich habe ja bereits darübergeschrieben, wie sich bei mir immer größere Zweifel breit machten über das, was ich in meiner Gemeinde hörte, und welche Lehren sich langsam einschlichen. Darauf folgten Wochen – ja, Monate – intensiven Studiums, um für mich selbst zu klären, ob all das dem Wort Gottes entspricht. Die Antworten, die ich fand, waren schwer für mich einzugestehen.
Hatte unser Herr Jesus mich denn nicht in seiner Gnade aus der Esoterik herausgerufen? Hatte ich mir nicht fest vorgenommen, nie wieder von seinem Wort abzuweichen?
Und doch – ungewollt und schleichend – haben sich falsche Lehren und Ideen in unsere Gemeinde eingeschlichen, und ich habe es nicht sofort bemerkt. Am Ende musste ich die schwere Entscheidung treffen, zu gehen.
Zur Erinnerung: Ich lebe im europäischen Süden, und meine Gemeinde war englischsprachig – deshalb sind nicht alle meine Schwierigkeiten leicht zu erklären. Viel hängt damit zusammen, welches Material in der Sonntagslehre verwendet wurde und welchen Einfluss gewisse „Pastoren“ oder „Bibellehrer“ in unserer Gemeinde hatten.
Eines der Probleme war zum Beispiel die Nutzung einer sogenannten „Bibelübersetzung“ namens The Passion Translation. Dieses Werk – man kann es schwerlich eine Bibel nennen – ist, Gott sei Dank, bislang noch nicht ins Deutsche übersetzt worden. Doch im englischsprachigen Raum richtet es bereits seit Jahren Schaden an. Es handelt sich um ein Projekt von Brian Simmons, der nach eigener Aussage einen Besuch von Jesus persönlich empfangen habe. Dabei, so sagt er, habe Jesus ihm den Auftrag gegeben, die Bibel – nach fast 2000 Jahren – nun „richtig“ zu übersetzen. Jesus würde ihm dafür neue Offenbarungen schenken, sogar „Geheimnisse“ der hebräischen und aramäischen Sprache.
Einige von euch denken jetzt vielleicht:
„Wie bitte? Ist das dein Ernst? Jesus persönlich? Eine neue Übersetzung? Ist meine Bibel etwa falsch? Habe ich das richtig gelesen?“
Ja, ihr habt richtig gelesen. Aber keine Sorge – deine Bibel ist mit großer Wahrscheinlichkeit eine solide, zuverlässige Übersetzung. (Ich komme später beim Thema Peer-Review noch einmal darauf zurück.)
Leider ja ich meine das Ernst – ich verlinke hier das Video von Brian Simmons in der Sendung von Sid Roth (It’s Supernatural!). In seinen eigenen Worten erklärt er dort, wie er zu diesem außergewöhnlichen Projekt gekommen sei.
Ich hatte meine Gemeinde bereits Mitte 2023 vor dieser „Übersetzung“ gewarnt. Als damals The Passion Translation Einzug in die sonntägliche Lehre meiner Gemeinde erhielt, wurde ich – als bekennender Bibel-Sammler – natürlich neugierig. (Ich habe aber große Mühe damit, dieses Werk überhaupt als Bibel zu bezeichnen.)
