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Dienstag, 8. September 2026

Jesus und die Frage nach seiner Göttlichkeit

Stellt euch vor, ich hatte mal wieder ein interessantes Gespräch. Und wie es anscheinend immer häufiger passiert, kam das Thema irgendwann auf den Glauben.

Einer meiner Gesprächspartner befindet sich noch auf der Suche nach der Wahrheit und würde sich selbst wohl eher als Theist bezeichnen. Ein Theist ist jemand, der zwar an einen Gott glaubt, aber noch nicht sicher ist, wer dieser Gott eigentlich ist. Praktisch alle Religionen behaupten schließlich, den wahren Gott zu kennen, und ein Theist ist sich noch nicht sicher, welche von ihnen recht hat.

Ich erzählte also, dass ich Christin bin und Jesus als meinen Heiland angenommen habe.

Daraufhin bekam ich eine unerwartete und interessante Antwort: „Ich habe die Bibel gelesen, aber nirgendwo behauptet Jesus, dass er Gott ist.“

Meine Gegenfrage war ganz schlicht: „Sind Sie sich da ganz sicher?“

Unser folgendes Gespräch war ziemlich interessant. Ich kann es hier natürlich nicht vollständig wiedergeben, denn auch andere aus unserer Gruppe hatten ihre Meinungen dazu. Was mich überraschte, war, wie schnell nicht nur mein Gesprächspartner, sondern auch der eine oder andere Christ plötzlich recht unsicher wirkte. Dabei ist die Frage gar nicht so nebensächlich. Wenn Jesus nicht Gott ist, dann wäre er vielleicht nur ein Prophet, Lehrer oder besonders guter Mensch. Wenn er aber wirklich Gott ist, dann verändert das alles.

Paulus nimmt jedenfalls kein Blatt vor den Mund. Er schreibt: „Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“ (Kolosser 2,9). Das ist schon eine Aussage, die man nicht einfach so wegwischen kann.

Die Wahrheit ist: Jesus hat nicht einfach in genau diesen modernen Worten gesagt: „Ich bin Gott.“ Aber er hat auf viele verschiedene Arten deutlich gemacht, wer er ist. Was für uns heute vielleicht subtil wirkt, war für viele Menschen damals in ihrem jüdischen und biblischen Umfeld alles andere als unauffällig.

Dieses Gespräch hat mich eine Weile verfolgt, und ich dachte: Warum nicht einmal eine kleine Einführung in dieses wirklich spannende Thema schreiben?

Die folgenden Beispiele sind bei Weitem nicht alle. Sie sollen eher wieder eine kleine Spurensuche im Wort Gottes sein, vielleicht als Anregung für ein eigenes tieferes Bibelstudium. Und wer weiß: Vielleicht hilft es auch euch beim nächsten Gespräch, wenn wieder einmal jemand sagt: „Jesus hat doch nie behauptet, Gott zu sein.“
  

Bei den folgenden Beispielen möchte ich aber nicht nur auf die Aussagen Jesu schauen, sondern auch, ganz spannend, einen Blick zurück ins Alte Testament zu werfen.

Denn die entscheidende Frage lautet ja nicht nur: Was sagt Jesus über sich selbst? Sondern auch: Was sagt Gott im Alten Testament über sich selbst, und welche Dinge tut oder beansprucht Jesus später?

Natürlich muss man beim Bibellesen immer auf den Zusammenhang achten. Aber manchmal sind die Parallelen wirklich so deutlich, dass man zumindest nicht einfach behaupten kann, Jesus habe nie einen Anspruch erhoben, der über den eines Propheten oder Lehrers hinausgeht.

Ehe Abraham wurde, bin ich

Fangen wir direkt mit einer Aussage an, die es wirklich in sich hat. In Johannes 8 spricht Jesus mit Menschen, die ihm nicht glauben wollen. Sie fragen ihn schließlich: „Bist du etwa größer als unser Vater Abraham?“

Jesus antwortet: „Ehe Abraham wurde, bin ich“ (Johannes 8,58).

Das klingt für uns heute vielleicht erst einmal etwas seltsam. Abraham lebte schließlich viele Jahrhunderte vor Jesu Geburt in Bethlehem. Jesus sagt also nicht einfach: „Ich war schon vor Abraham da.“ Er sagt auch nicht: „Bevor Abraham war, war ich.“ Sondern: „Ehe Abraham wurde, bin ich.“

Warum ist das wichtig? Im Alten Testament begegnet Mose Gott am brennenden Dornbusch. Als Mose Gott nach seinem Namen fragt, antwortet Gott: „Ich bin, der ich bin“ (2. Mose 3,14).

Gott offenbart sich damit als der ewig Seiende, der nicht wird, sondern ist. Er steht über der Schöpfung, unabhängig von Zeit und Menschen.

Jesus verwendet in Johannes 8 eine Formulierung, die stark an diese Selbstoffenbarung Gottes erinnert. Dabei sollte man natürlich nicht behaupten, jedes „Ich bin“ sei automatisch ein Gottesname. Die Formulierung in 2. Mose 3,14 ist im Griechischen ausführlicher.

Aber der Zusammenhang ist auffällig: Jesus spricht von einer Existenz vor Abraham und verwendet dabei nicht einfach eine Vergangenheitsform. Er sagt „bin ich“ im Präsens, nicht „war ich“.

Die Reaktion seiner Zuhörer ist ebenfalls bemerkenswert. Direkt danach heben sie Steine auf, um ihn zu töten (Johannes 8,59). Sie verstanden seine Worte offenbar nicht als harmlose Bemerkung darüber, dass Jesus irgendwie älter als Abraham sei.

Für sie war es eine ungeheuerliche Aussage, ein Anspruch, den sie als Gotteslästerung auffassten.

Jesus hat hier nicht direkt gesagt: „Ich bin Gott.“ Aber er hat etwas gesagt, das nur Gott sagen kann. Und seine Zuhörer haben genau das verstanden.

Nur Gott kann Sünden vergeben

Fangen wir mit einem besonders deutlichen Beispiel an. Im Alten Testament sagt Gott in Jesaja 43,25: „Ich, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen und gedenke deiner Sünden nicht.“

Sündenvergebung ist also nicht einfach eine nette Geste. Sünde richtet sich letztlich gegen Gott, und deshalb kann nur Gott sie wirklich vergeben.

Als Jesus einem Gelähmten sagte: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben“, waren die Schriftgelehrten deshalb schockiert. Sie fragten: „Wer kann Sünden vergeben außer Gott allein?“ Jesus korrigiert sie an dieser Stelle nicht und sagt auch nicht: „Nein, nein, ich meinte natürlich nur, dass Gott euch vergibt.“ Stattdessen bestätigt er seine Vollmacht, indem er den Gelähmten heilt. (Markus 2,1-12) 

Genau darin liegt der Punkt: Jesus spricht Vergebung nicht bloß im Namen Gottes zu. Er handelt mit einer Vollmacht, die nach dem Zeugnis des Alten Testaments Gott allein zusteht. Gott selbst beschreibt sich in Jesaja als denjenigen, der Übertretungen tilgt und Sünden nicht mehr anrechnet


Jesus stillt den Sturm

Im Alten Testament wird immer wieder deutlich: Nur Gott hat Gewalt über Meer und Sturm. In Psalm 107 heißt es über Menschen, die auf dem Meer fuhren und in Not gerieten:

„Da schrien sie zum Herrn in ihrer Not, und er führte sie heraus aus ihren Stürmen. Er stillte den Sturm, und die Wellen schwiegen“ (Psalm 107,28–29).

Dann lesen wir in Markus 4, dass Jesus mit seinen Jüngern auf dem See ist. Ein gewaltiger Sturm kommt auf, und die Jünger haben Angst.

Jesus steht auf, bedroht den Wind und sagt zum Meer: „Schweig! Verstumme!“ Und der Wind legt sich, und es wird ganz still (Markus 4,37–39).

Die Jünger fragen sich daraufhin: „Wer ist der, dass ihm sogar Wind und Meer gehorchen?“

Das ist eine berechtigte Frage. Denn sie erkennen: Hier wirkt eine Macht, die nach dem Zeugnis des Alten Testaments Gott allein zusteht. Jesus tut, was nur Gott tun kann.

