Dienstag, 21. Juli 2026

Die Archäologische Bibel (1): Die Merenptah‑Stele

Ich bin jemand, der wissen will, warum ich glaube, was ich glaube. Eine meiner größten Herausforderungen im Leben war es, Fräulein Faithful im Glauben zu erziehen – zu einem tiefen Glauben, der nicht durch unbedachte oder herausfordernde Kommentare oder Fragen sofort ins Wanken gerät. Mir ging es nie darum, einfach an Christus zu glauben, nur weil er in meinem kulturellen Bild verankert ist oder weil man das „eben so macht“. Ich will die Wahrheit. Es gibt viele verschiedene Religionen, und jede beansprucht die Wahrheit für sich. Woher wissen wir also, dass gerade das Christentum korrekt ist?

 

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten des Prüfens. Eine davon ist die Archäologie. Die Frage lautet: Finden wir die Geschichten und die Völker der Bibel in der allgemeinen Weltgeschichte wieder? Wenn ja, dann können wir die Bibel zunächst einmal als historisches Dokument ernst nehmen – ein erster Schritt in die richtige Richtung für den Skeptiker. Ein Beispiel für diesen Weg des Prüfens ist die sogenannte Merenptah‑Stele. Sie ist eine altägyptische Siegesinschrift aus schwarzem Granit, heute im Ägyptischen Museum in Kairo zu sehen, und stammt aus dem 5. Regierungsjahr des Pharao Merenptah, also ungefähr 1208/1207 v. Chr. Auf den ersten Blick ist sie nur ein politisches Propagandadokument: Der Pharao lässt seine militärischen Erfolge in Libyen und Kanaan feiern und in Hieroglyphen verewigen. Doch in den letzten Zeilen passiert etwas, das für jemanden wie mich, der seinen Glauben prüfen will, sehr interessant ist: Zwischen Städten wie Ashkelon, Gezer und Yanoam taucht plötzlich ein Volksname auf – Israel. Der Text sagt sinngemäß: „Israel ist verwüstet, seine Saat ist nicht.“ In den Hieroglyphen wird Israel nicht als Land oder Stadt, sondern als Volk gekennzeichnet – eine Gemeinschaft von Menschen im Raum Kanaan, wichtig genug, dass der Pharao sich damit rühmt, sie geschlagen zu haben.

Merenptah‑Stele

Für meine Spurensuche bedeutet das: Hier spricht kein biblischer Autor, sondern ein ägyptischer König, der sicher keine „probiblische Tendenz“ hatte. Trotzdem bestätigt er indirekt, dass im späten 13. Jahrhundert v. Chr. ein Volk namens Israel in Kanaan existierte – ungefähr in dem Zeitraum, in dem die Bibel die Richterzeit und die frühe Geschichte Israels verortet. Die Merenptah‑Stele ist damit die älteste bekannte außerbiblische Erwähnung Israels. Sie zeigt, dass das biblische Israel nicht nur im eigenen Heiligen Text vorkommt, sondern auch in der Geschichtsschreibung anderer Völker seinen Platz hat. Für mich ist das kein endgültiger Beweis für jede Aussage der Bibel. Aber es ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass der biblische Bericht nicht losgelöst von der Geschichte steht, sondern in einer realen Welt mit echten Völkern und Konflikten verankert ist. Wer glaubt und gleichzeitig fragen will, findet in solchen Funden keinen Ersatz für Vertrauen, aber eine Entlastung: Der Weg des Christenglaubens muss nicht blind an der Wirklichkeit vorbeigehen, sondern darf sich den Spuren stellen, die Geschichte und Archäologie tatsächlich hinterlassen haben. Genau dort, wo Glaube und Geschichte sich berühren, beginnt für mich die spannende Aufgabe: weiter zu prüfen, weiter zu lernen – und gerade dadurch bewusster zu glauben.


In diesem Sinne, sei mutig in deinen Nachforschungen – und freue dich über jede gefundene Wahrheit.


Lizzy

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