Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Jahre mit Jesus. Oft empfand ich mich als unwürdig, eine gute Mutter, eine liebevolle Ehefrau oder eine engagierte Angestellte zu sein – geschweige denn eine treue Christin! Meine Schwächen und Fehler standen mir deutlich vor Augen, mein sündiges Wesen überwältigte mich. Ich wusste, dass die Bibel mir helfen könnte, doch es gab Tage, an denen ich sie nicht aufschlagen wollte. Ich war ungeduldig mit meiner Tochter, unversöhnlich gegenüber meinem Mann, traf Entscheidungen, die nicht mit Gottes Willen übereinstimmten, und schaffte es dennoch, mich vor mir selbst zu rechtfertigen.
An solchen Tagen erschien mir das Gebet
unerreichbar. Die Scham lastete so schwer auf mir, dass ich mich kaum wagte,
vor Jesus zu treten. Doch ist das der Weg, den Gott für mich vorgesehen hat?
Heute weiß ich: Nein, das ist er nicht. Gott sei Dank habe ich im Laufe der
Zeit verstanden, wie gütig und liebevoll unser himmlischer Vater ist.
Es ist richtig, dass wir uns ärgern, wenn wir
gesündigt haben. Das zeigt, dass unser Gewissen noch empfindsam ist, dass wir
erkennen, wenn wir etwas falsch gemacht haben. Diese Erkenntnis soll uns zur
Umkehr führen. Aber manchmal kann Scham uns so sehr erdrücken, dass sie uns von
Gott entfernt, anstatt uns zu ihm zu führen. Genau da liegt das Problem.
In solchen Zeiten, versuche ich mich an die Stimme
in der Wüste zu erinnern, eine Stimme die auch meine eigene innere Wüste
durchbricht:
"Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt
wegnimmt!" (Johannes
1,29)
Jesus ist nicht nur für die Sünden gestorben, die
ich vor meiner Bekehrung begangen habe, sondern für alle Sünden. Die
Schuldgefühle, die mich manchmal übermannen, sind nichts anderes als das
Flüstern des Feindes. Er will mich davon überzeugen, dass ich unwürdig bin,
dass meine Fehler mich von Gott trennen. Aber die Wahrheit ist: Der Feind wurde
besiegt, als Jesus am Kreuz starb und wieder auferstand. Er hat keine Macht
mehr über mich – es sei denn, ich gebe sie ihm, indem ich seine Lügen glaube.
Was mich befreit? Die Wahrheit über Gott und meine
Identität in ihm. Ich bin nicht nur seine Schöpfung, sondern sein Kind.
Er hat mich in seine Familie aufgenommen, mich versiegelt und nennt sich selbst
meinen Vater im Himmel. Und ein guter Vater liebt seine Kinder, selbst wenn sie
Fehler machen.
Denken wir an unsere eigenen Kinder, Neffen,
Nichten oder die Kinder unserer Freunde. Wir lieben sie in jeder Phase ihres
Lebens: als Babys, als Kleinkinder, in der Schulzeit, in der Pubertät und auch
dann, wenn sie erwachsen sind. Hört diese Liebe auf, wenn sie Fehler machen?
Nein! Auch wenn sie uns enttäuschen, würden wir sie niemals aufgeben. Wie viel
mehr liebt uns unser himmlischer Vater, der vollkommen und unendlich geduldig
ist?
Paulus beschreibt diesen inneren Kampf so ehrlich:
"Denn ich verstehe mein eigenes Handeln nicht. Denn ich tue nicht, was ich will, sondern ich tue das, was ich hasse." (Römer 7,15)
Es tröstet mich zu wissen, dass selbst Paulus –
dieser außergewöhnliche Mann Gottes – mit sich gerungen hat. Meine Sünden
wurden am Kreuz vergeben, als Jesus sein heiliges Blut für mich vergoss. Der
Preis war unvorstellbar hoch, doch Jesus zahlte ihn aus Liebe.
Aber eines hat sich nicht verändert: meine
menschliche Natur. Ich bin und bleibe fehlerhaft. Deshalb wende ich mich an
Gott, um Weisheit zu erlangen, um zu lernen, um mich von Ihm erziehen zu
lassen. Und wenn ich falle, darf ich wissen, dass Er mich auffängt und wieder
aufrichtet.
Er liebt mich. Jesus liebt mich. Der Heilige Geist
liebt mich. Und er erinnert mich – manchmal sanft, manchmal nachdrücklicher –
daran, dass "alle gesündigt haben und die Herrlichkeit Gottes
verfehlen" (Römer 3,23). Ich bin keine Ausnahme. Aber ebenso wenig
bin ich eine Ausnahme, wenn es um seine Gnade geht.
Ich will mich nicht mehr von Schuldgefühlen
niederdrücken lassen. Ich will mich daran erinnern, dass sogar Paulus kämpfte,
dass Jesus für alles bezahlt hat – für die Vergangenheit, die Gegenwart und die
Zukunft. Ich will mich entscheiden, auf die Stimme der Wahrheit zu hören und
nicht auf die eines besiegten Lügners. Mein Vertrauen will ich allein auf Jesus
setzen.
Und ich will beten:
"Gott, ich weiß, dass ich ein Sünder bin. Ich
weiß, dass ich die Konsequenzen meiner Sünde verdient habe. Doch ich vertraue auf
Jesus Christus als meinen Retter. Ich glaube, dass sein Tod und seine
Auferstehung meine Vergebung bewirkt haben. Ich vertraue auf Jesus und Jesus
allein als meinen Herrn und Erlöser. Amen."
Dieses Gebet ist nicht nur ein Lippenbekenntnis. Es
ist die Wahrheit, die mein Herz erfüllt. Ich bin erlöst, nicht wegen meiner
Leistung, sondern wegen seiner unermesslichen Gnade. Und das ist das Fundament,
auf dem ich stehen will.
In diesem Sinne,
Eure Lizzy