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Montag, 3. August 2026

Die Archäologische Bibel (2): Schischak und das Karnak-Relief

In meinem ersten Beitrag „Die Archäologische Bibel (1): Die Merenptah-Stele“ habe ich mir angeschaut, wie eine altägyptische Inschrift das Volk Israel in der Geschichte sichtbar macht. Dabei ging es um die Richterzeit und um die Frage, ob Israel schon damals wirklich in Kanaan gelebt hat. Jetzt möchte ich ein weiteres archäologisches Fundstück zeigen, diesmal aus der Zeit nach Salomo. Nach seinem Tod teilt sich das Reich in Juda und Israel, und die Bibel erzählt dann von Rehabeam und einem ägyptischen König namens Schischak, der gegen Juda zieht und Schätze aus dem Tempel mitnimmt. Auch hier will ich wieder sehen, was die Geschichte dazu sagt und ob das mit dem Wort Gottes übereinstimmt.


In Karnak, einem großen Tempelkomplex in Ägypten, gibt es ein berühmtes Relief mit Hieroglyphen, das Schoschenk I. zeigt. Im Deutschen wird er oft auch Scheschonq genannt, und in der Bibel begegnet er uns als Schischak. Auf diesem Relief sieht man, wie Amun dem Pharao eine ganze Reihe von Gefangenen übergibt. Diese Gefangenen stehen jeweils für Städte oder Orte, die bei einem Feldzug nördlich von Ägypten erobert wurden. Gemeint ist damit das Gebiet, das man heute oft als Levante bezeichnet. Das ist die Region im östlichen Mittelmeerraum, also ungefähr das Gebiet des heutigen Israel, des Libanon, Jordaniens und von Teilen Syriens.


Unter den genannten Orten finden sich viele Namen, die auch Bibellesern vertraut sind, zum Beispiel Beth-Schean, Gibeon oder Megiddo. Viele Fachleute sehen in diesem Relief einen Hinweis auf den Feldzug Schoschenks I. in das Gebiet von Juda und Israel im 10. Jahrhundert v. Chr., also ungefähr in die Zeit, in der Rehabeam laut Bibel in Jerusalem regiert. Und genau hier wird es für uns spannend, denn die Bibel berichtet ebenfalls, dass Schischak nach Juda kommt, befestigte Städte einnimmt und schließlich bis nach Jerusalem vorrückt, wo er kostbare Dinge aus dem Tempel und dem Königshaus mitnimmt.


Für jemanden wie mich, der seinen Glauben prüfen möchte, ist das interessant: Wir haben einen ägyptischen König mit Namen und Datierung, wir haben ein großes Relief, das seinen Feldzug in die südliche Levante zeigt, und wir haben einen biblischen Bericht über einen Angriff desselben Königs auf Juda. Name, Zeit und Region passen erstaunlich gut zusammen und geben dem biblischen Text einen historischen Rahmen, der sich mit Quellen außerhalb der Bibel berühren lässt. Gleichzeitig ist es mir wichtig, hier ehrlich zu bleiben: Das Relief nennt zum Beispiel nicht ausdrücklich „Jerusalem“ und erzählt uns auch nicht Wort für Wort das, was 1. Könige 14 oder 2. Chronik 12 beschreiben. Deshalb spreche ich hier nicht von einem direkten Beweis, sondern von einem starken historischen Kontext. Das Bild aus Karnak zeigt, dass ein König wie Schoschenk I. tatsächlich einen Feldzug in genau jene Gegend führte, von der die Bibel berichtet. Es stützt den Hintergrund der Geschichte, ersetzt aber nicht jede einzelne Aussage der biblischen Texte. Darin liegt für mich schon genug, um dankbar weiterzudenken, denn nicht jede Frage braucht einen perfekten Beweis, wenn der geschichtliche Rahmen bereits so viel trägt.

Nun bin ich gespannt, wohin mich meine Spurensuche als Nächstes führt.


In diesem Sinne: Sei auch du mutig in deinen Nachforschungen und freue dich über jede gefundene Wahrheit.