Photo by Tom Jur on Unsplash

„Ich und der Vater sind eins“

Jesus sagt in Johannes 10,30: „Ich und der Vater sind eins.“

Auch diese radikale Aussage steht nicht einfach so im Raum. Die Menschen, die Jesus hörten, verstanden diese als weit mehr als: „Wir haben dieselbe Meinung“ oder „Wir arbeiten gut zusammen.“ Denn kurz darauf wollten sie ihn steinigen.

Sie erklärten auch warum: „Nicht wegen eines guten Werkes steinigen wir dich, sondern wegen Gotteslästerung, weil du, der du ein Mensch bist, dich selbst zu Gott machst“ (Johannes 10,33).

Jesus hat hier also nicht nur erklärt, dass er Gott besonders nahe sei. Seine Zuhörer verstanden seine Aussage als einen Anspruch, der für einen bloßen Menschen Gotteslästerung gewesen wäre.

Eine Einladung zum selbst weiter lesen und suchen

Diese Beispiele sind bei Weitem nicht alles. Wenn du selbst tiefer graben möchtest, achte beim Lesen der Bibel einmal auf folgendes Muster:

Was im Alten Testament Gott allein tut oder von sich sagt, finden wir im Neuen Testament in Jesus wieder:

  • Gott allein kann Sünden vergeben. - Jesus vergibt Sünden.
  • Gott allein ist der Richter der Welt. - Jesus spricht Gericht.
  • Gott allein kann Tote auferwecken. - Jesus erweckt Tote.
  • Gott allein ist der Schöpfer. - Durch Jesus ist alles geschaffen.
  • Gott allein ist der Hirte Israels. - Jesus ist der gute Hirte.
  • Gott allein ist das Licht der Welt. - Jesus ist das Licht der Welt.
  • Gott allein ist „Ich bin“. - Jesus sagt: „Ich bin.“

Und noch ein kleiner Vorschlag zum eigenen Studium:

Vergleiche Jesaja 40 bis 55. Dort offenbart Gott sich als der einzige Gott, als Schöpfer und als Retter. Lies anschließend das Johannesevangelium mit diesen Aussagen im Hinterkopf. Achte darauf, welche Eigenschaften und Titel Gott sich dort gibt und was Jesus über sich selbst sagt.

Oder nimm dir die „Ich bin“-Worte Jesu im Johannesevangelium vor:

  • „Ich bin das Brot des Lebens.“
  • „Ich bin das Licht der Welt.“
  • „Ich bin die Tür.“
  • „Ich bin der gute Hirte.“
  • „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“
  • „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“
  • „Ich bin der Weinstock.“

Was bedeutet es, wenn Jesus diese Bilder verwendet, die im Alten Testament oft mit Gott verbunden sind?

Die Herausforderung

Natürlich kann man all diese Stellen lesen und trotzdem sagen: „Ich weiß nicht, ob mich das überzeugt.“ Das ist ehrlich. Glaube entsteht nicht dadurch, dass man möglichst viele Bibelverse abhakt oder in einer Diskussion die besseren Argumente hat.

Aber Jesus lässt sich auch nicht so leicht auf die Rolle eines guten Lehrers reduzieren. Ein guter Lehrer zeigt auf Gott. Jesus ruft Menschen zu sich. Er vergibt Sünden, spricht von ewigem Leben, stillt den Sturm, nimmt Titel und Bilder auf, die im Alten Testament Gott selbst gehören, und sagt: „Ich und der Vater sind eins.“

Genau das ist die Hürde: Was machen wir mit Jesus?
Wenn er nur ein Prophet war, dann kann man seine Worte bewundern, ohne dass sie das eigene Leben unbedingt verändern müssen. Wenn er aber wirklich Gott ist, der Mensch geworden ist, kann man ihm nicht einfach höflich zustimmen und weitermachen wie bisher.

Dann geht es nicht mehr nur um eine interessante theologische Frage.


Jesus sagte von sich selbst:

„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. “

(Johannes 14,6)


Nun: Ist er das – oder nicht?

 

In diesem Sinne: Taucht tief in Gottes Wort ein und prüft alles im Licht seiner Wahrheit.


Eure Lizzy

 

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Dienstag, 1. September 2026

Die Archäologische Bibel (3): Was ein Stein aus Moab über Israel und Gott erzählt

In den letzten beiden Beiträgen haben wir nach archäologischen Spuren gesucht, die uns in die Welt der Bibel hineinführen. Zuerst ging es um die Merenptah-Stele und die darin enthaltene frühe Erwähnung Israels. Danach haben wir uns den Feldzug des ägyptischen Königs Schischak angesehen, der auch im Bericht über Rehabeam vorkommt. Dieses Mal führt uns die Spur nach Moab, in das Gebiet östlich des Toten Meeres, im heutigen Jordanien.


