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Dienstag, 17. Juni 2025

Was du wissen solltest – Die Wahrheit über die Passion Translation

 Hallo meine lieben Leser,

ich litt gerade mal wieder unter einer kleinen Schreibblockade. Die scheine ich nun überwunden zu haben – schnallt euch an, heute wird’s lang.

Die letzten Monate waren ziemlich schwierig für mich. Ich habe ja bereits darübergeschrieben, wie sich bei mir immer größere Zweifel breit machten über das, was ich in meiner Gemeinde hörte, und welche Lehren sich langsam einschlichen. Darauf folgten Wochen – ja, Monate – intensiven Studiums, um für mich selbst zu klären, ob all das dem Wort Gottes entspricht. Die Antworten, die ich fand, waren schwer für mich einzugestehen.

Hatte unser Herr Jesus mich denn nicht in seiner Gnade aus der Esoterik herausgerufen? Hatte ich mir nicht fest vorgenommen, nie wieder von seinem Wort abzuweichen?

Und doch – ungewollt und schleichend – haben sich falsche Lehren und Ideen in unsere Gemeinde eingeschlichen, und ich habe es nicht sofort bemerkt. Am Ende musste ich die schwere Entscheidung treffen, zu gehen.



Zur Erinnerung: Ich lebe im europäischen Süden, und meine Gemeinde war englischsprachig – deshalb sind nicht alle meine Schwierigkeiten leicht zu erklären. Viel hängt damit zusammen, welches Material in der Sonntagslehre verwendet wurde und welchen Einfluss gewisse „Pastoren“ oder „Bibellehrer“ in unserer Gemeinde hatten.

Eines der Probleme war zum Beispiel die Nutzung einer sogenannten „Bibelübersetzung“ namens The Passion Translation. Dieses Werk – man kann es schwerlich eine Bibel nennen – ist, Gott sei Dank, bislang noch nicht ins Deutsche übersetzt worden. Doch im englischsprachigen Raum richtet es bereits seit Jahren Schaden an. Es handelt sich um ein Projekt von Brian Simmons, der nach eigener Aussage einen Besuch von Jesus persönlich empfangen habe. Dabei, so sagt er, habe Jesus ihm den Auftrag gegeben, die Bibel – nach fast 2000 Jahren – nun „richtig“ zu übersetzen. Jesus würde ihm dafür neue Offenbarungen schenken, sogar „Geheimnisse“ der hebräischen und aramäischen Sprache.

Einige von euch denken jetzt vielleicht:

„Wie bitte? Ist das dein Ernst? Jesus persönlich? Eine neue Übersetzung? Ist meine Bibel etwa falsch? Habe ich das richtig gelesen?“

Ja, ihr habt richtig gelesen. Aber keine Sorge – deine Bibel ist mit großer Wahrscheinlichkeit eine solide, zuverlässige Übersetzung. (Ich komme später beim Thema Peer-Review noch einmal darauf zurück.)

Leider ja ich meine das Ernst – ich verlinke hier das Video von Brian Simmons in der Sendung von Sid Roth (It’s Supernatural!). In seinen eigenen Worten erklärt er dort, wie er zu diesem außergewöhnlichen Projekt gekommen sei.


(Quelle: YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=1vMTufSKaY8  - englisch mit deutschen Untertiteln möglich)

Ich hatte meine Gemeinde bereits Mitte 2023 vor dieser „Übersetzung“ gewarnt. Als damals The Passion Translation Einzug in die sonntägliche Lehre meiner Gemeinde erhielt, wurde ich – als bekennender Bibel-Sammler – natürlich neugierig. (Ich habe aber große Mühe damit, dieses Werk überhaupt als Bibel zu bezeichnen.)

Ich begann ein wenig zu recherchieren – und fand wortwörtlich innerhalb von fünf Minuten Googeln die ersten massiven Probleme und ernsthafte Kritik. Was ich im Folgenden zusammenfasse, ist nur ein kleiner Ausschnitt – es gibt weitaus mehr:


Zum Autor (Brian Simmons):

  • Keine nachweisbaren Qualifikationen in Aramäisch oder anderen biblischen Sprachen
  • Selbsternannter „Apostel“ ohne theologische Legitimation
  • Der Doktortitel stammt vom Wagner Leadership Institute (Fokus: praktisches Gebet), nicht von einer anerkannten theologischen Fakultät

 

Probleme der Passion Translation:

  • Simmons behauptet, Jesus sei ihm erschienen und habe ihn zu einer neuen Bibelübersetzung beauftragt – ein Vorgang, der in seiner Radikalität an die Entstehung der Mormonenbewegung erinnert
  • Die angeblich „neue Offenbarung“ widerspricht der im Neuen Testament abgeschlossenen Offenbarung Christi (vgl. Epheser 3)
  • Jesus wird in dieser Übersetzung oft eher als romantische Figur denn als heiliger Gott dargestellt
  • Simmons agiert als alleiniger Übersetzer ohne ausreichende Expertise in den biblischen Ursprachen (nach viel externer Kritik und Fragen steht das heute auf der Webseite anders aber die Gruppe der Prüfer werden nicht bekannt gemacht)
  • Es gibt keinerlei unabhängige Überprüfung oder Peer-Review Die aramäischen Manuskripte, auf die er sich angeblich bezieht, stammen aus dem 5. Jahrhundert – also Jahrhunderte nach den Urschriften
  • Es wird nicht offengelegt, auf welchen Manuskripten seine Übersetzung tatsächlich basiert
  • Viele Begriffe und ganze Passagen sind frei hinzugefügt – sie spiegeln Simmons’ persönliche Interpretation wider
  • Wortstudien auf Basis dieser „Übersetzung“ sind nicht möglich, da Begriffe durch freie Paraphrasen ersetzt wurden

 



Peer-Review – Bibelkommissionen - Kann ich meiner Bibel vertrauen?

Jede seriöse Bibelübersetzung wird von einem Team aus Theologen, Sprachwissenschaftlern und Historikern erstellt. Wenn du deine Bibel vorne aufschlägst, findest du dort in der Regel die Namen und Hintergründe der beteiligten Personen.

Diese sogenannten Bibelkommissionen befassen sich mit der sorgfältigen Untersuchung des biblischen Textes in seinem historischen, sprachlichen und kulturellen Kontext. Sie prüfen neu entdeckte Manuskripte, gleichen verschiedene Quellen ab und erklären, wo und warum Änderungen vorgenommen wurden – etwa wenn eine klarere Übersetzung gefunden wurde oder neue, gut bezeugte Handschriften auftauchen.

Ganz entscheidend: Eine Kommission stellt sicher, dass keine persönlichen Interpretationen oder theologischen Tendenzen den Text verfälschen.


Die Passion Translation unter der Lupe

Da The Passion Translation bislang nicht ins Deutsche übersetzt wurde, habe ich die Passagen selbst übertragen. Ich bitte um Nachsicht und Vertrauen, dass ich dies nach bestem Wissen und Gewissen getan habe. Sollte jemand Fehler finden, kontaktiert mich bitte in den Kommentaren – ich werde eure Hinweise gern prüfen. Ihr merkt schon: Man braucht eigentlich eine Kommission!

Weil dieser Beitrag im Ganzen recht lang wird, werde ich mich im Folgenden auf zwei Beispielverse beschränken.


Beispiel: Römer 12,6

Elberfelder Bibel:

„Da wir aber verschiedene Gnadengaben haben, nach der uns verliehenen Gnade: es sei Weissagung, so lasst uns weissagen nach dem Maß des Glaubens;“

Passion Translation (deutsch):

„Gottes wunderbare Gnade hat jedem von uns unterschiedliche Gaben und Dienste gegeben, die ganz einzigartig sind. Wenn dir also die Gnadengabe der Prophetie gegeben wurde, dann aktiviere deine Gabe, indem du im Maß deines Glaubens prophezeist.“

Aktiviere deine Gaben?

Was soll das heißen? Das klingt eher nach einer Einweihungszeremonie der Esoterik als nach neutestamentlicher Lehre.

Was sagt die Bibel?

Diese Formulierung hat keine Grundlage im Wort Gottes. Der Apostel Paulus lehrt in 1. Korinther 12, dass die dort genannten Gnadengaben vom Heiligen Geist verliehen werden – nicht „aktiviert“ werden. Der Geist teilt sie aus, wie Er will (1. Kor 12,11). Niemand kann sich selbst eine Gabe aussuchen oder sie durch eine Handlung „freischalten“.

Paulus unterstreicht das mit einer Reihe rhetorischer Fragen:

„Sind alle Apostel? Sind alle Propheten? Sind alle Lehrer? Wirken alle Wunder? Haben alle Gnadengaben der Heilungen? Reden alle in Sprachen? Legen alle aus?“ (1. Kor 12,29–30).

Die offensichtliche Antwort lautet: Nein.


Beispiel: Matthäus 5,4

Elberfelder Bibel:

„Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden!“

Passion Translation (deutsch):

„Welch eine Freude ist es, wenn ihr auf den Herrn wartet! Denn ihr werdet finden, wonach ihr euch sehnt.“

Verwirrt?

Die Verse klingen vollkommen unterschiedlich. Was geht hier vor?

Der Vergleich:

Die Elberfelder bleibt nah am griechischen Urtext. „Trauernde“ (gr. penthéō, Strong G3996) bedeutet tiefes Leid oder Reue – z. B. über Sünde oder Verlust. „Getröstet werden“ (parakaleō, Strong G3870) verweist auf Gottes Verheißung, die Leidenden zu trösten (vgl. Jes 61,2–3).

Die Passion Translation ersetzt „Trauer“ durch „Warten“ und „Trost“ durch „erfüllte Sehnsüchte“. Diese Begriffe entstammen einem ganz anderen Bedeutungsfeld. „Warten“ (hebr. qavah, Strong H6960) bedeutet eher Hoffen oder Erwarten, aber sicher nicht Trauern.

Simmons’ Fußnote:

Er behauptet dort, „Trauern“ und „Warten“ seien „fast identisch“.

Doch penthéō (Trauer) und qavah (Hoffnung/Warten) sind völlig unterschiedliche Begriffe – sowohl sprachlich als auch theologisch. Diese Erklärung verwirrt mehr, als dass sie hilft.

Warum ist das ein Problem?

Die Elberfelder Bibel bewahrt die tiefe, tröstende Aussage Jesu: Gott sieht die Trauernden – und Er tröstet sie. Simmons hingegen ersetzt diese Zusage durch eine weichgezeichnete Vorstellung von „Freude“ und „erfüllter Sehnsucht“. Das klingt zwar schön – aber es ist keine Übersetzung, sondern eine Umdeutung. Und sie verändert die Botschaft.

Simmons’ Methode zeigt: Er setzt auf emotionale Wirkung – nicht auf sprachliche Treue oder sorgfälltige Auslegung.

 


Wie konnte so etwas Einzug in unsere Gemeinde halten?

Diese Frage habe ich mir oft gestellt. Wie konnte eine solch fehlerhafte „Übersetzung“ so selbstverständlich in einer Gemeinde verwendet werden, in der doch angeblich das Wort Gottes die höchste Autorität haben sollte? Ich glaube, die Antwort ist vielschichtig – und gleichzeitig erschreckend einfach.

Ein Teil des Problems liegt sicher in mangelnder biblischer Lehre. Wenn Christen nicht regelmäßig selbst in der Heiligen Schrift lesen, wenn sie nicht wissen, was sie glauben und warum, dann entsteht ein Vakuum. Und dieses Vakuum wird schnell von Angeboten gefüllt, die zwar emotional ansprechend, aber inhaltlich gefährlich sind.

