Freitag, 16. Januar 2026

Die Sache mit den Götzen im Haus

Ein neuer Beitrag – und eine alte Beobachtung

Ich kann es kaum glauben – ist wirklich ein ganzer Monat seit meinem letzten Beitrag vergangen? Sind wir tatsächlich schon mitten im Januar? Wer hat bitte die Zeit gestohlen? Nun ja: Familie Faithful hatte ein sehr schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Aber wie das so ist – der Urlaub ist vorbei, der Alltag ist wieder eingezogen. Und irgendwann kam der Punkt, an dem ich mich fragte, worüber ich eigentlich schreiben könnte. Der nächste Serienbeitrag ist noch in Arbeit. Und während ich darüber nachdachte, erinnerte mich der Heilige Geist an etwas, das mir in den letzten Wochen immer wieder aufgefallen war.

Wie jedes Jahr in der Vor- und Nachweihnachtszeit besucht man viele Geschäfte, man ist bei Freunden und Bekannten zu Gast, und natürlich schaut man sich um. Und was mir fast überall auffiel, war Dekoration. Ich meine dabei nicht Weihnachtsbäume oder Nussknacker. Ich meine etwas anderes: Götzen.




„Das ist doch nur Deko … oder?“

Praktisch überall, wo ich hinkam, fanden sich Buddhas und Hindu-Statuen, Traumfänger in Fenstern, japanische Dämonenmasken an den Wänden. Kleine Statuen, große Statuen, freundlich lächelnd, scheinbar harmlos. Und niemand scheint sich daran mehr zu stoßen.

„Aber Lizzy, jetzt sei doch nicht so“, höre ich es förmlich. „Buddhas sind doch süß – der dicke Bauch, das lachende Gesicht. Und die anderen Figuren sind doch elegant, machen eine schöne Atmosphäre oder sind richtig cool. Das ist doch einfach Deko. Total Zen. Du übertreibst doch sicher, oder?“

Übertreibe ich wirklich?

Was die Bibel dazu sagt

Die Bibel ist an diesem Punkt erstaunlich eindeutig:

„Du sollst dir kein Bildnis machen, noch irgendein Gleichnis von dem, was im Himmel oben oder auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde ist. Du sollst sie nicht anbeten noch ihnen dienen; denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott“
(2. Mose 20,4–5).

Und genau hier beginnt das eigentliche Problem. Nicht erst dort, wo Menschen sich vor Statuen niederwerfen oder Räucherstäbchen anzünden. Sondern viel früher. Dort, wo wir anfangen, Spiritualität zu verniedlichen, zu ästhetisieren, zu „neutralisieren“ – und sie dann wie ein Wohnaccessoire in unseren Alltag integrieren, ohne uns auch nur einen Moment ehrlich zu fragen: Was ist das eigentlich? Und was tue ich da?

Ein altes Muster: Das goldene Kalb

Ich persönlich glaube, wir verstehen die Welt, in der wir leben, falsch. Und wir verstehen uns selbst falsch. Der Mensch hat seit jeher die Angewohnheit, Dinge wegzuerklären, umzudeuten, zu rechtfertigen oder schlicht zu ignorieren. Unsere Generation ist darin nicht einzigartig – nur besonders effizient, bequem und dazu noch unwissend. Schon das Volk Israel liefert uns ein erschreckend klares Beispiel dafür, wie schnell Götzendienst entsteht.

Im zweiten Buch Mose, als Mose länger auf dem Berg blieb und nicht zurückkam, wurde das Volk unruhig. Und was sie dann sagten und taten, ist aufschlussreicher, als man auf den ersten Blick meint:

„Auf, mache uns Götter, die vor uns hergehen! Denn wir wissen nicht, was diesem Mann Mose widerfahren ist, der uns aus Ägyptenland geführt hat.“
(2. Mose 32,1)

Hier wird nichts beschönigt. Die Israeliten sprechen nicht vom HERRN. Sie bitten nicht um ein Zeichen, nicht um eine Erinnerung, nicht um Hilfe. Sie verlangen neue Götter. Und noch etwas ist bemerkenswert: Sie schreiben die Befreiung aus Ägypten nicht Gott, sondern Mose zu.


Abkehr trotz sichtbarer Gegenwart Gottes

Und das ist das eigentlich Erschütternde daran: Gott war keineswegs abwesend. Er hatte sich dem Volk sichtbar offenbart – als Wolkensäule am Tag, als Feuersäule bei Nacht. Am Sinai kam er in gewaltiger Weise herab, für alle sichtbar, in Feuer, Rauch und Donner. Gottes Gegenwart war Realität, nicht Theorie.

Und dennoch geschieht in diesem Moment etwas Entscheidendes. Als Mose aus dem Blickfeld verschwindet, verschiebt sich der Bezugspunkt. Nicht, weil Gott abwesend wäre – seine Gegenwart war weiterhin sichtbar und real –, sondern weil der Mensch beginnt, sich ihr zu entziehen.

Gott bleibt derselbe. Er führt, spricht, fordert und wartet. Doch genau darin liegt die Spannung. Seine Nähe lässt sich nicht lenken. Seine Wahrheit nicht anpassen. Sein Wille nicht formen. Und an diesem Punkt beginnt der Mensch, nach etwas anderem zu greifen.

Wie Götzen und Religionen entstehen

Hier zeigt sich ein Mechanismus, der sich durch die gesamte Religionsgeschichte zieht.

Wo der Mensch sich der lebendigen Gegenwart Gottes verschließt, entsteht Raum für etwas, das greifbar ist. Wo Offenbarung bindet, wird etwas gesucht, das sich einfacher handhaben lässt. Und so wird etwas Neues geschaffen – nicht, weil Gott fehlt, sondern weil der Mensch sich seiner Heiligkeit entzieht.

Das goldene Kalb entsteht nicht aus Orientierungslosigkeit, sondern aus diesem Prinzip: Ein geschaffenes Objekt übernimmt eine geistliche Funktion. Es steht da. Es ist sichtbar. Es lässt sich deuten, tragen, weitergeben. Und genau deshalb kann ihm zugeschrieben werden, was eigentlich Gott gehört.

Als das Kalb fertig ist, wird es offen ausgesprochen:

„Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat“
(2. Mose 32,4).

Gottes Werk wird umgedeutet. Neu zugeschrieben. Einem Objekt zugesprochen, das aus einer neuen religiösen Vorstellung geboren wird. Der lebendige Gott wird nicht nur ignoriert – er wird ersetzt.

Das Muster wiederholt sich – bis heute

Und genau hier liegt das verbindende Prinzip zu unserer Zeit.

