Neulich hatten Mr. Faithful und ich uns entschieden, einen
Kaffee trinken zu gehen. Als wir in unserem Stammcafé ankamen, sahen wir sofort
auch eine Gruppe von Freunden und Bekannten, die den Schatten auf der
Außenterrasse genossen. Wir setzten uns dazu, bestellten bei der netten jungen
Kellnerin unsere Getränke und richteten unsere Aufmerksamkeit auf die
Gespräche.
Die Männer auf einer Seite sprachen sofort über Fußball, und
als ich mich den Damen zuwandte, wurde ich selbst sehr schnell still. Wie so
häufig ging es um Klatsch und Tratsch. Wer hat das neueste Auto, wessen Kind
hat Erfolg, wessen Kind ist auf der falschen Spur, wer arbeitet hart und viel
und wer liegt auf der faulen Haut. Bewertungen von außen, ohne wirklichen
Einblick in die persönlichen Situationen, begleitet von stichelnden Kommentaren
und häufig mit dem Beisatz: „Mal nur unter uns.“ Vertrauliche Sorgen und
Schwierigkeiten werden unbedacht in den Tag hinein geschwatzt, als Zeitvertreib
und Amüsement. So entstehen leicht Gerüchte, die dann in der Nachbarschaft
blühen und gedeihen und unsichtbar unglaublichen Schaden anrichten.
Als ich den unterschiedlichen Damen zuhörte, und ja, auch
Männer tratschen, wurde ich recht nachdenklich. Denn ganz ehrlich gesagt bin
auch ich schon häufig in diese Sünde verfallen.
Und ja, es ist Sünde. Die Bibel hat überraschend viel zu
diesem Thema zu sagen, und auch über die Konsequenzen im Hier und Heute, nicht
erst vor unserem Heiland Jesus.
Das hebräische Wort für Klatsch und Tratsch wird im Alten
Testament sinngemäß für jemanden verwendet, der Geheimnisse verrät, ein
Schwätzer und Skandalverbreiter ist. Es geht um verleumderisches Reden.
In den Sprüchen heißt es:
Sprüche 20,19
Wer als Verleumder umhergeht, deckt Geheimnisse auf; darum lass dich nicht ein
mit dem, der seine Lippen aufsperrt.
Sprüche 11,12-13
Wer seinen Nächsten verachtet, ist ohne Verstand; ein verständiger Mann aber
schweigt still. Ein Verleumder enthüllt Geheimnisse, ein treuer Geist aber
deckt die Sache zu.
Sprüche 16,28
Ein verkehrter Mensch richtet Zank an, und ein Verleumder trennt gute Freunde.
Aber warum ist Klatsch und Tratsch so schlimm? Weil er
unsere Meinung über andere Menschen beeinflusst und verändert. Wenn man gewisse
Dinge einmal gehört hat, ist es schwer, sie wieder zu vergessen. Unser Ruf ist
etwas Wichtiges im Leben, und ein unbedachtes Gespräch hinter vorgehaltener
Hand kann den Ruf einer Person unwiderruflich schädigen.
Das erinnert mich an eine Geschichte, die den Schaden von
Klatsch und Tratsch sehr eindrücklich veranschaulicht. Es wird oft von der
ungewöhnlichen Buße erzählt, die der heilige Philipp Neri einer Frau für ihre
Sünde des Klatschens auferlegte. Er bat sie, ein Federkissen auf die Spitze des
Kirchturms zu bringen, es dort aufzureißen und alle Federn vom Wind davontragen
zu lassen. Das war sicher nicht die Art von Buße, an die diese Frau oder
irgendeine von uns gewöhnt gewesen wäre.
Doch damit war es nicht getan. Philipp Neri gab ihr noch
eine zweite, viel schwierigere Aufgabe. Sie sollte vom Glockenturm
hinuntersteigen und alle Federn wieder einsammeln, die über die ganze Stadt
verstreut worden waren. Natürlich konnte die arme Frau das nicht schaffen, und
genau das wollte Philipp Neri mit dieser Buße verdeutlichen. Wenn wir mit
unseren Worten andere schlechtmachen, dann verbreiten sich unsere verletzenden
Aussagen überallhin und lassen sich nicht mehr einsammeln. Sie entehren und spalten
Menschen noch lange, nachdem wir sie ausgesprochen haben, weil sie in den
Köpfen nachklingen und von einem Klatschmaul zum nächsten weitergegeben werden.
Klatsch und Tratsch wird schnell zu einem Gerücht, und die
Schäden sind oft nicht mehr absehbar. Und selbst wenn man sich noch so sehr
bemüht, die Dinge geradezurücken, bleibt doch bei den Menschen ein kleiner
Zweifel im Hinterkopf, ob nicht vielleicht doch ein Körnchen Wahrheit an dem
Gerücht war. Und so sieht man den anderen Menschen nie wieder mit denselben
Augen.
Eine der schlimmsten Arten des Tratschens habe ich früher in
meiner Gemeinde im Gebetstreffen erlebt, und lange Zeit habe ich es nicht
einmal als solches wahrgenommen. Unter dem Gedanken, dass wir füreinander beten
müssen, wurden schnell Dinge geteilt, die eigentlich nur einer oder zwei
Personen im Vertrauen gesagt worden waren. Und plötzlich hörten im Gruppengebet
alle von den privaten Sorgen und Schwierigkeiten der Brüder und Schwestern.
Wie kann man das Ganze nun umgehen? Viele würden sagen, dass
es ja nur um Gespräche geht und gar nicht böse gemeint ist. Und ich stimme zu,
dass die Grenze zwischen einem normalen Gespräch über Freunde, Bekannte oder
Mitarbeiter und Klatsch und Tratsch sehr schmal ist.