Ich begann ein wenig zu recherchieren – und fand wortwörtlich innerhalb von fünf Minuten Googeln die ersten massiven Probleme und ernsthafte Kritik. Was ich im Folgenden zusammenfasse, ist nur ein kleiner Ausschnitt – es gibt weitaus mehr:
Zum Autor (Brian Simmons):
Keine nachweisbaren Qualifikationen in Aramäisch oder anderen biblischen Sprachen
Selbsternannter „Apostel“ ohne theologische Legitimation
Der Doktortitel stammt vom Wagner Leadership Institute (Fokus: praktisches Gebet), nicht von einer anerkannten theologischen Fakultät
Probleme der Passion Translation:
Simmons behauptet, Jesus sei ihm erschienen und habe ihn zu einer neuen Bibelübersetzung beauftragt – ein Vorgang, der in seiner Radikalität an die Entstehung der Mormonenbewegung erinnert
Die angeblich „neue Offenbarung“ widerspricht der im Neuen Testament abgeschlossenen Offenbarung Christi (vgl. Epheser 3)
Jesus wird in dieser Übersetzung oft eher als romantische Figur denn als heiliger Gott dargestellt
Simmons agiert als alleiniger Übersetzer ohne ausreichende Expertise in den biblischen Ursprachen (nach viel externer Kritik und Fragen steht das heute auf der Webseite anders aber die Gruppe der Prüfer werden nicht bekannt gemacht)
Es gibt keinerlei unabhängige Überprüfung oder Peer-Review Die aramäischen Manuskripte, auf die er sich angeblich bezieht, stammen aus dem 5. Jahrhundert – also Jahrhunderte nach den Urschriften
Es wird nicht offengelegt, auf welchen Manuskripten seine Übersetzung tatsächlich basiert
Viele Begriffe und ganze Passagen sind frei hinzugefügt – sie spiegeln Simmons’ persönliche Interpretation wider
Wortstudien auf Basis dieser „Übersetzung“ sind nicht möglich, da Begriffe durch freie Paraphrasen ersetzt wurden
Peer-Review – Bibelkommissionen - Kann ich meiner Bibel vertrauen?
Jede seriöse Bibelübersetzung wird von einem Team aus Theologen, Sprachwissenschaftlern und Historikern erstellt. Wenn du deine Bibel vorne aufschlägst, findest du dort in der Regel die Namen und Hintergründe der beteiligten Personen.
Diese sogenannten Bibelkommissionen befassen sich mit der sorgfältigen Untersuchung des biblischen Textes in seinem historischen, sprachlichen und kulturellen Kontext. Sie prüfen neu entdeckte Manuskripte, gleichen verschiedene Quellen ab und erklären, wo und warum Änderungen vorgenommen wurden – etwa wenn eine klarere Übersetzung gefunden wurde oder neue, gut bezeugte Handschriften auftauchen.
Ganz entscheidend: Eine Kommission stellt sicher, dass keine persönlichen Interpretationen oder theologischen Tendenzen den Text verfälschen.
Die Passion Translation unter der Lupe
Da The Passion Translation bislang nicht ins Deutsche übersetzt wurde, habe ich die Passagen selbst übertragen. Ich bitte um Nachsicht und Vertrauen, dass ich dies nach bestem Wissen und Gewissen getan habe. Sollte jemand Fehler finden, kontaktiert mich bitte in den Kommentaren – ich werde eure Hinweise gern prüfen. Ihr merkt schon: Man braucht eigentlich eine Kommission!
Weil dieser Beitrag im Ganzen recht lang wird, werde ich mich im Folgenden auf zwei Beispielverse beschränken.
Beispiel: Römer 12,6
Elberfelder Bibel:
„Da wir aber verschiedene Gnadengaben haben, nach der uns verliehenen Gnade: es sei Weissagung, so lasst uns weissagen nach dem Maß des Glaubens;“
Passion Translation (deutsch):
„Gottes wunderbare Gnade hat jedem von uns unterschiedliche Gaben und Dienste gegeben, die ganz einzigartig sind. Wenn dir also die Gnadengabe der Prophetie gegeben wurde, dann aktiviere deine Gabe, indem du im Maß deines Glaubens prophezeist.“
Aktiviere deine Gaben?
Was soll das heißen? Das klingt eher nach einer Einweihungszeremonie der Esoterik als nach neutestamentlicher Lehre.
Was sagt die Bibel?
Diese Formulierung hat keine Grundlage im Wort Gottes. Der Apostel Paulus lehrt in 1. Korinther 12, dass die dort genannten Gnadengaben vom Heiligen Geist verliehen werden – nicht „aktiviert“ werden. Der Geist teilt sie aus, wie Er will (1. Kor 12,11). Niemand kann sich selbst eine Gabe aussuchen oder sie durch eine Handlung „freischalten“.
Paulus unterstreicht das mit einer Reihe rhetorischer Fragen:
„Sind alle Apostel? Sind alle Propheten? Sind alle Lehrer? Wirken alle Wunder? Haben alle Gnadengaben der Heilungen? Reden alle in Sprachen? Legen alle aus?“ (1. Kor 12,29–30).