Denn auch heute geht es selten um offene Anbetung. Es geht – wie damals – um Ersatz. Um etwas, das da ist, wenn der Mensch sich der Wahrheit Gottes entzieht. Um etwas Sichtbares, während der lebendige Gott Vertrauen verlangt. Um etwas, das nichts fordert – und gerade deshalb angenommen wird.

Das goldene Kalb war kein historischer Einzelfall. Es war ein geistliches Muster. Und dieses Muster begegnet uns heute wieder – nur moderner, ästhetischer und gesellschaftlich akzeptiert.

Die Statuen, Masken und Symbole unserer Zeit sind geistlich gesehen nichts anderes als neu gegossene goldene Kälber. Sie stammen aus Religionen, Weltbildern und Glaubenssystemen, die nicht von Gott sind, sondern ihm widersprechen. Und dennoch werden ihnen Eigenschaften zugeschrieben, die allein Gott gehören: Frieden, Schutz, Harmonie, Orientierung, Sinn.


Symbole sind nicht neutral

Und damit sind wir bei einem Punkt, den wir oft unterschätzen: Symbole sind nicht neutral.

An dieser Stelle ist eine wichtige Unterscheidung nötig. Nicht jedes Symbol ist automatisch ein Götze. Ein Ehering ist ein Symbol – aber kein Götze. Eine Flagge ist ein Symbol. Auch Worte, Gesten und Bilder können symbolisch sein, ohne geistlich problematisch zu werden.

Der Unterschied liegt nicht in der Symbolik selbst, sondern in ihrer geistlichen Verortung.

Religiöse Symbole aus fremden Glaubenssystemen wurden nicht geschaffen, um lediglich etwas zu „erinnern“ oder „darzustellen“. Sie wurden geschaffen, um spirituelle Wirklichkeit abzubilden, zu vermitteln oder zugänglich zu machen. Sie stehen für ein bestimmtes Verständnis von Gott, Erlösung, Macht und Wahrheit.

Und genau deshalb kann man sie nicht von ihrem Ursprung trennen.

Wenn Symbolik geistliche Bedeutung übernimmt

Ein Symbol, das aus einer Religion stammt, trägt diese Religion mit sich – auch dann, wenn man sie nicht teilt. Es ist nicht leer. Es ist nicht neutral. Es ist geistlich aufgeladen, weil es von Anfang an in einem spirituellen Kontext verankert ist.

Wenn heute einem Buddha Frieden zugeschrieben wird, dann ist das keine harmlose Bedeutungsverschiebung. Es ist die Übernahme einer spirituellen Aussage: Frieden ohne Gott. Erlösung ohne Kreuz. Ruhe ohne Wahrheit. Und damit wird einem Symbol etwas zugesprochen, was allein Gott gehört.

Hier schließt sich der Kreis zum goldenen Kalb. Auch dort wurde einem geschaffenen Objekt geistliche Bedeutung und göttliches Wirken zugeschrieben. Nicht, weil das Objekt diese Macht hatte – sondern weil Menschen bereit waren, sie ihm zu geben.

Es ist nie „nur“ ein Symbol

Man kann Symbole nicht von ihrem Ursprung trennen. Geschichte verschwindet nicht durch Umbenennung. Geistliche Herkunft löst sich nicht auf, nur weil wir sie ignorieren. Ein Zeichen wirkt nicht erst dann, wenn wir es bewusst verehren, sondern schon dann, wenn wir ihm Raum geben.

Viele der Symbole, die heute unsere Wohnungen, Gärten und Lebensräume schmücken, stammen aus religiösen Systemen, die den biblischen Gott ausdrücklich ausschließen. Und dennoch schreiben wir ihnen Dinge zu, die allein Gott gehören: innere Ruhe, Schutz, Ausgleich, Sinn, Orientierung.

Damit wiederholt sich exakt das Prinzip des goldenen Kalbes – nicht in der Form, aber im Wesen.

Die entscheidende Frage

Man muss nicht niederfallen, um einen Gott zu ersetzen.
Es reicht, ihm den Platz zu nehmen, der Gott allein gehört: Vertrauen, Orientierung, Sicherheit, Sinn.

Die Bibel ist auch hier unmissverständlich:

„Was die Heiden opfern, das opfern sie den Dämonen und nicht Gott“
(1. Korinther 10,20).

Das ist keine kulturelle Bewertung. Das ist eine geistliche Einordnung. Hinter falschen Göttern steht keine Leere. Hinter ihnen steht auch nicht bloß menschliche Fantasie. Hinter ihnen steht eine reale geistliche Wirklichkeit, die im Gegensatz zu Gott steht.

Und damit zerbricht endgültig das Argument: „Das ist doch nur Deko.“

Denn geistlich betrachtet gibt es kein „nur“. Dinge haben eine Herkunft. Symbole haben eine Bedeutung. Und geistliche Realitäten verschwinden nicht, nur weil wir sie ästhetisch verpacken.

Ein letzter Gedanke

Am Ende bleibt eine sehr persönliche Frage, der wir nicht ausweichen können:

Ist mir die Deko wichtiger als Gott?
Was gibt mir wirklich Frieden?
Wem schreibe ich Schutz, Orientierung und Sinn zu?
Und weiß ich eigentlich, worauf ich mich einlasse?

Vielleicht ist heute der Moment, einmal ehrlich durch die eigenen vier Wände zu gehen – nicht mit dem Blick eines Einrichtungskatalogs, sondern mit geistlicher Nüchternheit. 

Denn am Ende ist es nie nur ein Symbol.
Es geht darum, wem wir Raum geben und welche Wahrheit wir dafür preisgeben.


In diesem Sinne: Taucht tief in Gottes Wort ein und prüft alles im Licht Seiner Wahrheit.


Eure Lizzy



Mittwoch, 17. Dezember 2025

Wenn das Reich Gottes zum Projekt wird – Gedanken zum 7-Berge-Mandat

Dieser Text richtet sich nicht gegen politisches Engagement von Christen, sondern gegen eine Theologie, die Erlösung durch Einfluss ersetzt.

In den letzten Monaten habe ich mich intensiv mit der sogenannten 7-Mountain-Mandate-Lehre beschäftigt (7 Berge Mandat). Vielleicht hast du davon gehört – vielleicht auch nicht. Aber ich glaube, es ist wichtig, darüber zu sprechen, weil diese Ideen längst nicht mehr nur in Amerika kursieren. Sie sickern ganz leise und freundlich formuliert auch in unsere Gemeinden hinein, besonders dort, wo man stark auf junge Generationen setzt.

Ich lese mich gerade durch C. Peter Wagners *Dominion!*¹ und andere Texte rund um das sogenannte 7-Berge-Mandat, auch bekannt als die Sieben Einflusssphären. Je länger ich mich damit beschäftige, desto deutlicher merke ich: Das ist nicht einfach „ein bisschen Vision für Gesellschaft“, sondern eine eigene Theologie – und zwar eine, die ziemlich weit weg ist vom Evangelium, wie ich es in der Bibel finde.