Fragen, die man sich stellen sollte, bevor man über jemand
anderen spricht:
Ist es die Wahrheit?
Ist es freundlich und gut?
Ist es aufbauend?
Ist es notwendig?
Wenn wir denn über andere reden, dann sollten wir darauf
achten, nur Gutes über sie zu sagen. Denn auch wenn wir manches wissen, heißt
das nicht, dass es ausgesprochen werden muss. Es kann zwar gute Gründe geben,
auch Schwieriges anzusprechen, aber dann direkt mit der betreffenden Person
selbst oder mit jemandem, der wirklich zur Lösung des Problems beitragen kann. In
der Arbeitswelt über Menschen mit anderen zu sprechen, die weder helfen noch
etwas ändern können, ist nicht nur schädlich, sondern auch die Definition von
Tratsch. Im Privaten gilt etwas anderes: Dort sprechen wir erst dann, wenn wir
um Hilfe gebeten wurden, und auch dann nur mit dem Einverständnis der
betreffenden Person, wenn es nötig ist, andere mit einzubeziehen.
Darum lasst uns achtsam mit unseren Worten umgehen. Möge der
Herr uns helfen, unsere Zunge zu hüten und in Liebe so zu reden, dass es
anderen dient. Worte können schützen, Frieden schaffen und einem anderen
Menschen Ehre erweisen.
In diesem Sinne lasst uns achtsam mit unseren Worten umgehen
und einander in Liebe begegnen.
Ich merke, dass mich Teile aus meinem letzten Beitrag immer noch nicht loslassen. Damals ging es auch darum, wie sehr unser Verhalten, unsere Worte und unsere Moral Einfluss auf unser Umfeld hat. Je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir: Es hört nicht bei meiner Familie oder meiner Firma auf. Es geht weiter bis hin zu unserem Land und zu denen, die uns regieren.
Wenn ich mir die Nachrichten ansehe und höre, merke ich, wie viel Frust es über Politik, Parteien und Entscheidungen gibt. Dann spüre auch ich bei mir ganz schnell denselben Reflex wie bei so vielen anderen: schimpfen, den Kopf schütteln, mich ärgern. Aber genau da denke ich an meine Geschichte in der Firma zurück. Dort wäre es nie besser geworden, wenn ich nur zu Hause über die Umgangsformen geschimpft hätte. Verändert hat sich etwas erst dann, als ich angefangen habe zu beten und Gott ganz bewusst in diese Situation einzuladen.
Und mittlerweile wird es mir immer klarer: Mit meinem Land ist es im Grunde dasselbe. Schimpfen ist leicht, aber beten kostet mich etwas. Es ist viel einfacher, über „die Politik“ zu diskutieren, als mit einem ehrlichen Herzen vor Gott für mein Land und seine Regierung einzustehen. Gerade auch dann, wenn nicht immer die Partei an der Macht ist, die ich mir persönlich wünschen würde. Meine Verantwortung vor Gott hört ja nicht einfach auf, nur weil mir Entscheidungen oder Personen nicht gefallen.
Ich glaube, wir übersehen, wie groß die geistliche Bedeutung von Gebet für unser Land ist. Die Bibel erzählt an vielen Stellen davon, dass Gott ganze Völker im Blick hat und nicht nur einzelne Menschen. Es zeigt sich immer wieder, wie ernst Er es nimmt, wenn ein Volk sich von Ihm entfernt, und wie sehr es Ihn ehrt, wenn Menschen umkehren und Ihn suchen. Und irgendwo mitten in diesem großen Bild der Welt und Politik stehen unsere kleinen, oft unscheinbaren Gebete, die wir vielleicht kurz zwischen zwei Nachrichtenmeldungen sprechen.
Wenn ich ehrlich bin, fällt es auch mir schwer, immer daran zu denken, auch für eine Regierung zu beten, mit der ich vieles nicht teilen kann. Diese Gebete fühlen schnell seltsam und schwerfällig an. Und trotzdem weiß ich aus meiner eigenen Erfahrung: Gott ist größer als jede Partei und jedes System. Er hat in meiner Firma Dinge verändert, ohne dass ich irgendjemanden direkt ansprechen musste. Nicht durch mein Schimpfen, sondern durch Sein stilles Wirken, während ich einfach treu geblieben bin im Gebet.
Darum stelle ich mir zuerst selbst und dann dir diese Frage:
Wann hast du das letzte Mal ganz bewusst für dein Land und seine Regierung gebetet?
Ich meine nicht nur geschimpft und den Kopf geschüttelt, sondern Gott konkret darum gebeten, in deinem Land einzugreifen, zu korrigieren, zu bewahren und Herzen zu verändern. Vielleicht beginnt sich genau dort etwas zu bewegen, ohne dass du es sofort siehst – so wie damals in meiner Firma.
Wenn dich das Thema biblisch tiefer interessiert, möchte ich dich ermutigen, es in der Bibel selber weiter zu verfolgen. Schau dir einmal das Gebet von Daniel an, besonders Kapitel 9, wo er im Exil für sein Volk Israel eintritt. Oder lies die Gebete von Nehemia, der für sein Volk und die zerstörte Stadt klagt, bevor er aktiv wird. Auch die Psalmen sind voll von Gebeten für Volk, Stadt und Land und zeigen, wie Menschen ihre Nation vor Gott bringen. All diese Beispiele machen deutlich, dass Gott die leisen, treuen Gebete seiner Kinder ernst nimmt, damals wie heute.
In diesem Sinne, sei mutig und treu in den kleinen Schritten, auch im Gebet für dein Land.
ich litt gerade mal wieder unter einer kleinen Schreibblockade. Die scheine ich nun überwunden zu haben – schnallt euch an, heute wird’s lang.