Dort regierte im 9. Jahrhundert vor Christus ein König namens Mescha. Sein Name begegnet uns auch in der Bibel, und zwar in 2. Könige 3. Dort lesen wir, dass Mescha, der König von Moab, dem König von Israel lange Zeit Tribut zahlen musste. Nach dem Tod König Ahabs lehnt er sich jedoch gegen Israel auf. Genau dieser Konflikt steht auch im Mittelpunkt eines der bekanntesten archäologischen Funde aus der Welt der Bibel: der Mescha-Stele, die oft auch Moabiterstein genannt wird.

Diese Stele ist ungefähr einen Meter hoch und trägt eine Inschrift mit 34 Zeilen. Mescha erzählt darin seine eigene Geschichte. Er schreibt, dass Moab lange unter der Herrschaft Israels gelitten habe. Dann berichtet Mescha, wie sein falscher Gott Kemosch Moab geholfen habe. Er erzählt, wie er Städte zurückerobert und aufgebaut habe. Natürlich beschreibt Mescha die Ereignisse aus seiner moabitischen Sicht. Er wollte nicht neutral berichten, sondern seinen Sieg feiern und seinen Gott ehren. Gerade das macht die Stele aber so interessant: Wir hören hier nicht nur die Stimme Israels aus der Bibel, sondern auch die Stimme eines Nachbarvolkes. Mit anderen Worten: eine weitere unabhängige Quelle neben der Bibel.
 


Die Stele nennt auch ausdrücklich Omri, einen weiteren König Israels. Mescha berichtet, dass Omri Moab unterdrückt habe und dass auch sein Sohn Moab weiterhin unterdrücken wollte. Das ist für mich sehr interessant, denn hier treffen sich die Stele und der biblische Bericht. In der Bibel wird Omri als König des Nordreichs Israel genannt, und Ahab war sein Sohn. Auch 2. Könige 3 setzt genau in dieser Zeit an, als Moab sich gegen die Herrschaft Israels auflehnt. Die Mescha-Stele beweist nicht jedes Detail des biblischen Berichts. Es ist schon etwas Besonderes, diese Namen nicht nur im biblischen Bericht zu lesen, sondern auch auf einer alten Stele wiederzufinden.

Was ich auch faszinierend finde, ist, dass in der Stele von bestimmten Gegenständen geschrieben wird. Es heißt, dass Mescha, der Moabiter, die Geräte oder Gefäße JHWHs nahm und sie vor Kemosch brachte. JHWH ist die hebräische Schreibweise des Namens, den Gott im Alten Testament offenbart. Damit haben wir auf einer moabitischen Inschrift aus dem 9. Jahrhundert vor Christus eine außerbiblische Erwähnung des Gottes Israels. Das bedeutet nicht, dass Mescha JHWH verehrt hätte. Im Gegenteil: Er schreibt aus der Sicht eines Mannes, der dem Götzen Kemosch dienen wollte. Aber gerade deshalb ist es bemerkenswert, dass der Name JHWH hier erscheint. Ein Gegner Israels kannte den Gott, zu dem Israel gehörte.


 
Photo by Aika Kohama on Unsplash

Und dann gibt es noch eine Stelle, über die bis heute diskutiert wird. In Zeile 31 der Stele meinte der französische Epigraphiker André Lemaire, die Worte „Haus David“ erkennen zu können. Falls diese Lesung richtig ist, wäre das eine sehr frühe außerbiblische Erwähnung der davidischen Königsdynastie. „Haus David“ meint dabei nicht ein Gebäude, sondern die königliche Familie und Herrschaftslinie Davids, so wie auch „Haus Omri“ für das israelitische Königshaus stehen kann.