Kurz zur Einordnung:
So weit wie ich es finden kann, tauchten die „Sieben Berge“ erstmals in den 1970er-Jahren bei Loren Cunningham und Bill Bright auf²–³. Beide berichten, dass ihnen diese sieben Bereiche nicht einfach als praktische Idee kamen, sondern als besondere Eingabe bzw. direkte Führung Gottes, also im Kontext angeblich außerbiblischer Offenbarungen. Später hat Lance Wallnau das Modell stark geprägt und in eine dominionistische Richtung weiterentwickelt⁴. C. Peter Wagner wiederum verband dieses Konzept klar mit der Neuen Apostolischen Reformation (NAR) und ihren modernen Aposteln und Propheten⁵.

Die Bewegung spricht von sieben „Bergen“, die Christen angeblich „zurückerobern“ sollen:

  • Religion
  • Familie
  • Bildung
  • Medien
  • Regierung
  • Kunst & Unterhaltung
  • Wirtschaft

Ich möchte mich in dieser Reihe vor allem einem dieser Berge widmen: der Regierung.
Warum? Weil er der sichtbarste – und ehrlich gesagt der gefährlichste – ist.

Die NAR lehrt, dass Gott heute wieder Apostel und Propheten eingesetzt habe, denen sich Christen unterordnen sollen⁵. In vielen bibeltreuen Gemeinden hört man inzwischen Warnungen, dass diese Richtung am Ende in eine Art geistliche Oberherrschaft führen kann.



„Dominieren“ durch „gute Menschen“?

An deiner Stelle musste ich beim Lesen wirklich innehalten. Wagner schreibt in seinem Buch *Dominion!*¹ tatsächlich Folgendes:

Damit sich eine Gesellschaft verändern kann, muss jeder der sieben Berge von ‚guten Menschen‘ beeinflusst oder sogar dominiert werden – ganz gleich, ob sie Christen oder Nichtchristen sind. Dies ist eine positive Sichtweise auf den Dominionismus.
(eigene Übersetzung)

Und genau hier beginnt für mich das Problem.

Erstens: Das Wort dominieren ist im biblischen Kontext hochsensibel. Jesus selbst hat klar gesagt, dass unter seinen Nachfolgern nicht geherrscht werden soll wie in der Welt. Wenn Wagner „Dominionismus“ als etwas Positives darstellt, entfernt er sich von genau diesem Grundprinzip christlicher Lehre.

Zweitens: Er setzt voraus, dass „gute Menschen“ – unabhängig davon, ob sie wiedergeboren sind oder nicht – etwas Geistliches oder Christliches hervorbringen könnten.
Aber ein „guter Mensch“ rettet niemanden, nicht einmal sich selbst. Ohne Wiedergeburt gibt es keine Heiligung, keine geistliche Unterscheidung, keine echte Gottesfurcht. Selbst der gläubige Christ kämpft täglich mit seinem Fleisch. Wie soll also aus einer Mischung gefallener (und teils unerlöster) Menschen eine Gesellschaft entstehen, die „Gott reflektiert oder gar seine Wiederkunft vorbereiten kann“?

Drittens: Wenn die Grundlage nicht Christus selbst, sondern bloß ein moralisches Ideal ist, öffnet das Tür und Tor für alles Mögliche. Gerade in Verbindung mit der NAR – die neue Apostel und Propheten mit modernen Offenbarungen ins Spiel bringt – wird das zu einem gefährlichen Gedankensystem. Wie sollen „gute Menschen“ beurteilen, welche Offenbarung wirklich von Gott ist, wenn sie den Heiligen Geist gar nicht haben oder Sein Wort nicht kennen?

Viertens: Die Vorstellung, dass wir durch menschliche Einflussnahme eine Gesellschaft schaffen könnten, die „bereit für Jesus“ ist, widerspricht der gesamten biblischen Lehre über das Menschenbild und die Endzeit. Jesus selbst sagte, dass Seine Wiederkunft sein wird „wie in den Tagen Noahs“ (Matthäus 24): gewöhnlicher Alltag, moralischer Verfall, geistliche Blindheit und eine Welt, die weder Gott ehrt noch mit Seinem Kommen rechnet.



Das ist das genaue Gegenteil eines christlichen Utopia.

Und die Bibel macht ebenso klar, dass die eigentliche Erneuerung der Welt nicht durch menschliche Mühe geschieht, sondern erst nach Gottes endzeitlichem Gericht. Erst wenn Christus wiederkommt, richtet und alles vollendet hat, schafft Gott selbst einen neuen Himmel und eine neue Erde (Offenbarung 21).
Erst dann wird die Schöpfung wirklich erneuert — niemals vorher und niemals durch menschliches Handeln.

Eine geheiligte oder perfektionierte Welt vor diesen Ereignissen ist biblisch nicht verankert.
Sie ist keine Verheißung Gottes, sondern eher eine menschliche Illusion, eine Hoffnung, die nicht dem entspricht, was Jesus und die Apostel über die letzte Zeit gesagt haben.

  • Wir sind gefallen.
  • Wir werden erst durch Christus erneuert.
  • Und erst Gottes eigenes Eingreifen nach dem endgültigen Gericht stellt die Schöpfung vollkommen wieder her.

Kurz gesagt:
Hier geht es nicht um Jüngerschaft oder Evangelium, sondern um Machtgewinn und kulturelle Kontrolle - und das ist der Kern des Problems.

Ein „Gottesideal“ statt eines Erlösers

Wagner formuliert auf Seite 9 in *Dominion!*¹, seine Hoffnung sei, dass Menschen, die „Gottes Ideal für menschliches Leben“ teilen, in einflussreiche Positionen gelangen.
Das klingt nett – aber es ist theologisch leer.

Gott hat uns kein Ideal geschickt.
Er hat uns seinen Sohn geschickt.

Das Evangelium ist kein Werteprogramm.
Es ist Rettung für Sünder.

Und es ist Christus selbst, der eines Tages alles neu machen wird – nicht wir.

Und wenn wir anfangen, das Reich Gottes auf moralische Einigkeit zu bauen, statt auf Wiedergeburt, dann rückt das Kreuz immer weiter in den Hintergrund. Die Botschaft verschiebt sich:

  • Vom Ruf zur Umkehr hin zu einem kulturellen Projekt

  • Von Erlösung hin zu Verbesserung

  • Von der Kraft Gottes hin zur Macht des Menschen

Unterschwellig entsteht dabei ein Denken, das der Vorstellung sehr nahekommt, dass am Ende eigentlich jeder „dazugehört“, solange er ein „guter Mensch“ ist und sich an bestimmte Werte hält.
Christus wird dabei nicht offen abgelehnt – Er wird einfach nicht mehr notwendig.