Die letzten Monate waren ziemlich schwierig für mich. Ich habe ja bereits darübergeschrieben, wie sich bei mir immer größere Zweifel breit machten über das, was ich in meiner Gemeinde hörte, und welche Lehren sich langsam einschlichen. Darauf folgten Wochen – ja, Monate – intensiven Studiums, um für mich selbst zu klären, ob all das dem Wort Gottes entspricht. Die Antworten, die ich fand, waren schwer für mich einzugestehen.
Hatte unser Herr Jesus mich denn nicht in seiner Gnade aus der Esoterik herausgerufen? Hatte ich mir nicht fest vorgenommen, nie wieder von seinem Wort abzuweichen?
Und doch – ungewollt und schleichend – haben sich falsche Lehren und Ideen in unsere Gemeinde eingeschlichen, und ich habe es nicht sofort bemerkt. Am Ende musste ich die schwere Entscheidung treffen, zu gehen.
Zur Erinnerung: Ich lebe im europäischen Süden, und meine Gemeinde war englischsprachig – deshalb sind nicht alle meine Schwierigkeiten leicht zu erklären. Viel hängt damit zusammen, welches Material in der Sonntagslehre verwendet wurde und welchen Einfluss gewisse „Pastoren“ oder „Bibellehrer“ in unserer Gemeinde hatten.
Eines der Probleme war zum Beispiel die Nutzung einer sogenannten „Bibelübersetzung“ namens The Passion Translation. Dieses Werk – man kann es schwerlich eine Bibel nennen – ist, Gott sei Dank, bislang noch nicht ins Deutsche übersetzt worden. Doch im englischsprachigen Raum richtet es bereits seit Jahren Schaden an. Es handelt sich um ein Projekt von Brian Simmons, der nach eigener Aussage einen Besuch von Jesus persönlich empfangen habe. Dabei, so sagt er, habe Jesus ihm den Auftrag gegeben, die Bibel – nach fast 2000 Jahren – nun „richtig“ zu übersetzen. Jesus würde ihm dafür neue Offenbarungen schenken, sogar „Geheimnisse“ der hebräischen und aramäischen Sprache.
Einige von euch denken jetzt vielleicht:
„Wie bitte? Ist das dein Ernst? Jesus persönlich? Eine neue Übersetzung? Ist meine Bibel etwa falsch? Habe ich das richtig gelesen?“
Ja, ihr habt richtig gelesen. Aber keine Sorge – deine Bibel ist mit großer Wahrscheinlichkeit eine solide, zuverlässige Übersetzung. (Ich komme später beim Thema Peer-Review noch einmal darauf zurück.)
Leider ja ich meine das Ernst – ich verlinke hier das Video von Brian Simmons in der Sendung von Sid Roth (It’s Supernatural!). In seinen eigenen Worten erklärt er dort, wie er zu diesem außergewöhnlichen Projekt gekommen sei.
Ich hatte meine Gemeinde bereits Mitte 2023 vor dieser „Übersetzung“ gewarnt. Als damals The Passion Translation Einzug in die sonntägliche Lehre meiner Gemeinde erhielt, wurde ich – als bekennender Bibel-Sammler – natürlich neugierig. (Ich habe aber große Mühe damit, dieses Werk überhaupt als Bibel zu bezeichnen.)
Ich begann ein wenig zu recherchieren – und fand wortwörtlich innerhalb von fünf Minuten Googeln die ersten massiven Probleme und ernsthafte Kritik. Was ich im Folgenden zusammenfasse, ist nur ein kleiner Ausschnitt – es gibt weitaus mehr:
Zum Autor (Brian Simmons):
Keine nachweisbaren Qualifikationen in Aramäisch oder anderen biblischen Sprachen
Selbsternannter „Apostel“ ohne theologische Legitimation
Der Doktortitel stammt vom Wagner Leadership Institute (Fokus: praktisches Gebet), nicht von einer anerkannten theologischen Fakultät
Probleme der Passion Translation:
Simmons behauptet, Jesus sei ihm erschienen und habe ihn zu einer neuen Bibelübersetzung beauftragt – ein Vorgang, der in seiner Radikalität an die Entstehung der Mormonenbewegung erinnert
Die angeblich „neue Offenbarung“ widerspricht der im Neuen Testament abgeschlossenen Offenbarung Christi (vgl. Epheser 3)
Jesus wird in dieser Übersetzung oft eher als romantische Figur denn als heiliger Gott dargestellt
Simmons agiert als alleiniger Übersetzer ohne ausreichende Expertise in den biblischen Ursprachen (nach viel externer Kritik und Fragen steht das heute auf der Webseite anders aber die Gruppe der Prüfer werden nicht bekannt gemacht)
Es gibt keinerlei unabhängige Überprüfung oder Peer-Review Die aramäischen Manuskripte, auf die er sich angeblich bezieht, stammen aus dem 5. Jahrhundert – also Jahrhunderte nach den Urschriften
Es wird nicht offengelegt, auf welchen Manuskripten seine Übersetzung tatsächlich basiert
Viele Begriffe und ganze Passagen sind frei hinzugefügt – sie spiegeln Simmons’ persönliche Interpretation wider
Wortstudien auf Basis dieser „Übersetzung“ sind nicht möglich, da Begriffe durch freie Paraphrasen ersetzt wurden
Peer-Review – Bibelkommissionen - Kann ich meiner Bibel vertrauen?
Jede seriöse Bibelübersetzung wird von einem Team aus Theologen, Sprachwissenschaftlern und Historikern erstellt. Wenn du deine Bibel vorne aufschlägst, findest du dort in der Regel die Namen und Hintergründe der beteiligten Personen.
Diese sogenannten Bibelkommissionen befassen sich mit der sorgfältigen Untersuchung des biblischen Textes in seinem historischen, sprachlichen und kulturellen Kontext. Sie prüfen neu entdeckte Manuskripte, gleichen verschiedene Quellen ab und erklären, wo und warum Änderungen vorgenommen wurden – etwa wenn eine klarere Übersetzung gefunden wurde oder neue, gut bezeugte Handschriften auftauchen.
Ganz entscheidend: Eine Kommission stellt sicher, dass keine persönlichen Interpretationen oder theologischen Tendenzen den Text verfälschen.
Die Passion Translation unter der Lupe
Da The Passion Translation bislang nicht ins Deutsche übersetzt wurde, habe ich die Passagen selbst übertragen. Ich bitte um Nachsicht und Vertrauen, dass ich dies nach bestem Wissen und Gewissen getan habe. Sollte jemand Fehler finden, kontaktiert mich bitte in den Kommentaren – ich werde eure Hinweise gern prüfen. Ihr merkt schon: Man braucht eigentlich eine Kommission!
Weil dieser Beitrag im Ganzen recht lang wird, werde ich mich im Folgenden auf zwei Beispielverse beschränken.
Beispiel: Römer 12,6
Elberfelder Bibel:
„Da wir aber verschiedene Gnadengaben haben, nach der uns verliehenen Gnade: es sei Weissagung, so lasst uns weissagen nach dem Maß des Glaubens;“
Passion Translation (deutsch):
„Gottes wunderbare Gnade hat jedem von uns unterschiedliche Gaben und Dienste gegeben, die ganz einzigartig sind. Wenn dir also die Gnadengabe der Prophetie gegeben wurde, dann aktiviere deine Gabe, indem du im Maß deines Glaubens prophezeist.“
Aktiviere deine Gaben?
Was soll das heißen? Das klingt eher nach einer Einweihungszeremonie der Esoterik als nach neutestamentlicher Lehre.
Was sagt die Bibel?
Diese Formulierung hat keine Grundlage im Wort Gottes. Der Apostel Paulus lehrt in 1. Korinther 12, dass die dort genannten Gnadengaben vom Heiligen Geist verliehen werden – nicht „aktiviert“ werden. Der Geist teilt sie aus, wie Er will (1. Kor 12,11). Niemand kann sich selbst eine Gabe aussuchen oder sie durch eine Handlung „freischalten“.
Paulus unterstreicht das mit einer Reihe rhetorischer Fragen:
„Sind alle Apostel? Sind alle Propheten? Sind alle Lehrer? Wirken alle Wunder? Haben alle Gnadengaben der Heilungen? Reden alle in Sprachen? Legen alle aus?“ (1. Kor 12,29–30).
Die offensichtliche Antwort lautet: Nein.
Beispiel: Matthäus 5,4
Elberfelder Bibel:
„Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden!“
Passion Translation (deutsch):
„Welch eine Freude ist es, wenn ihr auf den Herrn wartet! Denn ihr werdet finden, wonach ihr euch sehnt.“
Verwirrt?
Die Verse klingen vollkommen unterschiedlich. Was geht hier vor?
Der Vergleich:
Die Elberfelder bleibt nah am griechischen Urtext. „Trauernde“ (gr. penthéō, Strong G3996) bedeutet tiefes Leid oder Reue – z. B. über Sünde oder Verlust. „Getröstet werden“ (parakaleō, Strong G3870) verweist auf Gottes Verheißung, die Leidenden zu trösten (vgl. Jes 61,2–3).
Die Passion Translation ersetzt „Trauer“ durch „Warten“ und „Trost“ durch „erfüllte Sehnsüchte“. Diese Begriffe entstammen einem ganz anderen Bedeutungsfeld. „Warten“ (hebr. qavah, Strong H6960) bedeutet eher Hoffen oder Erwarten, aber sicher nicht Trauern.
Simmons’ Fußnote:
Er behauptet dort, „Trauern“ und „Warten“ seien „fast identisch“.
Doch penthéō (Trauer) und qavah (Hoffnung/Warten) sind völlig unterschiedliche Begriffe – sowohl sprachlich als auch theologisch. Diese Erklärung verwirrt mehr, als dass sie hilft.
Warum ist das ein Problem?
Die Elberfelder Bibel bewahrt die tiefe, tröstende Aussage Jesu: Gott sieht die Trauernden – und Er tröstet sie. Simmons hingegen ersetzt diese Zusage durch eine weichgezeichnete Vorstellung von „Freude“ und „erfüllter Sehnsucht“. Das klingt zwar schön – aber es ist keine Übersetzung, sondern eine Umdeutung. Und sie verändert die Botschaft.
Simmons’ Methode zeigt: Er setzt auf emotionale Wirkung – nicht auf sprachliche Treue oder sorgfälltige Auslegung.
Wie konnte so etwas Einzug in unsere Gemeinde halten?
Diese Frage habe ich mir oft gestellt. Wie konnte eine solch fehlerhafte „Übersetzung“ so selbstverständlich in einer Gemeinde verwendet werden, in der doch angeblich das Wort Gottes die höchste Autorität haben sollte? Ich glaube, die Antwort ist vielschichtig – und gleichzeitig erschreckend einfach.
Ein Teil des Problems liegt sicher in mangelnder biblischer Lehre. Wenn Christen nicht regelmäßig selbst in der Heiligen Schrift lesen, wenn sie nicht wissen, was sie glauben und warum, dann entsteht ein Vakuum. Und dieses Vakuum wird schnell von Angeboten gefüllt, die zwar emotional ansprechend, aber inhaltlich gefährlich sind.