Die offensichtliche Antwort lautet: Nein.
Beispiel: Matthäus 5,4
Elberfelder Bibel:
„Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden!“
Passion Translation (deutsch):
„Welch eine Freude ist es, wenn ihr auf den Herrn wartet! Denn ihr werdet finden, wonach ihr euch sehnt.“
Verwirrt?
Die Verse klingen vollkommen unterschiedlich. Was geht hier vor?
Der Vergleich:
Die Elberfelder bleibt nah am griechischen Urtext. „Trauernde“ (gr. penthéō, Strong G3996) bedeutet tiefes Leid oder Reue – z. B. über Sünde oder Verlust. „Getröstet werden“ (parakaleō, Strong G3870) verweist auf Gottes Verheißung, die Leidenden zu trösten (vgl. Jes 61,2–3).
Die Passion Translation ersetzt „Trauer“ durch „Warten“ und „Trost“ durch „erfüllte Sehnsüchte“. Diese Begriffe entstammen einem ganz anderen Bedeutungsfeld. „Warten“ (hebr. qavah, Strong H6960) bedeutet eher Hoffen oder Erwarten, aber sicher nicht Trauern.
Simmons’ Fußnote:
Er behauptet dort, „Trauern“ und „Warten“ seien „fast identisch“.
Doch penthéō (Trauer) und qavah (Hoffnung/Warten) sind völlig unterschiedliche Begriffe – sowohl sprachlich als auch theologisch. Diese Erklärung verwirrt mehr, als dass sie hilft.
Warum ist das ein Problem?
Die Elberfelder Bibel bewahrt die tiefe, tröstende Aussage Jesu: Gott sieht die Trauernden – und Er tröstet sie. Simmons hingegen ersetzt diese Zusage durch eine weichgezeichnete Vorstellung von „Freude“ und „erfüllter Sehnsucht“. Das klingt zwar schön – aber es ist keine Übersetzung, sondern eine Umdeutung. Und sie verändert die Botschaft.
Simmons’ Methode zeigt: Er setzt auf emotionale Wirkung – nicht auf sprachliche Treue oder sorgfälltige Auslegung.
Wie konnte so etwas Einzug in unsere Gemeinde halten?
Diese Frage habe ich mir oft gestellt. Wie konnte eine solch fehlerhafte „Übersetzung“ so selbstverständlich in einer Gemeinde verwendet werden, in der doch angeblich das Wort Gottes die höchste Autorität haben sollte? Ich glaube, die Antwort ist vielschichtig – und gleichzeitig erschreckend einfach.
Ein Teil des Problems liegt sicher in mangelnder biblischer Lehre. Wenn Christen nicht regelmäßig selbst in der Heiligen Schrift lesen, wenn sie nicht wissen, was sie glauben und warum, dann entsteht ein Vakuum. Und dieses Vakuum wird schnell von Angeboten gefüllt, die zwar emotional ansprechend, aber inhaltlich gefährlich sind.
Brian Simmons schreibt mit blumigen Worten, er spricht ständig von „Liebe“, „Leidenschaft“ und „Gegenwart Gottes“. Das klingt erst einmal gut. Aber genau darin liegt die Gefahr: Der emotionale Zugang ersetzt das Studium des Wortes. Gefühle treten an die Stelle von Wahrheit. Und mit der Zeit wird eine Vorstellung von Gott geformt, die immer weniger mit dem biblischen Gott zu tun hat – aber sich „spirituell“ anfühlt.
Man glaubt, man sei besonders offen für das Wirken des Geistes – aber in Wirklichkeit verliert man die Unterscheidung zwischen Wahrheit und Irrtum.
Der Einfluss charismatisch-mystischer Strömungen
Ein weiteres Element, das ich in meiner früheren Gemeinde beobachten konnte, war der wachsende Einfluss mystisch-charismatischer Lehrer. Diese Bewegung ist oft geprägt von besonderen „Offenbarungen“, prophetischen Träumen, neuen geistlichen Erfahrungen – und einem sehr persönlichen Zugang zur Bibel, bei dem es nicht mehr um den ursprünglichen Sinn des Textes geht, sondern um das, was ich darin spüre oder was mir der „Heilige Geist“ gerade zeigt. (Welcher Geist - das wird bald ein anderer Beitrag)
Auch Brian Simmons ist ein typisches Beispiel dieser Strömung. Seine Aussagen, Jesus habe ihn in den Himmel genommen und ihn dort mit neuen Offenbarungen betraut, erinnern erschreckend an gnostische oder esoterische Ideen. Es geht nicht mehr um das überlieferte, objektive Wort Gottes – sondern um neue, exklusive Einsichten, die angeblich nur einigen wenigen zugänglich sind.
Doch das ist absolut unvereinbar mit dem Wesen des Evangeliums. Der Glaube kommt aus dem Hören, sagt Paulus in Römer 10,17 – nicht aus geheimen Visionen. Und Judas schreibt, dass der Glaube „ein für alle Mal den Heiligen überliefert“ wurde (Judas 1,3). Es gibt nichts Neues mehr hinzuzufügen.
Was macht das mit einer Gemeinde?
Langfristig verändern solche Lehren die Atmosphäre in einer Gemeinde. Man hört plötzlich Sätze wie: „Das steht zwar irgendwo in der Bibel, aber Gott hat mir persönlich etwas Neues gezeigt.“ Oder: „Die Bibel ist wichtig, aber der Geist spricht heute auch anders.“ Man beginnt, die Schrift als Ausgangspunkt zu nehmen – aber das Ziel ist nicht mehr Christus, sondern eine neue „Erfahrung“, ein neues Gefühl, eine neue „Tiefe“.
So kam es auch bei uns. Ich hörte plötzlich Dinge wie:
„Die Passion Translation ist frischer und spricht direkter zum Herzen.“
„Ich bekomme durch sie eine tiefere Offenbarung.“
„In der alten Bibel fehlen Dinge, die der Heilige Geist jetzt wiederherstellt.“
Was hier geschieht, ist nicht nur theologisch problematisch – es ist geistlich gefährlich. Denn es führt die Gemeinde langsam weg vom biblischen Christus hin zu einem anderen Jesus, zu einem anderen Evangelium, zu einem anderen Geist (2. Korinther 11,4).
Wie spricht man mit anderen über so etwas?
Ich gebe zu: Das war für mich einer der schwersten Punkte. Wie spricht man über falsche Lehre, ohne hochmütig zu wirken? Wie warnt man mit Liebe – ohne zu verletzen?
Zunächst: Wenn du merkst, dass in deiner Gemeinde oder deinem Umfeld etwas nicht stimmt, dann sei mutig – aber bleibe sanft. Paulus schreibt:
„Der Knecht des Herrn aber soll nicht streiten, sondern milde sein gegen jedermann, fähig zu lehren, geduldig, und die Widersacher in Sanftmut zurechtweisen“ (2. Timotheus 2,24–25).
Das ist sehr, sehr schwer, wenn man selbst verletzt oder enttäuscht ist. Doch es geht nicht um unseren Zorn, sondern um Gottes Wahrheit – und um die Herzen der Menschen.
Ich habe selbst erlebt, wie wichtig es ist, Fragen zu stellen statt Urteile zu fällen. Ein Gespräch kann beginnen mit:
„Hast du dich mal gefragt, auf welcher Textgrundlage diese Bibelübersetzung basiert?“
„Wusstest du, dass der Autor keine Ausbildung in den biblischen Sprachen hat?“
„Was denkst du über die Warnungen der Bibel vor neuen Offenbarungen?“
„Was bedeutet es für dich, dass Gottes Wort „ein für alle Mal“ überliefert wurde (Judas 1,3)?“
Nicht alle werden offen sein. Aber einige werden nachdenken. Und für diese wenigen lohnt es sich, mutig zu sprechen – in Liebe und in der Wahrheit.
Ist die Offenbarung Gottes abgeschlossen?
Das ist ein ganz zentraler Punkt. Viele Menschen, die sich zu neuen Bibelübersetzungen, Träumen oder Visionen hingezogen fühlen, tun das aus dem Wunsch heraus, mehr von Gott zu erleben. Das ist verständlich – aber gefährlich, wenn man die Grundlage verliert.