Doch das Neue Testament zieht hier eine klare Linie:

  • Nicht moralische Anständigkeit rettet, sondern die Anerkennung Christi.
  • Nicht gute Absichten, sondern Umkehr.
  • Nicht ein gemeinsames Ideal, sondern das Kreuz.

Wenn „gut sein“ genügt, verliert das Evangelium seine Wahrheit und seine Kraft.
Dann bleibt von der guten Nachricht am Ende nur noch ein ethischer Appell übrig.
Und ein solcher Appell kann vielleicht eine Gesellschaft regulieren, aber keinen Menschen erlösen.


Was passiert, wenn Apostel über Politik gestellt werden?

Die NAR ist nicht nur ein theologischer Trend. Sie bringt eine konkrete Struktur mit sich: moderne Apostel und Propheten, deren „Offenbarungen“ für Gläubige bindend sein sollen⁵.
Und sobald man das nicht nur als Kirchen- oder Gemeindethema betrachtet, sondern als etwas, das in reale Verantwortung hineinwirkt, wird es plötzlich sehr praktisch.

In der Praxis heißt das:

  • Ein Geschäftsführer müsste sich stärker von seinem „Propheten“ leiten lassen als von seinem Aufsichtsrat.
  • Ein Politiker müsste Entscheidungen eher nach einer prophetischen Eingebung als nach Verfassung und Gewissen treffen.
  • Kritik könnte schnell als „Rebellion gegen Gottes Ordnung“ abgetan werden.

Damit entsteht – ohne dass es so genannt wird – eine Schattenregierung: geistliche Leiter, die weltliche Entscheidungen mitbestimmen, aber ohne demokratische Kontrolle. Genau diese Entwicklung wird inzwischen weltweit kritisch beobachtet⁶–⁸.

Und genau hier wird es heikel. Denn in diesem Denken entsteht schnell der Eindruck, man dürfe Entscheidungen, Strukturen oder Leitungsansprüche gar nicht mehr hinterfragen – schließlich berufe man sich ja auf Gottes Offenbarung.
Kritik wirkt dann nicht mehr wie verantwortliches Prüfen, sondern wie ein Angriff auf Gott selbst.

Besonders deutlich zeigt sich das dort, wo Bibelstellen wie „Tastet meine Gesalbten nicht an“ (Ps 105,15) aus ihrem Zusammenhang gelöst und auf heutige geistliche Leiter angewendet werden.
Wer dann Fragen stellt oder Widerspruch äußert, gilt nicht mehr als jemand, der prüft, sondern als jemand, der angeblich Gottes Autorität infrage stellt.

Doch genau das widerspricht dem biblischen Zeugnis.
Gottes Offenbarung entzieht sich nicht der Prüfung durch Sein Wort.
Und geistliche Leitung steht niemals über der Schrift – egal, wie „gesalbt“ sie sich nennt.

Spätestens an diesem Punkt stellt sich jedoch eine noch grundlegendere Frage.
Wenn das Reich Gottes nicht mehr klar an Christus, Wiedergeburt und Erlösung gebunden ist, sondern an ein abstraktes „Gottesideal“, dann bleibt offen, wer eigentlich dazugehören darf – und auf welcher Grundlage.


Andere Religionen – das theologische Grundproblem

Wagner schreibt, auch Nichtchristen oder Angehörige anderer Religionen könnten Teil dieser „Transformation“ sein, solange sie ein bestimmtes „Gottesideal“ teilen⁷.
Mir geht es hier nicht um Kulturkritik.
Sondern um einfache theologische Logik:

Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus – sie alle geben unterschiedliche Antworten auf die Grundfragen des Lebens⁸:

Wer ist Gott?
Was ist Wahrheit?
Was ist Sünde?
Wie wird ein Mensch gerettet?

Diese Weltbilder sind nicht kompatibel.

Wenn das Ziel wirklich sein soll, „Gottes Reich“ sichtbar zu machen, funktioniert das nicht durch eine Mischung religiöser Konzepte.


Die Bibel ist klar:

Einheit entsteht allein durch Christus, nicht durch gemeinsame Moral.
Ohne Wiedergeburt gibt es keine geistliche Einheit¹⁰.

Alles andere mag religiös aussehen, aber es ist nicht das Reich Gottes.


Und wir im deutschsprachigen Raum?

Ich weiß, vieles klingt „sehr amerikanisch“. Aber das 7-Mandate-Vokabular taucht inzwischen auch in europäischen Gemeinden auf – besonders dort, wo Vision und Aktivismus hoch im Kurs stehen.

Ich verstehe das. Man will etwas bewirken, nicht nur „Kirche spielen“.

Aber genau deswegen ist es so wichtig, hinzusehen:

  • Wo endet biblisches Engagement?
  • Wo beginnt eine Vision, die ohne Gnade auskommt?
  • Wo wird das Kreuz durch Macht ersetzt?

Mir fällt in diesen Texten oft eines auf:
Viel über gesellschaftliche Veränderung – wenig über Erlösung.
Viel über Einfluss – wenig über Buße.
Viel über Berge – wenig über Christus.

Am Ende bleibt für mich eine einfache, aber entscheidende Frage:
Vertrauen wir darauf, dass Gott sein Reich selbst baut, oder versuchen wir, es an seiner Stelle zu organisieren?

Die Bibel lädt uns nicht dazu ein, die Welt zu beherrschen oder einen „Himmel auf Erden“ zu errichten, sondern Christus treu zu bezeugenNicht durch Macht, sondern durch Wahrheit.
Nicht durch Einfluss, sondern durch das Kreuz.

Gerade in einer Zeit, in der viele nach schnellen Lösungen, klaren Strategien und sichtbaren Erfolgen suchen, tut es gut, sich daran zu erinnern:
Das Reich Gottes wächst nicht durch Programme, sondern durch das Wirken Gottes selbst – oft leise, oft unspektakulär, aber immer aus der Mitte Christi heraus.

Wie es weitergeht

In nächsten Beiträgen möchte ich genauer hinschauen, mit welchen Mechanismen diese Bewegung ihren Einfluss ausweiten will, und warum gerade diese Ansätze so anziehend wirken:

  • Wie im Himmel so auf Erden
  • Umverteilung von Reichtum als geistliches Prinzip
  • Gesellschaftliche Transformation als Glaubensauftrag
  • Geistliche Berufung im Berufsleben und auf dem Marktplatz

Für jetzt aber ist erst einmal eine Pause dran.
Weihnachten steht vor der Tür, und ich möchte diese Zeit bewusst nutzen, um mich auf Jesus, auf Familie und auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Die Recherche, das Lesen und das Weiterdenken gehen danach weiter – in Ruhe und mit offenem Blick.
Nicht aus Angst, sondern aus Liebe zur Wahrheit.

