Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich sehr verletzlich war. Wir hatten gerade unsere Tochter bekommen, nach einer schwierigen Schwangerschaft. Dieses kleine, zerbrechliche Leben in meinen Armen zu halten, während wir in einem fremden Land lebten, fast ohne Hilfe, machte mich besonders anfällig für Lügen, die sich an Erschöpfung und Angst klammern. Mein Glaube war noch jung, mein Verständnis begrenzt, und plötzlich fühlte sich alles überwältigend an.
Ich erinnere mich an die Zeit, kurz nachdem ich meinen Glaubensweg mit Gott begonnen hatte, als alles unglaublich schwierig wurde. Noch verstrickt in die Lehren des Wohlstandsevangeliums und andere falsche Ideen, war ich geistlich am Limit. Ich fühlte mich von allem verurteilt, von meinen Gedanken, meinen Taten, sogar von jedem Bibelvers, den ich las. Jedes Mal, wenn ich meine Bibel öffnete, sah ich nur, wo ich versagt hatte. Ich las von „den Auserwählten“, und diese fiese Stimme in meinem Kopf flüsterte, dass das alle anderen seien, nur nicht ich.
Damals verbrachte ich Stunden damit, Online-Predigten anzuschauen und versuchte, das Gehörte umzusetzen. Doch was daraus wuchs, war nur Enttäuschung. Und aus der Enttäuschung kamen Zweifel, Zweifel an allem, vor allem aber auch an meinem Heil.
Was habe ich also getan? Wie habe ich das überwunden?
Nun, es war ein Prozess.
Zuerst fasste ich den bewussten Entschluss, nicht aufzugeben und mich nicht auf meine Gefühle zu verlassen. Stattdessen hielt ich an den Zusagen des Gottes der Bibel fest, was die Errettung betrifft. Er sagt, dass Jesus für alle Sünden gestorben ist und dass Er nicht wie ein Mensch ist, der seine Meinung ändert. Der Heilige Geist erinnerte mich früh daran, dass das Herz trügerisch ist und Gefühle selten ein verlässlicher Maßstab für Wahrheit sind. Und doch war mir bewusst, dass mir etwas Entscheidendes fehlte, also hielt ich weiter fest.
In alldem ließ mich ein Gedanke nicht los: Gott hatte mich aus der Esoterik herausgerettet. Konnte ich mich wieder getäuscht haben? Ich zweifelte zwar nie an der Wahrheit Gottes, aber ich hatte Mühe zu glauben, dass Seine Gnade auch mich wirklich erreichen konnte.
Eine der größten Herausforderungen war mein skeptischer Verstand. Immer wenn ich etwas über ein Wunder las, fragte ich mich, ob das wirklich stimmen konnte. Wenn ich über die Auferstehung las, kamen Zweifel hoch. Und damals gab es niemanden in meinem Leben, der bibelfest genug gewesen wäre, um mir Rat oder Gewissheit zu geben.
Gott sei Dank für das Internet.
In Seiner Weisheit „schickte“ Gott mir ein Interview mit Lee Strobel, einem Journalisten, der lange versucht hatte, Gott und die Auferstehung Jesu zu widerlegen. Er recherchierte, forschte und wurde schließlich selbst Christ, weil seine Nachforschungen die Wahrheit der Bibel über Christus bestätigten. Strobels Buch Der Fall Jesus (im Original The Case for Christ), später auch verfilmt, markierte den Beginn meiner eigenen Reise in die Apologetik (also in die Verteidigung und Begründung des Glaubens). Anfangs war ich eine Suchende, heute hoffe ich selber, anderen mit ihren Fragen und Zweifeln helfen zu können.
Doch ehrlich gesagt hat seine Geschichte allein mich noch nicht zum rettenden Glauben geführt. Wie ich schon sagte, ich habe nie an die Existenz Gottes gezweifelt. Dieses neue Wissen öffnete vielmehr eine Tür, die Freiheit, selbst in der Bibel und der Kirchengeschichte zu forschen. Ich begann zu fragen: Wie ist die Bibel eigentlich entstanden? Ist sie zuverlässig? Wurde sie vielleicht politisch verändert? Diese Fragen halfen mir, zuerst meine skeptischen Gedanken loszulassen.