Die Bibel ist eindeutig: Die Offenbarung Gottes ist vollständig. Es gibt nichts hinzuzufügen.
1. Jesus ist die endgültige Offenbarung
„Nachdem Gott früher vielfach und auf vielerlei Weise zu den Vätern geredet hat [...] hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn“(Hebräer 1,1–2)
Gott hat endgültig durch seinen Sohn gesprochen. Alles, was wir für Leben, Glauben, Hoffnung und Ewigkeit brauchen, finden wir in ihm – wie er in der Schrift offenbart ist.
2. Die Apostel haben das Fundament gelegt
„Ihr seid ... gebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, wobei Christus Jesus selbst der Eckstein ist“ (Epheser 2,20)
Die Apostel haben das Fundament gelegt. Wir bauen darauf – aber wir legen es nicht neu. Neue „Offenbarungen“ wie die von Brian Simmons, die über das apostolische Zeugnis hinausgehen, widersprechen diesem Prinzip.
3. Warnung vor Hinzufügung
„Ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand etwas hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen [...]“ (Offenbarung 22,18)
Auch wenn dieser Vers auf das Buch der Offenbarung abzielt, ist das Prinzip deutlich: Gottes Wort ist vollständig. Wer Neues hinzufügt, läuft Gefahr, das Evangelium zu verfälschen.
Was du tun kannst
Vielleicht liest du das hier, weil du selbst Zweifel hast. Vielleicht bist du in einer Gemeinde, in der die „Passion Translation“ oder ähnliche Lehren verbreitet sind. Vielleicht fühlst du dich allein. Ich will dich ermutigen:
Gott ist treu. Wenn du ihn aufrichtig suchst, wird er dich führen (Jeremia 29,13).
Bleib im Wort. Die Schrift ist zuverlässig. Lass dich nicht verwirren von neuen Strömungen.
Such das Gespräch. Vielleicht bist du genau der Mensch, durch den andere gewarnt werden.
Sei bereit, Opfer zu bringen. Wahrheit ist kostbar. Manchmal bedeutet sie, sich zu trennen – aus Liebe zur Gemeinde und zur Ehre Christi.
Ein letzter Gedanke
Ich weiß, wie schwer diese Themen sein können. Ich weiß, wie weh es tut, wenn man geliebte Menschen oder vertraute Gemeinschaften nicht mehr mit gutem Gewissen mittragen kann. Und doch: Gott ist treu. Sein Wort ist klar. Sein Geist führt uns in alle Wahrheit – nicht durch neue Offenbarungen, sondern durch das, was er uns längst gegeben hat: Jesus Christus, den lebendigen Sohn Gottes, bezeugt in der Schrift.
Wenn du diesen Weg gerade gehst – du gehst ihn nicht allein. Halte fest an Gottes Wort, vertraue ihm, auch wenn es dich etwas kostet. Denn es lohnt sich.
„Kaufe Wahrheit und verkaufe sie nicht“ (Sprüche 23,23)
In diesem Sinne, taucht tief in Gottes Wort ein und prüft alles im Licht Seiner Wahrheit und wie sagt Justin Peters so toll:
"Wenn Du Gott kennenlernen willst, lies die Bibel
Wenn Du Gott hören willst, lies die Bibel laut.
DIE Bibel ist GOTTES Wort"
Eure Lizzy
Allgemeine Quellen zu Brian Simmons und TPT
Anmerkung: Mir sind leider ein paar Quellen abhandengekommen, da ich selten Quellen für mich selber aufhebe, vieles in diesem Beitrag stützt sich auf meine alten persönlichen Notizen zum Thema
2. Wissenschaftliche Kritik an The Passion Translation Andrew G. Shead, Burning Scripture with Passion – The Crushed Soul of The Passion Translation. In: Themelios 45.1 (2020), S. 48–64. Artikel online lesen (PDF)
3. Übersicht von kritischen Einschätzungen (TPT vs. echte Übersetzungen) Mike Winger: The Dangers of The Passion Translation – Video-Analyse YouTube: Mike Winger on TPT