In diesem Sinne: Taucht tief in Gottes Wort ein und prüft alles im Licht Seiner Wahrheit.


Ein gesegnetes Weihnachtsfest wünscht euch,

Eure Lizzy



Fußnoten

 

Wort in eigener Sache: Die Amazon-Links sind keine Affiliate-Links und auch keine Kaufempfehlung. Sie dienen nur der Transparenz für alle, die das Thema weiter vertiefen wollen.

1.    Dominion! C. Peter Wagner,– https://amzn.eu/d/iYXKJE7

2.    https://www.gotquestions.org/seven-mountain-mandate.html

3.    https://en.wikipedia.org/wiki/Seven_Mountain_Mandate

4.    https://www.gotquestions.org/New-Apostolic-Reformation.html

5.    https://en.wikipedia.org/wiki/Dominion_theology

6.    https://www.christianity.com/wiki/end-times/what-7-mountains-of-influence.html

7.    https://ethosinstitute.sg/seven-mountains-mandate/

8.    https://www.thegospelcoalition.org/article/seven-mountain-mandate/

9.    https://www.biblegateway.com/passage/?search=Revelation+5&version=ESV

10. https://www.biblegateway.com/passage/?search=1+Peter+1%3A23&version=ESV

11. https://religioninpublic.blog/2024/05/13/belief-in-the-7-mountain-mandate-appears-to-be-growing-in-the-last-year/

12. https://e-a-l.eu/welcome/sevenmountains

13. Invading Babylon: The 7 Mountain Mandate, Lance Wallnau & Bill Johnson – https://www.amazon.com/Invading-Babylon-Mountain-Mandate-Reclaiming/dp/1621362685/


Bilderquellen:

https://dailyverses.net/de

https://www.bible.com/de

https://chatgpt.com






Freitag, 5. Dezember 2025

Die Sache mit dem geteilten Haus: Ein Abend zwischen Nachrichten, der Sofa-Bibel und kleinen Offenbarungen

Hallo meine lieben Leser, ich muß mich mal wieder um die Funkstille entschuldigen. Im Moment geht es bei der Familie Faithful auf allen Fronten rund. Ich arbeite gerade am Beitrag über das 7-Berge-Mandat, habe viel zu lesen, viel zu recherchieren – und dann alles vom Kopf aufs Papier, oder besser gesagt auf den Bildschirm, zu bekommen, ist nicht leicht, deshalb kam der Beitrag verspätet.

Was macht man also, wenn das Leben stürmt? Na klar: man taucht noch tiefer in das Wort Gottes ein und betet oft auch etwas intensiver.

Gestern Abend saß ich im Wohnzimmer, während Mr. Faithful die Nachrichten laufen hatte. Und wie so oft in letzter Zeit kann man nur den Kopf schütteln über den Zustand dieser Welt und darüber, wie weit die Menschheit von Gott abgefallen ist. Traurig… Als es mir schließlich zu viel wurde, zog ich mich mit meiner Bibel zurück.



Als ich es mir dann gemütlich gemacht hatte und zu lesen begann, ging mir mal wieder ein Licht auf. Ist es nicht wunderbar, wie viel man in diesem Buch finden kann? Wie sehr es uns durch alle Lebensphasen begleitet? Und ich könnte fast schwören, dass die lieben Engel des HERRN die Bibel jede Nacht ein wenig „umschreiben“ (das tun sie natürlich nicht), denn selbst nach fast 20 Jahren Bibellesen und Studium entdecke ich Dinge, die ich noch "nie" gelesen habe, oder so noch nie verstanden habe. 

Das erinnert mich immer wieder an eine Wahrheit, die im Hebräerbrief 4,12 (Menge 2020) so treffend formuliert ist:

„Denn lebendig ist Gottes Wort und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert; es dringt hindurch, bis es scheidet Seele und Geist, Gelenke und Mark, und ist ein Richter der Regungen und Gedanken des Herzens.“

Dieser Vers beschreibt perfekt, was im Herzen eines Gläubigen passiert, wenn es auf das Wort Gottes trifft. Es bleibt nie nur „Text auf einer Seite“ – es arbeitet in uns, deckt auf, tröstet, korrigiert und richtet aus. Und manchmal, wie gestern Abend, bringt es Dinge ans Licht, die ich vorher nicht einmal gesucht habe.


Ich las dann im Markus-Evangelium weiter – diesmal in der HFA (Hoffnung für Alle), meiner gemütlichen „Sofa-Version“ (wenn die Studienbibel Feierabend hat) – und stieß dabei auf zwei kurze Verse die mich besonders ansprachen. Der ganze Abschnitt ist länger, und der ursprüngliche Zusammenhang ist ein anderer, aber das Prinzip, das Jesus hier nennt, bleibt wahr: Ein geteiltes Haus hält nicht.

Markus 3, 24–25 (HFA)

24 Ein Staat kann nicht bestehen, wenn in ihm verschiedene Herrscher um die Macht kämpfen.

25 Eine Familie, die ständig in Zank und Streit lebt, bricht auseinander. 

Mit den Nachrichten noch frisch im Kopf traf mich eine kleine Offenbarung. Dies ist die Welt, in der wir leben. Die Menschen sind uneins miteinander, wir erleben extreme Gegensätze und harte Fronten. Politisch, sozial, familiär und zwischenmenschlich. Es scheint mir, als wären Europa und viele andere Länder des Westens so zerrissen, dass ihr Fundament bröckelt. Zivilisierter Austausch ist kaum noch möglich. Familien zerbrechen nicht an Gewalt oder tiefen Traumata, sondern an Meinungen. An Worten. An unterschiedlichen Weltanschauungen. Und ja, es bricht mir das Herz.

Da sah ich gestern Abend wieder ganz deutlich: Wir versuchen, eine Welt zu reparieren, während wir gleichzeitig die tragenden Balken herausreißen. Wir reden über Werte, Systeme, Programme und Reformen – aber kaum jemand spricht über DEN, der wirklich die Macht hat, ein Herz zu heilen und ein Haus wiederaufzurichten. Ohne Christus bleibt alles Stückwerk.


Und so wurde mir einmal mehr als deutlich:
Ich kann dieses Weltchaos nicht lösen. Ich rette keine Nation, ich repariere keine Kultur, und ich klebe auch keine zerbrochenen Familien zusammen. Und ich muß erst recht nicht versuchen, für Gott Aufgaben zu übernehmen, die Er mir nie gegeben hat. Gott beruft jeden anders. Manche stehen in Politik oder Theologie, andere tragen ihren Teil im Verborgenen – zu Hause, im Beruf, in der Gemeinde. Das spielt keine Rolle. Was zählt, ist Treue. Treue in genau der Berufung, die Christus jedem einzelnen gegeben hat. Dort sind wir Salz. Dort sind wir Licht. Und nur dort wirkt Gott durch uns.