Lizzy

-            Scheschonq I (Schoschenk I) – Überblick zu Person, Regierungszeit und Palästinafeldzug, inkl. Bautätigkeit in Karnak.
Scheschonq I. – Wikipedia (deutsch)wikipedia

-            Bubastidenportal in Karnak – Beschreibung des Tempelbereichs und des Reliefs von Scheschonq I mit der Liste eroberter Städte in der südlichen Levante.
Bubastite Portal – Wikipedia (englisch)wikipedia

-            Kurze populäre Darstellung des Karnak‑Reliefs als Bestätigung des biblischen Berichts über Schischaks Angriff auf Juda.
Karnak Relief of Shishak – Ancient Inscriptionbiblexika

-            -  Hintergrund und Rekonstruktion des Feldzugs Schoschenks I nach Palästina im Vergleich von ägyptischen Reliefs, archäologischen Daten und hebräischer Bibel.
Kevin A. Wilson, The Campaign of Pharaoh Shoshenq I into Palestine (Mohr Siebeck / akademische Zusammenfassung).



Dienstag, 21. Juli 2026

Die Archäologische Bibel (1): Die Merenptah‑Stele

Ich bin jemand, der wissen will, warum ich glaube, was ich glaube. Eine meiner größten Herausforderungen im Leben war es, Fräulein Faithful im Glauben zu erziehen – zu einem tiefen Glauben, der nicht durch unbedachte oder herausfordernde Kommentare oder Fragen sofort ins Wanken gerät. Mir ging es nie darum, einfach an Christus zu glauben, nur weil er in meinem kulturellen Bild verankert ist oder weil man das „eben so macht“. Ich will die Wahrheit. Es gibt viele verschiedene Religionen, und jede beansprucht die Wahrheit für sich. Woher wissen wir also, dass gerade das Christentum korrekt ist?

 

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten des Prüfens. Eine davon ist die Archäologie. Die Frage lautet: Finden wir die Geschichten und die Völker der Bibel in der allgemeinen Weltgeschichte wieder? Wenn ja, dann können wir die Bibel zunächst einmal als historisches Dokument ernst nehmen – ein erster Schritt in die richtige Richtung für den Skeptiker. Ein Beispiel für diesen Weg des Prüfens ist die sogenannte Merenptah‑Stele. Sie ist eine altägyptische Siegesinschrift aus schwarzem Granit, heute im Ägyptischen Museum in Kairo zu sehen, und stammt aus dem 5. Regierungsjahr des Pharao Merenptah, also ungefähr 1208/1207 v. Chr. Auf den ersten Blick ist sie nur ein politisches Propagandadokument: Der Pharao lässt seine militärischen Erfolge in Libyen und Kanaan feiern und in Hieroglyphen verewigen. Doch in den letzten Zeilen passiert etwas, das für jemanden wie mich, der seinen Glauben prüfen will, sehr interessant ist: Zwischen Städten wie Ashkelon, Gezer und Yanoam taucht plötzlich ein Volksname auf – Israel. Der Text sagt sinngemäß: „Israel ist verwüstet, seine Saat ist nicht.“ In den Hieroglyphen wird Israel nicht als Land oder Stadt, sondern als Volk gekennzeichnet – eine Gemeinschaft von Menschen im Raum Kanaan, wichtig genug, dass der Pharao sich damit rühmt, sie geschlagen zu haben.

Merenptah‑Stele

Für meine Spurensuche bedeutet das: Hier spricht kein biblischer Autor, sondern ein ägyptischer König, der sicher keine „probiblische Tendenz“ hatte. Trotzdem bestätigt er indirekt, dass im späten 13. Jahrhundert v. Chr. ein Volk namens Israel in Kanaan existierte – ungefähr in dem Zeitraum, in dem die Bibel die Richterzeit und die frühe Geschichte Israels verortet. Die Merenptah‑Stele ist damit die älteste bekannte außerbiblische Erwähnung Israels. Sie zeigt, dass das biblische Israel nicht nur im eigenen Heiligen Text vorkommt, sondern auch in der Geschichtsschreibung anderer Völker seinen Platz hat. Für mich ist das kein endgültiger Beweis für jede Aussage der Bibel. Aber es ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass der biblische Bericht nicht losgelöst von der Geschichte steht, sondern in einer realen Welt mit echten Völkern und Konflikten verankert ist. Wer glaubt und gleichzeitig fragen will, findet in solchen Funden keinen Ersatz für Vertrauen, aber eine Entlastung: Der Weg des Christenglaubens muss nicht blind an der Wirklichkeit vorbeigehen, sondern darf sich den Spuren stellen, die Geschichte und Archäologie tatsächlich hinterlassen haben. Genau dort, wo Glaube und Geschichte sich berühren, beginnt für mich die spannende Aufgabe: weiter zu prüfen, weiter zu lernen – und gerade dadurch bewusster zu glauben.


In diesem Sinne, sei mutig in deinen Nachforschungen – und freue dich über jede gefundene Wahrheit.


Lizzy

Quellen

Bilderquellen: