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Dienstag, 8. September 2026

Jesus und die Frage nach seiner Göttlichkeit

Stellt euch vor, ich hatte mal wieder ein interessantes Gespräch. Und wie es anscheinend immer häufiger passiert, kam das Thema irgendwann auf den Glauben.

Einer meiner Gesprächspartner befindet sich noch auf der Suche nach der Wahrheit und würde sich selbst wohl eher als Theist bezeichnen. Ein Theist ist jemand, der zwar an einen Gott glaubt, aber noch nicht sicher ist, wer dieser Gott eigentlich ist. Praktisch alle Religionen behaupten schließlich, den wahren Gott zu kennen, und ein Theist ist sich noch nicht sicher, welche von ihnen recht hat.

Ich erzählte also, dass ich Christin bin und Jesus als meinen Heiland angenommen habe.

Daraufhin bekam ich eine unerwartete und interessante Antwort: „Ich habe die Bibel gelesen, aber nirgendwo behauptet Jesus, dass er Gott ist.“

Meine Gegenfrage war ganz schlicht: „Sind Sie sich da ganz sicher?“

Unser folgendes Gespräch war ziemlich interessant. Ich kann es hier natürlich nicht vollständig wiedergeben, denn auch andere aus unserer Gruppe hatten ihre Meinungen dazu. Was mich überraschte, war, wie schnell nicht nur mein Gesprächspartner, sondern auch der eine oder andere Christ plötzlich recht unsicher wirkte. Dabei ist die Frage gar nicht so nebensächlich. Wenn Jesus nicht Gott ist, dann wäre er vielleicht nur ein Prophet, Lehrer oder besonders guter Mensch. Wenn er aber wirklich Gott ist, dann verändert das alles.

Paulus nimmt jedenfalls kein Blatt vor den Mund. Er schreibt: „Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“ (Kolosser 2,9). Das ist schon eine Aussage, die man nicht einfach so wegwischen kann.

Die Wahrheit ist: Jesus hat nicht einfach in genau diesen modernen Worten gesagt: „Ich bin Gott.“ Aber er hat auf viele verschiedene Arten deutlich gemacht, wer er ist. Was für uns heute vielleicht subtil wirkt, war für viele Menschen damals in ihrem jüdischen und biblischen Umfeld alles andere als unauffällig.

Dieses Gespräch hat mich eine Weile verfolgt, und ich dachte: Warum nicht einmal eine kleine Einführung in dieses wirklich spannende Thema schreiben?

Die folgenden Beispiele sind bei Weitem nicht alle. Sie sollen eher wieder eine kleine Spurensuche im Wort Gottes sein, vielleicht als Anregung für ein eigenes tieferes Bibelstudium. Und wer weiß: Vielleicht hilft es auch euch beim nächsten Gespräch, wenn wieder einmal jemand sagt: „Jesus hat doch nie behauptet, Gott zu sein.“
  

Bei den folgenden Beispielen möchte ich aber nicht nur auf die Aussagen Jesu schauen, sondern auch, ganz spannend, einen Blick zurück ins Alte Testament zu werfen.

Denn die entscheidende Frage lautet ja nicht nur: Was sagt Jesus über sich selbst? Sondern auch: Was sagt Gott im Alten Testament über sich selbst, und welche Dinge tut oder beansprucht Jesus später?

Natürlich muss man beim Bibellesen immer auf den Zusammenhang achten. Aber manchmal sind die Parallelen wirklich so deutlich, dass man zumindest nicht einfach behaupten kann, Jesus habe nie einen Anspruch erhoben, der über den eines Propheten oder Lehrers hinausgeht.

Ehe Abraham wurde, bin ich

Fangen wir direkt mit einer Aussage an, die es wirklich in sich hat. In Johannes 8 spricht Jesus mit Menschen, die ihm nicht glauben wollen. Sie fragen ihn schließlich: „Bist du etwa größer als unser Vater Abraham?“

Jesus antwortet: „Ehe Abraham wurde, bin ich“ (Johannes 8,58).