Hier ist jedoch Vorsicht geboten. Die Stelle ist beschädigt, und ein Teil des Textes muss aus älteren Abdrücken und aus dem erhaltenen Rest erschlossen werden. 2019 untersuchten Israel Finkelstein, Nadav Na’aman und Thomas Römer neue Fotografien sowie einen Abdruck der Stele, der aufgenommen worden war, bevor sie im 19. Jahrhundert zerbrochen wurde. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass „Haus David“ an dieser Stelle nicht mehr überzeugend gelesen werden könne. Stattdessen schlugen sie vorsichtig den Namen Balak vor, also den moabitischen König aus der Bileam-Erzählung in 4. Mose 22 bis 24. Nach ihrer Rekonstruktion könnte die betreffende Zeile sagen, dass Balak in Horonajim wohnte.

Diese alternative Lesung ist jedoch ebenfalls nicht einfach eine endgültige Lösung. Fachleute diskutieren weiter darüber, welche Buchstaben an dieser beschädigten Stelle wirklich gestanden haben und wie viel sich ergänzen lässt. André Lemaire hält an seiner Lesung „Haus David“ fest. Andere Forscher beurteilen die Stelle vorsichtiger und sehen die Frage als offen an. Wir können also nicht zu 100 Prozent sagen: Die Mescha-Stele beweist eindeutig das Haus Davids. Das wäre mehr, als der Fund hergibt. Aber wir dürfen sagen: Es gibt eine ernsthafte wissenschaftliche Diskussion darüber, ob die Stele das Haus Davids erwähnt. Die Lesung ist möglich und für viele sehr interessant, doch sie ist nicht so sicher wie die Erwähnung JHWHs oder des Hauses Omris.

Photo by Hendrik Cornelissen on Unsplash


Für jemanden wie mich, der seinen Glauben prüfen möchte, ist genau das wertvoll. Die Mescha-Stele zwingt uns nicht dazu, jeden Satz schnell als Beweis zu benutzen. Sie lädt uns dazu ein, genau hinzusehen. Wir haben einen moabitischen König, dessen Name auch in 2. Könige 3 vorkommt. Wir haben einen Konflikt zwischen Moab und Israel. Wir haben Omri und sein Königshaus. Und wir haben sogar den Namen JHWH auf einer Inschrift eines Nachbarvolkes. Das alles macht die Welt der Bibel geschichtlich greifbarer.

Die Frage nach dem Haus Davids bleibt dabei ein gutes Beispiel für ehrliche Spurensuche. Manche Spuren sind klarer als andere. Nicht jede beschädigte Zeile lässt sich mit letzter Sicherheit lesen. Darin liegt für mich aber kein Grund, vorschnell aufzugeben. Nicht jede Frage braucht einen perfekten Beweis, wenn der geschichtliche Rahmen bereits so viel trägt. Nun bin ich gespannt, wohin mich meine Spurensuche als Nächstes führt.

Ein Gedanke zum Schluß

Der Gott der Bibel lässt sich nicht von einem moabitischen König besiegen oder vereinnahmen. 

Mescha schreibt auf seindass er Gefäße JHWHs vor Kemosch brachte. Für ihn war das ein Sieg seines falschen Gottes über Israel. Doch die Bibel gibt ihm nicht das letzte Wort. In 2. Könige 3 sehen wir, wie Gott Israels durch Elisa hilft,
und Moab in die Hand der Könige gibt. Das Ende des Berichts bleibt offen und nicht leicht zu verstehen, aber auch das sehe ich als ein Zeichen eines treuen historischen Berichtes.  Vielleicht liegt gerade darin seine besondere Stärke.


In diesem Sinne: Sei auch du mutig in deinen Nachforschungen und freue dich über jede gefundene Wahrheit.


Eure Lizzy





Montag, 3. August 2026

Die Archäologische Bibel (2): Schischak und das Karnak-Relief

In meinem ersten Beitrag „Die Archäologische Bibel (1): Die Merenptah-Stele“ habe ich mir angeschaut, wie eine altägyptische Inschrift das Volk Israel in der Geschichte sichtbar macht. Dabei ging es um die Richterzeit und um die Frage, ob Israel schon damals wirklich in Kanaan gelebt hat. Jetzt möchte ich ein weiteres archäologisches Fundstück zeigen, diesmal aus der Zeit nach Salomo. Nach seinem Tod teilt sich das Reich in Juda und Israel, und die Bibel erzählt dann von Rehabeam und einem ägyptischen König namens Schischak, der gegen Juda zieht und Schätze aus dem Tempel mitnimmt. Auch hier will ich wieder sehen, was die Geschichte dazu sagt und ob das mit dem Wort Gottes übereinstimmt.