Bis dahin hatte mir nie jemand die Bibel wirklich erklärt. Die Prediger, denen ich folgte, waren meistens Vertreter des Wohlstandsevangeliums, die Bibelverse gezielt aus dem Zusammenhang rissen, um ihre eigenen Ziele zu stützen. Über Prophetie wurde nie gesprochen. Erst viel später entdeckte ich Jesaja 53 und seinen historischen Hintergrund. Ich erfuhr, dass diese Prophezeiung über den leidenden Gottesknecht lange vor Jesu Leben niedergeschrieben wurde und dass die alten Handschriften mit dem Text übereinstimmen, den wir heute lesen. Diese Beständigkeit in Gottes Wort und Charakter überzeugte mich nach und nach, dass das Heil natürlich auch für mich galt. Unser Vater sagt, was Er meint, und meint, was Er sagt.
Mein Problem war inzwischen nicht mehr Unwissenheit über Gottes Wesen, sondern das Bewusstsein meiner eigenen Sündhaftigkeit. Diese innere Überzeugung wurde so schwer, dass ich manchmal dachte, sie würde mich zerbrechen. Ich fühlte mich wie „Christ“ in Die Pilgerreise von John Bunyan, beladen mit einer Last, die fast zu groß war, um sie zu tragen. Manchmal schwankte ich zwischen Hoffnung und Verzweiflung, ich wollte so sehr glauben, fühlte mich aber völlig ungenügend vor einem heiligen Gott.
Dabei kam noch etwas hinzu: Ich sehnte mich nach dieser Gewissheit, die andere hatten, nach dieser tiefen Sicherheit in Christus. Im Laufe der Zeit hatte ich mir viel Bibelwissen angeeignet, und Menschen kamen zu mir, um Rat und Zuspruch zu bekommen. Für andere wirkte mein Glaube sicher, doch innerlich betete ich immer noch zu Gott, mir auch den Weg zu Ihm selbst zu zeigen.
Eines Tages stieß ich auf eine Frage-und-Antwort-Runde einer christlichen Konferenz. Eine junge Frau stand auf und stellte genau die Frage, die mich schon so schwer beschäftigt hatte:
„Woher weiß ich, dass ich gerettet bin?“
Ich weiß nicht mehr, wer geantwortet hat, aber ich werde die Antwort nie vergessen:
„Allein die Tatsache, dass du hier aufstehst und diese Frage stellst, zeigt mir, dass du Gott liebst und von Ihm gerettet werden willst, und dass du es schon bist. Woher ich das weiß? Weil du dich kümmerst. Weil du darüber nachdenkst, ja, dir sogar Sorgen machst. Das zeigt, dass der Heilige Geist in dir ist. Menschen ohne den Heiligen Geist denken selten oder gar nicht über Gott nach oder darüber, was Er von ihnen denkt. Und wenn du den Heiligen Geist hast, bist du von Neuem geboren, folglich von Gott versiegelt und sicher in Ihm.“
Als ich das hörte, fand ich endlich Frieden. Wenn ich heute auf mein Leben zurückblicke, sehe ich, dass Seine Gegenwart und Gnade schon immer da waren, deutlich sichtbar. Mein Problem war nie mein fehlender Glaube an Gott, sondern dass ich einen höheren Maßstab für das Heil hatte als Christus selbst. Ich war in die Falle des Feindes geraten und hatte all die aufdringlichen Gedanken geglaubt, die meine Fehler und Schwächen auf eine Waage legten, auf der ich immer verlieren musste.
Heute kann ich darüber fast schmunzeln. Ich hatte volles Vertrauen in Gottes Rettung für andere, ich glaubte es für sie ohne Zweifel, und doch fiel es mir schwer, es für mich anzunehmen. Hast du dir schon einmal die Liste der biblischen Persönlichkeiten und ihrer Fehler angesehen? Abraham log, Noah betrank sich, David beging Mord, und doch liebte und gebrauchte Gott sie. Irgendwie hatte ich mich selbst für noch schlimmer gehalten.