Brian Simmons schreibt mit blumigen Worten, er spricht ständig von „Liebe“, „Leidenschaft“ und „Gegenwart Gottes“. Das klingt erst einmal gut. Aber genau darin liegt die Gefahr: Der emotionale Zugang ersetzt das Studium des Wortes. Gefühle treten an die Stelle von Wahrheit. Und mit der Zeit wird eine Vorstellung von Gott geformt, die immer weniger mit dem biblischen Gott zu tun hat – aber sich „spirituell“ anfühlt.

Man glaubt, man sei besonders offen für das Wirken des Geistes – aber in Wirklichkeit verliert man die Unterscheidung zwischen Wahrheit und Irrtum.


Der Einfluss charismatisch-mystischer Strömungen

Ein weiteres Element, das ich in meiner früheren Gemeinde beobachten konnte, war der wachsende Einfluss mystisch-charismatischer Lehrer. Diese Bewegung ist oft geprägt von besonderen „Offenbarungen“, prophetischen Träumen, neuen geistlichen Erfahrungen – und einem sehr persönlichen Zugang zur Bibel, bei dem es nicht mehr um den ursprünglichen Sinn des Textes geht, sondern um das, was ich darin spüre oder was mir der „Heilige Geist“ gerade zeigt. (Welcher Geist - das wird bald ein anderer Beitrag)  

Auch Brian Simmons ist ein typisches Beispiel dieser Strömung. Seine Aussagen, Jesus habe ihn in den Himmel genommen und ihn dort mit neuen Offenbarungen betraut, erinnern erschreckend an gnostische oder esoterische Ideen. Es geht nicht mehr um das überlieferte, objektive Wort Gottes – sondern um neue, exklusive Einsichten, die angeblich nur einigen wenigen zugänglich sind.

Doch das ist absolut unvereinbar mit dem Wesen des Evangeliums. Der Glaube kommt aus dem Hören, sagt Paulus in Römer 10,17 – nicht aus geheimen Visionen. Und Judas schreibt, dass der Glaube „ein für alle Mal den Heiligen überliefert“ wurde (Judas 1,3). Es gibt nichts Neues mehr hinzuzufügen.


Was macht das mit einer Gemeinde?

Langfristig verändern solche Lehren die Atmosphäre in einer Gemeinde. Man hört plötzlich Sätze wie: „Das steht zwar irgendwo in der Bibel, aber Gott hat mir persönlich etwas Neues gezeigt.“ Oder: „Die Bibel ist wichtig, aber der Geist spricht heute auch anders.“ Man beginnt, die Schrift als Ausgangspunkt zu nehmen – aber das Ziel ist nicht mehr Christus, sondern eine neue „Erfahrung“, ein neues Gefühl, eine neue „Tiefe“.

So kam es auch bei uns. Ich hörte plötzlich Dinge wie:

  • „Die Passion Translation ist frischer und spricht direkter zum Herzen.“
  • „Ich bekomme durch sie eine tiefere Offenbarung.“
  • „In der alten Bibel fehlen Dinge, die der Heilige Geist jetzt wiederherstellt.“

Was hier geschieht, ist nicht nur theologisch problematisch – es ist geistlich gefährlich. Denn es führt die Gemeinde langsam weg vom biblischen Christus hin zu einem anderen Jesus, zu einem anderen Evangelium, zu einem anderen Geist (2. Korinther 11,4).


Wie spricht man mit anderen über so etwas?

Ich gebe zu: Das war für mich einer der schwersten Punkte. Wie spricht man über falsche Lehre, ohne hochmütig zu wirken? Wie warnt man mit Liebe – ohne zu verletzen?

Zunächst: Wenn du merkst, dass in deiner Gemeinde oder deinem Umfeld etwas nicht stimmt, dann sei mutig – aber bleibe sanft. Paulus schreibt:

„Der Knecht des Herrn aber soll nicht streiten, sondern milde sein gegen jedermann, fähig zu lehren, geduldig, und die Widersacher in Sanftmut zurechtweisen“ (2. Timotheus 2,24–25).

Das ist sehr, sehr schwer, wenn man selbst verletzt oder enttäuscht ist. Doch es geht nicht um unseren Zorn, sondern um Gottes Wahrheit – und um die Herzen der Menschen.

Ich habe selbst erlebt, wie wichtig es ist, Fragen zu stellen statt Urteile zu fällen. Ein Gespräch kann beginnen mit:

  • „Hast du dich mal gefragt, auf welcher Textgrundlage diese Bibelübersetzung basiert?“
  • „Wusstest du, dass der Autor keine Ausbildung in den biblischen Sprachen hat?“
  •  „Was denkst du über die Warnungen der Bibel vor neuen Offenbarungen?“
  • „Was bedeutet es für dich, dass Gottes Wort „ein für alle Mal“ überliefert wurde (Judas 1,3)?“


Nicht alle werden offen sein. Aber einige werden nachdenken. Und für diese wenigen lohnt es sich, mutig zu sprechen – in Liebe und in der Wahrheit.


Ist die Offenbarung Gottes abgeschlossen?

Das ist ein ganz zentraler Punkt. Viele Menschen, die sich zu neuen Bibelübersetzungen, Träumen oder Visionen hingezogen fühlen, tun das aus dem Wunsch heraus, mehr von Gott zu erleben. Das ist verständlich – aber gefährlich, wenn man die Grundlage verliert.

Die Bibel ist eindeutig: Die Offenbarung Gottes ist vollständig. Es gibt nichts hinzuzufügen.