Das klingt für uns heute vielleicht erst einmal etwas seltsam. Abraham lebte schließlich viele Jahrhunderte vor Jesu Geburt in Bethlehem. Jesus sagt also nicht einfach: „Ich war schon vor Abraham da.“ Er sagt auch nicht: „Bevor Abraham war, war ich.“ Sondern: „Ehe Abraham wurde, bin ich.“

Warum ist das wichtig? Im Alten Testament begegnet Mose Gott am brennenden Dornbusch. Als Mose Gott nach seinem Namen fragt, antwortet Gott: „Ich bin, der ich bin“ (2. Mose 3,14).

Gott offenbart sich damit als der ewig Seiende, der nicht wird, sondern ist. Er steht über der Schöpfung, unabhängig von Zeit und Menschen.

Jesus verwendet in Johannes 8 eine Formulierung, die stark an diese Selbstoffenbarung Gottes erinnert. Dabei sollte man natürlich nicht behaupten, jedes „Ich bin“ sei automatisch ein Gottesname. Die Formulierung in 2. Mose 3,14 ist im Griechischen ausführlicher.

Aber der Zusammenhang ist auffällig: Jesus spricht von einer Existenz vor Abraham und verwendet dabei nicht einfach eine Vergangenheitsform. Er sagt „bin ich“ im Präsens, nicht „war ich“.

Die Reaktion seiner Zuhörer ist ebenfalls bemerkenswert. Direkt danach heben sie Steine auf, um ihn zu töten (Johannes 8,59). Sie verstanden seine Worte offenbar nicht als harmlose Bemerkung darüber, dass Jesus irgendwie älter als Abraham sei.

Für sie war es eine ungeheuerliche Aussage, ein Anspruch, den sie als Gotteslästerung auffassten.

Jesus hat hier nicht direkt gesagt: „Ich bin Gott.“ Aber er hat etwas gesagt, das nur Gott sagen kann. Und seine Zuhörer haben genau das verstanden.

Nur Gott kann Sünden vergeben

Fangen wir mit einem besonders deutlichen Beispiel an. Im Alten Testament sagt Gott in Jesaja 43,25: „Ich, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen und gedenke deiner Sünden nicht.“

Sündenvergebung ist also nicht einfach eine nette Geste. Sünde richtet sich letztlich gegen Gott, und deshalb kann nur Gott sie wirklich vergeben.

Als Jesus einem Gelähmten sagte: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben“, waren die Schriftgelehrten deshalb schockiert. Sie fragten: „Wer kann Sünden vergeben außer Gott allein?“ Jesus korrigiert sie an dieser Stelle nicht und sagt auch nicht: „Nein, nein, ich meinte natürlich nur, dass Gott euch vergibt.“ Stattdessen bestätigt er seine Vollmacht, indem er den Gelähmten heilt. (Markus 2,1-12) 

Genau darin liegt der Punkt: Jesus spricht Vergebung nicht bloß im Namen Gottes zu. Er handelt mit einer Vollmacht, die nach dem Zeugnis des Alten Testaments Gott allein zusteht. Gott selbst beschreibt sich in Jesaja als denjenigen, der Übertretungen tilgt und Sünden nicht mehr anrechnet


Jesus stillt den Sturm

Im Alten Testament wird immer wieder deutlich: Nur Gott hat Gewalt über Meer und Sturm. In Psalm 107 heißt es über Menschen, die auf dem Meer fuhren und in Not gerieten:

„Da schrien sie zum Herrn in ihrer Not, und er führte sie heraus aus ihren Stürmen. Er stillte den Sturm, und die Wellen schwiegen“ (Psalm 107,28–29).

Dann lesen wir in Markus 4, dass Jesus mit seinen Jüngern auf dem See ist. Ein gewaltiger Sturm kommt auf, und die Jünger haben Angst.