Brian Simmons schreibt mit blumigen Worten, er spricht ständig von „Liebe“, „Leidenschaft“ und „Gegenwart Gottes“. Das klingt erst einmal gut. Aber genau darin liegt die Gefahr: Der emotionale Zugang ersetzt das Studium des Wortes. Gefühle treten an die Stelle von Wahrheit. Und mit der Zeit wird eine Vorstellung von Gott geformt, die immer weniger mit dem biblischen Gott zu tun hat – aber sich „spirituell“ anfühlt.
Man glaubt, man sei besonders offen für das Wirken des Geistes – aber in Wirklichkeit verliert man die Unterscheidung zwischen Wahrheit und Irrtum.
Der Einfluss charismatisch-mystischer Strömungen
Ein weiteres Element, das ich in meiner früheren Gemeinde beobachten konnte, war der wachsende Einfluss mystisch-charismatischer Lehrer. Diese Bewegung ist oft geprägt von besonderen „Offenbarungen“, prophetischen Träumen, neuen geistlichen Erfahrungen – und einem sehr persönlichen Zugang zur Bibel, bei dem es nicht mehr um den ursprünglichen Sinn des Textes geht, sondern um das, was ich darin spüre oder was mir der „Heilige Geist“ gerade zeigt. (Welcher Geist - das wird bald ein anderer Beitrag)
Auch Brian Simmons ist ein typisches Beispiel dieser Strömung. Seine Aussagen, Jesus habe ihn in den Himmel genommen und ihn dort mit neuen Offenbarungen betraut, erinnern erschreckend an gnostische oder esoterische Ideen. Es geht nicht mehr um das überlieferte, objektive Wort Gottes – sondern um neue, exklusive Einsichten, die angeblich nur einigen wenigen zugänglich sind.
Doch das ist absolut unvereinbar mit dem Wesen des Evangeliums. Der Glaube kommt aus dem Hören, sagt Paulus in Römer 10,17 – nicht aus geheimen Visionen. Und Judas schreibt, dass der Glaube „ein für alle Mal den Heiligen überliefert“ wurde (Judas 1,3). Es gibt nichts Neues mehr hinzuzufügen.
Was macht das mit einer Gemeinde?
Langfristig verändern solche Lehren die Atmosphäre in einer Gemeinde. Man hört plötzlich Sätze wie: „Das steht zwar irgendwo in der Bibel, aber Gott hat mir persönlich etwas Neues gezeigt.“ Oder: „Die Bibel ist wichtig, aber der Geist spricht heute auch anders.“ Man beginnt, die Schrift als Ausgangspunkt zu nehmen – aber das Ziel ist nicht mehr Christus, sondern eine neue „Erfahrung“, ein neues Gefühl, eine neue „Tiefe“.
So kam es auch bei uns. Ich hörte plötzlich Dinge wie:
„Die Passion Translation ist frischer und spricht direkter zum Herzen.“
„Ich bekomme durch sie eine tiefere Offenbarung.“
„In der alten Bibel fehlen Dinge, die der Heilige Geist jetzt wiederherstellt.“
Was hier geschieht, ist nicht nur theologisch problematisch – es ist geistlich gefährlich. Denn es führt die Gemeinde langsam weg vom biblischen Christus hin zu einem anderen Jesus, zu einem anderen Evangelium, zu einem anderen Geist (2. Korinther 11,4).
Wie spricht man mit anderen über so etwas?
Ich gebe zu: Das war für mich einer der schwersten Punkte. Wie spricht man über falsche Lehre, ohne hochmütig zu wirken? Wie warnt man mit Liebe – ohne zu verletzen?
Zunächst: Wenn du merkst, dass in deiner Gemeinde oder deinem Umfeld etwas nicht stimmt, dann sei mutig – aber bleibe sanft. Paulus schreibt:
„Der Knecht des Herrn aber soll nicht streiten, sondern milde sein gegen jedermann, fähig zu lehren, geduldig, und die Widersacher in Sanftmut zurechtweisen“ (2. Timotheus 2,24–25).
Das ist sehr, sehr schwer, wenn man selbst verletzt oder enttäuscht ist. Doch es geht nicht um unseren Zorn, sondern um Gottes Wahrheit – und um die Herzen der Menschen.
Ich habe selbst erlebt, wie wichtig es ist, Fragen zu stellen statt Urteile zu fällen. Ein Gespräch kann beginnen mit:
„Hast du dich mal gefragt, auf welcher Textgrundlage diese Bibelübersetzung basiert?“
„Wusstest du, dass der Autor keine Ausbildung in den biblischen Sprachen hat?“
„Was denkst du über die Warnungen der Bibel vor neuen Offenbarungen?“
„Was bedeutet es für dich, dass Gottes Wort „ein für alle Mal“ überliefert wurde (Judas 1,3)?“
Nicht alle werden offen sein. Aber einige werden nachdenken. Und für diese wenigen lohnt es sich, mutig zu sprechen – in Liebe und in der Wahrheit.
Ist die Offenbarung Gottes abgeschlossen?
Das ist ein ganz zentraler Punkt. Viele Menschen, die sich zu neuen Bibelübersetzungen, Träumen oder Visionen hingezogen fühlen, tun das aus dem Wunsch heraus, mehr von Gott zu erleben. Das ist verständlich – aber gefährlich, wenn man die Grundlage verliert.
Die Bibel ist eindeutig: Die Offenbarung Gottes ist vollständig. Es gibt nichts hinzuzufügen.
1. Jesus ist die endgültige Offenbarung
„Nachdem Gott früher vielfach und auf vielerlei Weise zu den Vätern geredet hat [...] hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn“(Hebräer 1,1–2)
Gott hat endgültig durch seinen Sohn gesprochen. Alles, was wir für Leben, Glauben, Hoffnung und Ewigkeit brauchen, finden wir in ihm – wie er in der Schrift offenbart ist.