1. Jesus ist die endgültige Offenbarung

„Nachdem Gott früher vielfach und auf vielerlei Weise zu den Vätern geredet hat [...] hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn“(Hebräer 1,1–2)

Gott hat endgültig durch seinen Sohn gesprochen. Alles, was wir für Leben, Glauben, Hoffnung und Ewigkeit brauchen, finden wir in ihm – wie er in der Schrift offenbart ist.


2. Die Apostel haben das Fundament gelegt

„Ihr seid ... gebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, wobei Christus Jesus selbst der Eckstein ist“ (Epheser 2,20)

Die Apostel haben das Fundament gelegt. Wir bauen darauf – aber wir legen es nicht neu. Neue „Offenbarungen“ wie die von Brian Simmons, die über das apostolische Zeugnis hinausgehen, widersprechen diesem Prinzip.


3. Warnung vor Hinzufügung

„Ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand etwas hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen [...]“ (Offenbarung 22,18)

Auch wenn dieser Vers auf das Buch der Offenbarung abzielt, ist das Prinzip deutlich: Gottes Wort ist vollständig. Wer Neues hinzufügt, läuft Gefahr, das Evangelium zu verfälschen.


Was du tun kannst

Vielleicht liest du das hier, weil du selbst Zweifel hast. Vielleicht bist du in einer Gemeinde, in der die „Passion Translation“ oder ähnliche Lehren verbreitet sind. Vielleicht fühlst du dich allein. Ich will dich ermutigen:

Gott ist treu. Wenn du ihn aufrichtig suchst, wird er dich führen (Jeremia 29,13).

Bleib im Wort. Die Schrift ist zuverlässig. Lass dich nicht verwirren von neuen Strömungen.

Such das Gespräch. Vielleicht bist du genau der Mensch, durch den andere gewarnt werden.

Sei bereit, Opfer zu bringen. Wahrheit ist kostbar. Manchmal bedeutet sie, sich zu trennen – aus Liebe zur Gemeinde und zur Ehre Christi.



Ein letzter Gedanke

Ich weiß, wie schwer diese Themen sein können. Ich weiß, wie weh es tut, wenn man geliebte Menschen oder vertraute Gemeinschaften nicht mehr mit gutem Gewissen mittragen kann. Und doch: Gott ist treu. Sein Wort ist klar. Sein Geist führt uns in alle Wahrheit – nicht durch neue Offenbarungen, sondern durch das, was er uns längst gegeben hat: Jesus Christus, den lebendigen Sohn Gottes, bezeugt in der Schrift.

Wenn du diesen Weg gerade gehst – du gehst ihn nicht allein. Halte fest an Gottes Wort, vertraue ihm, auch wenn es dich etwas kostet. Denn es lohnt sich. 

„Kaufe Wahrheit und verkaufe sie nicht“ (Sprüche 23,23)


In diesem Sinne, taucht tief in Gottes Wort ein und prüft alles im Licht Seiner Wahrheit und wie sagt Justin Peters so toll:

"Wenn Du Gott kennenlernen willst, lies die Bibel 

Wenn Du Gott hören willst, lies die Bibel laut. 

DIE Bibel ist GOTTES Wort"


Eure Lizzy


 

Allgemeine Quellen zu Brian Simmons und TPT

Anmerkung: Mir sind leider ein paar Quellen abhandengekommen, da ich selten Quellen für mich selber aufhebe, vieles in diesem Beitrag stützt sich auf meine alten persönlichen Notizen zum Thema

1. Interview mit Sid Roth („It's Supernatural!“ Show)
YouTube: Brian Simmons on Sid Roth – The Passion Translation
(Simmons beschreibt seine Visionen und Himmelserfahrungen.)


2. Wissenschaftliche Kritik an The Passion Translation
Andrew G. Shead, Burning Scripture with Passion – The Crushed Soul of The Passion Translation.
In: Themelios 45.1 (2020), S. 48–64.
Artikel online lesen (PDF)


3. Übersicht von kritischen Einschätzungen (TPT vs. echte Übersetzungen)
Mike Winger: The Dangers of The Passion Translation – Video-Analyse
YouTube: Mike Winger on TPT


4. Offizielle Webseite von Brian Simmons (Selbstaussagen, Biografie etc.)
https://www.thepassiontranslation.com


5. LinkedIn-Profil von Brian Simmons (für Angabe zum Doktortitel)
https://www.linkedin.com/in/brian-simmons-658a6a37

(Dieses Profil existiert nicht mehr)


6. Holly Pivec - Blog


7. Vergleich von Bibelstellen (z. B. Römer 12,6 oder Matthäus 5,4)

Elberfelder Bibel: https://www.bibleserver.com

TPT-Vergleich via https://www.biblegateway.com


8. Stellungnahmen von Bibelübersetzern
Mark Ward: What’s Wrong with The Passion Translation?
Faithlife Blog, 2021


9. Bilderquelle: https://dailyverses.net/de

Montag, 19. Mai 2025

Eine schwierige Entscheidung: Mein Abschied von meiner Gemeinde

Liebe Leserinnen und Leser,

mit einem schweren Herzen teile ich heute einen sehr persönlichen Brief, den ich an die Leitung meiner Gemeinde gerichtet habe (Ich habe natürlich alle Namen entfernt für die Privatsphäre aller Beteiligten). In einem früheren Blogbeitrag hatte ich bereits einige meiner Sorgen bezüglich der theologischen Ausrichtung der Gemeinde angesprochen. Nach vielen Gebeten, intensiver Reflexion und einem tiefen Ringen mit mir selbst, habe ich nun die schwierige Entscheidung getroffen, die Gemeinde zu verlassen. Dieser Brief erklärt die Gründe für meinen Abschied, die aus tiefer Sorge um die Wahrhaftigkeit des Evangeliums resultieren. Ich hoffe, dass meine Worte euch berühren und zum Nachdenken anregen.




Liebe Gemeindeführung,

ich schreibe euch diese Zeilen mit schwerem Herzen und nach viel Gebet und Überlegung. Es fällt mir nicht leicht, dies zu sagen, aber ich habe die Entscheidung getroffen, die Gemeinde zu verlassen.