Jesus steht auf, bedroht den Wind und sagt zum Meer: „Schweig! Verstumme!“ Und der Wind legt sich, und es wird ganz still (Markus 4,37–39).

Die Jünger fragen sich daraufhin: „Wer ist der, dass ihm sogar Wind und Meer gehorchen?“

Das ist eine berechtigte Frage. Denn sie erkennen: Hier wirkt eine Macht, die nach dem Zeugnis des Alten Testaments Gott allein zusteht. Jesus tut, was nur Gott tun kann.

Photo by Tom Jur on Unsplash

„Ich und der Vater sind eins“

Jesus sagt in Johannes 10,30: „Ich und der Vater sind eins.“

Auch diese radikale Aussage steht nicht einfach so im Raum. Die Menschen, die Jesus hörten, verstanden diese als weit mehr als: „Wir haben dieselbe Meinung“ oder „Wir arbeiten gut zusammen.“ Denn kurz darauf wollten sie ihn steinigen.

Sie erklärten auch warum: „Nicht wegen eines guten Werkes steinigen wir dich, sondern wegen Gotteslästerung, weil du, der du ein Mensch bist, dich selbst zu Gott machst“ (Johannes 10,33).

Jesus hat hier also nicht nur erklärt, dass er Gott besonders nahe sei. Seine Zuhörer verstanden seine Aussage als einen Anspruch, der für einen bloßen Menschen Gotteslästerung gewesen wäre.

Eine Einladung zum selbst weiter lesen und suchen

Diese Beispiele sind bei Weitem nicht alles. Wenn du selbst tiefer graben möchtest, achte beim Lesen der Bibel einmal auf folgendes Muster:

Was im Alten Testament Gott allein tut oder von sich sagt, finden wir im Neuen Testament in Jesus wieder:

  • Gott allein kann Sünden vergeben. - Jesus vergibt Sünden.
  • Gott allein ist der Richter der Welt. - Jesus spricht Gericht.
  • Gott allein kann Tote auferwecken. - Jesus erweckt Tote.
  • Gott allein ist der Schöpfer. - Durch Jesus ist alles geschaffen.
  • Gott allein ist der Hirte Israels. - Jesus ist der gute Hirte.
  • Gott allein ist das Licht der Welt. - Jesus ist das Licht der Welt.
  • Gott allein ist „Ich bin“. - Jesus sagt: „Ich bin.“

Und noch ein kleiner Vorschlag zum eigenen Studium:

Vergleiche Jesaja 40 bis 55. Dort offenbart Gott sich als der einzige Gott, als Schöpfer und als Retter. Lies anschließend das Johannesevangelium mit diesen Aussagen im Hinterkopf. Achte darauf, welche Eigenschaften und Titel Gott sich dort gibt und was Jesus über sich selbst sagt.

Oder nimm dir die „Ich bin“-Worte Jesu im Johannesevangelium vor:

  • „Ich bin das Brot des Lebens.“
  • „Ich bin das Licht der Welt.“
  • „Ich bin die Tür.“
  • „Ich bin der gute Hirte.“
  • „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“
  • „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“
  • „Ich bin der Weinstock.“

Was bedeutet es, wenn Jesus diese Bilder verwendet, die im Alten Testament oft mit Gott verbunden sind?

Die Herausforderung

Natürlich kann man all diese Stellen lesen und trotzdem sagen: „Ich weiß nicht, ob mich das überzeugt.“ Das ist ehrlich. Glaube entsteht nicht dadurch, dass man möglichst viele Bibelverse abhakt oder in einer Diskussion die besseren Argumente hat.

Aber Jesus lässt sich auch nicht so leicht auf die Rolle eines guten Lehrers reduzieren. Ein guter Lehrer zeigt auf Gott. Jesus ruft Menschen zu sich. Er vergibt Sünden, spricht von ewigem Leben, stillt den Sturm, nimmt Titel und Bilder auf, die im Alten Testament Gott selbst gehören, und sagt: „Ich und der Vater sind eins.“

Genau das ist die Hürde: Was machen wir mit Jesus?
Wenn er nur ein Prophet war, dann kann man seine Worte bewundern, ohne dass sie das eigene Leben unbedingt verändern müssen. Wenn er aber wirklich Gott ist, der Mensch geworden ist, kann man ihm nicht einfach höflich zustimmen und weitermachen wie bisher.

Dann geht es nicht mehr nur um eine interessante theologische Frage.


Jesus sagte von sich selbst:

„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. “

(Johannes 14,6)


Nun: Ist er das – oder nicht?

 

In diesem Sinne: Taucht tief in Gottes Wort ein und prüft alles im Licht seiner Wahrheit.


Eure Lizzy

 

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Freitag, 28. August 2026

Plauderecke - Da hat der liebe Gott mal wieder gut auf mich aufgepasst

Anfang dieser Woche, auf dem Heimweg von der Arbeit, ist etwas passiert, bei dem ich im Nachhinein nur denken kann: Da hat der liebe Gott gut auf mich aufgepasst.

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Als ich nach Hause fuhr, hätte ich nicht gedacht, dass ein verlorenes Handy mitten auf der Straße einmal eine so wichtige Rolle spielen würde.

Plötzlich lag dieses Handy direkt vor mir auf der Fahrbahn. Ein schneller Blick in den Rückspiegel, und ganz klar und deutlich war mir: Anhalten kann ich nicht. Das Auto direkt hinter mir fuhr so dicht auf, dass ich nur dachte: Wenn ich jetzt bremse, fährt es mir hinten drauf.

Alles was ich tun konnte war dem Handy ausweichen. Schon beeindruckend, wie schnell man eine solche Situation erfasst, verarbeitet und dann reagiert. Auf jeden Fall hatte auch der Fahrer hinter mir das Handy gesehen und hielt an, um es aufzuheben, und stellt euch vor, praktisch vor der Polizeiwache.

Das Ganze hat wirklich keine 15 Sekunden gedauert, und ich fuhr beruhigt weiter. Dann, nach nur 200 Metern, nahm mir plötzlich ein anderes Auto die Vorfahrt. Ich sah es gerade noch aus dem Augenwinkel und konnte im letzten Moment bremsen. Es waren wirklich nur Zentimeter, die zwischen uns und einem Zusammenstoß lagen.

Um ehrlich zu sein, der Schock saß tief. Aber Gott sei Dank waren alle Beteiligten tatsächlich nur mit dem Schrecken davongekommen.

Erst im Nachhinein wurde mir etwas klar: Hätte das Auto hinter mir nicht wegen des Handys angehalten, wäre es vermutlich hinten in mein Auto gefahren und hätte mich wahrscheinlich direkt in das andere Fahrzeug geschoben. Was da hätte passieren können, mag ich mir gar nicht ausmalen.


Wie häufig passieren im Alltag kleine Dinge, die wir zunächst gar nicht richtig wahrnehmen und deren Bedeutung wir erst später verstehen. Heute bin ich einfach dankbar, denn ich glaube, Gott hat in diesem Moment seine schützende Hand über mich gehalten, so wie Er es versprochen hat.


In diesem Sinne wünsche ich euch, dass ihr Gottes Schutz und seine Führung auch in den kleinen Dingen eures Alltags erkennen dürft.

Eure Lizzy


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Mittwoch, 25. März 2026

Alle wollen in den Himmel? – Hast du deine Einladung schon angenommen?