Und wenn wir ehrlich sind: Ja, das würde vieles verändern, wenn jeder Christ tatsächlich so leben würde. Vielleicht mehr, als wir ahnen. Aber eines ist sicher: Die Welt retten ist nicht unser Job. Das macht Jesus – und nur ER. Unser Auftrag ist klar und nicht verhandelbar: das Evangelium weitergeben. Punkt. Die Ewigkeit ist eine sehr lange Zeit, und wo unsere Familie, unsere Nachbarn und wir selbst sie verbringen, hängt daran, ob wir Jesus als Heiland annehmen oder nicht.

Ich habe keine großartige Menschenweisheit anzubieten, aber ich weiß eines: Jesus wird am Ende alles ordnen. Wie weiß ich das? Weil ER es versprochen hat – in Seinem Wort. Und was Gott verspricht, das hält Er.

Bis dahin bin ich eben eine müde Bloggerin mit zeitlichen Verzögerungen, die sich an Christus festhält und Schritt für Schritt weiterschreibt. Und deswegen arbeite ich weiter am 7-Berge-Mandat-Beitrag – auch wenn es etwas dauert. Danke, dass ihr mir die Zeit gebt und mich begleitet.

 

In diesem Sinne, taucht tief in Gottes Wort ein und prüft alles im Licht Seiner Wahrheit. 


Eure Lizzy



Dienstag, 11. November 2025

Wenn die Kinder flügge werden – Gedanken einer Mama, Teil 1

So, es ist so weit. Fräulein Faithful hat einen ernsthaften Freund. Einmal tief durchatmen, Mister & Misses Faithful – es liegt in Gottes Händen.

Was bedeutet das nun für unsere Familie? Ich sage euch zuerst, was es nicht bedeutet, und bitte, lest bis zum Ende. Man sagt ja oft, man gewinnt einen Sohn dazu – das klingt schön, aber eigentlich gewinnen wir etwas anderes: eine neue Familie, die ihre eigenen Flügel bekommt. Gott hat gesagt:

„Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und sie werden ein Fleisch sein.“ 1. Moses 2,24

Wenn unsere Kinder ihre eigenen Wege gehen, verändert sich auch unsere Rolle. Aus Eltern werden Begleiter, aus der Familie wird eine erweiterte Familie. Die Liebe bleibt, aber sie zeigt sich anders – mit mehr Vertrauen und weniger Eingreifen.

 


Die junge Familie wird ihre eigenen Traditionen schaffen, eigene Regeln für ihren Haushalt und ihre Finanzen haben. Wir dürfen beratend zur Seite stehen, aber nur, wenn wir um Rat gebeten werden. Der junge Mann übernimmt Verantwortung für seine Familie, und beide – Mann und Frau – tragen sie gemeinsam mit Liebe und gegenseitigem Respekt. Ihre Loyalität gilt nun einander, und unsere Aufgabe ist es, das zu achten und ihnen Raum zu geben, ihren Weg zu finden.

Etwas, das Eltern ebenfalls bedenken sollten, ist, dass auch die Familie des Partners nun Teil des Ganzen wird. Aus zwei Familien entsteht eine größere Gemeinschaft, die das junge Paar umgibt und trägt. Und noch etwas Wichtiges: Wie oft man sich sieht, hat oft nichts mit Zuneigung zu tun, sondern einfach mit Gelegenheit zu räumlicher Nähe.

Es ist ein neuer Lebensabschnitt – für die Kinder, aber auch für uns Eltern. Es ist die Zeit, loszulassen, Vertrauen zu lernen und Gott die Führung zu überlassen. Denn ER ist es, der ihre Wege lenkt, so wie ER auch unsere führt.

Ich weiß, dass ich all das selbst noch lernen muss. Manches klingt in Worten leichter, als es im Herzen schon angekommen ist. Aber ich bete, dass Gott mir die Ruhe, die Weisheit und das Vertrauen schenkt, auch diesen neuen Abschnitt mit Liebe zu leben.


In diesem Sinne Eure Lizzy

Montag, 27. Oktober 2025

Dominionismus - Das Reich Gottes – oder das Reich der Menschen?

Eine theologische Spurensuche zwischen Dominionismus, „Kingdom Now“ und esoterischen Verheißungen

Es ist leicht, in unserer Zeit den Überblick zu verlieren.
Die Welt scheint aus den Fugen geraten – moralisch, geistlich, politisch. Viele Christen fragen sich, was sie tun sollen: stillhalten und warten – oder aufstehen und die Welt „für Gott zurückerobern“?

Und genau hier beginnt eine gefährliche Verwechslung, die heute unter Namen wie Dominionismus, Kingdom Now („Königreich jetzt“) oder dem 7-Berge-Mandat läuft.

Definition:
Der Dominionismus (von dominion = Herrschaft) ist eine theologische Lehre, die besagt, dass Christen berufen seien, die Herrschaft über die Welt auszuüben, um das Reich Gottes schon jetzt auf Erden zu errichten –im Gegensatz zur biblischen Lehre, dass dieses Reich erst mit der Wiederkunft Christi kommt.

Der Theologe Mike Oppenheimer beschreibt diese Strömungen sehr treffend. Ich stimme ihm in fast allem zu, weil ich ähnliche Tendenzen selbst beobachtet habe – und manches davon sogar in der Esoterik schon gehört hatte, bevor ich Christ wurde. Damals hieß es nur anders.

 


Vom Reich Gottes zum Reich der Kirche

Was im Dominionismus gelehrt wird, ist letztlich die Vorstellung, dass die Kirche selbst das Reich Gottes auf Erden aufbauen und vollenden müsse - nicht Christus, sondern die Gemeinde als Werkzeug göttlicher Herrschaft. Diese Idee wurzelt in der „Latter Rain“-Bewegung der späten 1940er-Jahre.
Dort entstand das Konzept, dass die Gläubigen durch „geistliche Kriegsführung“, „Dekrete“ und das „Erobern aller gesellschaftlichen Bereiche“ die Wiederkunft Jesu vorbereiten sollen.

Das klingt zunächst edel – wer möchte nicht eine bessere Welt? Sollen wir nicht als Christen unser Umfeld prägen und Licht sein? Ja, aber in dieser Lehre verschiebt sich der Kern des Evangeliums: Jesus sprach nie davon, dass die Gemeinde die Welt beherrschen soll, sondern dass sie treu bezeugen soll, bis Er kommtWenn wir jedoch glauben, wir müssten das Reich erst vorbereiten, damit Jesus wiederkommen kann, dann wird Er – nach dieser Logik – niemals wiederkommen. Denn das Reich Gottes ist kein menschliches Projekt, sondern das Werk des Königs selbst.

" ...denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit, die sie vor Gott haben sollten" Römer 3,23 SCH2000

In der Kingdom Now-Theologie heißt es dagegen:

„Christus wird erst dann zurückkehren, wenn die Kirche alle Nationen unterworfen und das Reich Gottes auf Erden etabliert hat.“

Ern Baxter, ein einflussreicher Sprecher dieser Bewegung, sagte 1975:

„Gottes Volk wird Herrschaft ausüben … Sie werden die diabolischen Fürstentümer stürzen … und die Regierung Gottes auf Erden bringen.“²

Franklin Hall, ein weiterer Latter-Rain-Leiter, schrieb schon 1966:

„Die Söhne Gottes werden alle Nationen mit eisernem Zepter regieren.“³

Doch genau das – die Herrschaft mit eisernem Zepter – gehört nach der Bibel Christus allein (Offb 12,5).



Herrschen statt Dienen? – Wie Bibelstellen für das falsche Reich missbraucht werden

Was diese Lehre so gefährlich macht, ist nicht nur ihr Ziel, sondern ihre scheinbar biblische Begründung. Wer die Argumente hört, könnte leicht denken, das alles stehe so in der Bibel. Und tatsächlich berufen sich die Vertreter des Dominionismus auf mehrere Verse, die sie – aus dem Zusammenhang gerissen – als Auftrag zur Weltherrschaft der Kirche deuten.

Der wichtigste Vers, der fast immer genannt wird, steht ganz am Anfang der Bibel:

„Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan; und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel des Himmels und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“
(1. Mose 1,28)

Hier begann – so sagen sie – der Herrschaftsauftrag des Menschen, das sogenannte Mandat der Schöpfung (Dominion Mandate). Sie behaupten, dieser Auftrag sei nie aufgehoben worden und müsse jetzt durch die Kirche wiederhergestellt werden.1

Doch dieser Vers spricht nicht von geistlicher Herrschaft, sondern von Verantwortung über die Schöpfung – als Verwalter, nicht als Eroberer. Er wurde Adam und Eva gegeben, nicht, um über andere Menschen zu herrschen, sondern um die Erde treu zu bebauen und zu bewahren.

Ein weiterer Schlüsselvers, der häufig verwendet wird, ist Jesu Aussage an Petrus:

„Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; und was du auf Erden binden wirst, das soll auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das soll auch im Himmel gelöst sein.“
(Matthäus 16,19)

Für Dominionisten bedeutet das: Jesus habe der Kirche die „Herrschaftsschlüssel“ der Welt zurückgegeben, die Adam einst an Satan verloren habe.2 Doch auch hier geht es nicht um politische Macht oder irdische Autorität – sondern um die Verkündigung des Evangeliums und die Vollmacht, Sünden zu vergeben durch das Evangelium von Christus (Joh 20,23). Nicht die Kirche erlöst die Welt – Christus allein tut es.

Ebenfalls oft zitiert wird das sogenannte „Vaterunser-Mandat“:

„Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.“
(Matthäus 6,10)

Dominionisten verstehen das als Aufforderung, Gottes Reich aktiv auf Erden herzustellen – als wäre das Gebet ein Befehl an uns, das Himmelreich sichtbar zu machen. Doch Jesus lehrte uns nicht, das Reich zu bauen, sondern nach ihm zu verlangen.3 Das Gebet drückt Sehnsucht aus, nicht Strategie. Es ist eine Bitte, kein Befehl.

Schließlich greifen sie gerne auf Psalm 110,1–2 zurück:

„Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde hinlege als Schemel deiner Füße! Der HERR wird das Zepter deiner Macht ausstrecken von Zion: Herrsche inmitten deiner Feinde!“

Hier sagen sie: Das Zepter sei nun der Gemeinde übergeben worden. Doch der Text spricht von Jesus, nicht von der Kirche.4 Er ist prophetisch auf Christus bezogen, der eines Tages selbst wiederkommen und herrschen wird (vgl. Hebr 1,13). Wir leben heute in der Zeit der Gnade, nicht der Herrschaft.

In all diesen Beispielen zeigt sich dasselbe Muster: Aus der Berufung, Verwalter zu sein, wird ein Anspruch auf  Herrschaft gemacht. Aus der Bitte „Dein Reich komme“ wird das Programm „Wir bauen es selbst“. Und aus der Erwartung der Wiederkunft Christi wird die Behauptung: Er kommt erst, wenn wir alles vorbereitet haben.

Doch das Reich Gottes ist nicht das Werk der Menschen – es ist das Werk des Königs selbst.


Geistliche Kriegsführung – oder menschliche Macht?

Im dominionistischen Denken wird geistlicher Kampf oft zu einem Instrument, um „Machtgebiete“ einzunehmen. Man spricht über „Fürstentümer über Städten“, „Dekrete“ und „Gebetsregierungen“. Doch was ursprünglich geistlich gemeint war, wird zur Strategie für geistliche Kontrolle – bis hin zur Idee einer „Gottesregierung auf Erden“.

C. Peter Wagner, einer der bekanntesten Köpfe dieser Bewegung, sagte:

„Satan hat in unserer Gesellschaft zu viel Einfluss, weil er eine Regierung hat. Und die einzige Möglichkeit, eine Regierung zu stürzen, ist mit einer anderen Regierung.“⁴

Das bedeutet praktisch: Die Kirche soll selbst zur Regierung werden.
Aber Jesus sagte das Gegenteil:

Jesus aber rief sie zu sich und sagte: »Ihr wißt, daß die weltlichen Herrscher sich als Herren gegen ihre Völker benehmen und daß ihre Großen sie vergewaltigen. Bei euch aber darf es nicht so sein; wer unter euch als Großer dastehen möchte, der muß euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein möchte, der muß euer Knecht sein, (Matthäus 20,25–27)

Ein anderes Reich – und ein anderer Christus

Als ich mich später mit der Geschichte dieser Lehren beschäftigte, war ich ehrlich erschrocken.
Vieles, was heute als „prophetische Offenbarung“ in charismatischen Kreisen auftaucht, habe ich früher in der Esoterik gelesen. Eine der zentralen Figuren dort war Alice Bailey – eine Okkultistin, die behauptete, ihre Lehren von einem „aufgestiegenen Meister“ (oder auch Höheres Selbst oder Geistlicher Führer) empfangen zu haben.