Mir ist bewusst, dass dies unerwartet wirken mag, obwohl ich mich in letzter Zeit bereits aus dem regelmäßigen Gemeindeleben zurückgezogen habe. In den letzten Wochen habe ich jedoch begonnen, die verpassten Sonntagspredigten nachzuholen. Diese Zeit der Reflexion ermöglichte es mir, meine Bedenken klarer zu erkennen. Obwohl meine Anwesenheit seltener war, habe ich einige dieser Anliegen direkt mit der Gemeindeleitung geteilt. Ich bin dankbar für das offene Ohr, das mir entgegengebracht wurde, aber leider sind diese Themen ungelöst geblieben. Sie wurden weder theologisch widerlegt noch, wenn sie als problematisch anerkannt wurden, vor der gesamten Gemeinde thematisiert. Nach reiflicher Überlegung habe ich erkannt, dass ich der Richtung, in die sich die Gemeinde bewegt, nicht mehr folgen kann.

Im Laufe der Zeit habe ich mich zunehmend über bestimmte doktrinelle Entwicklungen innerhalb der Gemeinde beunruhigt. Die Wiederbelebung und Förderung der "Passion Translation Bibel" in der Sonntagslehre, die Betonung von geistlichen Praktiken, die mehr mit der Esoterik als mit der Bibel übereinstimmen, sowie die subtile Akzeptanz – oder zumindest der Mangel an Unterscheidung – bezüglich Lehren, die mit der Neuen Apostolischen Reformation in Verbindung stehen, haben mir Sorgen bereitet. Diese Tendenzen scheinen persönliche Erfahrungen, mystische Praktiken und menschliche Anstrengung über die Vollständigkeit der Schrift und das vollbrachte Werk Christi zu stellen.

Zusätzlich bin ich zunehmend besorgt über die weit verbreitete Akzeptanz von Konzepten des Wohlstandsevangeliums, insbesondere die Betonung von Träumen, Visionen, Gesundheitsdeklarationen und Affirmationen, die oft einer „Glauben und Empfangen“-Theologie entsprechen. Während ich daran glaube, dass Gott aktiv und mächtig in unserem Leben wirkt, besteht die Gefahr, dass dieser Fokus das Fundament unseres Glaubens von Christus auf die Suche nach persönlichem Segen, Erfolg und Erfüllung verlagert.

Es hat Jahre gedauert, viele dieser schädlichen Lehren zu verlernen, und es war ein schmerzhafter Prozess. Der Weg, mich von diesen Ideen zu lösen, hat meine Perspektive tief geprägt und meine Überzeugung in die Vollständigkeit der Schrift und das Evangelium der Gnade gestärkt.

Was mich am meisten betrübt, ist, dass diese Entwicklungen uns unbeabsichtigt von der Einfachheit und Kraft des Evangeliums der Gnade abbringen können. Ich befürchte, dass geistliches Wachstum in einer Weise dargestellt wird, die uns subtil wieder zum Streben und zu Werken zurückführt, anstatt in dem vollbrachten Werk Jesu zu ruhen.

Ich möchte etwas teilen, das in einer kürzlichen Sonntagslehre gesagt wurde und eine Denkweise widerspiegelt, die meiner Meinung nach das Herz des Evangeliums verfehlt:

„… Und ich weiß, dass viele Christen an die rettende Kraft des Kreuzes glauben und vertrauen, wo Jesus freiwillig sein Leben gab, um uns neues Leben, Erlösung und Beziehung mit ihm zu geben. Und oft hören sie dort auf, als ob das alles ist… Es ist der allererste Schritt, der Anfang… Ihr wisst, diese Menschen gehen vielleicht in die Kirche, sie beten, aber sie entwickeln sich nicht weiter, entweder weil sie den Bedarf nicht sehen oder sie nicht bereit sind, den Preis zu zahlen…“

Während ich die Absicht hinter diesen Worten verstehe, Gläubige zu tieferer Hingabe zu bewegen, beunruhigt mich die Implikation, dass das Kreuz irgendwie unzureichend oder nur ein Einstiegspunkt ist. Die Schrift lehrt uns, dass alles, was wir für Leben und Gottseligkeit brauchen, in Christus zu finden ist (2. Petrus 1,3) und dass unsere Heiligung ein Werk der Gnade von Anfang bis Ende ist – nicht etwas, das wir durch einen Preis erreichen, sondern etwas, das wir im Glauben empfangen.

Bitte wisst, dass diese Entscheidung mir nicht leicht gefallen ist. Ich bin dankbar für die Menschen, die ich getroffen habe, die Gemeinschaft, die ich geteilt habe, und die Momente aufrichtiger Anbetung, die ich erlebt habe. Ich gehe nicht mit Bitterkeit, sondern mit Trauer und dem tiefen Wunsch nach Klarheit, Wahrheit und dem unerschütterlichen Fundament von Christus und seinem Wort.

Ich bete weiterhin für euch alle – für Weisheit, für Unterscheidungsvermögen und für eine vertiefte Liebe zum Evangelium von Jesus Christus.

Mit Liebe,


Lizzy



Dieser Abschied ist für mich wirklich schwer, aber es ist ein Schritt der Gehorsam gegenüber dem, was ich als Wahrheit des Evangeliums erkenne. Es ist kein Ende, sondern ein neuer Abschnitt auf meinem Weg mit Gott, und ich vertraue, daß Er mich weiterhin in Seiner Gnade leitet. In den nächsten Tagen werde ich mich noch einmal mit der Gemeindeleitung treffen, um meine Sorgen besser zu erklären und im Gespräch nach Verständnis und Aufklärung zu suchen. Ich trage keine Bitterkeit in meinem Herzen, sondern eine tiefe Dankbarkeit für die gemeinsamen Jahre und die Gewissheit, dass Gott jeden von uns in Seiner Hand hält. Mein Gebet ist, dass wir alle in der Einfachheit und Kraft des Evangeliums wachsen, in Christus verwurzelt bleiben und Seiner Wahrheit treu folgen.