2. Die Apostel haben das Fundament gelegt
„Ihr seid ... gebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, wobei Christus Jesus selbst der Eckstein ist“ (Epheser 2,20)
Die Apostel haben das Fundament gelegt. Wir bauen darauf – aber wir legen es nicht neu. Neue „Offenbarungen“ wie die von Brian Simmons, die über das apostolische Zeugnis hinausgehen, widersprechen diesem Prinzip.
3. Warnung vor Hinzufügung
„Ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand etwas hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen [...]“ (Offenbarung 22,18)
Auch wenn dieser Vers auf das Buch der Offenbarung abzielt, ist das Prinzip deutlich: Gottes Wort ist vollständig. Wer Neues hinzufügt, läuft Gefahr, das Evangelium zu verfälschen.
Was du tun kannst
Vielleicht liest du das hier, weil du selbst Zweifel hast. Vielleicht bist du in einer Gemeinde, in der die „Passion Translation“ oder ähnliche Lehren verbreitet sind. Vielleicht fühlst du dich allein. Ich will dich ermutigen:
Gott ist treu. Wenn du ihn aufrichtig suchst, wird er dich führen (Jeremia 29,13).
Bleib im Wort. Die Schrift ist zuverlässig. Lass dich nicht verwirren von neuen Strömungen.
Such das Gespräch. Vielleicht bist du genau der Mensch, durch den andere gewarnt werden.
Sei bereit, Opfer zu bringen. Wahrheit ist kostbar. Manchmal bedeutet sie, sich zu trennen – aus Liebe zur Gemeinde und zur Ehre Christi.
Ein letzter Gedanke
Ich weiß, wie schwer diese Themen sein können. Ich weiß, wie weh es tut, wenn man geliebte Menschen oder vertraute Gemeinschaften nicht mehr mit gutem Gewissen mittragen kann. Und doch: Gott ist treu. Sein Wort ist klar. Sein Geist führt uns in alle Wahrheit – nicht durch neue Offenbarungen, sondern durch das, was er uns längst gegeben hat: Jesus Christus, den lebendigen Sohn Gottes, bezeugt in der Schrift.
Wenn du diesen Weg gerade gehst – du gehst ihn nicht allein. Halte fest an Gottes Wort, vertraue ihm, auch wenn es dich etwas kostet. Denn es lohnt sich.
„Kaufe Wahrheit und verkaufe sie nicht“ (Sprüche 23,23)
In diesem Sinne, taucht tief in Gottes Wort ein und prüft alles im Licht Seiner Wahrheit und wie sagt Justin Peters so toll:
"Wenn Du Gott kennenlernen willst, lies die Bibel
Wenn Du Gott hören willst, lies die Bibel laut.
DIE Bibel ist GOTTES Wort"
Eure Lizzy
Allgemeine Quellen zu Brian Simmons und TPT
Anmerkung: Mir sind leider ein paar Quellen abhandengekommen, da ich selten Quellen für mich selber aufhebe, vieles in diesem Beitrag stützt sich auf meine alten persönlichen Notizen zum Thema
2. Wissenschaftliche Kritik an The Passion Translation Andrew G. Shead, Burning Scripture with Passion – The Crushed Soul of The Passion Translation. In: Themelios 45.1 (2020), S. 48–64. Artikel online lesen (PDF)
3. Übersicht von kritischen Einschätzungen (TPT vs. echte Übersetzungen) Mike Winger: The Dangers of The Passion Translation – Video-Analyse YouTube: Mike Winger on TPT
Vor einiger Zeit wurde in einer
WhatsApp-Gruppe unserer Gemeinde ein Video geteilt, das mich zutiefst
erschüttert hat. Nicht nur, weil der Inhalt eindeutig dem Wohlstandsevangelium
zuzuordnen war, sondern vor allem wegen der Reaktion darauf: Es schien, als
würde niemand die Problematik erkennen. Das Video wurde kommentarlos
weitergeleitet, positiv aufgenommen und sogar in Gesprächen und Gebeten
inhaltlich aufgegriffen, als sei es geistlich fundiert.
Was mich am meisten beunruhigt, ist
nicht nur dieses einzelne Video oder ein bestimmter Beitrag. Es ist das Gefühl
eines schleichenden Abgleitens – das langsame Eindringen von Lehren, die sich
zwar christlich anhören, aber im Kern eine ganz andere Botschaft als das
Evangelium verkünden. Diese Lehren kreisen oft um die Vorstellung, dass der
Glaube eine Art Machtmittel sei – eine Formel, mit der man Gott zum Handeln
bewegen kann. Es wird suggeriert, dass Gott muss, wenn wir nur richtig glauben,
positiv sprechen oder korrekt beten.
Das ist im Kern das, was man als
Wohlstandsevangelium bezeichnet. In diesem sogenannten „Evangelium“ geht es –
wie der Name schon andeutet – um materiellen Wohlstand, aber nicht nur das. Es
geht auch um Gesundheit, zwischenmenschliche Beziehungen und allgemeinen
Erfolg. Das Grundprinzip bleibt dabei immer gleich: Gott will, dass du reich,
glücklich und gesund bist – jederzeit.
Innerhalb dieses Denkens garantiert
der „richtige“ Glaube automatisch das gewünschte Ergebnis. Bleibt dieses aus,
liegt die Schuld bei uns: Wir haben nicht stark genug geglaubt, wir hatten
Zweifel, Sünde in unserem Leben – irgendetwas muss schiefgelaufen sein. Dieses
System macht aus der Beziehung zu Gott ein geistliches Geschäft, in dem wir die
Bedingungen diktieren und Gott zum Lagerverwalter unseres persönlichen
Wohlstandsdepots machen. Wenn wir nur die richtige „Bestellung“ abgeben, muss
er liefern – ohne Spielraum, ohne Freiheit.
