Neulich hatten Mr. Faithful und ich uns entschieden, einen Kaffee trinken zu gehen. Als wir in unserem Stammcafé ankamen, sahen wir sofort auch eine Gruppe von Freunden und Bekannten, die den Schatten auf der Außenterrasse genossen. Wir setzten uns dazu, bestellten bei der netten jungen Kellnerin unsere Getränke und richteten unsere Aufmerksamkeit auf die Gespräche.
Die Männer auf einer Seite sprachen sofort über Fußball, und
als ich mich den Damen zuwandte, wurde ich selbst sehr schnell still. Wie so
häufig ging es um Klatsch und Tratsch. Wer hat das neueste Auto, wessen Kind
hat Erfolg, wessen Kind ist auf der falschen Spur, wer arbeitet hart und viel
und wer sitzt auf der faulen Haut. Bewertungen von außen, ohne wirklichen
Einblick in die persönlichen Situationen, begleitet von stichelnden Kommentaren
und häufig mit dem Beisatz: „Mal nur unter uns.“ Vertrauliche Sorgen und
Schwierigkeiten werden unbedacht in den Tag hinein geschwatzt, als Zeitvertreib
und Amüsement. So entstehen leicht Gerüchte, die dann in der Nachbarschaft
blühen und gedeihen und unsichtbar unglaublichen Schaden anrichten.
Als ich den unterschiedlichen Damen zuhörte, und ja, auch
Männer tratschen, wurde ich recht nachdenklich. Denn ganz ehrlich gesagt bin
auch ich schon häufig in diese Sünde verfallen.
Und ja, es ist Sünde. Die Bibel hat überraschend viel zu
diesem Thema zu sagen, und auch über die Konsequenzen im Hier und Heute, nicht
erst vor unserem Heiland Jesus.
Das hebräische Wort für Klatsch und Tratsch wird im Alten
Testament sinngemäß für jemanden verwendet, der Geheimnisse verrät, ein
Schwätzer und Skandalverbreiter ist. Es geht um verleumderisches Reden.
In den Sprüchen heißt es:
Sprüche 20,19
Wer als Verleumder umhergeht, deckt Geheimnisse auf; darum lass dich nicht ein
mit dem, der seine Lippen aufsperrt.
Sprüche 11,12-13
Wer seinen Nächsten verachtet, ist ohne Verstand; ein verständiger Mann aber
schweigt still. Ein Verleumder enthüllt Geheimnisse, ein treuer Geist aber
deckt die Sache zu.
Sprüche 16,28
Ein verkehrter Mensch richtet Zank an, und ein Verleumder trennt gute Freunde.
Aber warum ist Klatsch und Tratsch so schlimm? Weil er
unsere Meinung über andere Menschen beeinflusst und verändert. Wenn man gewisse
Dinge einmal gehört hat, ist es schwer, sie wieder zu vergessen. Unser Ruf ist
etwas Wichtiges im Leben, und ein unbedachtes Gespräch hinter vorgehaltener
Hand kann den Ruf einer Person unwiderruflich schädigen.
Das erinnert mich an eine Geschichte, die den Schaden von
Klatsch und Tratsch sehr eindrücklich veranschaulicht. Es wird oft von der
ungewöhnlichen Buße erzählt, die der heilige Philipp Neri einer Frau für ihre
Sünde des Klatschens auferlegte. Er bat sie, ein Federkissen auf die Spitze des
Kirchturms zu bringen, es dort aufzureißen und alle Federn vom Wind davontragen
zu lassen. Das war sicher nicht die Art von Buße, an die diese Frau oder
irgendeine von uns gewöhnt gewesen wäre.
Doch damit war es nicht getan. Philipp Neri gab ihr noch
eine zweite, viel schwierigere Aufgabe. Sie sollte vom Glockenturm
hinuntersteigen und alle Federn wieder einsammeln, die über die ganze Stadt
verstreut worden waren. Natürlich konnte die arme Frau das nicht schaffen, und
genau das wollte Philipp Neri mit dieser Buße verdeutlichen. Wenn wir mit
unseren Worten andere schlechtmachen, dann verbreiten sich unsere verletzenden
Aussagen überallhin und lassen sich nicht mehr einsammeln. Sie entehren und spalten
Menschen noch lange, nachdem wir sie ausgesprochen haben, weil sie in den
Köpfen nachklingen und von einem Klatschmaul zum nächsten weitergegeben werden.
Klatsch und Tratsch wird schnell zu einem Gerücht, und die
Schäden sind oft nicht mehr absehbar. Und selbst wenn man sich noch so sehr
bemüht, die Dinge geradezurücken, bleibt doch bei den Menschen ein kleiner
Zweifel im Hinterkopf, ob nicht vielleicht doch ein Körnchen Wahrheit an dem
Gerücht war. Und so sieht man den anderen Menschen nie wieder mit denselben
Augen.
Eine der schlimmsten Arten des Tratschens habe ich früher in
meiner Gemeinde im Gebetstreffen erlebt, und lange Zeit habe ich es nicht
einmal als solches wahrgenommen. Unter dem Gedanken, dass wir füreinander beten
müssen, wurden schnell Dinge geteilt, die eigentlich nur einer oder zwei
Personen im Vertrauen gesagt worden waren. Und plötzlich hörten im Gruppengebet
alle von den privaten Sorgen und Schwierigkeiten der Brüder und Schwestern.
Wie kann man das Ganze nun umgehen? Viele würden sagen, dass
es ja nur um Gespräche geht und gar nicht böse gemeint ist. Und ich stimme zu,
dass die Grenze zwischen einem normalen Gespräch über Freunde, Bekannte oder
Mitarbeiter und Klatsch und Tratsch sehr schmal ist.
Fragen, die man sich stellen sollte, bevor man über jemand
anderen spricht:
- Ist es die Wahrheit?
- Ist es freundlich und gut?
- Ist es aufbauend?
- Ist es notwendig?
Wenn wir denn über andere reden, dann sollten wir darauf
achten, nur Gutes über sie zu sagen. Denn auch wenn wir manches wissen, heißt
das nicht, dass es ausgesprochen werden muss. Es kann zwar gute Gründe geben,
auch Schwieriges anzusprechen, aber dann direkt mit der betreffenden Person
selbst oder mit jemandem, der wirklich zur Lösung des Problems beitragen kann. In
der Arbeitswelt über Menschen mit anderen zu sprechen, die weder helfen noch
etwas ändern können, ist nicht nur schädlich, sondern auch die Definition von
Tratsch. Im Privaten gilt etwas anderes: Dort sprechen wir erst dann, wenn wir
um Hilfe gebeten wurden, und auch dann nur mit dem Einverständnis der
betreffenden Person, wenn es nötig ist, andere mit einzubeziehen.
Darum lasst uns achtsam mit unseren Worten umgehen. Möge der
Herr uns helfen, unsere Zunge zu hüten und in Liebe so zu reden, dass es
anderen dient. Worte können schützen, Frieden schaffen und einem anderen
Menschen Ehre erweisen.
In diesem Sinne lasst uns achtsam mit unseren Worten umgehen
und einander in Liebe begegnen.
Lizzy
Quellen & Co
Die Federn vom Kirchenturm
(Bildbearbeitung)