Die Lektion, die ich schließlich lernte, war diese: Am Ende war mein Problem der Stolz. Ich prüfte mein Leben immer wieder und maß mich an dem, was ich als fehlende „Frucht“ wahrnahm, und genau das ließ mich daran zweifeln, ob ich wirklich von Neuem geboren und verändert war. Dazu kam, dass ich „Werke“ und „Frucht“ oft miteinander verwechselte, weil mir niemand den Unterschied wirklich erklärt hatte. Fast unbemerkt war ich innerlich zu einem Maßstab hingeglitten, der mehr vom Gesetz geprägt war als von der Gnade, sodass ich vor allem sah, wo ich nicht ausreichte, statt mich darauf zu stützen, was Christus bereits für mich getan hatte. In meinen Gedanken wurde Gottes Gesetz mehr zu einer Erinnerung an mein menschliches Versagen, als zu dem, was es in Wahrheit ist: ein Spiegel, der uns unsere Sünde zeigt, damit wir zum Retter laufen. So hatte ich also meinen eigenen Maßstab für das Heil höher gesetzt als das, was Christus am Kreuz bereits vollbracht hatte. Aus Gründen, die ich mir kaum erklären kann, fiel es mir schwer zu glauben, dass Gott mich wirklich kennen und mich trotzdem lieben könnte. Ich hatte der Lüge geglaubt, ich müsste mich erst selbst „verbessern“ und innerlich aufräumen, bevor ich vor Ihm bestehen könnte, statt Ihm diese Arbeit zu überlassen. Ich fühlte mich unwürdig, so wie ich war, vor Gott zu kommen.
Die Lektion, die ich schließlich lernte, war diese: Am Ende war mein Problem der Stolz. Ich prüfte mein Leben immer wieder und maß mich an dem, was ich als fehlende „Frucht“ wahrnahm, und genau das ließ mich daran zweifeln, ob ich wirklich von Neuem geboren und verändert war. Dazu kam, dass ich „Werke“ und „Frucht“ oft miteinander verwechselte, weil mir niemand den Unterschied wirklich erklärt hatte. Fast unbemerkt war ich innerlich zu einem Maßstab hingeglitten, der mehr vom Gesetz geprägt war als von der Gnade, sodass ich vor allem sah, wo ich nicht ausreichte, statt mich darauf zu stützen, was Christus bereits für mich getan hatte. In meinen Gedanken wurde Gottes Gesetz mehr zu einer Erinnerung an mein menschliches Versagen, als zu dem, was es in Wahrheit ist: ein Spiegel, der uns unsere Sünde zeigt, damit wir zum Retter laufen. So hatte ich also meinen eigenen Maßstab für das Heil höher gesetzt als das, was Christus am Kreuz bereits vollbracht hatte. Aus Gründen, die ich mir kaum erklären kann, fiel es mir schwer zu glauben, dass Gott mich wirklich kennen und mich trotzdem lieben könnte. Ich hatte der Lüge geglaubt, ich müsste mich erst selbst „verbessern“ und innerlich aufräumen, bevor ich vor Ihm bestehen könnte, statt Ihm diese Arbeit zu überlassen. Ich fühlte mich unwürdig, so wie ich war, vor Gott zu kommen.
Aber Gott hat in Seiner Gnade eine wunderbare Art, unsere Sicht zu korrigieren.
Er erinnerte mich immer wieder daran, dass Seine Zusage einfach und unerschütterlich bleibt:
„Wer an mich glaubt und meinen Namen bekennt, wird gerettet werden.“
Am Ende habe ich verstanden: Das Heil hing nie davon ab, was ich bringen, beweisen oder leisten konnte. Es geht allein darum, was Er bereits getan hat. Jonathan Edwards hat es einmal so gesagt:
„Du trägst nichts zu deiner Errettung bei, außer der Sünde, die sie notwendig machte.“
Diese Worte rissen die letzte Schicht meines Stolzes weg und hinterließen nur Dankbarkeit. All das Ringen, die Angst, das ständige Messen und Vergleichen waren unnötig, denn Christus hatte längst alles vollbracht, wonach mein Herz sich sehnte. Und wenn der Zweifel heute noch einmal anklopft, schaue ich zum Kreuz und erinnere mich: Meine Errettung lag nie in meinen Händen.
Wenn du vielleicht mit ähnlichen Fragen ringst, darfst du wissen: Du bist damit nicht allein, und unser himmlischer Vater ist gnädig und geduldig. Klopfe weiter an, denn wer klopft, dem wird geöffnet.
In diesem Sinne
Eure Lizzy





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