Der Schöpfer des Universums wird zum
Flaschengeist degradiert: dreimal gerieben, und schon erfüllt er unsere
Wünsche.
Natürlich geschieht das alles „im
Namen Jesu“, als scheinbar geistliche Vollendung der Formel.
Wie erschütternd, den allmächtigen
Gott der Schöpfung auf diese Weise zu behandeln. Was für eine ehrfurchtslose
Haltung, zu glauben, dass unser Vater im Himmel derart manipuliert werden
könne. Wie tief muss eine Generation gesunken sein, wenn sie das heilige Opfer
unseres Herrn Jesus auf egoistische Wünsche reduziert – und den Heiligen Geist
als spirituellen Zauberstab missbraucht.
Wir kontrollieren Gott nicht. Wir
können Ihn nicht durch Glaubensformeln lenken. Echter Glaube bedeutet nicht,
dass wir bekommen, was wir wollen – sondern dass wir Gott vertrauen, auch wenn
wir Ihn nicht verstehen.
Gerade in diesen Tagen – unmittelbar
vor Karfreitag und Ostersonntag – wird uns das wahre Wesen des Evangeliums vor
Augen geführt. Es geht nicht um ein Leben in irdischem Wohlstand oder ständiger
Erfüllung persönlicher Wünsche. Es geht um das Kreuz. Um das Leiden und das
freiwillige Opfer des Sohnes Gottes, der sich selbst erniedrigte – um
unverdiente Gnade, die durch Blut und Schmerz erkauft wurde.
Am Karfreitag erinnern wir uns an den
gekreuzigten Christus – nicht an einen Gott, der sich nach unseren
Vorstellungen richten lässt, sondern an einen Gott, der sich selbst hingibt,
weil wir verloren sind.
Und am Ostersonntag feiern wir den Sieg über Tod und Sünde – nicht, weil wir
ihn herbeigeglaubt hätten, sondern weil Gott souverän handelt, treu zu seinen
Verheißungen, voller Macht und voller Erbarmen.
Das Evangelium ist keine Methode zur Selbstverwirklichung, sondern eine
Einladung zur Umkehr, zur Nachfolge, zur Anbetung des auferstandenen Herrn.
Wir brauchen dieses Evangelium –
rein, klar, unverdünnt. Unsere Gemeinden brauchen es. Unsere Herzen brauchen
es.
Was meine Gemeinde angeht, habe ich
mich bewusst entschieden, nicht öffentlich dagegen zu sprechen. Ich war eine
Zeit lang nicht aktiv in der Gemeinde und wollte keine Unruhe stiften – vor
allem nicht in Bezug auf Menschen, die ich persönlich nicht kenne. Stattdessen
habe ich mich an eine Person aus der Gemeindeleitung gewandt, in der Hoffnung
auf Rat und Orientierung. Die Antwort war zwar verständnisvoll, wies aber auch
darauf hin, dass in solchen WhatsApp-Gruppen jeder selbst verantwortlich sei,
Dinge zu prüfen – und dass die Leitung nicht jeden Beitrag im Blick habe.
Das kann ich ja noch nachvollziehen,
in einer Welt, in der ständig Inhalte geteilt werden, kann niemand alles
überprüfen. Und doch glaube ich, dass wir gerade bei theologischen Fragen – vor
allem, wenn sie sich in unser Denken, Beten und Reden einschleichen – nicht
einfach achselzuckend zur Tagesordnung übergehen dürfen.
Denn genau hier beginnt die stille
Verfälschung. Nicht durch offene Rebellion, sondern durch ein schleichendes
Verschieben von Prioritäten und Perspektiven. Es beginnt mit dem Gedanken, dass
Glaube vor allem dazu da sei, unsere Lebensumstände zu verbessern. Dass Gott in
erster Linie dazu da sei, unsere Wünsche zu erfüllen. Und es endet damit, dass
das Kreuz seinen Mittelpunkt verliert, die Heiligkeit Gottes verblasst – und
der Mensch wieder selbst auf dem Thron sitzt.
Die Bibel warnt uns auf leise, aber
klare Weise vor solchen Entwicklungen. Jakobus erinnert uns daran, wie wenig
Kontrolle wir wirklich über unser Leben haben:
„Ihr wisst ja nicht, was morgen sein wird... Stattdessen solltet ihr sagen:
Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun.“ (Jakobus 4,14–15)
Und Paulus schreibt voller Staunen:
„O Tiefe des Reichtums sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes!
Wie unergründlich sind seine Gerichte und wie unausforschlich seine Wege!“ (Römer
11,33)
Das hier ist kein Plädoyer für
Gesetzlichkeit oder Rechthaberei – sondern ein Ruf, das Evangelium klar und
unverfälscht zu bewahren. Ich weiß, das ist ein sensibles Thema, vor allem wenn
es um Menschen geht, die wir schätzen. Aber wenn uns die geistliche Gesundheit
unserer Gemeinde am Herzen liegt, dürfen wir nicht schweigen – nicht mit Härte,
aber mit Demut und Liebe.
Dieser Beitrag ist genau das: ein
stiller Hinweis, geschrieben aus Sorge und Liebe. Ich habe nicht alle
Antworten, aber ich möchte wachsam sein für das, was sich geistlich verändert.
Wenn auch nur ein Mensch dadurch angeregt wird, genauer hinzuschauen, dann hat
sich das Schreiben gelohnt. Und was meine Gemeinde angeht, hoffe und bete ich,
dass meine Besorgnisse bald offiziell adressiert werden und wir uns alle wieder
auf das wahre Evangelium besinnen.
Ich hatte die Ehre, diesen Vortrag während des Abendmahls in meiner Gemeinde zu halten. Es war ein
Moment der Reflexion über das Opfer Christi und die unglaubliche Liebe Gottes,
an die wir uns durch das Abendmahl erinnern. Als wir zusammenkamen, um an
dieser heiligen Tradition teilzunehmen, wollte ich einige Gedanken über die
Bedeutung von Vergebung, Erlösung und das kostbare Geschenk, das wir in Jesus
haben, mit euch teilen.
Korrigiert mich, wenn ich falsch liege, aber bin ich der Einzige, dem auffällt,
dass es immer schwieriger wird, ein gottgefälliges Leben zu führen? Nicht, weil
wir es nicht wollen, sondern weil die Gesellschaft so weit gefallen ist. Die Olympischen Spiele zum Beispiel machen sich über
das lustig, was uns so wertvoll und zentral für unseren Glauben ist.
Alle sprechen über die Eröffnungszeremonie, aber hat schon einmal jemand die
Schlusszeremonie gesehen? Doch lasst uns für alle Beteiligten beten, denn ich
glaube, viele von ihnen wissen gar nicht, woran sie teilgenommen haben, und
betrachten das alles nur als Spaß. Wir sind eindeutig an dem Punkt angekommen,
an dem das Gute böse genannt wird und das Böse gut, und die Menschen kennen den
Unterschied nicht mehr.
Das Gesetz, das Gott jedem
Menschen bei seiner Erschaffung ins Herz geschrieben hat, wird von den Lügen
dieser Welt übertönt. Es kommt mir so vor, als entferne sich die Menschheit
jedes Mal weiter von Gott, wenn ich die Nachrichten einschalte. An den Gott der
Schöpfung zu glauben, hat uns schon früher zum Gespött gemacht, aber heute
werden wir als hasserfüllt und intolerant angesehen – und noch mit ein paar
anderen Etiketten versehen. Doch für die wahren Christen könnte nichts weiter
von der Wahrheit entfernt sein.
Wir, die wir Christus nachfolgen
und die Bibel wirklich lesen, wissen, wie die Dinge laufen, oder? Gibt uns
dieses Handbuch nicht Lehren, Weisheit, Trost und Frieden für jede
Lebenssituation? Die erstaunlichste Wahrheit, der du je begegnen wirst, ist
diese: „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen
Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das
ewige Leben hat.“
Deshalb versammeln wir uns jede Woche als der
Leib Christi. Die Liebe des Vaters zu seiner Schöpfung ist so unfassbar groß,
dass er seinen Sohn schickte, um den schrecklichsten Tod zu sterben, den man
sich vorstellen kann, damit wir seine Kinder werden konnten. Ich weiß, das ist
ein schwieriges Konzept zu begreifen, und leider haben wir keine Zeit, jetzt
tiefer in die Gründe und Zusammenhänge einzutauchen. Aber wir wissen eines: Es
war und bleibt der einzige Weg.
Einer der Gründe, warum Jesus das
Abendmahl einsetzte, ist, um uns an den Preis zu erinnern, den er bezahlt hat,
um uns zu retten. Er zahlte an unserer Stelle; wir sind vollständig erlöst, und
er will, dass wir dieses Opfer nie vergessen – nicht für seine, sondern für
unsere eigene Sache. Alle unsere Vergehen – vergangene, gegenwärtige und zukünftige
– sind bezahlt. Der Apostel Paulus schrieb: „Liebe deckt eine Menge Sünden zu.“
Es gibt keine größere Liebe als die unseres Vaters im Himmel, seines Sohnes,
unseres Herrn und Erlösers, und unseres Trösters, des Heiligen Geistes.
Als Jesus das Abendmahl
einsetzte, sagte er im Grunde: „Vergesst nie, was für euch am Kreuz getan
wurde. Vergesst nie den Schmerz, das Leiden, das Opfer. Das alles habe ich für
euch getan.“ Es ist seine Art zu sagen: „Erinnert euch daran, als ich zu meinem
Vater schrie und fragte, warum er mich verlassen hat? Dieses Gefühl der
Trennung war unerträglich, aber ich habe es ertragen, damit ihr diese Trennung
niemals erfahren müsst.“
Durch das gebrochene Brot werden
wir an seinen Leib erinnert, der gebrochen wurde, um unseren Hunger nach
Erlösung zu stillen. In seiner Gebrochenheit nahm Jesus unsere Sünden auf sich.
Durch den vergossenen Wein werden wir an sein Blut erinnert, das vergossen
wurde, um unseren Durst nach Leben zu stillen. Durch sein Blut hat Jesus unsere
Sünden ausgelöscht. Durch Jesu gebrochenen Leib und vergossenes Blut wurde er
das perfekte Opfer, das unsere Sünden sühnt und uns für alle Ewigkeit erlöst.
Wenn wir heute hier weggehen,
denkt daran: Euch ist vergeben.
Und für diejenigen, die
Schwierigkeiten haben, sich selbst zu vergeben: Denkt daran, dass wenn ihr euch
selber nicht vergebt, ihr im Grunde zu Gott sagt, dass euer eigener Maßstab höher
ist als sein Erlösungsplan. Glaubt daran, dass Jesus genug ist.
Ich bitte euch nehmt euch einen Moment und kehrt in euch,
klärt, was geklärt werden muss, legt eure Sorgen und Sünden zu den Füßen
unseres Erlösers und tretet dann mutig vor den Thron des Vaters.
Euch ist vergeben, es ist vollbracht und Jesus ist genug...