In diesem Sinne, taucht tief in Gottes Wort ein und prüft alles im Licht Seiner Wahrheit.

Eure Lizzy


Bilderquelle: https://dailyverses.net/de




Donnerstag, 17. April 2025

Verlorene Ehrfurcht – Wenn Gott zum Genie wird und wir das Kreuz gegen irdische Wünsche tauschen

Vor einiger Zeit wurde in einer WhatsApp-Gruppe unserer Gemeinde ein Video geteilt, das mich zutiefst erschüttert hat. Nicht nur, weil der Inhalt eindeutig dem Wohlstandsevangelium zuzuordnen war, sondern vor allem wegen der Reaktion darauf: Es schien, als würde niemand die Problematik erkennen. Das Video wurde kommentarlos weitergeleitet, positiv aufgenommen und sogar in Gesprächen und Gebeten inhaltlich aufgegriffen, als sei es geistlich fundiert.



Was mich am meisten beunruhigt, ist nicht nur dieses einzelne Video oder ein bestimmter Beitrag. Es ist das Gefühl eines schleichenden Abgleitens – das langsame Eindringen von Lehren, die sich zwar christlich anhören, aber im Kern eine ganz andere Botschaft als das Evangelium verkünden. Diese Lehren kreisen oft um die Vorstellung, dass der Glaube eine Art Machtmittel sei – eine Formel, mit der man Gott zum Handeln bewegen kann. Es wird suggeriert, dass Gott muss, wenn wir nur richtig glauben, positiv sprechen oder korrekt beten.

Das ist im Kern das, was man als Wohlstandsevangelium bezeichnet. In diesem sogenannten „Evangelium“ geht es – wie der Name schon andeutet – um materiellen Wohlstand, aber nicht nur das. Es geht auch um Gesundheit, zwischenmenschliche Beziehungen und allgemeinen Erfolg. Das Grundprinzip bleibt dabei immer gleich: Gott will, dass du reich, glücklich und gesund bist – jederzeit.

Innerhalb dieses Denkens garantiert der „richtige“ Glaube automatisch das gewünschte Ergebnis. Bleibt dieses aus, liegt die Schuld bei uns: Wir haben nicht stark genug geglaubt, wir hatten Zweifel, Sünde in unserem Leben – irgendetwas muss schiefgelaufen sein. Dieses System macht aus der Beziehung zu Gott ein geistliches Geschäft, in dem wir die Bedingungen diktieren und Gott zum Lagerverwalter unseres persönlichen Wohlstandsdepots machen. Wenn wir nur die richtige „Bestellung“ abgeben, muss er liefern – ohne Spielraum, ohne Freiheit.

Der Schöpfer des Universums wird zum Flaschengeist degradiert: dreimal gerieben, und schon erfüllt er unsere Wünsche.

Natürlich geschieht das alles „im Namen Jesu“, als scheinbar geistliche Vollendung der Formel.

 


Wie erschütternd, den allmächtigen Gott der Schöpfung auf diese Weise zu behandeln. Was für eine ehrfurchtslose Haltung, zu glauben, dass unser Vater im Himmel derart manipuliert werden könne. Wie tief muss eine Generation gesunken sein, wenn sie das heilige Opfer unseres Herrn Jesus auf egoistische Wünsche reduziert – und den Heiligen Geist als spirituellen Zauberstab missbraucht.

Wir kontrollieren Gott nicht. Wir können Ihn nicht durch Glaubensformeln lenken. Echter Glaube bedeutet nicht, dass wir bekommen, was wir wollen – sondern dass wir Gott vertrauen, auch wenn wir Ihn nicht verstehen.

Gerade in diesen Tagen – unmittelbar vor Karfreitag und Ostersonntag – wird uns das wahre Wesen des Evangeliums vor Augen geführt. Es geht nicht um ein Leben in irdischem Wohlstand oder ständiger Erfüllung persönlicher Wünsche. Es geht um das Kreuz. Um das Leiden und das freiwillige Opfer des Sohnes Gottes, der sich selbst erniedrigte – um unverdiente Gnade, die durch Blut und Schmerz erkauft wurde.

 

Am Karfreitag erinnern wir uns an den gekreuzigten Christus – nicht an einen Gott, der sich nach unseren Vorstellungen richten lässt, sondern an einen Gott, der sich selbst hingibt, weil wir verloren sind.
Und am Ostersonntag feiern wir den Sieg über Tod und Sünde – nicht, weil wir ihn herbeigeglaubt hätten, sondern weil Gott souverän handelt, treu zu seinen Verheißungen, voller Macht und voller Erbarmen.
Das Evangelium ist keine Methode zur Selbstverwirklichung, sondern eine Einladung zur Umkehr, zur Nachfolge, zur Anbetung des auferstandenen Herrn.

Wir brauchen dieses Evangelium – rein, klar, unverdünnt. Unsere Gemeinden brauchen es. Unsere Herzen brauchen es.

 


Was meine Gemeinde angeht, habe ich mich bewusst entschieden, nicht öffentlich dagegen zu sprechen. Ich war eine Zeit lang nicht aktiv in der Gemeinde und wollte keine Unruhe stiften – vor allem nicht in Bezug auf Menschen, die ich persönlich nicht kenne. Stattdessen habe ich mich an eine Person aus der Gemeindeleitung gewandt, in der Hoffnung auf Rat und Orientierung. Die Antwort war zwar verständnisvoll, wies aber auch darauf hin, dass in solchen WhatsApp-Gruppen jeder selbst verantwortlich sei, Dinge zu prüfen – und dass die Leitung nicht jeden Beitrag im Blick habe.

Das kann ich ja noch nachvollziehen, in einer Welt, in der ständig Inhalte geteilt werden, kann niemand alles überprüfen. Und doch glaube ich, dass wir gerade bei theologischen Fragen – vor allem, wenn sie sich in unser Denken, Beten und Reden einschleichen – nicht einfach achselzuckend zur Tagesordnung übergehen dürfen.

Denn genau hier beginnt die stille Verfälschung. Nicht durch offene Rebellion, sondern durch ein schleichendes Verschieben von Prioritäten und Perspektiven. Es beginnt mit dem Gedanken, dass Glaube vor allem dazu da sei, unsere Lebensumstände zu verbessern. Dass Gott in erster Linie dazu da sei, unsere Wünsche zu erfüllen. Und es endet damit, dass das Kreuz seinen Mittelpunkt verliert, die Heiligkeit Gottes verblasst – und der Mensch wieder selbst auf dem Thron sitzt.

 

Die Bibel warnt uns auf leise, aber klare Weise vor solchen Entwicklungen. Jakobus erinnert uns daran, wie wenig Kontrolle wir wirklich über unser Leben haben:


„Ihr wisst ja nicht, was morgen sein wird... Stattdessen solltet ihr sagen: Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun.“ (Jakobus 4,14–15)

 

Und Paulus schreibt voller Staunen:


„O Tiefe des Reichtums sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Gerichte und wie unausforschlich seine Wege!“ (Römer 11,33)

 


Das hier ist kein Plädoyer für Gesetzlichkeit oder Rechthaberei – sondern ein Ruf, das Evangelium klar und unverfälscht zu bewahren. Ich weiß, das ist ein sensibles Thema, vor allem wenn es um Menschen geht, die wir schätzen. Aber wenn uns die geistliche Gesundheit unserer Gemeinde am Herzen liegt, dürfen wir nicht schweigen – nicht mit Härte, aber mit Demut und Liebe.

Dieser Beitrag ist genau das: ein stiller Hinweis, geschrieben aus Sorge und Liebe. Ich habe nicht alle Antworten, aber ich möchte wachsam sein für das, was sich geistlich verändert. Wenn auch nur ein Mensch dadurch angeregt wird, genauer hinzuschauen, dann hat sich das Schreiben gelohnt. Und was meine Gemeinde angeht, hoffe und bete ich, dass meine Besorgnisse bald offiziell adressiert werden und wir uns alle wieder auf das wahre Evangelium besinnen.

 

 

In diesem Sinne,

 

 

Eure Lizzy


Bilderquelle: https://dailyverses.net/de


Samstag, 29. März 2025

Plauderecke - Von Schuld zur Gnade

Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Jahre mit Jesus. Oft empfand ich mich als unwürdig, eine gute Mutter, eine liebevolle Ehefrau oder eine engagierte Angestellte zu sein – geschweige denn eine treue Christin! Meine Schwächen und Fehler standen mir deutlich vor Augen, mein sündiges Wesen überwältigte mich. Ich wusste, dass die Bibel mir helfen könnte, doch es gab Tage, an denen ich sie nicht aufschlagen wollte. Ich war ungeduldig mit meiner Tochter, unversöhnlich gegenüber meinem Mann, traf Entscheidungen, die nicht mit Gottes Willen übereinstimmten, und schaffte es dennoch, mich vor mir selbst zu rechtfertigen.

An solchen Tagen erschien mir das Gebet unerreichbar. Die Scham lastete so schwer auf mir, dass ich mich kaum wagte, vor Jesus zu treten. Doch ist das der Weg, den Gott für mich vorgesehen hat? Heute weiß ich: Nein, das ist er nicht. Gott sei Dank habe ich im Laufe der Zeit verstanden, wie gütig und liebevoll unser himmlischer Vater ist.

Es ist richtig, dass wir uns ärgern, wenn wir gesündigt haben. Das zeigt, dass unser Gewissen noch empfindsam ist, dass wir erkennen, wenn wir etwas falsch gemacht haben. Diese Erkenntnis soll uns zur Umkehr führen. Aber manchmal kann Scham uns so sehr erdrücken, dass sie uns von Gott entfernt, anstatt uns zu ihm zu führen. Genau da liegt das Problem.

In solchen Zeiten, versuche ich mich an die Stimme in der Wüste zu erinnern, eine Stimme die auch meine eigene innere Wüste durchbricht:

"Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!" (Johannes 1,29)




Jesus ist nicht nur für die Sünden gestorben, die ich vor meiner Bekehrung begangen habe, sondern für alle Sünden. Die Schuldgefühle, die mich manchmal übermannen, sind nichts anderes als das Flüstern des Feindes. Er will mich davon überzeugen, dass ich unwürdig bin, dass meine Fehler mich von Gott trennen. Aber die Wahrheit ist: Der Feind wurde besiegt, als Jesus am Kreuz starb und wieder auferstand. Er hat keine Macht mehr über mich – es sei denn, ich gebe sie ihm, indem ich seine Lügen glaube.

Was mich befreit? Die Wahrheit über Gott und meine Identität in ihm. Ich bin nicht nur seine Schöpfung, sondern sein Kind. Er hat mich in seine Familie aufgenommen, mich versiegelt und nennt sich selbst meinen Vater im Himmel. Und ein guter Vater liebt seine Kinder, selbst wenn sie Fehler machen.

Denken wir an unsere eigenen Kinder, Neffen, Nichten oder die Kinder unserer Freunde. Wir lieben sie in jeder Phase ihres Lebens: als Babys, als Kleinkinder, in der Schulzeit, in der Pubertät und auch dann, wenn sie erwachsen sind. Hört diese Liebe auf, wenn sie Fehler machen? Nein! Auch wenn sie uns enttäuschen, würden wir sie niemals aufgeben. Wie viel mehr liebt uns unser himmlischer Vater, der vollkommen und unendlich geduldig ist?