In Karnak, einem großen Tempelkomplex in Ägypten, gibt es ein berühmtes Relief mit Hieroglyphen, das Schoschenk I. zeigt. Im Deutschen wird er oft auch Scheschonq genannt, und in der Bibel begegnet er uns als Schischak. Auf diesem Relief sieht man, wie Amun dem Pharao eine ganze Reihe von Gefangenen übergibt. Diese Gefangenen stehen jeweils für Städte oder Orte, die bei einem Feldzug nördlich von Ägypten erobert wurden. Gemeint ist damit das Gebiet, das man heute oft als Levante bezeichnet. Das ist die Region im östlichen Mittelmeerraum, also ungefähr das Gebiet des heutigen Israel, des Libanon, Jordaniens und von Teilen Syriens.


Unter den genannten Orten finden sich viele Namen, die auch Bibellesern vertraut sind, zum Beispiel Beth-Schean, Gibeon oder Megiddo. Viele Fachleute sehen in diesem Relief einen Hinweis auf den Feldzug Schoschenks I. in das Gebiet von Juda und Israel im 10. Jahrhundert v. Chr., also ungefähr in die Zeit, in der Rehabeam laut Bibel in Jerusalem regiert. Und genau hier wird es für uns spannend, denn die Bibel berichtet ebenfalls, dass Schischak nach Juda kommt, befestigte Städte einnimmt und schließlich bis nach Jerusalem vorrückt, wo er kostbare Dinge aus dem Tempel und dem Königshaus mitnimmt.


Für jemanden wie mich, der seinen Glauben prüfen möchte, ist das interessant: Wir haben einen ägyptischen König mit Namen und Datierung, wir haben ein großes Relief, das seinen Feldzug in die südliche Levante zeigt, und wir haben einen biblischen Bericht über einen Angriff desselben Königs auf Juda. Name, Zeit und Region passen erstaunlich gut zusammen und geben dem biblischen Text einen historischen Rahmen, der sich mit Quellen außerhalb der Bibel berühren lässt. Gleichzeitig ist es mir wichtig, hier ehrlich zu bleiben: Das Relief nennt zum Beispiel nicht ausdrücklich „Jerusalem“ und erzählt uns auch nicht Wort für Wort das, was 1. Könige 14 oder 2. Chronik 12 beschreiben. Deshalb spreche ich hier nicht von einem direkten Beweis, sondern von einem starken historischen Kontext. Das Bild aus Karnak zeigt, dass ein König wie Schoschenk I. tatsächlich einen Feldzug in genau jene Gegend führte, von der die Bibel berichtet. Es stützt den Hintergrund der Geschichte, ersetzt aber nicht jede einzelne Aussage der biblischen Texte. Darin liegt für mich schon genug, um dankbar weiterzudenken, denn nicht jede Frage braucht einen perfekten Beweis, wenn der geschichtliche Rahmen bereits so viel trägt.

Nun bin ich gespannt, wohin mich meine Spurensuche als Nächstes führt.


In diesem Sinne: Sei auch du mutig in deinen Nachforschungen und freue dich über jede gefundene Wahrheit.

Lizzy

-            Scheschonq I (Schoschenk I) – Überblick zu Person, Regierungszeit und Palästinafeldzug, inkl. Bautätigkeit in Karnak.
Scheschonq I. – Wikipedia (deutsch)wikipedia

-            Bubastidenportal in Karnak – Beschreibung des Tempelbereichs und des Reliefs von Scheschonq I mit der Liste eroberter Städte in der südlichen Levante.
Bubastite Portal – Wikipedia (englisch)wikipedia

-            Kurze populäre Darstellung des Karnak‑Reliefs als Bestätigung des biblischen Berichts über Schischaks Angriff auf Juda.
Karnak Relief of Shishak – Ancient Inscriptionbiblexika

-            -  Hintergrund und Rekonstruktion des Feldzugs Schoschenks I nach Palästina im Vergleich von ägyptischen Reliefs, archäologischen Daten und hebräischer Bibel.
Kevin A. Wilson, The Campaign of Pharaoh Shoshenq I into Palestine (Mohr Siebeck / akademische Zusammenfassung).