Wer Interesse an den vorhergehenden Beiträgen hat, findet hier den ursprünglichen Beitrag und hier den ersten Nachtrag.
Wieder bin ich auf einen Bericht gestoßen, der mich nicht loslässt. Diesmal geht es um Brigitte Stegemann, eine 83-jährige christliche Frau in Kanada. Legitim berichtet unter Berufung auf die Daily Mail und die Aussagen ihrer Enkelin, dass ihr Leben durch MAID gegen ihren Willen beendet worden sei.
Was mich besonders erschüttert: Nach den Aussagen ihrer Enkelin hatte Brigitte bereits beim ersten Gespräch über MAID klar gesagt: „Nein, das will ich nicht.“ Ihre Enkelin hatte ihr nach der Krebsdiagnose die verschiedenen Möglichkeiten erklärt, auch die medizinische Hilfe beim Sterben. Brigitte habe diese ausdrücklich abgelehnt. Ihr christlicher Glaube habe dabei eine wichtige Rolle gespielt.
Später fanden dennoch Gespräche und Beurteilungen zu MAID statt. Die Enkelin berichtet, dass ihre Großmutter stark hörgeschädigt war und Englisch nicht ihre Muttersprache war. Bei einem Gespräch habe die Ärztin weder von „Tod“ noch von „Sterben“ gesprochen, sondern von Medikamenten, Frieden und Schmerzfreiheit. Als die Enkelin ihrer Großmutter zwei Tage vor dem vorgesehenen Termin ausdrücklich erklärte, dass sie am Freitag sterben werde, sei diese fassungslos gewesen und habe unter Tränen gesagt: „Ich habe einen Fehler gemacht.“
Nach Darstellung der Enkelin gab Brigitte auch am Tag ihres Todes keine ausdrückliche Zustimmung mehr. Sie habe weder gesprochen noch genickt, als die Ärztin sie fragte, ob die Verabreichung der Medikamente für sie in Ordnung sei. Dennoch sei fortgefahren worden.
Auch hier möchte ich ehrlich bleiben und darauf hinweisen, dass es sich um schwere Vorwürfe handelt, die in diesem Bericht vor allem auf dem persönlichen Zeugnis der Enkelin beruhen. Der Artikel gibt zugleich wieder, dass die behandelnden Ärzte und das Pflegeheim von einer rechtmäßigen Einwilligung ausgegangen seien. Eine abschließende Klärung enthält der Bericht nicht. Laut der darin zitierten Polizei von Belleville wird der Vorfall untersucht.
Aber gerade deshalb dürfen diese Fragen nicht verschwinden. Was bedeutet Einwilligung, wenn ein Mensch möglicherweise nicht versteht, wozu er einwilligt? Wie wird sichergestellt, dass ein anfangs deutlich ausgesprochenes Nein respektiert wird und jede spätere Entscheidung wirklich verstanden und freiwillig getroffen ist?
Was schützen Regeln und Gutachten, wenn das Nein eines Menschen möglicherweise nicht ernst genommen wird? Wer stellt sicher, dass gerade die Menschen gehört werden, die sich selbst kaum noch Gehör verschaffen können?
Für mich bleibt der christliche Auftrag derselbe. Bei dem Menschen bleiben. Schmerzen lindern. Zuhören. Ihn nicht auf seine Krankheit oder seine Abhängigkeit reduzieren. Sein Leben verliert nicht an Würde, nur weil er Hilfe braucht.
In diesem immer noch sehr nachdenklichen Sinne,
Eure Lizzy
Quellen: legitim (Deutsch)
Dailymail (Englisch)