Bailey sprach schon in den 1930er-Jahren von einem kommenden „Reich Gottes auf Erden“ und schrieb:

„Christus kam, um das Reich Gottes auf Erden zu gründen … Sein Auftrag ist nicht gescheitert. Das Reich ist jetzt organisiert auf Erden.“¹⁰–¹²

Ich erinnere mich, wie verlockend das damals klang:
Ein Reich ohne Gericht, ohne Kreuz, ohne Umkehr – einfach eine neue, erleuchtete Menschheit.
Heute erkenne ich: Das war nicht der Heilige Geist. Es war dieselbe alte Versuchung aus Eden – „Ihr werdet sein wie Gott.“

Bailey forderte, die Kirche solle ihre Dogmen „sprengen“, den „wahren inneren Sinn“ lehren und das „Reich hier und jetzt materialisieren“.⁹,¹³
Sie sprach sogar davon, dass „die wahren Kinder Gottes erscheinen werden, um die Menschheit zu führen“.¹⁴

Das klingt erschreckend ähnlich zu den sogenannten „manifestierten Söhnen Gottes“, die in der Latter-Rain-Bewegung als endzeitliche Übermenschen gelten.
Doch Bailey meinte damit nicht Wiedergeburt aus dem Geist Gottes, sondern „seelengelenkte“ Menschen – also nach ihrer Sicht Wesen, die sich durch höhere Energien (sprich: Geister) führen lassen.¹⁶

 


Gleiche Sprache, anderer Geist

Mike Oppenheimer beschreibt diesen Zusammenhang sehr treffend:
Die okkulte Vision Baileys und die „Kingdom Now“-Theologie haben die gleiche Richtung, nur mit christlicher Sprache.

Bailey sprach davon, die Kirche müsse ihr „äußeres Erscheinungsbild bewahren“, um viele zu erreichen, aber ihre Lehre von innen heraus verändern.⁹
Genau das sehen wir heute, wenn unter dem Schlagwort „Reich Gottes“ oder „Transformation der Kultur“ ein anderer Geist verkündet wird – ein Geist, der den König ersetzt durch das Kollektiv.

Jesus sagte: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ (Joh 18,36)
Alice Bailey sagte: „Das Reich ist diese Welt.“

Das sind zwei völlig gegensätzliche Evangelien.

 

 Mein persönlicher Gedanke dazu

Ich schreibe das nicht als Außenstehende.
Ich weiß, wie schnell man von der Sehnsucht nach Licht und Veränderung in eine spirituelle Täuschung hineingeraten kann. Ich selbst war jahrelang verblendet und dachte „die Wahrheit“ zu leben. Ich glaubte mich Weise, Verständnisvoll und voller Liebe aber ich war das Gegenteil. Ich war Arrogant, Verurteilend und sah auf weniger „Erleuchtete“ Menschen herab, wenn ich heute darüber nachdenke bin ich von mir selbst entsetzt… Aber Gott. Mein Herr und Retter hat seine Hand zu mir ausgestreckt und geduldig gewartet bis ich bereit war, und ich kann gar nicht sagen wie Dankbar ich bin das die Zeit für mich gereicht hat. Dies ist einer der Gründe warum ich mit diesem Block anfing, ich wollte aufschreiben wie leicht es ist von dieser Welt verführt zu werden, wie schnell man in die Falle des Teufels tappen kann ohne es zu merken.


Die Vorstellung, wir könnten die Welt erlösen, gibt einem das Gefühl von Macht – aber sie nimmt einem den Blick auf den, der allein rettet.

Das Reich Gottes beginnt nicht mit Herrschaft, sondern mit Demut und Umkehr.
Es wird nicht durch Dekrete errichtet, sondern durch das Wirken des Heiligen Geistes im einzelnen Herzen.
Es kommt nicht von unten nach oben – sondern von oben nach unten, wenn Christus wiederkommt.


Wenn ich heute auf diese Entwicklungen blicke, dann erkenne ich darin dieselbe Versuchung, die mich einst gefangen hielt – nur in frommer Sprache.
Damals hieß es „Aufstieg ins höhere Bewusstsein“, heute nennt man es „die Welt für Christus gewinnen“.
In beiden Fällen steht am Ende dieselbe Idee: der Mensch baut das Reich selbst.

Doch jedes Reich, das von Menschenhand errichtet wird, trägt den Samen seines Untergangs bereits in sich.
Und genau das sehen wir auch bei den neuen Bewegungen, die sich aufmachen, ganze Gesellschaftsstrukturen „für Gott“ einzunehmen.
Eine davon ist das sogenannte 7-Berge-Mandat – ein Konzept, das auf den ersten Blick engagiert und mutig klingt, bei näherem Hinsehen aber dieselbe falsche Grundlage hat: den Menschen auf dem Thron statt Christus.

 

Bevor ich darauf eingehe, möchte ich jedoch einen Moment innehalten.

Mir ist bewusst, dass diese Themen fordernd sind – nicht nur theologisch, sondern auch geistlich.
Ich lese, prüfe und bete mich seit Wochen durch Bücher und Vorträge von Leuten wie C. Peter Wagner und anderen, um wirklich zu verstehen, was dahinter steckt.

Ich möchte weder mich noch meine Leser überfordern, sondern die Dinge Schritt für Schritt beleuchten. Darum werde ich im nächsten Teil der Serie genauer hinschauen, woher das 7-Berge-Mandat kommt, was es wirklich bedeutet – und warum es so viele Christen heute verführt, es für das Reich Gottes zu halten.

 

In diesem Sinne, taucht tief in Gottes Wort ein und prüft alles im Licht Seiner Wahrheit. 



Eure Lizzy

 

 

Quellen und Literatur

Die angegebenen Quellen dienen zur theologischen Einordnung und sind, soweit möglich, aus den Originaltexten geprüft.

1 https://www.lighthousetrails.com/false-signs-wonders/2011-booklet-dominionism-kingdom-now-and-what-does-the-bible-say.html (leicht vereinfacht aus Oppenheimer booklet 2019)
² Ern Baxter, National Men’s Shepherds Conference, Kansas City 1975, zit. nach Ikenyirimba Udochukwu Marcon, The Final Dispensation (Lulu 2015).
³ Franklin Hall, Subdue the Earth, Rule the Nations (Phoenix AZ: Franklin Hall Ministries, 1966), S. 57.
⁴ C. Peter Wagner, Arise Prophetic Conference, San Jose CA, 2004; vgl. The Church in the Workplace (2006).
⁹ Alice Bailey, The Externalization of the Hierarchy (New York: Lucis Publishing, 1957), S. 510–511.
¹⁰–¹² Alice Bailey, From Bethlehem to Calvary (New York: Lucis Publishing, 1937), S. 28, 227, 281.
¹³ ebd., S. 210.
¹⁴ Alice Bailey, Esoteric Psychology I (New York: Lucis Publishing, 1962), S. 291–292.
¹⁶ Bailey, Externalization of the Hierarchy, S. 588.

Bildquellen: KI generiert (ChatGPT)

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