Paulus beschreibt diesen inneren Kampf so ehrlich:

"Denn ich verstehe mein eigenes Handeln nicht. Denn ich tue nicht, was ich will, sondern ich tue das, was ich hasse." (Römer 7,15)



Es tröstet mich zu wissen, dass selbst Paulus – dieser außergewöhnliche Mann Gottes – mit sich gerungen hat. Meine Sünden wurden am Kreuz vergeben, als Jesus sein heiliges Blut für mich vergoss. Der Preis war unvorstellbar hoch, doch Jesus zahlte ihn aus Liebe.

Aber eines hat sich nicht verändert: meine menschliche Natur. Ich bin und bleibe fehlerhaft. Deshalb wende ich mich an Gott, um Weisheit zu erlangen, um zu lernen, um mich von Ihm erziehen zu lassen. Und wenn ich falle, darf ich wissen, dass Er mich auffängt und wieder aufrichtet.

Er liebt mich. Jesus liebt mich. Der Heilige Geist liebt mich. Und er erinnert mich – manchmal sanft, manchmal nachdrücklicher – daran, dass "alle gesündigt haben und die Herrlichkeit Gottes verfehlen" (Römer 3,23). Ich bin keine Ausnahme. Aber ebenso wenig bin ich eine Ausnahme, wenn es um seine Gnade geht.



Ich will mich nicht mehr von Schuldgefühlen niederdrücken lassen. Ich will mich daran erinnern, dass sogar Paulus kämpfte, dass Jesus für alles bezahlt hat – für die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Ich will mich entscheiden, auf die Stimme der Wahrheit zu hören und nicht auf die eines besiegten Lügners. Mein Vertrauen will ich allein auf Jesus setzen.

Und ich will beten:

"Gott, ich weiß, dass ich ein Sünder bin. Ich weiß, dass ich die Konsequenzen meiner Sünde verdient habe. Doch ich vertraue auf Jesus Christus als meinen Retter. Ich glaube, dass sein Tod und seine Auferstehung meine Vergebung bewirkt haben. Ich vertraue auf Jesus und Jesus allein als meinen Herrn und Erlöser. Amen."

Dieses Gebet ist nicht nur ein Lippenbekenntnis. Es ist die Wahrheit, die mein Herz erfüllt. Ich bin erlöst, nicht wegen meiner Leistung, sondern wegen seiner unermesslichen Gnade. Und das ist das Fundament, auf dem ich stehen will.


In diesem Sinne,


Eure Lizzy

 

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Dienstag, 21. Januar 2025

Die Sache mit der Frage: „Warum Gott, warum…“

Meine lieben Leser, zuerst einmal möchte ich mich für die Funkstille im Dezember entschuldigen. Ich hatte mir zwar fest vorgenommen, mindestens einmal im Monat zu schreiben, aber die Festlichkeiten kamen dazwischen. Wir hatten das große Vergnügen, Fräulein Faithful für ganze zwei Wochen bei uns zu haben. In dieser Zeit konnten wir gemeinsam unseren Herrn Jesus feiern und das neue Jahr einläuten.

Leider Gottes hat unser neues Jahr keinen guten Start genommen. Völlig unverhofft ist unser geliebtes Haustier verstorben. Mein Herz ist schwer, denn unser kleines Kaninchen, voller Energie und Charakter, hat uns zwei Jahre lang so viel Freude gebracht. Sein unverhoffter Tod hat in unseren Herzen ein recht großes Loch hinterlassen.




Wann immer unser Leben aufgerüttelt wird – sei es durch den Tod eines geliebten Menschen oder Haustiers, durch einen Unfall oder den Verlust einer Arbeit – neigen wir dazu zu fragen: „Warum Gott, warum?“ Es ist eine natürliche Reaktion auf Schmerz und Verlust, eine Suche nach Antworten, wenn unser Herz schwer ist und wir das Leid nicht verstehen.

Habe ich die Antwort auf diese Frage gefunden? Nein, nicht wirklich. Was ich jedoch gefunden habe, ist Trost in meinem Heiland. Ich habe Trost in dem Wissen, dass Er mich und die Meinen liebt. Ich habe Trost in der Erkenntnis, dass Verlust und Schmerz keine Bestrafung sind, sondern dass sie zu den unausweichlichen Realitäten einer gefallenen Welt gehören. Schmerz, Verlust und Traurigkeit sind leider Teil dieses Lebens. Doch meine Hoffnung ruht in der Opfergabe Jesu.




Jesus hat uns versprochen, dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben finden werden – ein Leben, in dem Er all unsere Tränen trocknen wird, ein Leben in der Gegenwart Gottes, des Schöpfers dieser Welt. Dieses Versprechen ist ein Anker für meine Seele, besonders in Zeiten der Traurigkeit. Es gibt mir die Zuversicht, dass der Tod und nicht das letzte Wort hat, dass Schmerz nicht für immer andauert, sondern dass eine vollkommene Freude und ewige Gemeinschaft mit Gott auf uns warten.


3 Und ich hörte eine laute Stimme vom Thron her sagen: Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott.

4 Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

5 Und der, welcher auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu. Und er spricht: Schreibe! Denn diese Worte sind gewiss und wahrhaftig.

Offenbahrung 21,3-5


Vielleicht fragt auch ihr euch manchmal: „Warum Gott, warum?“. Ich möchte euch ermutigen, eure Fragen, eure Trauer und euren Schmerz vor Ihn zu bringen. Er hört euch, und Er versteht euch. Und auch wenn die Antworten vielleicht nicht sofort kommen, kann sein Trost unsere Herzen berühren und heilen.

Möge dieser Trost auch euch in schweren Zeiten tragen.





In diesem Sinne,


Eure Lizzy


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