Mal wieder ein überraschendes Gespräch

Es passiert mir immer wieder an den unerwartetsten Orten: ein kurzes Gespräch, das plötzlich tief wird. Man redet über Gott und die Welt, wie man so schön sagt, man plaudert über seine Ansichten und ich über meinen Glauben, und plötzlich sagt jemand: „Was glaubst du eigentlich, kommt nach dem Tod?“
Fast reflexartig kommt dann ein Satz, den du wahrscheinlich auch schon gehört hast: „Naja, ich hoffe schon, dass ich in den Himmel komme. Ich bin ja eigentlich ein ganz guter Mensch.“ In diesem Moment spüre ich, wie zwei Welten aufeinanderprallen: unser eigenes Empfinden von „ganz okay“ und Gottes Sicht, wie sie uns die Bibel lehrt.


Gute Menschen kommen in den Himmel...Oder?

Der Gedanke klingt zunächst logisch: Nur gute Menschen gehören in den Himmel. Niemand von uns möchte doch, dass Gewalt, Lüge, Missbrauch oder Egoismus einmal ewig weitergehen.
Also sortieren wir automatisch:
  •  „Die richtig Bösen“ - die gehören natürlich nicht in den Himmel.
  • „Normale Leute wie ich“ - wir sind doch immerhin bemüht, anständig zu sein.
Aber hier beginnt das Problem. Die Bibel sagt nämlich nicht: „Es gibt ein paar sehr böse Menschen und viele ziemlich gute.“ Sie sagt vielmehr: „Da ist kein Gerechter, auch nicht einer“ (Römer 3).
Mit anderen Worten: Wenn wirklich nur absolut gute Menschen in den Himmel kommen, dann hat keiner von uns eine Chance. Das ist die schlechte Nachricht, und sie trifft unseren Stolz sehr hart. Aber gebt jetzt nicht auf, die gute Nachricht kommt noch, versprochen.


Wenn Gott heute Nacht alles Böse beseitigt

Ich habe einmal eine Frage gehört, ich glaube, es war Frank Turek, der sie stellte, und die mich nicht mehr losgelassen hat:
„Stell dir vor, Gott würde heute Nacht um Punkt Mitternacht alles Böse endgültig auslöschen. Wärst du um 00:01 Uhr noch am Leben?“

Wir denken bei „Böse“ fast automatisch zuerst an andere: Kriminelle, korrupte Politiker, skrupellose Menschen, die andere übervorteilen und sich an anderen bereichern … es gibt reichlich Beispiele für die, die wir als ungerecht oder böse empfinden.
  • Doch die Bibel fängt nicht bei „den Anderen“ an, sondern bei mir. Jesus verschärft das Gesetz so, dass es mitten ins Herz trifft: Wer einen Menschen grundlos haßt, ist in Gottes Augen schon ein Mörder.
  •  Wer mit begehrlichem Blick schaut, hat in seinem Herzen bereits die Grenze der Ehe überschritten (vgl. Matthäus 5).
  • Vom zweiten Gebot gar nicht erst zu reden, vor allem im englischen Sprachraum, wo Jesus und Gott regelrecht als Schimpfworte benutzt werden.
Wer mußte mal schnell nachschauen? 😉

Aber Spaß beiseite: Wenn Gott also wirklich alles Böse samt seiner Wurzel entfernen würde: Egoismus, Stolz, Ungeduld, Gleichgültigkeit und so weiter und so fort, dann würde Er nicht nur „die ganz Schlimmen“ treffen.

Er würde mich treffen.

Das ist der Moment, in dem der Satz „Ich bin doch ein guter Mensch“ zerbricht.


Das Gesetz: Der Spiegel, der uns entlarvt

Um das deutlich zu machen, helfen die Zehn Gebote. Nicht als fromme Deko an Kirchenwänden, sondern als Spiegel, der zeigt, wie es um uns steht.
Ein paar Beispiele:
  • „Du sollst keine anderen Götter haben neben Mir.“ - Gott an erster Stelle, jeden Tag, in jeder Entscheidung. Trifft das auf mein Leben zu?
  • „Du sollst nicht lügen.“ - Wie häufig haben wir da versagt? Notlügen in all ihren Formen – ob gut gemeint oder zum Schutz gedacht – bleiben am Ende des Tages Lügen.
  • „Du sollst nicht begehren.“ - Wie war das mit des Nachbarn Auto, des alten Schulkollegens Erfolg, der neuen Spielkonsole des Freundes, dem tollen Urlaub, den sich ein Bekannter leisten konnte …

Das Gesetz ist nicht das Problem.

Das Problem bin immer noch ich – ich, in meiner gefallenen Natur, ich in der Not der Erlösung.

Die Gebote Gottes sind wie ein medizinischer Test: Sie machen die Krankheit sichtbar, heilen aber nicht. Genau so beschreibt es Paulus: Durch das Gesetz „erkennen“ wir die Sünde (Römer 3). Es zeigt mir schonungslos: Vor einem heiligen GOTT kann ich nicht bestehen.


Das Gleichnis vom Hochzeitsfest (Matthäus 22,1–14)

Jesus erzählt ein Gleichnis, das diese Spannung in ein Bild faßt. Er spricht von einem König, der für seinen Sohn ein großes Hochzeitsfest vorbereitet.

Die Einladungen gehen raus, aber die meisten der geladenen Gäste haben keine Zeit oder kein Interesse. Manche reagieren sogar aggressiv, sie mißhandeln die Boten. Am Ende läßt der König andere einladen: Menschen von den Straßen, Gute und Böse.

Zwei Dinge stechen heraus:

- Erstens: Die Einladung ist unglaublich großzügig.

Sie geht nicht nur an „die Guten“, sondern an Menschen, die in der Geschichte ausdrücklich als „Gute und Böse“ bezeichnet werde.

- Zweitens: Am Ende steht da ein Mann ohne Hochzeitsgewand, unvorbereitet, ohne Bereitschaft sich auf die Hochzeit des Königs einzulassen. Er ist im Saal, aber nicht vorbereitet. Der König spricht ihn an, und der Mann verstummt. Der mann hat kein Argument, warum er so vor dem König erscheinen kann.

Das Hochzeitsgewand steht für Gottes eigene Gerechtigkeit, die Er schenkt. Es reicht nicht, irgendwo in der Nähe von Religion aufzutauchen oder sich für „grundsätzlich offen“ zu halten. Entscheidend ist, ob ich vor Gott in dem kostbaren Gewand dastehe, das Er mir durch das Opfer Jesu geschenkt hat, nicht eines, daß ich mir aus meinen guten Werken zusammengeflickt habe.

Gott ruft – aber ER zwingt niemanden

Manche sagen: „Wenn Gott wirklich will, daß Menschen gerettet werden, dann nimmt Er doch einfach alle in den Himmel.“ (Die Frage wäre dann, ob Er dann gerecht wäre, aber das ist ein anderes Thema für später.)

Die Bibel zeigt uns die Realität. Gott lädt ernsthaft und allumfassend ein. Er ruft durch Sein Wort, durch das Gewissen, durch Menschen, durch Lebensumstände. Niemand wird abgewiesen, weil man zu schlecht wäre – im Gegenteil, gerade Sünder sind das Ziel der Einladung.

Aber Gott zwingt niemanden in Seine Gegenwart. Wer schon in diesem Leben nichts von Gott wissen will, würde den Himmel, die ewige Gemeinschaft mit Ihm als unerträglichen Ort empfinden. Darum respektiert Gott am Ende die Entscheidung des Menschen.

Das Gleichnis vom Hochzeitsfest zeigt beides:

  • Die Weite der Einladung, alle sind gerufen. - Die Ernsthaftigkeit der Antwort – ich kann sie ausschlagen oder äußerlich annehmen, ohne wirklich gekleidet zu sein.
  • Gott behandelt uns nicht wie Marionetten. - Er nimmt unsere Entscheidung ernst. So ernst, daß sie Ewigkeitsfolgen hat. Lest das Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus in Lukas 16,19-31

Die richtig gute Nachricht: Evangelium

Bis hierher klingt das alles sehr hart. Doch genau an diesem Punkt leuchtet die gute Nachricht umso heller.

Das Wort Gottes bleibt nicht bei „Kein Mensch ist gut“ stehen. Es sagt: Gott selbst hat einen Weg geschaffen, wie ungerechte Menschen gerecht vor Ihm stehen können – ohne das Gesetz, allein aus Gnade, durch den Glauben an Jesus Christus (vgl. Römer 3–5).

Jesus hat das perfekte Leben geführt, das ich nicht führen kann. Er hat das Gesetz in jeder Hinsicht erfüllt, ohne einen einzigen Bruch. Am Kreuz nimmt Er dann die Strafe auf sich, die eigentlich mir zusteht.

Wenn ich Ihm im Vertrauen mein altes Leben hinhalte, dann tauscht Gott sozusagen die Kleider:

JESU Gerechtigkeit wird mir zugerechnet.

Das ist das „Hochzeitsgewand“ aus Matthäus 22: eine Gerechtigkeit, die nicht aus meinen Taten kommt, sondern ein Geschenk ist.

Sola Scriptura, sola gratia, sola fide - Gott rettet durch Sein Wort, aus Gnade, durch Glauben.


Ja, aber was ist mit Menschen, die nie von Jesus gehört haben?

An dieser Stelle kommt fast immer eine ernste Frage: „Aber was ist mit Menschen, die nie von Gott oder von Jesus gehört haben?“

Der Römerbrief sagt zwei wichtige Dinge dazu: Gott hat sich in der Schöpfung und im Gewissen eines jeden Menschen in Grundzügen zu erkennen gegeben. Kein Mensch steht völlig ohne Licht da. Gleichzeitig macht Paulus deutlich, daß niemand durch eigenes Wissen oder eigenes Bemühen gerettet wird, sondern nur durch das Evangelium von Jesus Christus.

Wie Gott im Einzelfall mit Menschen umgeht, die nie eine Bibel in der Hand hatten, sagt die Schrift nicht im Detail. Aber sie zeigt klar: Gott ist gerecht, barmherzig, und niemand wird verloren gehen, weil Gott zu wenig getan hätte. Verloren geht, wer das Licht, das er hat, zurückweist und im eigenen Weg bleiben möchte.

Darum ist unser Glaube keine reine Privatsache, die man für sich behält. Weil Rettung allein in Christus zu finden ist, sprechen wir von Ihm, aus Liebe zu den Menschen um uns. Schließlich braucht es Diener, die die Einladungen austeilen.

Wir vertrauen darauf, daß Gott besser richtet, als wir es je könnten, aber wir schweigen nicht vor der Hoffnung, die uns anvertraut ist.


Wie antworte ich im Alltag?


Vielleicht fragst du dich, wie man all das in ein kurzes Alltagsgespräch packen soll. Natürlich lassen sich all diese Erklärungen selten an der Supermarktkasse unterbringen.

Aber man kann kleine Schritte gehen: Wenn jemand sagt: „Ich bin doch ein guter Mensch“, kannst du fragen: „Nach welchem Maßstab?“

Du kannst ein Gebot nennen, das jeden betrifft, etwa Ehrlichkeit, und ehrlich von dir selbst erzählen.

Du kannst das Bild vom Hochzeitsfest verwenden: „Stell dir vor, Gott lädt dich zu einem Fest ein, und statt Eintritt zu bezahlen, schenkt Er dir ein Gewand.“

Und dann darfst du die einfache, aber entscheidende Frage stellen: „Willst du Gott mit deinem eigenen Lebenslauf gegenübertreten – oder in dem Gewand, das Jesus dir schenken will?“

Genau da entscheidet sich, ob wir am Ende wirklich „gute Menschen“ sind, nicht in unseren Augen, sondern in SEINEN.


In diesem Sinne: Taucht tief in Gottes Wort ein und prüft alles im Licht Seiner Wahrheit.



Eure Lizzy